mini|500px|Innere Anatomie einer Webspinne. Blick auf die Sagittalebene einer Spinne; Vorderleib Prosoma und Hinterleib Opisthosoma als größere morphologische Gliederungen

Die Webspinnen (Araneae) sind die bekannteste Ordnung der Spinnentiere (Arachnida), einer Klasse der Gliederfüßer (Arthropoda). Sie teilen sich weiter in Gliederspinnen (Mesothelae), Vogelspinnenartige (Mygalomorphae) und Echte Webspinnen (Araneomorphae) auf. Die Webspinnen bilden nach den Milben (Acari) die artenreichste Ordnung der Spinnentiere.

Der World Spider Catalog verzeichnete für die Ordnung 139 Familien mit 4504 Gattungen und 53.712 Arten (Stand: 21. Januar 2026).World Spider Catalog, Version 27 Naturhistorisches Museum Bern Abgerufen am 21. Februar 2026 In Deutschland wurden rund 1000 Webspinnenarten nachgewiesen.Insekten und Spinnen. Spinnen Nabu Abgerufen am 1. Januar 2025

Bau der Webspinnen mini|Unterseite einer Gartenkreuzspinne mini|hochkant=1.2|Schematische Darstellung von Unterseite und Kopf einer weiblichen, ecribellaten Spinne aus der Ordnung der Entelegynae

Webspinnen haben wie alle Spinnentiere acht Beine (also vier Laufbeinpaare) – im Unterschied zu den Insekten (Insecta), die nur sechs Beine haben. Kopf und Brust sind bei ihnen zu einem Stück, dem sogenannten Prosoma (Cephalothorax) verschmolzen. Darauf folgt der ungegliederte, gestielte und meist deutlich größere Hinterleib, das Opisthosoma.

Die vorderen Gliedmaßen des Kopfes, die großen Kieferklauen (Cheliceren), dienen zum Ergreifen der Beutetiere. Sie enden mit einer Klaue, die sich wie die Klinge eines Taschenmessers einklappen lässt. In ihrer Spitze mündet der Ausführungsgang einer Giftdrüse. Das Gift fließt in die durch die Klaue geschlagene Wunde und tötet oder betäubt kleinere Beutetiere fast augenblicklich. Als zweite Kopfextremität folgen die Kiefertaster (Pedipalpen). Hierbei handelt es sich um sechsgliedrige Taster von der Form eines verkürzten Beins; beim Männchen in vielen Gruppen mit aufgetriebenem, als Begattungsorgan dienendem Endglied (Bulbus).

Es folgen am Prosoma vier Paar Laufbeine. Die Beine bestehen aus je sieben Gliedern (zur Benennung der Glieder siehe Gliedmaßen) und sind zusammen mit den Trichobothrien (Becherhaaren) ein wichtiges Sinnesorgan. Die bei den einzelnen Gattungen unterschiedlich langen und verschieden ausgeprägten Beinpaare enden bei vielen netzbauenden Webspinnen mit zwei kammartig gezahnten Klauen (Tarsalklauen) und einer Mittelklaue am Tarsus, durch die der Faden meist mit den hinteren Beinen geführt wird. „Modernen“ Laufspinnen (Dionycha) fehlt diese Mittelklaue. An ihre Stelle treten etwa bei den Springspinnen Scopulahaare in Büscheln, die durch Adhäsionskräfte selbst auf senkrechten Glasscheiben den Beinen sicheren Halt für einen katapultartigen Absprung geben.

Der Hinterleib ist durch einen dünnen Stiel (Petiolus, gebildet aus dem ersten Hinterleibssegment) mit dem Prosoma verbunden. Er trägt keine Beine. An der Bauchseite des Opisthosomas liegt die Geschlechtsöffnung, und seitlich von dieser befinden sich die beiden Stigmen (Spaltöffnungen) der als Atmungsorgane dienenden Buchlungen, ein zweites Stigmenpaar führt entweder bei Vogelspinnenartigen und anderen anatomisch ursprünglichen Webspinnen zu einem zweiten Paar Buchlungen oder bei den meisten Webspinnen zu einem röhrenförmigen Tracheensystem (in einigen Familien ist eines, oder beide Paare modifiziert, manchmal ganz zurückgebildet). Den After umgeben am Ende des Hinterleibs vier oder sechs Spinnwarzen, aus denen die Absonderungen der Spinndrüsen hervortreten. Letztere sind birnenförmige, zylindrische oder gelappte Schläuche. Ihr proteinhaltiges Sekret gelangt durch Hunderte feiner Röhrchen nach außen, an der Luft erhärtet es schnell zu einem Spinnfaden oder vielen. Mit den Fußklauen, wenn vorhanden, dem Calamistrum (einem Borstenkamm) und manchmal mit den Spinnspulen werden diese zu einem Netz oder Gespinst verwebt oder verklebt. Ebenfalls im Opisthosoma befindet sich das dorsale Herz der Spinne.

