Die Grund- und Mittelschule Memmingen-Amendingen, bis 2011 Volksschule Amendingen, befindet sich im Memminger Gemeindeteil Amendingen. Sie besteht aus einer Grund- und einer Mittelschule. Die Verbandsschule ist die größte Mittelschule der Stadt Memmingen. Sie wurde 1979 bundesweit bekannt, als ein Lehrer einen Schüler ohrfeigte und dies vom Bayerischen Obersten Landesgericht mit Bezug auf das Gewohnheitsrecht toleriert wurde. Dieses Urteil führte zu einer Gesetzesänderung in Bayern, die an Schulen die Prügelstrafe endgültig abschaffte.
Beschreibung der Schule mini|Das Gebäude der Volksschule Amendingen. Zum Schulsprengel der Grundschule Amendingen gehören die Memminger Ortsteile Amendingen und Eisenburg (ab Klasse 1) sowie der Ortsteil Steinheim und die Gemeinden Buxheim, Heimertingen, Fellheim und Pleß (Klassen 5–9). Im Schuljahr 2024/25 besuchten circa 460 Schüler die Grund- und Mittelschule, das Kollegium umfasste ca. 30 hauptamtliche Lehrer.
Der Anteil an Schülern ohne deutsche Staatsangehörigkeit liegt bei etwa 16 %.Stand: Schuljahr 2009/10 Die Grundschule ist zweizügig mit der Ausnahme einer Kombiklasse 1/2, während die Mittelschule durchgängig zweizügig ist. Dabei wird auch ein Mittlere-Reife-Zug von der 7. bis zur 10. Klasse angeboten. Neu ist seit dem Schuljahr 2008/09 eine Ganztagesklasse, allerdings nicht wie üblich ab der 5., sondern in einer 7. Klasse des Mittlere-Reife-Zuges.
Geschichte mini|Die Schüler aus dem Jahrgang 1920/21 vor der Großen Schule. mini|Eine Klasse des Jahrgangs 1925 vor der damals neuen Schule an der Schulsteige.
Gründungszeit Eine der ersten gesicherten Nennungen der Schule bezieht sich auf die Jahre 1808–1810. Nach der Übernahme der Landeshoheit durch das Königreich Bayern wurden die neuen Besitztümer von Kommissären aufgenommen und als sogenannte BesitzfassionenDiese Besitzfassionen bildeten die Vorläufer des ersten bayerischen Gemeindekatasters, der im Bayerischen Staatsarchiv Neuburg a. D. liegt; Stefan Binzer – Amendingen in Vergangenheit und Gegenwart – Eine kurzgefasste Ortsgeschichte, S. 22. dokumentiert. Es existierte vermutlich schon viel früher eine Schule am Ort. Allerdings ist die Quellenlage darüber sehr dünn. Das Schulhaus, ein kleines Backsteingebäude, stand neben der heutigen Sparkasse in Amendingen. Etwa 50 Schüler der Jahrgangsstufen eins bis sieben wurden dort in einer einzigen Klasse unterrichtet. Nachdem die Schülerzahl angestiegen war, wurde die vormals einklassige Schule in zwei Stufen gegliedert. Die „Kleine Schule“ mit den Schülern der ersten und zweiten Jahrgangsstufe befand sich vorübergehend im alten Mesnerhaus neben der Kirche. Die „Große Schule“ mit den Schülern der dritten bis siebenten Jahrgangsstufe verblieb im alten Backsteingebäude.Festschrift zur Einweihung des Schulerweiterungsbaues am 20. November 1987, S. 6.
