mini|Einige der berühmtesten Türken der Welt: Besim Ömer Akalın, Vecihi Hürkuş, Ahmet Ertegün, Orhan Pamuk, Mehmet Öz, Safiye Ali, Halide Edib Adıvar, Feriha Tevfik, Keriman Halis Ece, Suzan Kahramaner, Gazi Yaşargil, Fazıl Say, Celâl Şengör, Nuri Bilge Ceylan, Aziz Sancar, Muazzez İlmiye Çığ, Asuman Baytop, Sertab Erener, Birgül Erken, Zeynep Tüfekçi (von rechts oben nach links unten) Die Türken ( Türkler) sind eine Ethnie, deren Hauptsiedlungsgebiete in Anatolien, Zypern und Südosteuropa liegen. In vielen Ländern der Welt existiert eine große türkische Diaspora, überwiegend in europäischen Ländern und innerhalb dieser vor allem in Deutschland. Der Großteil der Türken lebt in der seit Gründung 1923 durch Kemal Atatürk nach ihnen benannten Republik Türkei, dem Nachfolger des Osmanischen Reiches, in der sie die Mehrheit der Bevölkerung bilden.

Etymologie Die Volksbezeichnung Türk wird erstmals in chinesischen Chroniken des 6. Jahrhunderts als T'u-küe oder Tujue erwähnt und war der Name eines Clans innerhalb einer größeren nomadischen Stammeskonföderation, der die Eigenbezeichnung „Türk“ trug und deren Herkunft nicht eindeutig zu belegen ist.Carter Vaughn Findley: „The Turks in World History“, Oxford University Press, 2005, S. 39 Mit dem Aufstieg der „Türk“ wurde der Name als politische Bezeichnung auf eine ganze Reihe anderer Nomaden und Völker übertragen und schließlich, durch einen bis heute nicht vollständig nachvollzogenen Prozess, als generelle Bezeichnung für eine ganze Sprach- und Völkerfamilie übernommen – zuerst von muslimischen Gelehrten, später auch in Europa.Peter Benjamin Golden: Artikel Turks, Abschnitt I: History, Unterabschnitt 2: The tribal history of the Central Asian Turks. In Encyclopaedia of Islam, Volume X, S. 689: The name Türk spread as a political designation during the period of Göktürk imperial hegemony to their subject Turkic and non-Turkic peoples. Subsequently, it was adopted as a generic ethnonym designating most if not all of the Turkic-speaking tribes in Central Asia by the Muslim peoples with whom they came into contact. Daraus ist auch die Bezeichnung für die türkische Bevölkerung Anatoliens abgeleitet.

Geschichte

Die heutigen Türken lassen sich in den sprachlichen und ethnischen Kontext der Turkvölker stellen. Das Siedlungsgebiet des ältesten unter dem Namen Türken bekannten Volkes befand sich im östlichen Zentralasien, auf einem Gebiet, das sich vom Altai-Gebirge bis zum Tienschan im Westen und vom Baikalsee im Norden bis zum Altun im Süden erstreckte. Bereits in der ausgehenden Spätantike entstand dort ein erstes türkisches Reich, das der Göktürken, die ab der Mitte des 6. Jahrhunderts für etwa zwei Jahrhunderte eine bedeutende Rolle in der Geschichte Zentralasiens spielten. Hier nahmen später Migrationen ihren Anfang, die zur Gründung verschiedener Reiche wie die der Karachaniden, Seldschuken oder Osmanen führten. Sie führten ferner turksprachige Gruppen in den Mittleren Osten und nach Anatolien.Udo Steinbach: Geschichte der Türkei, S. 8 ()Udo Steinbach: Die Türkei im 20. Jahrhundert, Bergisch Gladbach 1996, S. 17

Einwanderung nach Anatolien miniatur|Das Osmanische Reich im Jahre 1683 Der Aufstieg der Türken zu einer islamischen Großmacht begann bereits im 11. Jahrhundert, als die Großseldschuken, ein Familienclan oghusischer Herkunft, ein riesiges Gebiet eroberten, das vom Mittelmeer bis nach Zentralasien reichte. Die Seldschuken ermöglichten mit der siegreichen Schlacht von Manzikert im Jahre 1071, in deren Folge die byzantinische Verwaltung und Verteidigung Kleinasiens zusammenbrach, die türkische Landnahme Anatoliens.Steinbach (1996), S. 22

