Rumänisch (Eigenbezeichnungen: română [ro'mɨnə], românește [romɨ'neʃte], limba română ['limba ro'mɨnə]) ist die Amtssprache Rumäniens und der Republik Moldau. Insgesamt wird es von 34 Millionen Menschen gesprochen, wovon rund 30 Millionen Muttersprachler sind.Petit Futé: Roumanie. Editions/Ausgabe 2004–2005, ISBN 2-7469-1132-9, S. 37. In der Republik Moldau wurde Rumänisch von 1994 bis 2013 als „Moldauisch“ bezeichnet, woran die Region Transnistrien weiterhin festhält.
Rumänisch ist eine romanische Sprache und somit Teil des italischen Zweigs der indogermanischen Sprachfamilie. „Rumänisch“ ist im weiteren Sinne ein Überbegriff für die vier Sprachen/Dialekte Dakorumänisch, Makedo-rumänisch, Meglenorumänisch und Istrorumänisch und bezeichnet im engeren Sinne nur das Dakorumänische. Die vier Sprachen bilden zusammen mit dem ausgestorbenen Dalmatischen die Gruppe der balkanromanischen Sprachen.
Verbreitung und rechtlicher Status Als offizielle Sprache wird das Rumänische in Rumänien und der Republik Moldau gesprochen. Von den 19,05 Millionen Einwohnern (2021) Rumäniens sind 80,52 % Muttersprachler. In der Republik Moldau gibt es 2,57 Millionen Muttersprachler, was 64,5 % der Gesamtbevölkerung entspricht.
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Geschichte
Das Rumänische ist aus dem Lateinischen hervorgegangen, das nach Priskos (448) in den Ländern zwischen dem Adriatischen, Ägäischen und Schwarzen Meer als Amts- und Haussprache galt. Die erste Spur des Rumänischen taucht im Jahr 579 bei byzantinischen Soldaten auf, die sich in Thrakien den Avaren entgegenstellten. Darauf schweigen die Quellen von den Rumänen durch 400 Jahre. Erst im 10. Jh. beginnen wieder Nachrichten über die Makedo-Rumänen, unter dem slawischen und griechischen Volksnamen der Vlachen.
Die Dakorumänen der Donau- und Karpatenländer wurden lange für Nachkommen der mit den Dakern vermischten römischen Kolonisten Trajans gehalten, in den Makedo-Rumänen sah man die Abkömmlinge der von Aurelian aus Dakien zurückgeführten Ansiedler. Gegen diese Ansicht trat Robert Rösler auf, er versuchte 1871 in seinen „Romänischen Studien“ nachzuweisen, dass die Rumänen in das heutige Rumänien und Siebenbürgen Anfang des 13. Jhs. durch eine Rückwanderung aus der Balkan-Halbinsel gelangt sind. Dies hatten vor ihm schon Engel (1804), Kopitar und Miklosich angenommen. Auch Drinov schloss sich Rösler an. Während des 6.–7. Jahrhunderts führten slawische Migrationen in die Region zwischen den Südkarpaten und der Donau dazu, dass die Slawen in den Gebieten, die später zur Walachei und Moldau wurden, zur dominanten Bevölkerungsgruppe wurden. Einige Historiker betonen die Anwesenheit der Slawen, doch archäologische und linguistische Befunde deuten darauf hin, dass kleine romanisierte (lateinischsprachige) Gemeinschaften wahrscheinlich weiterhin existierten.Curta, Florin: Southeastern Europe in the Middle Ages, 500–1250. Cambridge University Press, 2006, S. 75–77.Olteanu, Sorin: Romanian Historical Linguistics. Bucharest, 2012, S. 34–36.
In allen Sprachen der Balkan-Halbinsel finden sich philologische Eigenheiten, die weder griechischen noch romanischen noch slawischen Ursprungs sind, sondern auf eine Thrako-Illyrische Grundsprache zurückgeführt werden.
Rechtschreibung und Aussprache mini|Eine Rumänischsprecherin mini|Rumänische Computertastatur
Bis 1862 wurde Rumänisch in kyrillischer Schrift geschrieben. Die Siebenbürgische Schule entwickelte über mehrere Zwischenstufen das bis heute benutzte lateinische Schriftsystem mit Sonderzeichen. In der 1924 gegründeten, transnistrischen Moldauischen Autonomen Sozialistischen Sowjetrepublik wurde von 1930 an Rumänisch wieder mit kyrillischen Buchstaben verschriftet, wie auch in der 1940 um rumänische Gebiete zur Moldauischen SSR erweiterten Sozialistischen Sowjetrepublik bis zu ihrem Untergang 1989, woran die abtrünnige Region Transnistrien bis heute festhält.
