mini|Pflanzliche Lebensmittel mini|Tierische Lebensmittel

Die Ernährung des Menschen (auch Humanernährung) beruht auf der Zufuhr von Lebensmitteln. Zu diesem Oberbegriff gehören Nahrungsmittel und Wasser. Nahrungsmittel enthalten Makronährstoffe (Proteine, Fette und Kohlenhydrate) und Mikronährstoffe – somit Baustoffe und Energie. Wasser dient als Lösungsmittel für Makro- und Mikronährstoffe und ist für deren Transport sowie andere physiologische Prozesse zuständig.

Die menschliche Ernährung beeinflusst auch das körperliche, geistige, physiologische und soziale Wohlbefinden. Der bewusste Umgang mit der Zufuhr von Nahrung ist zudem ein weit verbreiteter Bestandteil der menschlichen Kulturen und vieler Religionen und Weltanschauungen.

Zur Ernährung des Menschen tragen Rohkost und gegarte Nahrungsmittel bei, die frisch oder konserviert sein können. Fehlfunktionen bei der Nahrungsaufnahme werden als Ernährungsstörungen bezeichnet. Die wissenschaftlichen Grundlagen der Ernährung des Menschen werden insbesondere von der Ernährungswissenschaft erforscht und u. a. im Studienfach Ökotrophologie vermittelt.

Ernährung im Verlauf der Evolution des Menschen Der heutige Mensch ernährt sich zumeist omnivor, jedoch auch vegetarisch oder vegan. Belege für den Anteil tierischer und pflanzlicher Nahrung bei fossilen Arten können zum Beispiel durch eine Isotopenuntersuchung von Zinkisotopen im Zahnschmelz erbracht werden.Nicolas Bourgon et al.: Zinc isotopes in Late Pleistocene fossil teeth from a Southeast Asian cave setting preserve paleodietary information. In: PNAS. Band 117, Nr. 9, 2020, S. 4675–4681, doi:10.1073/pnas.1911744117. Die Ernährungsweise fossiler Wirbeltiere rekonstruieren. Auf: mpg.de vom 17. Februar 2020. Auch anhand des Knochenkollagens lässt sich bei einem menschlichen Skelett der ungefähre Anteil an tierischer oder pflanzlicher beziehungsweise maritimer oder kontinentaler Ernährung bestimmen.Josef Fischer: Ernährung im mykenischen Griechenland. Dissertation (Universität Salzburg). Ridero IT Publishing, Krakau 2017, ISBN 978-83-8104-523-0, S. 9–10, Volltext.

Frühe Verwandte der Vorfahren des Menschen mini|Frühes Steingerät vom Oldowan-Typ

Aus dem Abrieb und aus anderen Merkmalen ihrer Zähne wurde geschlossen, dass die frühen Vertreter der Hominini (Australopithecus anamensis, Australopithecus afarensis, Australopithecus africanus und Homo rudolfensis) sich vor rund 3 bis 4 Millionen Jahren von einer überwiegend pflanzlichen Kost ernährten, vergleichbar mit den heutigen Pavianen;Mark F. Teaford und Peter S. Ungar: Diet and the evolution of the earliest human ancestors. In: PNAS. Band 97, Nr. 25, 2000, S. 13506–13511, doi:10.1073/pnas.260368897, Volltext (PDF).Peter S. Ungar, Frederick E. Grine und Mark F. Teaford: Diet in Early Homo: A Review of the Evidence and a New Model of Adaptive Versatility. In: Annual Review of Anthropology. Band 35, 2006, S. 209–228, doi:10.1146/annurev.anthro.35.081705.123153, Volltext (PDF).Jennie Brand-Miller et al.: A central role for dietary sugars in human evolution. In: Science. Band 393, Nr. 6811, 2026, S. 574–581, doi:10.1126/science.aed8437. Sugars may have helped fuel the evolution of the human brain. Auf: eurekalert.org vom 6. August 2026. zudem wurde postuliert, dass das Ausgraben von unterirdischen pflanzlichen Speicherorganen – das auch von Schimpansen (Pan troglodytes) bekannt istR. Adriana Hernandez-Aguilar et el.: Savanna chimpanzees use tools to harvest the underground storage organs of plants. In: PNAS. Band 104, Nr. 49, 2007, S. 19210–19213, doi:10.1073/pnas.0707929104.Alba Motes-Rodrigo et al.: Chimpanzee extractive foraging with excavating tools: Experimental modeling of the origins of human technology. In: PLoS ONE. Band 14, Nr. 5, e0215644. doi:10.1371/journal.pone.0215644. – Einfluss auf den Verlauf der frühen Stammesgeschichte der Hominini nahm.Greg Laden und Richard Wrangham: The rise of the hominids as an adaptive shift in fallback foods: Plant underground storage organs (USOs) and australopith origins. In: Journal of Human Evolution. Band 49, Nr. 4, 2005, S. 482–498, doi:10.1016/j.jhevol.2005.05.007, Volltext (PDF). Jedoch dauerte bereits bei den frühesten Vertretern der Gattung Homo die Säuglingsphase wohl deutlich länger als bei Australopithecus und Paranthropus.Théo Tacail et al.: Calcium isotopic patterns in enamel reflect different nursing behaviors among South African early hominins. In: Science Advances. Band 5, Nr. 8, 2019, eaax3250, doi:10.1126/sciadv.aax3250.

