mini|300px|Die Kernstadt Lübtheen (2013) Lübtheen ist eine Landstadt im Landkreis Ludwigslust-Parchim in Mecklenburg-Vorpommern. Sie liegt in der Metropolregion Hamburg und erfüllt für ihre Umgebung die Funktionen eines Grundzentrums.Regionales Raumentwicklungsprogramm Westmecklenburg (2011), Regionaler Planungsverband, abgerufen am 12. Juli 2015. Sie trägt den Beinamen „Lindenstadt“.
Geographie Geographische Lage Lübtheen liegt in der Metropolregion Hamburg im Südwesten Mecklenburgs, knapp 13 Kilometer von der Elbe entfernt, in das Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe eingebettet. Die Sude und Rögnitz durchfließen das Stadtgebiet. Städte in der Umgebung sind Ludwigslust, Boizenburg und Schwerin.
Stadtgliederung Das Stadtgebiet von Lübtheen besteht aus folgenden Ortsteilen:
Geschichte Geschichte der Stadt Vom 14. Jahrhundert bis zur Gegenwart Frühere Schreibweisen von Lübtheen waren Lubbtene, Lübbetene, Lubbetin, Lipten und Lübthen. Die aus dem Slawischen stammende Name wird entweder als „Ort des Lubeta“Paul Kühnel: Die slavischen Ortsnamen in Meklenburg, in: Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde, Band 46 (1881), S. 87 lbmv.de oder in der wendischen Form als „Lindenort“ erklärt.
Erstmals wurde der Ort am 14. August 1363 urkundlich erwähnt, als Albrecht III., Herzog zu Mecklenburg die Lauenburger Hälfte der Jabeler Heide von dem Knappen Heinrich von der Hude kaufte. Um 1650 wurden die restlichen Höfe verkauft, so dass Lübtheen nun vollständig zu Mecklenburg gehörte. mini|hochkant|Stadtkirche 1683 erhielt Lübtheen eine eigene Pfarre und gehörte damit nicht mehr zur Kirchspiel Alt Jabel. Die erste Kirche, ein Fachwerkbau mit Turm und Glocke, wurde 1689 eingeweiht. 1820 erfolgte ein Neubau im klassizistischem Baustil. Besonders wertvoll ist die Orgel der Kirche, die in den letzten Jahren aufwändig renoviert wurde. Es handelt sich um die größte erhaltene Orgel des Orgelbauers Friedrich Friese I aus Parchim mit zwei Manualen.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war Lübtheen ein Dorf mit 32 Bauern, 48 Vollbüdnern und wenigen Gastwirten, Kaufleuten und Handwerkern.Meyer 1923, S. 61 In der Franzosenzeit von 1806 bis 1812 war Lübtheen, wie ganz Mecklenburg, von napoleonischen Truppen erobert und besetzt.Meyer 1923, S. 66Franzosenzeit in Mecklenburg - Referat, auf: lerntippsammlung.de, abgerufen am 18. Juni 2023 Am 18. März 1822 wurde der Dominialort Lübtheen durch eine Großherzogliche Verordnung zum Marktflecken erhoben.Meyer 1923, S. 68 Ab 1654 lag Lübtheen am, aus südlicher Richtung von Dömitz über Volsrade kommenden alten Berlin-Hamburger Postweg und hatte ein Hauptpostamt. Im Norden verlief der Postweg über Quassel und Langenheide weiter Richtung Boizenburg.Gab es Meilensteine am Alten Berlin-Hamburger Postweg im mecklenburgischen Streckenabschnitt? auf: strassengeschichte.de, abgerufen am 18. Juni 2023 1928 wurde der Postkurs auf die neueröffnete Berlin Hamburger Chaussee 1928 (über Ludwigslust, Pritzier und Boizenburg) und das Lübtheener Hauptpostamt nach Redefin verlegt.Meyer 1923, S. 70Carl Moeller: Geschichte des Landes-Postwesens in Mecklenburg-Schwerin. In: Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde, Band 62 (1897), S. 1–369, digital auf: mvdok.lbmv.de Am 27. September 1830 wird der Flecken Lübtheen zusammen mit verschiedenen umliegenden Dörfern und Büdnerkolonien aus dem Amt Hagenow ausgegliedert und zu einem neuen Amt Lübtheen zusammengefasst, 1879 fallen die Orte an das Amt Hagenow zurück.Die Kunst- und Geschichts-Denkmäler des Grossherzogthums Mecklenburg-Schwerin, S. 146 Am 31. März 1875 bekommt der Flecken Lübtheen eine eigene Gemeindeverwaltung und wird nicht mehr direkt vom Großherzoglichen Amt in Schwerin verwaltet. 1879 wird Lübtheen Sitz eines Amtsgerichts.Meyer 1923, S. 131–132
Am 19. Mai 1846 wurden beim „Großen Brand“ 30 Häuser zerstört, 3 Erbpächter und 26 Büdner wurden obdachlos. 1847 begann in Folge des Brandes eine bauliche Neugestaltung des Ortes. Nach der Fertigstellung der Chaussee nach Pritzier im Jahr 1849 wurde dort eine Bahnstation an der bereits 1846 eröffneten Berlin-Hamburger Bahn eingerichtet.Meyer 1923, S. 75–77
1849 fand sich bei Lübtheen ein Exemplar der Wendischen Krone. Der Fund des Reifes unterscheidet sich von anderen seiner Art durch seine beträchtliche Größe und die Herstellung im Hohlguss. 1860 hatte Lübtheen etwa 2.000 Einwohner.Landeshauptarchiv Schwerin (LHAS) 5.12-4/2 Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten Nr. 4073, Bericht der Amts-, Forst- und Baubehörde zu Lübtheen, Caliss und Boizenburg an die Großherzogliche Kammer 1890 wurde die Bahnstrecke Malliß–Lübtheen eröffnet, die jedoch 1945 eingestellt wurde.
