Herdecke [] ist eine Stadt im südöstlichen Ruhrgebiet und liegt an der Ruhr im nördlichen Teil des Ennepe-Ruhr-Kreises in Nordrhein-Westfalen.

Touristisch bedeutend sind neben dem hohen Freizeit- und Erholungswert der beiden Ruhrstauseen Hengstey- und Harkortsee sowie der bewaldeten Ardeyhöhen unter anderem das Bachviertel als historische Altstadt mit vielen Fachwerkhäusern und der talüberspannende, gut 30 m hohe Ruhr-Viadukt.

Im Rahmen seines Stadtmarketings bezeichnet sich Herdecke als „die Stadt zwischen den Ruhrseen“. Website der Stadt Herdecke, abgerufen am 30. August 2019.

Geografie mini|Blick auf die Altstadt mini|Die evangelische Stiftskirche St. Marien mini|Erbbegräbnis von Haus Mallinckrodt in Ende

Geographische Lage Herdecke liegt direkt an der Ruhr mit ihren beiden Stauseen Hengsteysee und Harkortsee, dem Ruhrtal und der Ardeypforte. Landschaftlich gehört Herdecke zu den nordwestlichen Ausläufern des Sauerlandes und wird dem niederbergisch-märkischen Hügelland zugerechnet. Herdecke liegt auf einer Höhe von 80 bis .

Unabhängig von naturräumlichen Gegebenheiten ist Herdecke Bestandteil des Ruhrgebietes. Von seiner ehedem auf Steinkohle und Großindustrie basierenden Wirtschaftsgeschichte wurde die Stadt jedoch nur indirekt beeinflusst. Im Stadtgebiet kommen nur gering mächtige Steinkohlenflöze vor, die fast sämtlich abgebaut, aber insgesamt als nicht abbauwürdig eingestuft wurden.

Stadtgliederung Herdecke liegt mit Ausnahme einer kleinen Fläche an der Ruhrbrücke ausschließlich nördlich der Ruhr. Das Stadtgebiet dehnt sich in maximaler Länge etwa acht Kilometer in Nord-Ost/Süd-West-Richtung und etwa fünf Kilometer in Nord-West/Süd-Ost-Richtung aus.

Die Stadt Herdecke hat zwei Siedlungskerne: Herdecke und Ende; letzteres umfasst das ehemalige Amt Ende beziehungsweise die Gemeinde Ende mit den Bauerschaften Kirchende, Ostende, Westende und Gedern sowie dem „Villenvorort“ Ahlenberg.

+ Stadtteile von Herdecke mit Einwohnerzahlen Stadtteil 2000 2010 Ahlenberg 2109 1870 Ende 8360 7834 Herrentisch/Sonnenstein 3421 3691 Innenstadt 4077 2819 Nacken 3575 3731 Schraberg/Semberg/Schnee 4011 3926

Nachbargemeinden Direkt angrenzende Städte sind, beginnend im Norden im Uhrzeigersinn, die kreisfreien Städte Dortmund und Hagen sowie Wetter und Witten (beide Ennepe-Ruhr-Kreis).

Geologie Die Stadt liegt mitten im Ardeygebirge, einem Teil des Rechtsrheinischen Schiefergebirges. Die oberflächennah anstehenden Gesteine stammen aus dem Oberkarbon. Es handelt sich dabei vorwiegend um Ton- und Schluffstein sowie Sandstein. Der Abbau des hier vorkommenden so genannten Ruhrsandsteins in zahlreichen Steinbrüchen hat die Stadt sehr geprägt. Ein großer Steinbruch ist heute noch in Betrieb, in ihm werden Bruch- und Werksteine gewonnen. Herdecke ist bekannt für seine Teufelskanzel. Bei der Herdecker Teufelskanzel handelt es sich um einen Sandsteinfelsen.

Klima Herdecke gehört zum maritim beeinflussten nordwestdeutschen Klimabereich und weist mittlere Jahresniederschläge zwischen 850 und 900 mm sowie ein Jahresmittel der Temperatur von etwa 10,6 °C auf.Stadt Herdecke: , 2004

Geschichte mini|Das Bachviertel am Herdecker Bach mini|Le Coq, Karte von Westfalen, 1805

Nach Hermann Stangefols Werk „Annales circuli Westphalici“ wurde angeblich 819 ein Frauenstift von einer Frederuna gegründet. Eine urkundliche Erwähnung findet jedoch erst 1214 statt.Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen: Bestandsbeschreibung Stift Herdecke – Akten, abgerufen am 4. März 2022. Die Zugehörigkeit der Klaustralgemeinschaft zum Benediktinerorden ist ab 1313 belegt. Im 15. Jahrhundert wird die Gemeinschaft in ein freiweltliches Damenstift überführt. Für den Stift wurde eine karolingische Basilika als Kirche erbaut. Der klösterliche Grundbesitz und das Stift Herdecke gelten als Keimzelle des Ortes. Das Stift wurde 1811 mit Wirkung zum 1. Januar 1812 aufgehoben.Gerhard Sollbach: Das freiweltliche adlige Damenstift in Herdecke an der Ruhr. In: Baldur Hermans (Hrsg.): Die Säkularisation im Ruhrgebiet. Ein gewalttätiges Friedensgeschäft. Vorgeschichte und Folgen. Edition Werry, Mülheim an der Ruhr 2004, ISBN 3-88867-049-7, S. 95–108. Heute steht an diesem Platz die Evangelische Stiftskirche St. Marien.