Sinnesorgane mini|Anordnung der Spinnenaugen in zwei Reihen mit Lagebezeichnungen mini|Mildes Dornfingerspinne (Cheiracanthium mildei): Kopf und Vorderkörper mit den Punktaugen, Pedipalpus und Kieferklauen

Das Nervensystem besteht aus dem Gehirn und einer Brustganglienmasse. Hinter dem Stirnrand stehen acht (seltener sechs) Punktaugen in einer nach den Gattungen und Arten verschiedenen Anordnung. Die Hauptaugen (das Paar der vorderen Mittelaugen, VMA) mit starrem Glaskörper befinden sich auf der Oberseite des Prosomas. Die Netzhaut der vorderen Mittelaugen ist durch einen bis sechs Muskeln seitlich verschiebbar, so dass das Gesichtsfeld erweitert wird. Eine Akkommodation findet nicht statt. Die VMA sind relativ gleichförmig gebaut. Sie verfügen wie etwa bei den Trichterspinnen über nur wenige bis hin zu vielen Sehzellen bei Springspinnen und Krabbenspinnen. Den sechsäugigen Spinnen (Dysderidae, Sicariidae, Oonopidae) fehlen die VMA.

Die drei Paar kleineren Nebenaugen – vordere Seitenaugen (VSA), hintere Seitenaugen (HSA) und hintere Mittelaugen (HMA) – sind wie bei den Säugetieren inverse Augen, die über ein Tapetum verfügen und daher das Licht reflektieren. Der Aufbau der Augen variiert bei den Familien. Springspinnen und Luchsspinnen haben kein Tapetum. Die Anatomie der Nebenaugen wurde daher auch von Homann zur systematischen Unterscheidung herangezogen.

Spinnen haben durch die Augenanordnung ein weites Gesichtsfeld. Trotzdem sind nur wenige Familien wie zum Beispiel die Springspinnen zum Formensehen befähigt. Wahrscheinlich können sie farbig sehen, und Ultraviolett-Rezeptoren sind, wie bei anderen Gliederfüßern auch, vorhanden.

Zu den Sinnesorganen gehört das lyriforme Organ (Spaltsinnesorgan) zur Erkennung von Vibrationen. Lyriforme Organe finden sich vor allem an den Spinnenbeinen. Sie bestehen aus mehreren parallelen, unterschiedlich langen Spalten in der Exokutikula und sind meist in Gelenknähe platziert. Jeder Spalt endet in einer zylindrischen Vertiefung, dem Kopplungszylinder, über den mittels eines Dendriten eine Sinneszelle gekoppelt wird. Spinnen können über ihre lyriformen Organe Netz- und Bodenvibrationen wahrnehmen, und sie dienen wenigstens bei einigen Arten als Propriorezeptoren und somit der Orientierung.

Obwohl mit den lyriformen Organen auch Schall wahrgenommen wird, sind die Becherhaare (Trichobothrien) für die akustische Wahrnehmung wichtiger. Das Frequenzoptimum liegt bei 300 bis 700 Hz, bei Luftschwingungen zwischen 100 und 2500 Hz. Die Vibrationen oder Schallkräfte verengen die Spalten und lösen so einen Reiz auf die Dendritenspitze aus. Schallwellen versetzen die Becherhaare in Schwingung, die auf dendritische Endigungen übertragen werden. Die Bewegungen des Haares werden mit Sinneszellen wahrgenommen, die auf drei verschiedene Auslenkungsrichtungen ansprechen. Spinnen verwenden Vibrationen als Signale in der Partnerwahl, um zwischen Eltern und Nachwuchs zu kommunizieren, um mit Gruppenmitgliedern zu kommunizieren, und in der FeindabwehrRandall, J.A. (2014). Vibrational Communication: Spiders to Kangaroo Rats. In: Witzany, G. (ed). Biocommunication of Animals. Springer, Dordrecht, pp. 103–133. ISBN 978-94-007-7413-1..