Sholto Douglas erhielt 1896 von der Großherzoglichen Mecklenburgisch-Schweriner Regierung den Auftrag, das unter einer Gipsschicht bei Lübtheen und Jessenitz befindliche Kalisalz-Lager zu erschließen und auszubeuten. Die Mecklenburgische Gewerkschaft Friedrich Franz, deren Hauptaktionär der Großherzog selbst war, wurde gegründet und 1906 das Bergwerk (Schacht Friedrich Franz) eröffnet. Bereits 1916 musste der Schacht wegen massiven Wassereinbruchs wieder geschlossen werden. Im Kali- und Steinsalzbergwerk Jessenitz wurden von 1900 bis zum Absaufen der Schachtanlage im Jahr 1912 1,4 Millionen Tonnen Stein- und Kalisalze gefördert.
Durch die Entstehung des Kalibergbaus um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert begannen sich auch hier die Arbeiter zu organisieren. Der aus dem Staßfurter Kalirevier nach Lübtheen gekommene Bergmann Franz Thaele, ein Sozialdemokrat, orientierte die dort arbeitenden Bergleute darauf, sich für ihre Interessen einzusetzen und gründete 1902 einen Ortsverein der SPD. In seinem Gefolge entstand 1903 der Arbeiterturnverein Veritas 03 und wenig später der Radfahrerverein Solidarität.Siegfried Spantig: Erinnern an Franz Thaele, in: RotFuchs Januar 2014, S. 14.Spantig, 2009, S. 90–94. An Thaeles Wohnhaus in der Johannesstraße 2 wird mit einer Gedenktafel an ihn erinnert.
1938 wurde dem Ort das Stadtrecht verliehen.
Zum Ende des Zweiten Weltkrieges erreichten am 2. Mai 1945 zunächst US-Truppen Lübtheen; später wurde die Stadt Teil der Sowjetischen Besatzungszone.
Von 1952 bis 1994 gehörte Lübtheen zum Kreis Hagenow (bis 1990 im DDR-Bezirk Schwerin, 1990–1994 im Land Mecklenburg-Vorpommern). 1994 wurde die Stadt in den Landkreis Ludwigslust eingegliedert. Seit der Kreisgebietsreform 2011 liegt sie im Landkreis Ludwigslust-Parchim.
Die Innenstadt ist im Rahmen der Städtebauförderung seit 1991 grundlegend saniert worden.
Im Jahr 1999 kaufte eine Person des Führungskaders des parteipolitisch organisierten Rechtsextremismus in Deutschland, Udo Pastörs, unter Angabe falscher Informationen ein Gelände im Stadtteil Briest. Im Nachgang zogen weitere rechtsextreme Personen wie Andreas Theißen nach. Diese „braune Siedlungsbewegung“ belastete das gesellschaftliche Klima in Lübtheen und schlug sich später auch in der kommunalen Politik durch Einzug der rechtsextremen Parteien NPD (und deren Nachfolgepartei Heimat und Identität) sowie der AfD in die Stadtvertretung nieder.
Am 13. Juni 2004 wurde das Amt Lübtheen – bestehend aus den selbständigen Gemeinden Garlitz, Gößlow, Jessenitz und der Stadt Lübtheen – aufgelöst, die drei Gemeinden wurden in die nunmehr amtsfreie Stadt Lübtheen eingegliedert.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2004
Kalisalzvorkommen in und um Lübtheen mini|Lage des einstigen Gipsbruches, auf dessen Sohle der Schacht „Friedrich Franz“ abgeteuft wurde
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts begann man auch in Mecklenburg mit der Suche nach Kalilagerstätten, nachdem es verschiedenen Chemikern gelungen war, das in Staßfurter Bergwerken angetroffene Kalisalz fabrikatorisch so zu verarbeiten, dass das in diesen Salzen enthaltene Kalium extrahiert und für die Herstellung von Düngemitteln genutzt werden konnte. Nach fast 15-jähriger Arbeit wurde im Mai 1901 der Schacht „Herzog Regent“ des Kali- und Steinsalzbergwerkes Jessenitz fertiggestellt. 1905 folgte die Inbetriebnahme des Schachtes „Friedrich Franz“ des Kali- und Steinsalzbergwerkes Lübtheen. Ersterer Schacht erlitt bereits 1912 einen Wassereinbruch; Schacht „Friedrich Franz“ teilte dieses Schicksal nur vier Jahre später.