Schule an der Schulsteige 1923–1964 Die erste große Schule in Amendingen wurde während der Inflationszeit unter dem damaligen Bürgermeister Johann Dirr erbaut. Dirr ließ einen für die damaligen Verhältnisse der Gemeinde großzügigen Plan anfertigen, den der Gemeinderat zwar grundsätzlich befürwortete, aber wegen der nicht finanzierbaren Bausumme ablehnte. Dirr hielt an dem Plan fest und setzte ihn auf eigene Kosten um. Er begann den Bau der Schule auf seinem eigenen Grundstück. Durch die fortschreitende Geldentwertung und die aus taktischen Gründen reichlich späten Zahlungen wurde der Bau immer kostengünstiger. Bei der Fertigstellung im Jahre 1923 stellte sich heraus, dass das Teuerste am Bau der Schule die Einrichtung war, die mit der neuen Rentenmark bezahlt werden musste.Stefan Binzer: Amendinger Chronik. Geschichte Amendingens – Über 30 Jahre in Krieg und Frieden, Amendingen von 1918 bis 1933, S. 23. 1949 wurde die Schule erstmals renoviert. Durch den Anstieg der Einwohnerzahlen nach dem Krieg wurde der Raum in der vorher als „übertrieben groß“ bezeichneten Schule knapp.Stefan Binzer: Amendinger Chronik. Geschichte Amendingens – Über 30 Jahre in Krieg und Frieden, Amendingen von 1918 bis 1933, S. 24. Im Jahr 1954 wurde die Schule mit einem dritten Schulsaal erweitert. Zu dieser Zeit waren dort insgesamt drei Lehrkräfte tätig. Einige Jahre später folgte ein weiterer Saal in barackenähnlichem Stil. Pläne zur weiteren Vergrößerung der Schule wurden zu Gunsten eines Neubaus an anderer Stelle aufgegeben, im Gebäude der bisherigen Schule brachte man den Kindergarten unter. Der Name der Straße erinnert weiterhin an die damalige Schule.
Schule an der Waimerstraße von 1964 bis heute mini|Die alte Schule an der Schulsteige. Im Gebäude ist heute der Kindergarten untergebracht. mini|Erweiterungsbau der Turnhalle im März 2009. Pläne von Facharchitekten wurden eingeholt, wobei vor allem die Standortfrage mit besonderen Schwierigkeiten verbunden war. Von Bauern war in der günstigen Lage kein so großes Gelände zu erwerben, außerdem musste auch auf deren Existenz, die nicht gefährdet werden durfte, Rücksicht genommen werden. Nach langem Suchen wurde schließlich ein im Besitz der Bürger- & Engelbräu AG befindliches Grundstück am Ostrand des Dorfes gewählt, dessen Lage in einem Gutachten der Regierung empfohlen wurde. Besonders lobend wurde der Umstand erwähnt, dass die umgebende Wasserschutzzone und der Sportplatz die Gewähr böten, dass die unmittelbar angrenzenden Grundstücke nicht bebaut werden und der freie Blick in die grüne Landschaft erhalten bleibt. Die Eigentümer waren nicht abgeneigt, das Grundstück zu verkaufen, machten aber wegen steuerlicher Bedenken einen Rückzieher. Die zum Kauf fest entschlossene Gemeinde konnte den Erwerb jedoch nach zweijährigen Verhandlungen 1964 doch noch abschließen, nachdem zwischenzeitlich sogar mit Enteignung gedroht worden war. Damit war der Weg frei für das bis dahin größte Bauvorhaben in der Amendinger Geschichte.
Mit einem Kostenaufwand von rund zwei Millionen D-Mark entstand ein Schulzentrum mit einer achtklassigen Volksschule einschließlich Turnhalle. Baubeginn war im Oktober 1964. Knapp zwei Jahre später, am 16. Juli 1966, wurde der Neubau eingeweiht. Er umfasste neben Fachräumen neun Klassenzimmer mit einem Aufnahmevermögen von rund 200 Schülern, wodurch jetzt auch Jahrgangsklassen gebildet werden konnten. Kurz nach der Fertigstellung wäre allerdings schon eine Erweiterung nötig gewesen, da die Schule eine Verbandsschule wurde und die Schülerzahl hierdurch rapide anstieg. Zudem wurde die Gemeinde nach der Eingemeindung 1972 ein beliebtes Zuzugsgebiet mit reger Bautätigkeit. Das neue Schulgebäude war bereits viel zu klein geworden; deshalb mussten Ausweichräume geschaffen werden. Im Schulhof wurde ein Pavillon aufgestellt, in dem einige Klassen behelfsmäßig untergebracht wurden. Zeitweise befanden sich bis zu zwölf Klassen in Schulgebäuden anderer Ortsteile und in Buxheim. Aufgrund der Platznot wurde unter anderem überlegt, den Schulsprengel neu aufzuteilen und die Schule nur für Amendinger Schüler zugänglich zu machenMemminger Zeitung, 9. Dezember 1982, Vereinsvorstände fordern eigene Verbandsschule für Amendingen oder verschiedene Klassen auf die Schulen der Stadt Memmingen aufzuteilen. Dies wurde aber von Bevölkerung und Politikern abgelehnt.Memminger Zeitung, 20. Januar 1983, „Amendinger Schule nicht aufspalten!“ – Gegen Verlagerung der Klasse 7 mit 9