1324 fiel Herdecke aus Kölnischem Besitz an die Grafschaft Mark. Als neuer Landesherr übernahm der Graf von der Stiftsäbtissin die Gerichtsbarkeit und errichtete am Stift einen Pranger, der bis 1700 existierte.

1355 bekam das dorp herricke von Graf Engelbert III. von der Mark die Marktrechte verliehen. In den folgenden Jahrhunderten entwickelte sich aufgrund der verkehrstechnisch günstigen Lage am Ruhrübergang und am Schnittpunkt der großen Handelsstraßen zwischen Köln und Weserraum sowie Siegerland und Münsterland der regional bedeutsame Herdecker Kornmarkt, der bis Ende des 19. Jahrhunderts bestand und dessen Getreidepreise zu Richtpreisen für Westfalen wurden.Walter Vollmer: Westfälische Städtebilder. Berichte und Betrachtungen. C. Bertelsmann Verlag, Gütersloh 1963, S. 234. Laut dem Schatzbuch der Grafschaft Mark von 1486 hatten in der großen Bauerschaft Herdeke die 60 Steuerpflichtigen zwischen ½ Goldgulden und acht Goldgulden Abgabe zu leisten.Aloys Meister: Die Grafschaft Mark, Festschrift zum Gedächtnis der 300-jährigen Vereinigung mit Brandenburg-Preußen. 2. Band, Dortmund 1909, S. 57: Auszug aus dem Schatzbuch der Grafschaft Mark von 1486 (Bauerschaft Herdecke)

1615 wurde die Ortschaft zur Freiheit erhoben und 1739 verlieh Friedrich Wilhelm I. Herdecke die Stadtrechte. Im Winter 1624/1625 diente die junge Freiheit Herdecke einer Garnison „hispanischer Kriegsleute“ als Quartier und Lager.

Die 4. Auflage von Meyers Konversations-Lexikon notierte 1888: „Herdecke, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Arnsberg, Kreis Hagen, ., an der hier schiffbaren Ruhr und den Linien Hagen-Witten, H.-Dahlhausen und Schwelm-Dortmund der Preußischen Staatsbahn, hat eine alte evangelische und eine kath. Kirche, große Sandsteinbrüche, Fabriken für Tuch, Tabak, Leder, Papier und Eisenwaren, Färberei, Bierbrauerei und (1885) 4124 meist evang. Einwohner. Über der Stadt liegt der Kaisberg mit einem Turm zur Erinnerung an den Freiherrn vom Stein; entfernter die Trümmer der Hohensyburg; der neue Aussichtsturm daselbst wurde dem Oberpräsidenten v. Vincke zu Ehren errichtet. Unterhalb H. liegt der Sonnenstein, ein 200 m hohes Plateau, auf welchem alljährlich im Juni der Rheinisch-Westfälische Turngauverband das bekannte Sonnensteinfest feiert. H. gegenüber liegt die Gemeinde Vorhalle mit Eisen- und Messingwarenfabrik.“

1929 sollte Herdecke ein Stadtteil von Hagen werden.M. Sollbach-Papeler: Vor 70 Jahren: Herdecke sollte Stadtteil von Hagen werden – Eingemeindungsvertrag lag unterschriftsreif vor. Herdecker Blätter, Heft 15 (Mai 1999), S. 28–36 ().

Im Zweiten Weltkrieg hatte die Stadt die Patenschaft über das U-Boot U 751, das am 17. Juli 1942 von britischen Flugzeugen im Atlantik versenkt wurde.

Eingemeindungen Am 1. April 1939 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Ende eingegliedert.

Bevölkerung

Herdecke entwickelte sich im Laufe von zwei Jahrhunderten zwischen 1739 und 1939 von einem bäuerlich geprägten mittelalterlichen Marktort zu einer florierenden Kleinstadt. Die Bevölkerungszahl stieg in dieser Zeit fast auf das Achtfache.

In den 1990er-Jahren erreichte die Einwohnerzahl mit rund 26.500 ihren Höhepunkt. Nach einer Stagnation zur Jahrtausendwende ist die Bevölkerungszahl rückläufig. Im Zuge der allgemeinen Bevölkerungsentwicklung ist mit einem weiteren Rückgang zu rechnen. Für Herdecke wird ein weiterer Rückgang auf 20.000 Einwohner erwartet.

Aufgrund der städtischen Siedlungsplanung und der damit verbundenen Bevölkerungsentwicklung gehört Herdecke zu den Spitzenreitern bei der Flächenversiegelung im gesamten Regierungsbezirk Arnsberg, mehr als ein Drittel der Stadtfläche ist überbaut und es sind fast 300 m² Boden/Person versiegelt.

