Die Eichen (Quercus), von althochdeutsch eih („Eiche, Eichbaum, Eichenbaum“,Vgl. Friedrich Kluge, Alfred Götze: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 22., völlig neu bearbeitete Auflage, besorgt von Elmar Seebold unter Mitwirkung von Max Bürgisser und Bernd Gregor. De Gruyter, Berlin / New York 1989, S. 167. gelegentlich auch „Eichelbaum“) sind eine Pflanzengattung in der Familie der Buchengewächse (Fagaceae).
Beschreibung mini|Blütenstände von Quercus petraea mini|Eichel mit Cupula von Quercus ithaburensis subsp. macrolepis
Vegetative Merkmale Eichen-Arten sind sommergrüne oder immergrüne Bäume, seltener auch Sträucher. Die wechselständig und spiralig an den Zweigen angeordneten Laubblätter sind meist in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Die dünnen bis ledrigen, einfachen Blattspreiten sind gelappt oder ungelappt. Die Blattränder sind ganz oder teils stachel- oder grannenspitzig, gezähnt bis gekerbt. Die unscheinbaren, extrapetiolaren Nebenblätter fallen früh ab (nur bei Quercus sadleriana sind sie auffälliger). Bei einigen Arten kommt Marzeszenz bei den Blättern vor.
Je nach Standort und Sorte kann eine Eiche etwa 30 bis 50 Meter hoch und in manchen Fällen über 1000 Jahre alt werden.Entdecke den Wald. Die kleine Waldfibel. Die Eiche. Seite 12 Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, aufgerufen am 15. April 2022
Generative Merkmale Eichen-Arten sind einhäusig gemischtgeschlechtig (monözisch). Die meist zu mehreren an der Basis junger Zweige sitzenden Blütenstände sind eingeschlechtig. Die Blüten sind sehr einfach gebaut, wie es bei windbestäubten (anemophilen) Taxa häufig der Fall ist. Die männlichen Blüten sind in hängenden Blütenständen (Kätzchen) zusammengefasst. Die Blütenhüllblätter sind verwachsen. Die männlichen Blüten enthalten meist sechs (zwei bis zwölf) Staubblätter, es sind manchmal reduzierte Pistillode (sterile Stempel), in Form von Haarbüscheln, vorhanden. Die weiblichen Blüten enthalten meist drei (bis sechs) Fruchtblätter und einen Stempel mit mehreren Griffeln. Jede Cupula (Fruchtbecher, Hütchen) enthält nur eine weibliche Blüte.
Eichen sind insbesondere an ihrer Frucht, der Eichel (von althochdeutsch eihhila „das Junge der Eiche“Friedrich Kluge, Alfred Götze: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage. Hrsg. von Walther Mitzka. De Gruyter, Berlin / New York 1967; Neudruck („21. unveränderte Auflage“) ebenda 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 154.), früher auch Aichel, Ecker und lateinisch glansGundolf Keil Die „Cirurgia“ Peters von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes (= Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm. Band 2). Stadtarchiv, Ulm 1961 (zugleich Philosophische Dissertation Heidelberg 1960: Peter von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes), S. 349 (Aichel, glans: Frucht von Quercus petraea Liebl. oder Quercus robur L.)Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 169 („Castanea – und glans“: Castanea sativa Mill.; „kunne [Geschlecht] der glandium id est eckeren“: Früchte von Quercus spec. oder Fagus spec.). genannt, zu erkennen und in den einzelnen Arten zu unterscheiden. Die Eichel ist eine Nussfrucht. Sie reifen im ersten oder zweiten Jahr nach der Bestäubung. Jede Nussfrucht ist von einem Fruchtbecher umgeben.
Die Chromosomengrundzahl beträgt x = 12.
Ökologie Schon von Alters her ist den Menschen aufgefallen, dass Eichen eine ungewöhnliche Vielfalt von Insekten beherbergen (bis zu 1000 Arten in einer KroneDas Kosmos Wald- und Forstlexikon, 2016, S. 212). Die Spezialisierung zahlreicher Insekten-Arten auf Quercus-Arten gilt als ein Zeichen des hohen entwicklungsgeschichtlichen Alters (Koevolution).
