Grafenau ist eine Gemeinde im Landkreis Böblingen nahe den Städten Böblingen, Sindelfingen, Weil der Stadt und Calw.

Geographie Das von Höhenzügen geprägte Gemeindegebiet von Grafenau liegt auf einer Höhe von etwa 400–500 m, eingebettet in die Landschaft des Heckengäu.

Gewässer Durch Grafenau fließen die Schwippe, die Würm und der Altbach.

Gemeindegliederung Die Gemeinde Grafenau besteht aus den ehemals selbständigen Gemeinden Dätzingen und Döffingen. Zur ehemaligen Gemeinde Dätzingen gehört das Dorf Dätzingen. Die ehemalige Gemeinde Döffingen umfasst das Dorf Döffingen sowie die Orte Burschelberg, Kapellenberg, Wenninger Höfe sowie die abgegangenen Ortschaften Hofstätten, Mietersheim, Welbingen, Stegmühle (vermutlich in Burschelberg aufgegangen).Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band III: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverband Mittlerer Neckar. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004758-2. S. 81–83 Schutzgebiete

Grafenau hat Anteil an zwei Naturschutzgebieten: dem Naturschutzgebiet Hacksberg und Steckental und dem Naturschutzgebiet Kasparsbrunnen-Ried-Binn. Diese sind eingebettet in das Landschaftsschutzgebiet Grafenau und sind Bestandteil des FFH-Gebiets Gäulandschaft an der Würm. Im Westen hat die Gemeinde zudem einen kleinen Anteil am FFH-Gebiet Calwer Heckengäu.Daten- und Kartendienst der LUBW

Geschichte mini|rechts|Luftbild von Dätzingen, Februar 1918 mini|rechts|Luftbild von Döffingen, August 1918 Bis zur Gemeindefusion Sowohl Döffingen als auch Dätzingen wurden erstmals 1075 urkundlich erwähnt. Seit dem 1. September 1972 bilden Döffingen und Dätzingen die Gemeinde Grafenau.

Dätzingen Ursprünglich gehörte der Ort den Grafen von Fürstenberg. Im 13. Jahrhundert geriet der gesamte Ort in den Besitz des Johanniter-/Malteserordens. Dätzingen bildete ab 1263 eine eigene Kommende und gehörte zum Großpriorat Deutschland des Johanniter-/Malteserordens, mit Sitz in Heitersheim. Die Reformation fand hier nicht statt. 1806 kam Dätzingen an das Königreich Württemberg und wurde dem Oberamt Böblingen zugeordnet.Dätzingen in der Beschreibung des Oberamts Böblingen von 1850.

1850 hatte Dätzingen fünf evangelische und 640 katholische Einwohner, die in 86 Haupt- und 43 Nebengebäuden lebten und arbeiteten.Beschreibung des Oberamts Böblingen – Tabelle I.

Döffingen mini|Grafenau Döffingen durch die Streuobstwiesen am Schwippetal Döffingen unterstand den Pfalzgrafen von Tübingen, fiel aber bereits im 14. Jahrhundert an die Grafschaft Württemberg. Im Jahre 1388 fand hier die große Schlacht bei Döffingen (siehe auch Ulrichstein) statt, welche den entscheidenden Sieg der Landesfürsten unter Eberhard II. von Württemberg gegen die Freien Reichsstädte brachte und zum Landfrieden von Eger führte.Döffingen in der Beschreibung des Oberamts Böblingen von 1850 Nahezu ganz Döffingen wurde am 8. September 1634 von einem großen Feuer zerstört – jedoch schnell wieder aufgebaut.

Döffingen gehörte schon in altwürttembergischer Zeit zum Amt- und späteren Oberamt Böblingen. 1850 hatte Döffingen 1194 evangelische und 13 katholische Einwohner, die in 147 Haupt- und 124 Nebengebäuden lebten und arbeiteten.

Verwaltungszugehörigkeit Bei der Kreisreform während der NS-Zeit in Württemberg gelangten Döffingen und Dätzingen 1938 zum Landkreis Böblingen. 1945 wurden beide Orte Teil der Amerikanischen Besatzungszone und gehörten somit zum neu gegründeten Land Württemberg-Baden, das 1952 im jetzigen Bundesland Baden-Württemberg aufging.

