mini|Kriegszug der Khmer, Angkor, spätes 12. Jahrhundert mini|Elefant als Arbeitstier wie andere Tiere im Ersten Weltkrieg

Kriegselefanten waren vor allem in Indien, aber auch in anderen Teilen Asiens, Afrikas und Europas eingesetzte Asiatische, seltener Afrikanische Elefanten (Ptolemäisches Ägypten, Karthago, Rom), die zu Kriegszwecken bemannt und teils gerüstet wurden. Nach Lair (1997) dienten die meisten Elefanten, die in Kriegen eingesetzt wurden, in Wirklichkeit nur zu Transportzwecken, und nur relativ wenige mussten wirklich an Schlachten teilnehmen.„The vague term ‘war elephant’, used by many writers, has created endless misunderstanding because most ‘war elephants’ were non-combatant transport animals, with only a few being actual ‘battle elephants’“. Siehe Introduction, Abschnitt: The palace traditions, in: Richard C. Lair: Gone Astray - The Care and Management of the Asian Elephant in Domesticity. Food and Agriculture Organisation of the United Nations (FAO), Forestry Department, Rome, Italy and Forestry Department Group, Regional Office for Asia and the Pacific (RAP). Printed by Dharmasarn Co., Ltd., Bangkok, 1997 (englisch; Abruf am 29. Juli 2024) Dabei wurden männliche Tiere bevorzugt,Jedoch berichten mehrere antike Autoren, dass in Schlachten auch Kühe mit Kälbern zum Einsatz kamen, s. Howard Hayes Scullard: The Elephant in the Greek and Roman World 1974, S. 112 f. da sie erheblich größer und, insbesondere in der Musth, aggressiver als die weiblichen Tiere sind, und im Falle der asiatischen Art nur Männchen Stoßzähne tragen.Thomas R. Trautmann. Elephants and Kings. An Environmental History, The University of Chicago Press, Chicago 2015, S. 53 f. Bis auf wenige Ausnahmen wurden Kriegselefanten nicht gezüchtet, sondern in freier Wildbahn eingefangen und gezähmt (siehe: Phajaan).

Geschichte Anfänge mini|Elefantensiegel aus dem Industal im Indian Museum Etwa 4000 Jahre alte Siegeldarstellungen aus der Indus-Kultur, auf denen möglicherweise Elefanten mit Reitdecken abgebildet sind, werden häufig als frühestes Indiz für die Zähmung der Tiere angeführt. In der Fachliteratur ist diese Deutung jedoch umstritten, da sich unter den zahlreichen Elefantenabbildungen aus jener Zeit keine Darstellung eines Reiters findet.Thomas R. Trautmann. Elephants and Kings. An Environmental History, The University of Chicago Press, Chicago 2015, S. 87–95 In den Schlachtenerzählungen der Rigveda spielen Kriegselefanten keine Rolle,Thomas R. Trautmann. Elephants and Kings. An Environmental History, The University of Chicago Press, Chicago 2015, S. 97 und erst in späterer Sanskrit-Literatur wird diese Erfindung in mythische Urzeit vordatiert.Thomas R. Trautmann. Elephants and Kings. An Environmental History, The University of Chicago Press, Chicago 2015, S. 112 Auch wenn die genauen Anfänge des Kriegselefanten somit im Dunkeln liegen, sind sie spätestens um 500 v. Chr. in nordindischen Heeren etabliert.Thomas R. Trautmann. Elephants and Kings. An Environmental History, The University of Chicago Press, Chicago 2015, S. 68 f. Von Indien aus wurden die Elefanten ins Perserreich importiert und von den Achämeniden in mehreren Feldzügen eingesetzt.

Hellenistische Welt Es gilt als wahrscheinlich, dass Europäer erstmals in der Schlacht von Gaugamela (heute Tel Gomel im nördlichen Irak) am 1. Oktober 331 v. Chr. auf Kriegselefanten trafen. Fünfzehn Tiere waren im Zentrum der persischen Linien postiert. Die Elefanten machten einen so großen Eindruck auf die makedonischen Truppen, dass Alexander der Große sich genötigt sah, dem Gott der Angst in der Nacht vor der Schlacht zu opfern. Die Kriegselefanten spielten in der Schlacht dann keine große Rolle. Im Fortlauf seines Perserzugs erkannte Alexander aber den Nutzen von Kriegselefanten und integrierte sie auch in seine Armee. Fünf Jahre später, in der Schlacht am Hydaspes am gleichnamigen indischen Fluss, hatte Alexander bereits große Erfahrung im Umgang mit Kriegselefanten und konnte die Schlacht, wenn hier auch ohne eigene Elefanten, für sich entscheiden.