Eichen reagieren auf einen starken Schwammspinner-Raupenbefall im Vorjahr, indem sie ihren Blattaustrieb im darauffolgenden Frühjahr gezielt um drei Tage verzögern. Wenn die Bäume im Vorjahr massiv von diesen wärmeliebenden Nachtfaltern angefressen wurden, nutzen sie im nächsten Frühling eine zeitliche Verzögerungstaktik. Viele Insektenraupen schlüpfen im Frühjahr exakt zu dem Zeitpunkt, an dem die Baumblätter jung und weich sind. Durch das dreitägige Aufschieben des Austriebs bleiben die Blätter jedoch fest in den Knospen verborgen. Die frisch geschlüpften Raupen finden keine Nahrung vor („leere Teller“), was ihre Überlebensrate massiv senkt. Diese flexible Reaktion reduziert den gesamten Fraßschaden am Baum um 55 %. Sie ist für die Eiche deutlich energieeffizienter als eine chemische Abwehr (wie die Produktion bitterer Gerbstoffe). Zudem ist die Taktik umkehrbar: Die Bäume treiben nur nach einem tatsächlichen Befall später aus, wodurch sich die Schädlinge evolutionär nicht dauerhaft anpassen können.ks: Eichen tricksen ihre Fressfeinde aus / Wenn Eichen stark von Raupen angefressen werden, treiben sie im nächsten Frühjahr später aus. Diese Strategie wirkt gegen die Fressfeinde, wie ein Forschungsteam herausfand. In: Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben 21/2026, Seite 46
Viele Eichenarten (vor allem Korkeichen und mediterrane kalifornische Eichenarten) sind durch ihre dicke und gut regenerationsfähige Rinde gut an Brände angepasst. Zudem keimen ihre Eicheln gut und gern auf abgebranntem, konkurrenzfreiem Boden,Hermann Remmert: Ökologie. Ein Lehrbuch. 5. Auflage. Berlin Heidelberg 1992, ISBN 3-540-54732-0. S. 63. was sie zu typischen Arten von Feuerökosystemen der Subtropen macht.
Eichen-Arten sind Nahrungshabitat der Raupen von vielen Schmetterlingsarten. Sie wird in Mitteleuropa nur von der Salweide übertroffen. Beide beherbergen über 100 Arten.
Standorte der Eichen-Arten in Mitteleuropa In Deutschland nehmen die Eichen nach der Vierten Bundeswaldinventur (2022) mit einer Fläche von 1,3 Millionen Hektar einen Anteil von 12 Prozent an der Waldfläche ein. Die Eichenfläche in den deutschen Wäldern hat sich zwischen 2002 und 2012 um 70.000 Hektar vergrößert.Ergebnisdatenbank der Dritten Bundeswaldinventur (2012). Abgerufen am 11. November 2024. Die Eichen sind damit nach der Rotbuche die zweithäufigste Laubbaumgattung in Deutschland. Es handelt sich dabei hauptsächlich um die einheimischen Eichenarten Stieleiche und Traubeneiche. Die aus Nordamerika eingeführte Roteiche nimmt mit einer Fläche von 55.000 Hektar nur einen Anteil von 0,5 Prozent ein.F. Kroiher, A. Bolte: Naturschutz und Biodiversität im Spiegel der BWI 2012. in AFZ-Der Wald 21/2015.
Eichen-Arten traten bereits im Tertiär auf. Sie finden sich fossil schon vor zwölf Millionen Jahren, etwa in Sedimenten der Niederrheinischen Bucht. Das im oligozänen/eozänen baltischen Bernstein sehr häufige Sternhaar wird ebenfalls Eichen zugeschrieben. Auch Eichenblüten sind im baltischen Bernstein nicht selten. Sehr gut belegt sind Eichen durch fossile Pollen (u. a. aus dem Miozän Österreichs, Islands, und dem Eozän Grönlands und der Vereinigten Staaten), die auf Grund ihrer Ornamentierung bestimmten Sektionen bzw. evolutionären Linien zugeordnet werden können. Aus der Verbreitung von fossilem Pollen und darauf basierenden molekularen Uhren kann geschlossen werden, dass die heutigen Hauptabstammungslinien der Eichen im unteren Eozän entstanden und diversifizierten. Im Paleozän Grönlands sowie der Oberen Kreide der Vereinigten Staaten konnten verschiedenste Pollen von sowohl ausgestorbenen als auch noch lebenden Fagaceae (Buchengewächse) nachgewiesen werden, Eichen fehlen jedoch. Die Zuordnung einiger kreidezeitlicher Pflanzenfossilien zu Quercus bzw. Quercophyllum ist indes umstritten.