Nach der Eroberung weiter Teile Anatoliens durch die türkischen Stammeskrieger unter der Führung von Suleiman ibn Kutalmiş, einem seldschukischen Prinzen, machte sich dieser von den Großseldschuken unabhängig. Sowohl er als auch sein Sohn und Nachfolger Kılıç Arslan I. wurden bei Auseinandersetzungen mit den Großseldschuken getötet, was in Kleinasien zu verworrenen Zuständen führte. Im Gefolge der Kreuzzüge konnten die Byzantiner große Teile der Halbinsel zurückerobern. Die Abkömmlinge Kılıç Arslans konnten schließlich das von Suleiman begründete Sultanat Rum stabilisieren, sich gegen andere türkische Konkurrenten durchsetzen und auch die byzantinische Herrschaft wieder zurückdrängen. Das Sultanat von Rum stellte den ersten kulturellen und politischen Höhepunkt der Türkenherrschaft in Anatolien dar.Steinbach (1996), S. 23 Nach der Niederlage in der Schlacht vom Köse Dağ (1243) geriet das Sultanat unter die Oberhoheit der Mongolen und löste sich gegen Ende des 13. Jahrhunderts schließlich auf. Während der Osten des Reiches unter direkte mongolische Herrschaft fiel, machten sich im Westen kleine türkische Fürstentümer (→ Uc) unabhängig, die den Grenzkrieg gegen das byzantinische Reich fortsetzten und bis zum Beginn des 14. Jahrhunderts die byzantinische Herrschaft in Kleinasien mit wenigen Ausnahmen beseitigten. Eines dieser Fürstentümer war das der Osmanen, die vor den Mongolen in das Land der Rum-Seldschuken geflüchtet waren. Diese Entwicklung und die politischen Ereignisse in Zentralasien (Niederlage der Seldschuken gegen die Kara-Kitai, Eroberungen der Choresm-Schahs und der Eroberungszug der Mongolen) prägten die Einwanderung der Türken. Die Einwanderung der ogusischen Stämme, anderer türkischen Ethnien und mongolischer Elemente verlief wellenförmig von der Mitte des 11. Jahrhunderts bis in das 15. Jahrhundert hinein. Diese Gemeinschaften waren stets polyethnisch und politischen Charakters. Ihre Mitglieder waren entweder in die Gemeinschaft hineingeboren worden oder hatten sich ihr angeschlossen. Schätzungsweise trafen bis zum 12. Jahrhundert 100.000 bis 300.000 „Türken“ in Anatolien ein und trafen dort auf zwei bis drei Millionen Alteingesessene. Vermutlich stellten diese im 13. Jahrhundert in Anatolien die relative und spätestens im 15. Jahrhundert die absolute Bevölkerungsmehrheit.Klaus Kreiser: Der Osmanische Staat 1300–1922. München 2001, S. 5 In einem Bericht über den Kreuzzug von Friedrich Barbarossa im Jahre 1190 (Historia Peregrinorum) erscheint erstmals der Begriff „Türkei“ in abendländischen Quellen. Im 13. Jahrhundert wird er in vielen europäischen Quellen verwendet. Im Arabischen ist die Bezeichnung barr al-turkiyya (türkisches Land, Türkei) seit Anfang des 14. Jahrhunderts belegt.Klaus Kreiser in: Kreiser und Neumann: Kleine Geschichte der Türkei. Stuttgart 2003, S. 54

