Niederösterreich ist das flächengrößte und zweitbevölkerungsreichste Bundesland der Republik Österreich. Erstmals erwähnt als Ostarrîchi im Jahr 996, erlangte es als Erzherzogtum Österreich unter der Enns seine größte Ausdehnung und wurde 1920, nunmehr ohne die Stadt Wien, als eigenes Bundesland konstituiert. 1986 wurde St. Pölten Landeshauptstadt. Niederösterreich ist Teil der Europaregion Centrope.

Geographie Niederösterreich ist mit einer Fläche von  km² das flächengrößte Bundesland Österreichs. Es umschließt die Bundeshauptstadt Wien (134,9 km Grenze) und grenzt im Norden an Südböhmen und Südmähren (beide Tschechien, 333,6 km Staatsgrenze), im Nordosten an den Tyrnauer und den Pressburger/Bratislavaer Landschaftsverband (beide Slowakei, 80,7 km) sowie innerösterreichisch im Südosten an das Burgenland (207,9 km), im Süden an die Steiermark (187,4 km) und im Westen an Oberösterreich (215,3 km). Das Land hat mit 414,3 km die zweitlängste Außengrenze aller Bundesländer.

Gliederung in Viertel Niederösterreich wird landschaftlich in vier Viertel geteilt; in Klammern die historischen Bezeichnungen:

Nördlich der Donau (Viertel ober dem Manhartsberg) mit den Bezirken Gmünd (GD), Horn (HO), Krems (KR, Nordteil), Melk (ME, Nordteil), Waidhofen an der Thaya (WT) und Zwettl (ZT) sowie der Statutarstadt Krems an der Donau (KS) (Viertel unter dem Manhartsberg) mit den Bezirken Gänserndorf (GF), Hollabrunn (HL), Korneuburg (KO), Mistelbach (MI) und Tulln (TU, Nordteil)

Südlich der Donau (Viertel ober dem Wienerwald) mit den Bezirken Amstetten (AM), Krems (KR, Südteil), Lilienfeld (LF), Melk (ME, Südteil), St. Pölten (PL, Westteil), Scheibbs (SB) und Tulln (TU, Südteil) sowie den Statutarstädten St. Pölten (P) und Waidhofen an der Ybbs (WY) (Viertel unter dem Wienerwald) mit den Bezirken Bruck an der Leitha (BL), Baden (BN), Mödling (MD), Neunkirchen (NK), St. Pölten (PL, Ostteil), Tulln (TU, Ostteil) und Wiener Neustadt (WB) sowie die Statutarstadt Wiener Neustadt (WN) rahmenlos|links|hochkant=1.7

Historisch entsprechen die Viertel den vier Kreisen Niederösterreichs, einer administrativen Einheit in der Monarchie. Grob an naturräumlichen Gegebenheiten orientiert, ist die Viertelung heute ohne politische Bedeutung. Eine genaue Grenzziehung ist nur im historischen Kontext möglich, denn heute erstrecken sich die Verwaltungseinheiten über die Viertelsgrenzen hinweg. Unbestreitbar fungiert die Donau als Grenze. Im Bereich westlich und östlich des Manhartsberges fehlt jedoch eine deutliche naturräumliche Abgrenzung. Mit Ausnahme des Raumes um Klosterneuburg folgen im Bereich des Wienerwaldes die Verwaltungsgrenzen auch heute der Wasserscheide. Die Benennung mit Wald-, Wein-, Most- und Industrieviertel stellt eine Veranschaulichung nach Nutzung und Erwerb dar und stammt noch aus der Monarchie.

Parallel dazu gibt es in der Raumplanung die Hauptregionen, mit NÖ-Mitte als „fünftem Viertel“.

Naturräumliche Gliederung Niederösterreich kann naturräumlich in mehrere Einheiten gegliedert werden. Im Westen liegt eine geologisch-landschaftliche Dreiteilung vor, die sich in Oberösterreich fortsetzt, und im Osten gehen die Alpen in die Kleinen Karpaten über.

Böhmische Masse Niederösterreich hat Anteil am Granit- und Gneisplateau der Böhmischen Masse (besser „Böhmisches Granit- und Gneishochland“), das landschaftlich in das Zwettler Land das Ottenschlager Hochland, das Kamp-Kremser Hochland und die Gföhler Hochfläche unterteilt werden kann. An der Nordgrenze finden sich noch die nach Tschechien reichende Senke von Gmünd, das Litschauer Ländchen, das Thayahochland und das Obere Thayatal. An der westlichen Grenze liegen das weitläufige Horner Becken und der Manhartsberg und südlich der Donau die Neustadtler Platte und der Dunkelsteiner Wald.