Braunkohlevorkommen um Lübtheen 1928 stieß man erstmals auf Diatomeenkohle bei Lübtheen. Bei diesem Typ Braunkohle handelt es sich um eine braunschwarze Ablagerung in Tiefen von 40 bis 400 Metern, die sich vor etwa sechs bis acht Millionen Jahren gebildet hat. Die bei der Verbrennung der Diatomeenkohle anfallende Asche ist unreine Kieselgur. Die Kohle hat einen sehr geringen Heizwert (ca. 50 Prozent zur Vergleichskohle) sowie einen extrem hohen Aschegehalt.
Die Erkundung der Lagerstätte war in der DDR bereits weit fortgeschritten, eine Tagebau-Erschließung wurde bis 2010 zurückgestellt (Projekt „Objekt22“).Markt Zeitung 11/1995 Bis 1989 hatte die Erforschung über 30 Millionen DDR-Mark gekostet.
1994 stellte die MIBRAG einen Antrag auf Erkundung der Lagerstätte, 1997 erteilte das Bergamt Stralsund der MIBRAG die Erlaubnis für geologische Untersuchungen, diese Erlaubnis wurde 2005 nicht mehr verlängert. Seitens der IHK Schwerin strebte man an, mit dem Symposium „Diatomeenkohlelagerstätte Lübtheen“ (1996, überarbeitet 2005) die Lagerstättenerkundung voranzubringen. Dort hieß es: „Die Lagerstättenbedingungen verlangen einen großen Tagebau mit einer Fördermenge, die den Bedarf einer Fabrik […] allein weit übersteigt“.
Die Angaben zur Vorkommengröße schwanken. Beim Symposium der IHK war von 15 Milliarden Tonnen für das gesamte Vorkommen um Lübtheen die Rede, diese Größe erhöhte sich auf 19 Milliarden Tonnen.Schweriner Volkszeitung vom 1. März 2005 Für das technisch und wirtschaftlich abbaubare Vorkommen nannte die IHK zu Schwerin den Wert von 300 Millionen Tonnen, in der Schweriner Volkszeitung wurde bereits ein Wert von 1,8 Milliarden Tonnen (auf 42 km²) angegeben.
Seit April 2005 kämpften lose Zusammenschlüsse, Initiativen und Vereine wie die Bürgerbewegung „Braunkohle-nein e. V.“ und später der daraus hervorgegangene Verein „Natur- und Umweltschutz Griese Gegend e. V.“ gegen das weitere Vorantreiben des Tagebauprojektes. Die Stadt Lübtheen legte 2013 eine Erklärung vor, dass sie den Abbau ablehne, zu dem Zeitpunkt war ein Rechtsstreit zwischen dem Bergamt Stralsund und dem Eigentümer des Feldes anhängig.
Ehemaliger Truppenübungsplatz mini|Ein Teil des ehemaligen Truppenübungsplatzes (2013)
In der Lübtheener Heide befand sich der ursprünglich von der Wehrmacht eingerichtete, zuletzt bis zum Sommer 2013 durch die Bundeswehr genutzte Truppenübungsplatz Lübtheen.Streitkräftebasis: Truppenübungsplatz Lübtheen Im Juni 2015 wurde die Lübtheener Heide mit einer Fläche von 6280 Hektar unter Naturschutz gestellt.Andreas Mihm: Statt Panzern Ziegenmelker. Zurück zur Natur für 62 Liegenschaften der Bundeswehr. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19. Juni 2015, S. 8. Ende Juni 2019 kam es dort zum größten Brand in der Geschichte von Mecklenburg-Vorpommern.SVZ, 30. Juni 2019 Im Juni 2023 brannte es dort wieder.Live-Ticker zu Waldbränden in MV: Hoffen, dass die Schneisen halten am 13. Juni 2023 auf tagesschau.de
Mühlengeschichte Neben der mindestens aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts stammenden herzoglichen Garlitzer (Neu-)Mühle, heute Wassermühle Brömsenberg gab es zahlreiche weitere Mühlen im heutigen Stadtgebiet von Lübtheen: Nach dem 30-jährigen Krieg erfolgte in Jessenitz der Bau einer Windmühle, die über 200 Jahre von verschiedenen Mühlenpächtern, zuletzt von Diedrich Chrysander, dem Vater des Professors Friedrich Chrysander, betrieben wurde.Geschichtlicher Überblick der Stadt Lübtheen und seiner Ortsteile