Einwohnerentwicklung Es handelt sich um Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Die Zahlen sind Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg (nur Hauptwohnsitze). mini|links|400px|Einwohnerentwicklung von Grafenau von 1871 bis 2017 Jahr Einwohner 1. Dezember 1871 ¹ 1531 1. Dezember 1880 ¹ 1586 1. Dezember 1890 ¹ 1482 1. Dezember 1900 ¹ 1325 1. Dezember 1910 ¹ 1304 16. Juni 1925 ¹ 1356 16. Juni 1933 ¹ 1376 17. Mai 1939 ¹ 1479 13. September 1950 ¹ 2191 6. Juni 1961 ¹ 3289 Jahr Einwohner 27. Mai 1970 ¹ 4482 31. Dezember 1980 5100 27. Mai 1987 ¹ 5139 31. Dezember 1990 5564 31. Dezember 1995 5917 31. Dezember 2000 6565 31. Dezember 2005 6577 31. Dezember 2010 6516 31. Dezember 2015 6735 31. Dezember 2020 6770

Religion Während das Malteserordensgebiet Dätzingen katholisch blieb und die Dätzinger Kirchengemeinde St. Leonhard heute eine Seelsorgeeinheit mit der Kirchengemeinde St. Peter u. Paul in Weil der Stadt bildet und dem Dekanat Böblingen zugeordnet ist, wurde in Altwürttemberg und damit auch in Döffingen im 16. Jahrhundert die Reformation eingeführt. Die evangelische Kirchengemeinde gehört zum Kirchenbezirk Böblingen (siehe evangelische Kirchengemeinde Döffingen) der Evangelischen Landeskirche. Heutzutage gibt es auch eine neuapostolische Gemeinde im Ort.

Politik Gemeinderat In Grafenau wurde der Gemeinderat bis 2019 nach dem Verfahren der unechten Teilortswahl gewählt. Die unechte Teilortswahl wurde mit Ablauf der Amtsperiode des im Jahr 2019 gewählten Gemeinderats aufgehoben. Der Gemeinderat in Grafenau hat künftig 14 Mitglieder. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Ergebnis.Wahlinformationen des Kommunalen Rechenzentrums Stuttgart Der Gemeinderat besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.

Parteien und Wählergemeinschaften %2024 Sitze2024 %2019 Sitze2019 FW Freie Wähler Grafenau 36,27 5 29,95 6 CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 26,70 4 22,24 4 GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen 14,47 2 18,86 3 SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 9,60 1 12,22 2 FDP Freie Demokratische Partei 8,40 1 8,57 2 PARTEI Die PARTEI 4,55 1 8,16 2 Gesamt 100 14 100 19 Wahlbeteiligung 65,74 % 64,98 %

Bürgermeister Von 1972 bis 1996 war der spätere Ehrenbürger Ewald Bien (* 1940; † 2016) Bürgermeister von Grafenau, welcher bereits von 1966 bis 1972 Bürgermeister der damals noch selbstständigen Gemeinde Dätzingen war. Nachfolger von Ewald Bien im Amt des Bürgermeisters von Grafenau wurde 1996 Martin Thüringer. Er konnte 2020 seine vierte Amtszeit antreten.

Wappen

Wappen der ehemals eigenständigen Gemeinden und heutigen Ortsteile

Dätzingen: Unter silbernem Schildhaupt, darin eine liegende schwarze Hirschstange, in Rot ein silbernes Johanniterkreuz.Wappenbeschreibung (Dätzingen) bei „Heraldry of the World“; abgerufen am 2. Februar 2024. Döffingen: In Gold zwei schräg gekreuzte rote Heuliecher.Wappenbeschreibung (Döffingen) bei „Heraldry of the World“; abgerufen am 2. Februar 2024.

Gemeindepartnerschaft Grafenau unterhält seit 2008 eine offizielle Partnerschaft mit Neckenmarkt im österreichischen Burgenland.

Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr Grafenau ist über die Bundesautobahnen 8 und die 81 erreichbar. Die Anschlussstelle der A 81 ist etwa sieben Kilometer entfernt.