Frühe Hinweise auf Fleischverzehr sind 2,4 Millionen Jahre alte Schnittspuren an fossilen Knochen von der Fundstelle Ain Boucherit in Algerien.Mohamed Sahnouni et al.: 1.9-million- and 2.4-million-year-old artifacts and stone tool–cutmarked bones from Ain Boucherit, Algeria. In: Science. Band 362, Nr. 6420, 2018, S. 1297–1301, doi:10.1126/science.aau0008. Strongest evidence of early humans butchering animals discovered in North Africa. Auf: sciencemag.org vom 29. November 2018. Jedoch wird heute erst Homo habilis zugeschrieben (mit dessen rund 2 Millionen Jahre alten Fossilien auch Steinwerkzeuge und als gesichert geltende Schnittspuren an Knochen gefunden wurden), dass er in etwas größerem Maße als die Individuen früherer Arten der Hominini das Fleisch großer Wirbeltiere verzehrt hat. Offenbar wurden damals mit Hilfe von Steinwerkzeugen zusätzliche Nahrungsquellen – Fleisch und Knochenmark – erschlossen. Dies geht jedenfalls aus 1,95 Millionen Jahre alten Knochenfunden hervor, die in Kenia geborgen wurden und bezeugen, dass damals bereits neben Antilopenfleisch auch das Fleisch zahlreicher im Wasser lebender Tiere – darunter Schildkröten, Krokodile und Fische – verzehrt wurde.David R. Braun u. a.: Early hominin diet included diverse terrestrial and aquatic animals 1.95 Ma in East Turkana, Kenya. In: PNAS. Band 107, Nr. 22, 2010, S. 10002–10007, doi:10.1073/pnas.1002181107. Hyperostotische Veränderungen am rund 1,7 Millionen Jahre alten Fossil KNM-ER 1808 von Homo erectus wurden auf den Verzehr großer Mengen Fleischfresser-Leber zurückgeführt,Alan Walker, Michael R. Zimmerman und Richard Leakey: A possible case of hypervitaminosis A in Homo erectus. In: Nature. Band 296, 1982, S. 248–250, doi:10.1038/296248a0. und die ebenfalls krankhaften Veränderungen an einem 1,5 Millionen Jahre alten, den Hominini zugeschriebenen Schädelknochen eines Kleinkindes (Olduvai Hominid OH 81) wurden als Folge einer Anämie interpretiert, einer Erkrankung, die mit Eisenmangel in Verbindung gebracht wird. Hier gibt es Spekulationen, diese Anämie könnte darauf hinweisen, dass zu diesem Zeitpunkt bereits eine Anpassung an einen regelmäßigen Verzehr von Fleisch stattgefunden habe.Manuel Domínguez-Rodrigo u. a.: Earliest Porotic Hyperostosis on a 1.5-Million-Year-Old Hominin, Olduvai Gorge, Tanzania. In: PLoS ONE. Band 7, Nr. 10, 2012: e46414, doi:10.1371/journal.pone.0046414.