Alpen Die Alpen nehmen im Osten ihren Beginn bei Wien (und dem Bisamberg links der Donau). Die ersten den Alpen zurechenbaren Höhenzüge sind die Niederösterreichischen Voralpen, die aus Flysch bestehen und sich als schmales Band bis nach Steyr ziehen. Südlich davon liegt Niederösterreichs Anteil an den Steirisch-niederösterreichischen Kalkalpen mit Berghöhen um die , insbesondere in den Kalkstöcken von Rax und Schneeberg. Nach der Alpenvereinseinteilung der Ostalpen wird in die Ybbstaler Alpen (mit den Göstlinger Alpen als Untereinheit), Türnitzer Alpen und Gutensteiner Alpen unterschieden, nördlich der Gutensteiner Alpen schließt der Wienerwald an, südlich die Rax-Schneeberg-Gruppe und ebenso ragt ein Teil der Mürzsteger Alpen nach Niederösterreich.

Alpenvorland (und Karpatenvorland) Das Niederösterreichische Alpenvorland ist das Gebiet zwischen dem Böhmischen Granit- und Gneishochland und den schmalen Niederösterreichischen Voralpen bzw. den Niederösterreichischen Kalkalpen im Süden. Im Nordosten liegt das hügelige Weinviertel, das auch in seiner Fortsetzung jenseits der Staatsgrenze als das Vorland der Kleinen Karpaten (die bis ins benachbarte Bratislava reichen) zu betrachten ist. Der landschaftliche Begriff Karpatenvorland ist für Niederösterreich insofern kritisch zu betrachten, als sowohl das entsprechende Gebirge, als auch andere Teile des Vorlandes erst jenseits der Landesgrenze situiert sind. Einige Autoren, wie etwa Martin Seger von der Akademie der Wissenschaften, verwenden daher die Bezeichnung „Weinviertel“ für den niederösterreichischen Anteil des Karpatenvorlandes.Vgl. bei Gernot Sulzmann: Der Raum Österreich. Vergleich unterschiedlicher Raumgliederungskonzepte der Geographie und der in den Schulbüchern der 3. Klasse verwendeten Raumgliederung. Bachelorarbeit, Baden 2016, S. 25 bzw. 62 (ph-noe.ac.at [PDF; 15,3 MB]).

Wiener Becken Das Wiener Becken, eine Einbruchszone, und die Übergänge in die Pannonische Tiefebene sind der östliche Abschluss der Alpen, die in der markant in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Thermenlinie die Grenze zum Wienerwald bildet. Dabei setzt sich die sogenannte Wiener Neustädter Bucht jenseits der Donau im Marchfeld fort.

Berge mini|Schneeberg (Rax-Schneeberg-Gruppe), der höchste Gipfel Niederösterreichs vom Sonnwendstein aus, Blickrichtung Nordwest. Im Vordergrund der Adlitzgraben mit der Semmeringbahn, im Mittelgrund vor dem Schneeberg der Feichtaberg über Hirschwang mini|Das „Kernstück“ der Semmeringbahn, seit 1998 UNESCO-Weltkulturerbe, mit der Rax im Hintergrund. Ganz rechts der Krauseltunnel, kürzester Tunnel Österreichs. mini|Erlaufstausee mit Ötscher im Hintergrund

Alpenübergänge An der Landesgrenze zur Steiermark liegen mehrere bedeutende Alpenübergänge. Die bedeutendsten sind der Semmering- () und der Wechsel-Pass (), die durch hochrangige Straßen und Eisenbahnen erschlossen sind.

Der Zellerrain () und der Mendlingpass () sind über Bundesstraßen passierbar und der Feistritzsattel (), der höchste Pass Niederösterreichs, sowie das Preiner Gscheid () über Landstraßen.

Historisch bedeutend, aber nicht als Pass anzusprechen ist die Route über das Mariazellerland, eine inneralpine Passlandschaft mit dem Steirischen Seeberg () als höchstem Gebirgsübergang. Auf der niederösterreichischen Seite liegen der Annaberg () und das Kernhofer Gscheid (). Die Mariazellerbahn endet inmitten des touristisch gut erschlossenen Hauptortes Mariazell.

Nach Oberösterreich führt einzig der Saurüssel (). Ins Burgenland führen mehrere Übergänge am Leitha- und am Rosaliengebirge.

Erwähnenswert sind noch die Strecken über den Ochsattel (), die bei Motorradfahrern beliebt ist, der Riederberg () und die Strengberge (), über welche die Bundesstraße B1 führt, sowie der Gerichtsberg (), über den bis ins Jahr 2004 die Leobersdorfer Bahn führte und weiters Hochstraß () mit der Außenring-Autobahn.