Im öffentlichen Nahverkehr wird der Ort von den Buslinien 763 (Böblingen–Calw) und 766 (Böblingen–Weil der Stadt) von Regiobus Stuttgart sowie 749 (Ostelsheim–Grafenau–Sindelfingen) eines privaten Unternehmens direkt bedient. Den Bahnhof Böblingen erreicht man mit den genannten Linien in etwa 15 Minuten.

Die nächsten Eisenbahnanschlüsse bestehen:

mit den Linien und der S-Bahn Stuttgart vom Bahnhof Weil der Stadt in Richtung Leonberg und Stuttgart mit der Linie der S-Bahn Stuttgart vom Haltepunkt Hulb in Richtung Stuttgart bzw. Herrenberg mit der Linie der S-Bahn Stuttgart von den Haltepunkten Magstadt, Maichingen oder Maichingen Nord in Richtung Böblingen bzw. Renningen und Stuttgart. mit der Linie auf der Württembergischen Schwarzwaldbahn vom Bahnhof Ostelsheim in Richtung Weil der Stadt bzw. Calw

Nächstgelegener Flughafen ist der Flughafen Stuttgart.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Denkmäler Ulrichstein, 1888 in Erinnerung an den 500 Jahre zuvor dort gefallenen Kronprinzen Ulrich von Württemberg errichtet.

Gebäude Malteserschloss Dätzingen Evangelische Martinskirche in Döffingen mit Chorturm aus dem 11./12. Jahrhundert Katholische Leonhardskirche in Dätzingen im Stil des Klassizismus zu Beginn des 19. Jahrhunderts Kapellenbergturm, 1958/59 als Wasserturm errichtet Graf-Ulrich-Bau, 1936/1937 im Heimatschutzstil errichtete Turn- und Festhalle

Vereine

In Grafenau gibt es viele Vereine, darunter aus dem Bereich der Musik die „Chorvereinigung Grafenau e. V.“ (bestehend aus dem ehemaligen Liederkranz, der auf den 1846 gegründeten Männergesangverein zurückgeht, und den Klangfarben), den Musikverein sowie die beiden HCs aus Döffingen und Dätzingen. Aus dem Bereich Sport den TSV, den Tennisclub. Einer der jüngsten Vereine ist die 1. Narrenzunft.

Über die Grenzen von Grafenau hinaus bekannt ist der 1975 gegründete Kulturkreis Grafenau, der in den Sparten Musik, Theater/Ausstellung und Heimatmuseum Konzert- und Veranstaltungsreihen rund um das Dätzinger Schloss organisiert.

Schulen mini|Gemeinschaftsschule Döffingen Da Grafenau aus zwei Ortsteilen besteht, die früher selbständige Gemeinden waren, gibt es noch zwei eigenständige Schulen. So gibt es in Dätzingen eine Grundschule mit angeschlossener Kernzeitbetreuung, in Döffingen seit dem Schuljahr 2012/13 eine Gemeinschaftsschule (vormals Grund- und Werkrealschule), ebenfalls mit Kernzeitbetreuung.

Die Volkshochschule Böblingen/Sindelfingen betreibt in Grafenau eine Außenstelle.

Söhne und Töchter der Gemeinde Georg von Morlok (1815–1896), geboren im Ortsteil Dätzingen, Architekt und Eisenbahningenieur Karl Hermann von Zeller (1849–1937), geboren im Ortsteil Döffingen, Jurist, Präsident des Konsistoriums und der Kirchenregierung der Evangelischen Landeskirche in Württemberg Franz Heinkele (1881–1950), geboren im Ortsteil Dätzingen, Tuttlinger Kommunalpolitiker Wolfgang Isenhardt (1941 in Pforzheim), langjähriger Dirigent der Chorvereinigung Grafenau (früher Liederkranz) Fridolin P. Mechel (1930 in Blickweiler–2014), deutscher Physiker, Hochschullehrer und Experte für Akustik Friedrich von Triebig (1826–1894), geboren im Ortsteil Döffingen, württembergischer Generalleutnant

Einzelnachweise

Weblinks

Offizieller Internetauftritt der Gemeindeverwaltung Grafenau

Kategorie:Ort im Landkreis Böblingen Kategorie:Gemeindegründung 1972