Heute umfasst das Rumänische Alphabet die Lateinschrift mit fünf Sonderzeichen:
a, ă, â, b, c, d, e, f, g, h, i, î, j, (k), l, m, n, o, p, (q), r, s, ș, t, ț, u, v, (w), x, (y), z
Die meisten Buchstaben entsprechen jeweils genau einem Laut. Die in Klammern stehenden Buchstaben kommen nur in Lehnwörtern vor.
mini|Beispiel für die Verwirrung um die Entwicklung der rumänischen Rechtschreibung und Diakritika: Rechts das alte Straßenschild mit der neuen Rechtschreibung des Wortes sfânt ‚heilig‘ und dem Behelfs-Buchstaben Ş, links das neue Schild mit der alten Rechtschreibung „sfînt“ und dem korrekten Buchstaben Ș
Vor der Einführung der Unicode-Version 3.0 (September 1999) wurden statt der Buchstaben Șș und Țț die Behelfsbuchstaben Şş und Ţţ benutzt.
Zu Beginn der Verschriftung besaß das Rumänische deutlich mehr Sonderzeichen als heute, da versucht wurde, die Etymologie zu erhalten. Da jedoch die breite Bevölkerung des Lateinischen nicht mächtig war, gab es große Schwierigkeiten mit der korrekten Verwendung der Sonderzeichen, weshalb 1904 eine weitgehend phonetische Schreibung eingeführt wurde, die bis 1993 immer wieder reformiert wurde: român > romîn > român vênt > vînt > vânt sûnt > sînt > sunt adevěr > adevăr fiĭ > fii fiŭ > fiu ḑice > zice
Nach der seit 1993 gültigen Regelung wird am Wortanfang und am Wortende î und in der Wortmitte â geschrieben,150 de ani de la înființarea Academiei Române wenn es sich nicht um ein Kompositum handelt.
Folgende Tabelle stellt die rumänischen Buchstaben dar, deren Aussprache sich von den deutschen unterscheidet:
GraphemIPAAussprachebeispielAussprache im Deutschen ă mini|mămăligă Ungerundeter halboffener Zentralvokal, annähernd wie das „e“ im dt. Matte, kann leicht gerundet gesprochen werden und somit akustisch einem nahekommen. â mini|România hat in der deutschen Sprache keine Entsprechung (Kann akustisch einem ü wie in „Mütze“ nahekommen.) c mini|Cașcaval wie „k“ ce mini|Decembrie wie „tsche“ (wie im it. „Cembalo“) ci mini|Măcin wie „tschi“ (wie in „Chinchilla“) che mini|Stela Enache palatalisiertes „ke“ (wie im it. „barchetta“) chi mini|China palatalisiertes „ki“ (wie im it. „Chianti“) e ; mini|Mediașmini|Ești stets ein geschlossenes „e“, wie in dt. „Teer“. Bei Personalpronomen und Formen des Verbs „fi“, die mit „e“ beginnen, wie in dt. „Jerusalem“ g mini|Galați wie „g“ ge mini|Argeș wie stimmhaftes „dsche“ (wie it. „Angelo“ oder im en. „gentleman“) gi mini|Medgidia wie stimmhaftes „dschi“ (wie im it. „Gigolo“) ghe mini|Angela Gheorghiu palatisiertes „ge“ ghi mini|Harghita palatalisiertes „gi“ h ; ~ mini|Hunedoaramini|Tehnică wie „h“, zum Teil aber je nach Position zwischen „ch“ in „ich“ und „Bach“ i , mini|Mărțișormini|București wie „i“; unbetont am Ende eines Wortes nicht silbisch und fast unhörbar (palatalisiert) î mini|Cîmpina genau wie â, die Unterschiede in der Schreibweise sind sprachhistorisch bedingt j mini|Cluj stimmhaftes „sch“ wie in „Journalist“, „Garage“ r mini|Marea Neagră das r wird gerollt s mini|Constantin Silvestri stimmloses „s“ (wie „ss“ in dt. „Gasse“) ș mini|Brașov wie dt. „sch“ in „Asche“ ț mini|Constanța wie dt. „z“ in „Zunge“ v mini|Craiova wie dt. „w“ in „Wohnung“ x , mini|Taximini|Exemplu wie „ks“ oder wie „gs“Mioara Avram: x sau cs (ks, cks), gz (cz)?, Ortografie pentru toți, 2002 y wie „i“ (nur in Fremdwörtern) z mini|Buzău stimmhaftes „s“ (wie in „Suppe“, wie „z“ in Englisch „zero“)
Beispieltext:
Lateinschrift:
Privea în zare cum pe mări Răsare și străluce, Pe mișcătoarele cărări Corăbii negre duce. IPA-Umschrift:
[] Rumänische kyrillische Schrift:
Привѣ́ ꙟ̃ зáрє кꙋ́м пє мъ́рй Ръсáрє шѝ стръʌꙋ́чє, Пє мишкътѡáрєʌє къръ́рй Кѡръ́бïй нє́грє дꙋ́чє.