Alle anderen Pässe haben nur regionale oder lokale Bedeutung.

Flüsse mini|hochkant|Kamp mini|March Niederösterreich wird fast gänzlich über die Donau entwässert. Einzig die Lainsitz im nördlichen Waldviertel und ihre Zubringer wie der Braunaubach, der Reißbach oder der Neumühlbach entwässern über die Moldau in das Flusssystem der Elbe, die in die Nordsee fließt. Die an bzw. nördlich der Nordgrenze Niederösterreichs fließende Thaya mündet direkt an der Grenze zwischen Tschechien und Österreich in die March.

Die Donau erreicht Niederösterreich über den Strudengau, wo sie bei Grein mit 20 m ihre tiefste Stelle in Österreich hat, durchströmt danach den Nibelungengau und schließlich die Wachau. Diesen drei Engtälern folgen zwei Becken, das Tullner Becken und das Wiener Becken, wobei dazwischen die Wiener Pforte liegt und danach die Hainburger Pforte, über die die Donau Niederösterreich (nach 218 Kilometern) bzw. Österreich verlässt.

In Niederösterreich wandelt sich die Donau vom Gebirgsfluss zum Tieflandfluss, womit ihr Oberlauf zu Ende geht. Allerdings ist dies heute durch die vielen Donaukraftwerke nur mehr bedingt nachvollziehbar.

Die wichtigsten Zuflüsse sind:

Seen In Niederösterreich gibt es nur wenige natürliche Seen, weshalb Stauseen oder viele künstlich angelegte Teiche ebenfalls als Seen bezeichnet werden. Der größte See ist der Stausee Ottenstein (4,3 km²), der mit dem Stausee Dobra (1,55 km²) und dem Thurnberger Stausee (0,55 km²) am Kamp eine Kraftwerkskette bildet.

Die größten natürlichen Seen sind der Lunzer See (0,68 km²) und der Erlaufsee (0,52 km²), wobei letzterer etwa zur Hälfte in der Steiermark liegt. Andere große Stauseen sind der Erlaufstausee und der Wienerwaldsee (0,32 km²). Die beiden Viehofner Seen und der Ratzersdorfer See sind aufgelassene Schottergruben und besonders im Waldviertel gibt es viele aktive und ehemalige Fischteiche wie den Herrensee und den Schönauer Teich bei Litschau.

Höhlen

Niederösterreich ist reich an Naturhöhlen. Insgesamt sind 4082 davon katastermäßig erfasst. Die meisten Höhlen Niederösterreichs haben sich in den Kalk- und Dolomitgesteinen der Kalkalpen gebildet und sind deshalb sogenannte Karsthöhlen. Auch der Kalkmarmor in den Zentralalpen und in der Böhmischen Masse ermöglicht die Höhlenentstehung. Zu den größten Höhlen Niederösterreichs zählen: Ötscherhöhlensystem (Ötscher): 27.003 Meter Länge; Zusammenschluss aus Taubenloch und Geldloch Pfannloch (Ötscher): 5.287 Meter Länge Lechnerweidhöhle (Dürrenstein): 5.252 Meter Länge Trockenes Loch (Schwarzenbach an der Pielach): 4.510 Meter Länge Hermannshöhle (Kirchberg am Wechsel): 4.430 Meter Länge Eisensteinhöhle (Bad Fischau): 2.341 Meter Länge Neben den beiden letztgenannten werden in Niederösterreich noch die Allander Tropfsteinhöhle, die Einhornhöhle, der Hochkarschacht, die Nixhöhle und die Ötschertropfsteinhöhle als Schauhöhlen geführt.

Flächenverteilung Art Fläche in km² Prozent derGesamt­fläche landw. Nutzung Wald Gärten Weingärten Almen Gewässer Bauflächen sonstige Flächen

Flora mini|hochkant|Florenregionen in Niederösterreich mini|hochkant|Österreichischer Ehrenpreis

Durch Niederösterreich verläuft eine Grenze zwischen zwei Florenregionen, welche beide dem holarktischen Florenreich angehören. Der westliche Landesteil gehört, wie fast das ganze restliche Österreich, der Mitteleuropäischen Florenregion an, während das Weinviertel, der Ostrand des Waldviertels, die Südhänge der Wachau, das Hügelland zwischen St. Pölten und dem Tullner Becken, das Wiener Becken, die Hainburger Berge und der Randbereich des Leithagebirge zur Pannonischen Florenprovinz gehören, welche wiederum den westlichsten Teil der südsibirisch-pontisch-pannonischen Florenregion darstellt.