Die Einzelheiten der religiösen, sozialen und ethnischen Umformung Kleinasiens von einem christlichen und im Wesentlichen griechischsprachigen Land in ein muslimisch und türkisch geprägtes Land sind schwer erkennbar; es handelte sich um einen über Jahrhunderte andauernden und vielschichtigen Prozess. Dieser blieb in den Jahrzehnten nach der Eroberung zunächst noch gering; noch 1255 waren nach dem Reisebericht Wilhelm von Rubrucks 90 % der Bevölkerung im östlichen Anatolien Christen, während dann 1520 die türkischen Steuerregister in Anatolien 400 000 Christen bei 4,5 Millionen Muslimen zählten.Jürgen Mirow: Imperien Im Kopf. Wie große Reiche Kulturen und Identitäten formten, Berlin 2025, ISBN 978-3-86408-348-8, S. 94, 98f. Bei diesem Akkulturationsprozess kam es auch zu vielfältigen religiösen und ethnischen Durchdringungen. Personen türkischer Herkunft machten im byzantinischen Militärdienst Karriere und stiegen (nach Konversion zum Christentum), wie die Axuchoi, bis in den byzantinischen Hochadel auf.Winfried Hecht, Das Zeitalter der Komnenen in: Franz Georg Maier (Hrsg.): Byzanz (Fischer Weltgeschichte Band 13), S. 234–301, S. 260, 270 Umgekehrt finden sich unter den Vertrauten der ersten Osmanenherrscher Personen wie Köse Mihal und Evrenoz Bey, die bereits ausweislich ihrer Namen und auch der Überlieferung nach byzantinischer und christlicher Herkunft waren und die bereits vor ihrem Übertritt zum Islam Parteigänger der Osmanen waren. Zudem lebten bereits vor der osmanischen Eroberung Südosteuropas dort Angehörige turkvölkischer Herkunft, die teils enge, teils entferntere ethnische Verwandte der anatolischen Türken waren. Nach dem Übertritt zum Islam verschmolzen sie mit den osmanischen Eroberern; soweit sie Christen blieben, sehen einige Autoren in ihnen die Vorfahren der Gagausen.

Das Türkische setzte sich in der Folge rasch als Umgangssprache zwischen den einzelnen Bevölkerungsteilen durch. Das Persische war neben dem Arabischen die wichtigste Bildungs- und Literatursprache. Sämtliche Chroniken der Rumseldschuken wurden auf Persisch verfasst. Nach dem Untergang des Reichs der Rumseldschuken begann auch im offiziellen Gebrauch und in der Literatur das Türkische hervorzutreten. Als im Jahre 1277 der Herrscher der Karaman Oğulları Mehmed Bey von Konya Besitz ergriffen hatte, gab er den Befehl, dass in der Staatskanzlei nur das Türkische gebraucht werden dürfe.Köprülüzāde Meḥmed Fuʾād, Art. Türken, Abschnitt B III Die osmanisch-türkische Literatur in Enzyklopaedie des Islam, Band IV, S-Z, Leiden/Leipzig 1934, S. 1011 Ab dem 13. Jahrhundert sind anatolische Literaturerzeugnisse in türkischer Sprache erhalten, ab dem Ende des 13. Jahrhunderts gewann das Türkische auch in staatlichen Urkunden an Bedeutung.Köprülüzāde Meḥmed Fuʾād, Art. Türken, Abschnitt B III Die osmanisch-türkische Literatur in Enzyklopaedie des Islam, Band IV, S-Z, Leiden/Leipzig 1934, S. 1012 Unter der christlichen Bevölkerung waren Syrisch-Aramäisch, Armenisch und Arabisch die wichtigsten Bildungssprachen. Das Arabische wurde im Osmanischen Reich in Kadiregistern, Stiftungsurkunden und Inschriften bis zum Ende des 16. Jahrhunderts durch das Osmanische ersetzt.Klaus Kreiser in: Kreiser und Neumann: Kleine Geschichte der Türkei. Stuttgart 2003, S. 51 ff.

Der Begriff Türk oder Türki als Volks- oder Sprachbezeichnung war trotz der verschiedentlich pejorativen Verwendungen in historischen und literarischen Texten des Osmanischen Reiches nicht auf nomadisierende oder bäuerliche Bevölkerungsgruppen beschränkt.Klaus Kreiser: Der Osmanische Staat 1300–1922. München 2001, S. 2

Das Osmanische Reich