Das Wissen über den militärischen Nutzen von Kriegselefanten verbreitete sich schnell über die damalige Welt. Die Diadochen verfügten in ihren Kriegen bereits über Hunderte von Elefanten: Seleukos I. schloss einen Vertrag mit König Chandragupta Maurya ab, der ihm im Gegenzug für einige umstrittene Territorien 500 indische Kriegselefanten überließ. Überhaupt wurden die Elefanten zu einer beliebten Waffe in der hellenistischen Welt.

Ptolemaios III. rühmte sich in einer Inschrift, gemeinsam mit seinem Vater Ptolemaios II. persönlich am Oberlauf des Nils Elefanten gefangen zu haben, um sie erstmals für den Kampfeinsatz zu dressieren. In der Schlacht von Raphia trafen dann im Jahr 217 v. Chr. die 102 indischen Kriegselefanten des Antiochos III. auf 73 afrikanische Kriegselefanten des Ptolemaios IV. Aus der überlieferten Unterlegenheit der afrikanischen Tiere wird häufig gefolgert, dass die eingesetzten afrikanischen Tiere die kleineren Waldelefanten waren, die taxonomische Zuordnung des Nordafrikanischen Elefanten ist aber umstritten. Auch wird diskutiert, ob die eingesetzten Tiere asiatische Elefanten waren, welche Ptolemaios III. zuvor bei einem Feldzug gegen Seleukos II. erobert hatte. Tatsächlich ergab eine Genanalyse der letzten überlebenden Elefanten im Barka Gebiet – dem Gebiet, aus dem die ptolemäischen Elefanten gestammt haben dürften – jedoch, dass es sich bei ihnen um ganz gewöhnliche afrikanische Elefanten handelt – Hinweise auf eine Kreuzung mit Waldelefanten oder gar asiatischen Elefanten waren nicht erkennbar.

Römisches Reich und Sassanidenreich mini|Henri-Paul Motte: Hannibals Elefanten in der Schlacht von Zama (202 v. Chr.). Historiengemälde des 19. Jahrhunderts. In den nächsten Jahrhunderten fanden Kriegselefanten auch im Krieg gegen das Römische Reich Verwendung. Die erste Begegnung Roms mit Kriegselefanten geschah in der Schlacht von Heraclea 280 v. Chr. gegen Pyrrhus. Der bekannteste Feldherr, der Kriegselefanten gegen Rom einsetzte, war der Karthager Hannibal. Berühmt geworden ist vor allem seine Überquerung der Alpen mit 37 hauptsächlich afrikanischen, aber auch mindestens einem indischen Elefanten im Jahre 218 v. Chr. Doch nach der verlustreichen Überquerung der Alpen und der Schlacht an der Trebia hatte er bei der Schlacht am Trasimenischen See nur noch einen einzigen Elefanten zur Verfügung. Er befehligte die Schlacht von diesem indischen Elefanten mit Namen Surus aus, von dem aber während seines weiteren Feldzugs in Italien keine Rede mehr war. Bei der Schlacht von Cannae 216 spielten Elefanten dann keine Rolle mehr. Sein Bruder sollte noch einige Kriegselefanten von Spanien zur Verstärkung bringen, wurde jedoch unterwegs in der Schlacht am Metaurus vernichtend geschlagen. Ob danach auf dem Seeweg noch einmal Elefanten von Afrika nach Italien gelangten, ist unklar. In Hannibals letzter Schlacht, der Schlacht von Zama im Jahre 202 v. Chr., wieder auf afrikanischem Grund, wurde jedenfalls deutlich, dass die hier eingesetzten, noch nicht fertig trainierten Elefanten der Karthager vor den römischen Fanfaren scheuten. Zudem war ihr Einsatz ineffektiv, da die Römer offenbar Gassen für die Elefanten bildeten und somit nur wenige Soldaten niedergetrampelt wurden. 156 Jahre später, in der Schlacht bei Thapsus am 6. Februar 46 v. Chr., bewaffnete Julius Caesar seine Legio V Alaudae mit Äxten und gab Anweisung, auf die Beine der Tiere einzuschlagen. Die Legion war siegreich und wählte fortan den Kriegselefanten zu ihrem Wappentier. Die Schlacht bei Thapsus gilt als der letzte große Einsatz von Kriegselefanten im westlichen Kulturkreis.