Systematik und Verbreitung mini|Sektion Quercus: Portugiesische Eiche (Quercus faginea) mini|Sektion Quercus: Großfrüchtige Eiche (Quercus macrocarpa) – Früchte (mit Laub) mini|Sektion Lobatae: Wasser-Eiche (Quercus nigra) mini|Sektion Lobatae: Sumpf-Eiche (Quercus palustris) mini|Sektion Lobatae: Roteiche (Quercus rubra) mini|Sektion Ponticae: Armenische Eiche (Quercus pontica) mini|Sektion Virentes: Virginia-Eiche (Quercus virginiana) mini|Sektion Cerris: Kork-Eiche (Quercus suber) mini|Sektion Cerris: Mazedonische Eiche (Quercus trojana) mini|Sektion Cyclobalanopsis: Bambusblättrige Eiche (Quercus myrsinifolia) mini|Sektion Ilex: Kermes-Eiche (Quercus coccifera)
Bei dem römischen Autor Quintus Ennius (239–169 v. Chr.) findet sich der früheste literarische Beleg für den lateinischen Namen einer Quercus-Art, 'quercus'. Die Gattung Quercus wurde durch Carl von Linné 1753 in Species Plantarum, Tomus II, S. 994 und 1754 in Genera Plantarum, 5. Auflage, S. 431 aufgestellt.
Die Gattung Quercus wird bei Denk et al. 2017 in die (primär) neuweltliche Untergattung Quercus (Diversitätsmaximum in Nord- und Mittelamerika, ~ 30 Arten in Europa und Asien) mit fünf Sektionen, Quercus (Weißeichen im engeren Sinne), Lobatae (Roteichen), Ponticae, Protobalanus und Virentes (Engl. live oaks), und die altweltliche Untergattung Cerris mit drei Sektionen, Cerris (Zerreichen im engeren Sinne), Cyclobalanopsis und Ilex, unterteilt. Die klassische Unterteilung des letzten Jahrhunderts in zwei Untergattungen (oder Gattungen), zurückgehend auf Andres Sandø Ørsted, Cyclobalanopsis (sektion Cyclobalanopsis) und Quercus (alle anderen Eichen) fand keine Entsprechung in molekular-phylogenetischen Stammbäumen.
Quercus-Arten gibt es in Nordamerika, Mexiko, auf den Karibischen Inseln, in Zentralamerika, in Südamerika nur in Kolumbien, in Eurasien und in Nordafrika. Quercus ist die wichtigste Laubbaumgattung der Nordhalbkugel. Ein Schwerpunkt der Artenvielfalt ist Nordamerika.
Die Gattung Quercus enthält 400 bis 600 Arten, davon mindestens 280 in der Untergattung Quercus und mindestens 140 in der Untergattung Cerris. Hier eine Arten-Auswahl:
Untergattung Quercus Sektion Quercus; Synonyme: (Eu-)Lepidobalanus, Leucobalanus, Mesobalanus; Weiß-Eichen: Sie ist in Eurasien, Nordafrika und Nordamerika verbreitet. Europa, Westasien und Nordafrika: Algerische Eiche (Quercus canariensis ): Sie kommt in Marokko, Algerien, Tunesien, im südlichen Portugal und in Spanien vor. Portugiesische Eiche (Quercus faginea ): Die etwa drei Unterarten kommen in Marokko, Portugal, Spanien und auf den Balearen vor. Ungarische Eiche (Quercus frainetto ): Sie kommt in Süditalien, auf dem Balkan und in Ungarn vor. Hartwiss-Eiche (Quercus hartwissiana ): Verbreitet von Bulgarien bis in den Kaukasus. Gall-Eiche (Quercus infectoria ): Die etwa zwei Unterarten kommen von Griechenland bis zum südwestlichen Iran vor. Persische Eiche (Quercus macranthera ): Das Verbreitungsgebiet liegt in der Türkei, im Nord-Iran und im Südosten des Kaukasus. Traubeneiche (Quercus petraea ): Ihr Verbreitungsgebiet reicht von Italien und Nordgriechenland im Süden bis zu den Britischen Inseln und Südskandinavien im Norden; von Nordspanien im Westen bis Polen, Südwestrussland und dem Schwarzen Meer bis zum nördlichen Iran im Osten. Flaumeiche (Quercus pubescens ): Sie ist von West- über das südliche Mittel-, Süd- und Südosteuropa bis nach Kleinasien und zum Kaukasusraum verbreitet. Pyrenäen-Eiche (Quercus pyrenaica ): Sie kommt im westlichen Mittelmeerraum vor. Stieleiche oder Deutsche Eiche (Quercus robur ): Sie kommt in fast ganz Europa vor sowie im Kaukasus und in der Türkei. Säuleneiche (Pyramideneiche) (Quercus robur f. fastigiata ): Diese Sippe wird als gärtnerische Auslese, also als Sorte 'Fastigiata' betrachtet. Ost-, Südost- und Südasien: Orientalische Weiß-Eiche (Quercus aliena ): Sie kommt in fünf Varietäten von Japan bis Indochina vor. Japanische Kaiser-Eiche (Quercus dentata ): Sie kommt in Japan, Korea, im Westen und Norden von China und im östlichen Russland vor. Quercus lanata : Sie kommt im Himalayagebiet sowie dem südlichen und südöstlichen Asien vor.