Nach häufigem und dringlichem Aufzeigen der Schulraumnot wurde der Schulhausneubau 1984 schließlich genehmigt.Memminger Zeitung, 4. August 1978, Wenig Aussichten für Erweiterung des Amendinger VerbandsschulhausesMemminger Zeitung, 5. Juni 1982, Schule Amendingen in großer Raumnot – Erweiterungsbau wird gefordert Grundlage des Planungskonzeptes für die Erweiterung war das genehmigte Raumprogramm der Regierung von Schwaben vom September 1985. Nach diesem Programm standen für den Erweiterungsbau etwa 1220 Quadratmeter Hauptnutzfläche zur Verfügung. Der Erweiterungsbau wurde im Osten an die bestehende Pausenhalle angebunden und mit zwei Flügeln in Nord-Süd-Richtung über eine Eingangshalle verbunden. Damit waren am bestehenden Gebäude einige Umbauten erforderlich, wie der Durchbruch der Pausenhalle nach Osten. Außerdem wurden längst fällige Sanierungsarbeiten am Altbau vorgenommen. Die undicht gewordene Flachdachkonstruktion ersetzte man durch einen flach geneigten Dachstuhl mit Ziegeldeckung. Am 13. Mai 1986 erfolgte der erste Spatenstich. Trotz des langen und strengen Winters 1986/1987 und des Dauerregens im Sommer konnte die Schule termingerecht zum Schuljahresbeginn am 20. November 1987 ihrer Bestimmung übergeben werden. Der Bau hatte insgesamt 7,1 Millionen D-Mark gekostet.Festschrift zur Einweihung des Schulerweiterungsbaues am 20. November 1987, S. 25. Das neue Schulgebäude bot Platz für alle 421 Schüler; im Altbau wurde die Grundschule und im Neubau die Hauptschule untergebracht.
Bereits 1996 wurden weitere platzschaffende Baumaßnahmen nötig: An der Nordseite der ersten Erweiterung baute man acht weitere Klassen- und Fachräume an. Im Schuljahr 1999/2000 wurde erstmals eine M-Klasse gebildet, 2003 legten erstmals Schüler die Mittlere-Reife-Prüfung an der Volksschule ab. Im Jahr 2002 bauten Schüler, Lehrer und Eltern gemeinsam den Pausenhof an der Nordseite aus. Bereits ein Jahr darauf wurde mit dem Ausbau des nördlichen Dachbodens als Mittagsbetreuungsraum wieder ein Projekt in Zusammenarbeit mit den Eltern initiiert. Somit konnte ab dem Schuljahr 2003/2004 eine Mittagsbetreuung an der Schule angeboten werden. Am 5. August 2008 fand der erste Spatenstich zur Erweiterung der Turnhalle statt, diese kostete knapp zwei Millionen Euro.Memminger Zeitung, 6. August 2008, S. 27. Nach einjähriger Bauzeit wurde der Erweiterungsbau am 30. Juli 2009 eingeweiht.Memminger Zeitung, 31. Juli 2009, Eine lange, endliche Geschichte – Turnhallen-Neubau – Von vielen ersehntes Projekt wurde gestern in Amendingen eingeweiht Im Rahmen der bayerischen Schulreform der Hauptschulen wurde die Schule ab dem 1. August 2011 von der Volksschule in eine Grund- und Mittelschule umgewandelt.Memminger Zeitung, 7. März 2011, Gremium schafft Voraussetzung für Weiterentwicklung hiesiger Hauptschulen
2019 wurden an der Schule weitere Erweiterungsbauten und Umbaumaßnahmen vorgenommen, um Räume für die Ganztagesbetreuung und einen neuen Mensabereich zu schaffen. Für die Mittagsbetreuung wurde ein verglaster Anbau im nördlichen Schulbereich mit direkten Zugang zum Pausenhof gebaut. Die Mensabereiche wurden an der Südseite an den bisherigen Hauswirtschaftsbereichen angebaut. Die Kosten beliefen sich auf etwa 2,4 Millionen Euro.
Eine zusätzliche Verbesserung der Verkehrsanbindung soll im Rahmen des Ausbaus der Regio-S-Bahn Donau-Iller mit den sogenannten „Memminger Halten“ erfolgen. Dieser sieht vor, dass beim Sportplatz nordöstlich der Schule eine neue Haltestelle der Linie RS 7 entstehen soll. Die Schule soll mit einer umwegfreien Fußweg verbunden werden. Diese soll bis 2025 realisiert sein.Die neuen Memminger Halte
Watschen-Urteil