Gestützt werden diese Interpretationen durch eine Studie, in der diverse physiologische und genetische Besonderheiten des anatomisch modernen Menschen – im Vergleich mit anderen Primaten – analysiert wurden. So sei der Säuregehalt des Magens bei Fleischfressern deutlich höher als bei Pflanzenfressern – und beim Menschen sogar höher als bei vielen anderen Fleischfressern. Dies sei vermutlich dem Umstand geschuldet, dass die Magensäure potentiell krankmachende Bakterien auf Fleisch abtötet. Auch unterscheide sich die Einlagerung von Fettvorräten in die Körperzellen – auch hierbei ähnele der Mensch anderen Fleischfressern.Miki Ben‐Dor, Raphael Sirtoli und Ran Barkai: The evolution of the human trophic level during the Pleistocene. In: American Journal of Physical Anthropology. Online-Vorabveröffentlichung vom 5. März 2021, doi:10.1002/ajpa.24247. Humans were apex predators for two million years. Auf: eurekalert.org vom 5. April 2021. Den Forschern zufolge weitete sich der Fleischverzehr – beginnend vor rund 2 Millionen Jahren – allmählich aus und erreichte seinen Höhepunkt bei Homo erectus. Spätestens im Jungpaläolithikum sei eine Umkehr dieses Prozesses zu beobachten, der sich in der Mittelsteinzeit (das ist in Europa die Periode nach dem Ende der letzten großen Vereisung) verstärkte und in der Jungsteinzeit, mit Beginn des Ackerbaus, seinen Höhepunkt fand. Die Forscher vermuten aufgrund ihrer und früherer Befunde, dass der anatomisch moderne Mensch erst in stammesgeschichtlich jüngster Zeit – seit rund 85.000 JahrenRasika A. Mathias et al.: Adaptive Evolution of the FADS Gene Cluster within Africa. In: PLoS ONE. Band 7, Nr. 9, e44926, doi:10.1371/journal.pone.0044926. – zunehmend pflanzliche Kost für seine Ernährung genutzt hat; hierfür sprächen auch die Funde von Steingeräten, die zur Verarbeitung von Pflanzenmaterial tauglich waren.

mini|Video: Braucht der Mensch Fleisch?

Im Verlauf der Stammesgeschichte des Menschen, insbesondere in der Spätphase des Homo erectus, nahm das Hirnvolumen immer weiter zu.William R. Leonard: Food for thought: Dietary change was a driving force in human evolution. In: Scientific American. 287, Nr. 6, 2006, S. 106–115. Homo erectus hatte zudem bereits vor rund 1 Million Jahren den Umgang mit Feuer gelernt und begonnen, es zur Erschließung zusätzlicher Nahrungsquellen zu nutzen.Alexander Ströhle, Andreas Hahn: Evolutionäre Ernährungswissenschaft und „steinzeitliche“ Ernährungsempfehlungen – Stein der alimentären Weisheit oder Stein des Anstoßes? (PDF; 134 kB) In: Ernährungs-Umschau Original. Band 53, Nr. 1, S. 10–15. In der auf ein Alter von 780.000 Jahre datierten Fundstätte Gesher Benot Ya’aqov in Israel wurden tausende Überreste von Fischen geborgen, deren Untersuchung den Schluss zuließ, dass die Fische nicht in offenem Feuer gegart worden waren, sondern durch Kochen. Dies sei „der früheste Beweis für das Kochen durch Homininen“.Irit Zohar et al.: Evidence for the cooking of fish 780,000 years ago at Gesher Benot Ya’aqov, Israel. In: Nature Ecology & Evolution. Jahrgang 2022, doi:10.1038/s41559-022-01910-z.Hominiden in der frühen Altsteinzeit haben bereits vor 780.000 Jahren Fisch gekocht. Auf: idw-online.de vom 15. November 2022.