Die Gelbe Wiesenraute (Thalictrum flavum) ist eine Pflanzenart, die zur Gattung der Wiesenrautenj (Thalictrum) in der Unterfamilie der Isopyroideae innerhalb der Familie der Hahnenfußgewächsen (Ranunculaceae) gehört.

Beschreibung Die Gelbe Wiesenraute ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von (60 bis) 70 bis 110 (bis 200) cm erreicht. Unterirdische Ausläufer sind immer vorhanden. Die Stängel sind kahl und leicht kantig bis rinnig. Die zusammengesetzten Laubblätter sind doppelt bis dreifach gefiedert. Die grünen, höchstens wenig bereiften Fiederblättchen sind überwiegend drei- oder fünflappig oder -spaltig. Die unteren Fiederblättchen besitzen meist kleine, häutige Nebenblättchen (Stipellen).

mini|links|Stängel und Blätter mini|links|Blütenstand alternativtext=Verbreitung der Gelben Wiesenraute nach Meldungen im Portal GBIF.org und bei floraweb.de (blaue Kreise, Stand 10/2025; GBIF Occurrence Download https://doi.org/10.15468/dl.bne6t6); Hintergrundkarte: Bundeslandgrenzen und Relief.|mini|Verbreitung der Gelben Wiesenraute in Deutschland nach Meldungen im Portal GBIF.org und bei floraweb.de (blaue Kreise, Stand 10/2025; GBIF Occurrence Download https://doi.org/10.15468/dl.bne6t6); Hintergrundkarte: Bundeslandgrenzen und Relief. Sie blüht von Juni bis August. Viele duftende Blüten stehen in einem rispigen Blütenstand zusammen, der einen schmal länglichen Umriss besitzt. Die 2,3 bis 3,1 mm langen Nüsschen weisen sechs Längsrippen auf.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 84; die Art ist dodekaploid.

Ökologie Die Gelbe Wiesenraute ist ein Hemikryptophyt und eine Kriechpionierpflanze. Ihr Blütenduft weist darauf hin, dass sie nicht nur vom Wind, sondern auch von Insekten bestäubt wird (Pollenblume). Die Früchte sind einsamige Nüsschen und sie verbreiten sich als Flügelflieger und Schwimmfrüchte.

Inhaltsstoffe Die Wurzeln enthalten das gelb gefärbte Alkaloid Berberin und andere basische Substanzen und eignen sich zum Färben von Wolle.

mini|Gelbe Wiesenraute Vorkommen Das Verbreitungsgebiet dieser häufig verwechselten Stromtalpflanze reicht von Irland, Westfrankreich und dem Baskenland im Westen bis zum Einzugsgebiet des Ob jenseits des Urals. An der Nordgrenze endet die Verbreitung am Beginn der arktischen Klimazone, im Süden reicht das geschlossene Verbreitungsgebiet bis zu den Rhone- und Donauauen; südlich davon gibt es nur sehr sporadische Vorkommen. Vorkommen aus Sibirien konnten nicht bestätigt werden. Die Art kommt von Europa bis West- und Zentralasien vor und außerdem in Algerien.

Die Gelbe Wiesenraute bevorzugt feuchte, nährstoffarme Böden wie an Gräben und Flachmoore. Da heute die Wiesen stärker gedüngt werden, ist sie nicht mehr so oft anzutreffen. Nach Ellenberg ist sie eine Halblichtpflanze, intermediär-kontinental wachsend und eine Verbandscharakterart der Mädesüß-Uferfluren (Filipendulion ulmariae), kommt aber auch in Gesellschaften der Verbände Molinion oder Senecion fluviatilis vor.

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 4w+ (sehr feucht aber stark wechselnd), Lichtzahl L = 3 (halbschattig), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 3+ (unter-montan und ober-kollin), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 3 (subozeanisch bis subkontinental), Salztoleranz 1 = tolerant.

Taxonomie und Systematik Die Gelbe Wiesenraute wurde 1753 von Carl von Linné in Species Plantarum Band 1 Seite 546 als Thalictrum flavum erstbeschrieben. Ein Synonym ist Thalictrum morisonii

Man kann zwei Unterarten unterscheiden: Thalictrum flavum subsp. costae : Sie kommt in den Pyrenäen Frankreichs und in Algerien vor. Sie wird heute als Synonym zu Thalictrum simplex subsp. simplex gestellt. Thalictrum flavum subsp. flavum: Sie kommt in Eurasien vor. Thalictrum flavum subsp. glaucum wird heute zu Thalictrum speciosissimum gestellt.

Geschichte Die Gelbe Wiesenraute wurde im Mittelalter auch als armala und piganum bzw., von griechisch πήγανον, peganumVgl. Gundolf Keil: Die „Cirurgia“ Peters von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes (= Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm. Band 2). Stadtarchiv, Ulm 1961 (zugleich Philosophische Dissertation Heidelberg 1960: Peter von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes), S. 438 (zu piganum/peganum: im Circa instans: „ruta silvestris ... piganum dicitur“) und 447 (zu raute: Weinraute, synonym piganum). bezeichnet.Claudia Erbar, Karin Zimmermann: Der Codex Palatinus germanicus 539 – eine Pflanzenliste aus dem 15. Jahrhundert. 2009 (Digitalisat), S. 52 (zu milt ruta).

Quellen Literatur

Margot Spohn, Marianne Golte-Bechtle: Was blüht denn da? Die Enzyklopädie: über 1000 Blütenpflanzen Mitteleuropas. Kosmos, Stuttgart 2005, ISBN 3-440-10326-9. Siegfried Schlosser, Lutz Reichhoff, Peter Hanelt: Wildpflanzen Mitteleuropas. Nutzung und Schutz. Deutscher Landwirtschaftsverlag, Berlin 1991, ISBN 3-331-00301-8.

Einzelnachweise Carl von Linné: Species Plantarum. Band 1, Lars Salvius, Stockholm 1753, S. 546. Ralf Hand: Revision der in Europa vorkommenden Arten von Thalictrum subsectio Thalictrum (Ranunculaceae). In: Botanik und Naturschutz Hessen, Beiheft. Band 9, 2001, S. 1–358 (Dissertation an der Freien Universität Berlin; insbesondere S. 244–254), . Ralf Hand: Thalictrum. In:

Weblinks

Thomas Meyer: Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben) Thalictrum flavum bei Wildpflanzen in den Niederlanden und in Belgien. Steckbrief bei pflanzen-portal.com

Bilder:

Kategorie:Hahnenfußgewächse