In der Spätantike setzten, so berichten uns Ammianus Marcellinus, Prokopios von Caesarea und arabische Autoren, insbesondere die Sassaniden Kriegselefanten ein, unter anderem auch in den Kämpfen gegen die Römer, insbesondere während des Perserfeldzugs Julians sowie durch Mihr-Mihroe bei Belagerungen in Lasika. In der Schlacht von Avarayr (451 n. Chr.) wurden sie von den Sassaniden gegen die Armenier eingesetzt, in der Schlacht von Kadesia (636 n. Chr.) gegen die Araber.Siehe auch Michael B. Charles: ELEPHANT ii. In the Sasanian Army. In: Encyclopaedia Iranica.

Für das im Norden des heutigen Äthiopien gelegene Aksumitische Reich ist der Einsatz von Kriegselefanten bis zu seinem Untergang im 7. Jahrhundert belegt. Nonnosos kam als Gesandter Justinians Mitte des 6. Jahrhunderts von Konstantinopel nach Aksum und schätzte die Zahl der wilden Elefanten im äthiopischen Hochland auf etwa 5000. Sure 105 im Koran („Der Elefant“) begründet sich auf einem Feldzug des christlichen Königs Abraha, der Himyar im heutigen Jemen dem Aksumitischen Reich einverleibte, mit 13 Elefanten gegen Mekka im „Jahr des Elefanten“, das in der arabischen Tradition mit dem Geburtsjahr Mohammeds gleichgesetzt wird.

Mittelalter mini|Mittelalterliche Darstellung eines Kriegselefanten (British Library, 13. Jahrhundert) mini|Fresko eines Kriegselefanten im Brixner Domkreuzgang, 14. Jahrhundert Im europäischen Mittelalter wurden keine Kriegselefanten verwendet, da die Europäer auch kaum mit diesbezüglich ausgerüsteten Truppen in Kontakt kamen. Friedrich II. konnte sich während der Kreuzzüge eines Kriegselefanten bemächtigen, der später in der Stadt Cremona verblieb.

Indien und Südostasien mini|Mogulkaiser Akbar I. bändigt einen Elefanten, Bild um 1609/1610

Auf dem indischen Subkontinent kamen Kriegselefanten über einen besonders langen Zeitraum bis weit in die Frühe Neuzeit hinein zum Einsatz. Das indische Heer bestand aus vier Abteilungen: Elefanten, Streitwagen, Reiter und Fußvolk. In altindischen Elefantenheilkunden (Hasti-Shastra, vgl. auch Manasollasa) wird die magische Kraft der Elefanten beschworen, die alle vom göttlichen Airavata abstammen. So wird an einer Stelle gelehrt, ein gut ausgebildeter Elefant sei in der Lage, 6000 Reiter in der Schlacht zu vernichten. Der Kampfwert eines Elefanten wurde dem von fünf Reitern oder 15 Fußsoldaten gleichgesetzt. Außerdem trugen sie den König in der Mitte des Heeres und die Kriegskasse, um die Truppen zu entlohnen. An den Außenseiten mancher indischen Stadt-, Festungs- und Palasttore befestigte man eiserne Stacheln und Beschläge, damit Kriegselefanten sie nicht einrammen konnten.

Der Einsatz von Kriegselefanten durch indische Armeen beendete fast die Serie von Timur Lenks Eroberungen. Im Jahr 1398 stand Timur einer Armee von über einhundert Kriegselefanten gegenüber und verlor fast wegen der bloßen Angst seiner Truppen. Timur konnte nur durch einen Trick gewinnen: Er band brennendes Stroh auf die Rücken seiner Kamele, die in die Linien der Inder preschten und die Elefanten in Panik versetzten, die ihre eigenen Herren niedertrampelten. Später verwendete Timur Lenk auch übergroße Krähenfüße zur Verteidigung gegen Kriegselefanten. Er begann aber auch, eigene Kriegselefanten in seine Armee zu integrieren und setzte diese im Krieg gegen das Osmanische Reich ein.

Auch in Südostasien wurden Kriegselefanten in den Armeen der historischen Reiche der Khmer (Angkor), der Thai (Sukhothai und Ayutthaya) und der Cham eingesetzt. mini|Denkmal des thailändischen König Naresuan auf Kriegselefant, Don Chedi, Thailand

Taktische Verwendung Steuerung Jeder Elefant wurde von einem Mann mittels eines mit einem Haken versehenen Stabes (Ankus) gelenkt. Der Führer soll aber nicht nur für das Lenken des Tieres verantwortlich gewesen sein, sondern trug auch ein Stemmeisen und einen Hammer bei sich. Das Eisen konnte, falls der Elefant in gefährliche Panik geriet und unkontrollierbar wurde, in das Rückenmark des Tieres geschlagen werden, um es auf diese Weise schnell zu töten.

Unbewaffneter Einsatz