(Mihai Eminescu: „Luceafărul“)
Phonologie Vokale Das Rumänische besitzt sieben Vokalphoneme.Vgl. Vasiliu, Emanuel (1989): Rumänisch 165 Phonetik und Phonemik / Phonétique et phonématique in: Günter Holtus,/ Michael Metzeltin, Christian Schmitt (Hrsg.): Lexikon der romanistischen Linguistik, Band 3: Die einzelnen romanischen Sprachen und Sprachgebiete von der Renaissance bis zur Gegenwart: Rumänisch, Dalmatisch / Istroromanisch, Friaulisch, Ladinisch, Bündnerromanisch, Max Niemeyer Verlag, Tübingen, S. 1. mini|Vokaldreieck der rumänischen Sprache
Tabelle 1: Vokalphoneme des Rumänischen vornezentralhintengeschlosseniɨuhalboffeneəooffena
Halbvokale Das Rumänische besitzt vier Halbvokale.Vgl. Vasiliu, Emanuel (1989): Rumänisch 165 Phonetik und Phonemik / Phonétique et phonématique in: Günter Holtus,/ Michael Metzeltin, Christian Schmitt (Hrsg.): Lexikon der romanistischen Linguistik, Band 3: Die einzelnen romanischen Sprachen und Sprachgebiete von der Renaissance bis zur Gegenwart: Rumänisch, Dalmatisch / Istroromanisch, Friaulisch, Ladinisch, Bündnerromanisch, Max Niemeyer Verlag, Tübingen, S. 2.
Tabelle 2: Halbvokale des RumänischenVgl. Iliescu, Maria (2003): Variationstypologie: 19. Rumänisch, in: Roelcke, Thorsten (Hrsg.): Variationstypologie. Ein sprachtypologisches Handbuch der europäischen Sprachen in Geschichte und Gegenwart, De Gruyter, Berlin / New York, S. 534. ÖffnungArtikulationvorne
ungerundethinten
gerundetminimaljwmaximale̯o̯ Diese Halbvokale bilden sowohl steigende als auch fallende Diphthonge: alle vier Halbvokale sind Bestandteile steigender Diphthonge; fallende Diphthonge entstehen hingegen nur mithilfe der Halbvokale [j] und [w].Vgl. Vasiliu, Emanuel (1989): Rumänisch 165 Phonetik und Phonemik / Phonétique et phonématique in: Günter Holtus,/ Michael Metzeltin, Christian Schmitt (Hrsg.): Lexikon der romanistischen Linguistik, Band 3: Die einzelnen romanischen Sprachen und Sprachgebiete von der Renaissance bis zur Gegenwart: Rumänisch, Dalmatisch / Istroromanisch, Friaulisch, Ladinisch, Bündnerromanisch, Max Niemeyer Verlag, Tübingen, S. 3.
Die steigenden Diphthonge sind:
Tabelle 3: Steigende DiphthongeVgl. Popovici, Victoria (2014): 11 La Romanité balkanique: 11.1 Le roumain, in: André Klump / Johannes Kramer / Aline Willems (Hrsg.): Manuel des langues romanes, Bd. 1, Walter de Gruyter, Berlin/Boston, S. 291. Halbvokale̯jo̯wea [e̯a]
eo [e̯o]ia [ja]
ie [je]
io [jo]
iu [ju]oa [o̭a]ua [wa]
uă [wǝ]
Die fallenden Diphthonge sind:
Tabelle 4: Fallende DiphthongeVgl. Vasiliu, Emanuel (1989): Rumänisch 165 Phonetik und Phonemik / Phonétique et phonématique in: Günter Holtus,/ Michael Metzeltin, Christian Schmitt (Hrsg.): Lexikon der romanistischen Linguistik, Band 3: Die einzelnen romanischen Sprachen und Sprachgebiete von der Renaissance bis zur Gegenwart: Rumänisch, Dalmatisch / Istroromanisch, Friaulisch, Ladinisch, Bündnerromanisch, Max Niemeyer Verlag, Tübingen, S. 3. Halbvokaljwai[aj]
ăi[ǝj]
ei[ej]
îi[ɨj]
oi[oj]
ui[uj]
ii [ij]au[aw]
ău[ǝw]
eu[ew]
iu[iw]
îu[ɨw]
ou[ow]
uu[uw]
Die genaue Anzahl der Triphthonge ist umstritten.Vgl. Iliescu, Maria (2003): Variationstypologie: 19. Rumänisch, in: Roelcke, Thorsten (Hrsg.): Variationstypologie. Ein sprachtypologisches Handbuch der europäischen Sprachen in Geschichte und Gegenwart, De Gruyter, Berlin / New York, S. 534. Vasiliu listet 8 von ihnen auf. Diese sind:Vgl. Vasiliu, Emanuel (1989): Rumänisch 165 Phonetik und Phonemik / Phonétique et phonématique in: Günter Holtus,/ Michael Metzeltin, Christian Schmitt (Hrsg.): Lexikon der romanistischen Linguistik, Band 3: Die einzelnen romanischen Sprachen und Sprachgebiete von der Renaissance bis zur Gegenwart: Rumänisch, Dalmatisch / Istroromanisch, Friaulisch, Ladinisch, Bündnerromanisch, Max Niemeyer Verlag, Tübingen, S. 3.
[eaj]
[oaj]
[jaj]
[waj]
[jaw]
[wau]
[jej]
[joj]
Konsonanten Die genaue Anzahl der Konsonanten des Rumänischen ist umstritten: 20 oder 22, je nachdem, ob [kʼ] und [gʼ] als Phoneme oder Allophone von [k] bzw. [g] betrachtet werden.