Bevölkerungsentwicklung Jahr 1739 1885 1939 1961 1970 1987 1990 1993 2002 2006 2008 Einwohner 896 4.124 10.713 17.218 20.157 25.238 26.184 26.488 25.982 25.374 25.048 Jahr 2010 2012 2016 2017 2020 2022 Einwohner 24.428 22.754 22.768 22.836 22.653 22.758

Politik Rat der Stadt Seit der Kommunalwahl 2009 gehören dem Rat der Stadt 38 Mitglieder an. Die Wahl am 13. September 2020 führte bei einer Wahlbeteiligung von 59,17 % (+ 4,37 %) zu dem folgenden Ergebnis:Ergebnis Gemeinderatswahl Herdecke 2020 (S. 137)

mini|Das Herdecker Rathaus

Partei/Liste Stimmenanteil +/− %p Sitze SPD 32,31 % − 8,86 12 − 4 CDU 28,71 % − 0,92 11 ± 0 GRÜNE 19,49 % + 5,10 7 + 2 FDP 8,38 % + 0,57 3 ± 0 AfD 4,37 % + 4,37 2 + 2 LINKE 3,90 % − 3,10 1 − 2 PARTEI 2,84 % + 2,84 1 + 1

Bürgermeister Hauptamtliche Bürgermeisterin der Stadt Herdecke ist ab dem 1. November 2025 die SPD-Politikerin Iris Stalzer. Sie erreichte bei der Stichwahl am 28. September 2025 einen Anteil von 52,2 Prozent der Stimmen und setzte sich somit gegen Fabian Haas (CDU) durch.

Amtszeiten der Bürgermeister seit 2025 Iris Stalzer (SPD) 2009–2025 Katja Strauss-Köster (CDU) 1997–2009 Hans-Werner Koch (SPD) 1964–1997 Hugo Knauer (SPD) 1952–1964 Otto Hellmuth (SPD) 1946–1952 Josef Severin (SPD) 1933–1937 Rudolf am Wege (NSDAP) 1909–1933 Robert Bonnermann 1877–1898 Wilhelm Mellinghaus

Städtepartnerschaften Es besteht eine Städtepartnerschaft mit Blankenburg (Harz). Die Partnerstadt ist jedes Jahr auf der Herdecker Maiwoche vertreten, wo neben typischen Speisen und Getränken aus dem Harz auch touristische Angebote vorgestellt werden.

Wappen Auf dem Herdecker Wappen ist eine silberne, auf einem Hügel stehende Eiche mit goldgelben Früchten auf rotem Schild abgebildet. Die örtlich so genannte „Herta-Eiche“ ist schon lange das Zeichen der Stadt, schon ein Stadtsiegel von 1784 zeigt einen Baum. Seit der Wappenverleihung 1902 durch das preußische Heroldsamt ist das offizielle Stadtwappen mit einer dreitürmigen Mauerkrone als Oberwappen versehen. Die Flagge der Stadt Herdecke zeigt die Farben Rot-Weiß.

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Der imposante Ruhr-Viadukt markiert den Beginn des Harkortsees mini|Altes Fachwerkhaus am Ortseingang Hauptstraße 1 mini|Das Koepchenwerk, eines der beiden ersten Pumpspeicherkraftwerke Deutschlands

Bedeutende Bauwerke

Allgemeine Baudenkmale: zahlreiche alte Bruchstein- und Fachwerkhäuser Gut Schede Haus Ende Haus Kallenberg Haus Mallinckrodt Ruhr-Viadukt, talüberspannende, gut 30 m hohe Eisenbahnbrücke

Industriekultur: Koepchenwerk Kraftwerk Stiftsmühle Laufwasserkraftwerk Hengstey (das Kraftwerksgebäude befindet sich bereits auf Hagener Stadtgebiet, nur ein Teil der Stauwehranlage gehört zu Herdecke)

Kirchen: Evangelische Dorfkirche Kirchende Evangelische Stiftskirche St. Marien Katholische Pfarrkirche St. Philippus und Jakobus

Freizeit und Sport mini|Minigolf-Anlage im Zillertal am Harkortsee

Neben den sich in der Natur anbietenden Sport- und Erholungsmöglichkeiten im Wald (Wandern, Jogging) sowie auf und an den Stauseen (Rudern, Kanufahren, Segeln, Radfahren, Inlineskaten etc.) verfügt Herdecke insbesondere mit dem weitgehend frei zugänglichen Freizeitzentrum Bleichstein mit öffentlichen Sportplätzen, Kletterwand, Halfpipe, Wiesenflächen und einem größeren Spielplatz über einen großen Anziehungspunkt für viele Besucher. Im Sommerhalbjahr ist das dort gelegene Freibad Freizeitbad Bleichstein mit Rutsche, Wildwasserkanal und Tauchturm ein beliebter Treffpunkt. Benachbart ist das Hallenbad Bleichstein. Darüber hinaus befindet sich an der Stadtgrenze am Harkortsee das Naherholungsgebiet Zillertal, wo sich eine Gaststätte mit Minigolf-Anlage und das Naturschutzgebiet Avalonia, das zum Bouldern genutzt wird, befindet.