Verdauung, Atmung und Kreislauf Wie alle Spinnentieren haben die Webspinnen keine kauenden Kiefer, deswegen müssen sie ihre Nahrung vor dem Mund verdauen. Sie spritzen Verdauungssaft in die Beute und saugen sie aus. Dazu ist der Vorderdarm als muskelreiche Saugpumpe ausgebildet.Wolfgang Crome et al.: Urania Tierreich: Wirbellose Tiere 2 (Annelida bis Chaetognatha). Urania Verlag, Leipzig, Jena, Berlin 1969; S. 115. Der Darmkanal läuft relativ geradlinig vom Mund zum After. Er ist in die Speiseröhre, den Magen mit fünf Paar Blindschläuchen und den Darm untergliedert. In den Darm münden die Lebergänge und zwei verästelte Harnkanäle. Der Lebersaft wirkt ähnlich dem der Bauchspeicheldrüse der Wirbeltiere.

Gliederspinnen, Vogelspinnenartige und einige basale Echte Webspinnen besitzen als Atmungsorgane zwei Paar sogenannter Buchlungen auf der Bauchseite (Ventralseite) des Hinterleibs, im zweiten und dritten Hinterleibssegment. Das vordere Paar versorgt das Prosoma, das hintere den Hinterleib mit Sauerstoff. Buchlungen funktionieren über den Gasaustausch der Luft mit der Hämolymphe. In dieser ist der blau gefärbte Blutfarbstoff Hämocyanin gelöst, der den Sauerstoff von den Buchlungen zu den Organen bringt. Da Spinnen ein offenes Blutgefäßsystem besitzen, ist der Transport aber nicht sehr effektiv und erschöpft sich bei hohem Bedarf, etwa bei schnellen Bewegungen, rasch. Bei vielen Spinnenfamilien hat sich daher das hintere Buchlungen-Paar im Verlauf der Evolution zu mit Luft gefüllten röhrenförmigen Tracheen umgebildet. Die Öffnungen (Stigmen) der Tracheen liegen nur bei den Haplogynae in der ursprünglichen Position, bei den Entelegynae sind sie an die Spitze des Hinterleibs verschoben. Dies liegt daran, dass sich die Bauchseite des dritten Segments bei den Höheren Spinnen verlängert hat, damit die Spinnwarzen am Hinterleibende (anstelle ihrer ursprünglichen Position im vierten und fünften Segment auf der Bauchseite) liegen. Bei dieser Streckung wurden die Stigmen mit verschoben. Bei den Entelegynae ist meist nur noch ein, unpaares, Stigma ausgebildet. Bei ihnen gehen vom Stigma vier Tracheenstämme aus, die nach vorn ziehen. In einigen Spinnenfamilien (zum Beispiel den Baldachinspinnen, Krabbenspinnen und Springspinnen) durchziehen die Tracheen, durch den Petiolus hindurch, auch das Prosoma, bei einigen wie den Kräuselradnetzspinnen sogar bis in die Beine. Der Bau der Tracheen ist demjenigen der Insekten sehr ähnlich: Die Tracheen sind innen von einer Kutikula ausgekleidet und durch stabilisierende ringförmige Verstärkungen (Tänidien) versteift. Das Atmungssystem ist in einzelnen Familien weiter abgewandelt, manchmal sind beispielsweise auch die ersten Buchlungen zu Tracheen umgebildet, bei anderen das Tracheensystem wieder rückgebildet.Anke Schmitz: Tracheae in Spiders: Respiratory Organs for Special Functions. Chapter 3 in Wolfgang Netwig (Hrsg.): Spider Ecophysiology. Springer, Heidelberg etc. 2013. ISBN 978-3-642-33988-2

Das Herz ist ein pulsierendes, im Hinterleib gelegenes Rückengefäß (Arterie). Es besitzt seitliche Spaltöffnungen (Ostien), welche dem Eintritt des Blutes dienen. Bei Kontraktion des Herzens wird das Blut in die Arterie gepresst, während sich die seitlichen Spaltöffnungen wie Ventile schließen. Das Blut fließt durch Arterien zu den Gliedmaßen und zum Kopf, umspült zurückkehrend die Lungensäckchen und tritt durch die seitlichen Spaltöffnungen in das Rückengefäß zurück. Es handelt sich also um einen offenen Blutkreislauf.

Lebenszyklus Fortpflanzung und Entwicklung mini|Zitterspinne (Pholcus sp.) mit Eikokon mini|Nest mit geschlüpften Jungtieren der Gartenkreuzspinne