mini|Felsbild mit Tierdarstellungen in Gilf el-Kebir, Ägypten Die Felsbilder der Sahara entstanden seit 12.000 Jahren in Nordafrika (Felsbilder gibt es von Nord- bis Südafrika). Viele dieser Bilder sind Petroglyphen, die sich nur durch die Eintiefung in die Felsoberfläche erhalten haben. Die Sahara war während Millionen Jahren eine immer wieder extremen Klimaschwankungen unterworfene Wüste.
Verbreitung mini|Sahara Artefakte und Felsbilder aus den verschiedenen Phasen der Steinzeit zeigen, dass die Sahara in ihrer gesamten Ausdehnung immer wieder von Menschen besiedelt wurde. Felsbilder sind heute vor allem in Gebirgen und Höhlen, mit günstigen Voraussetzungen für deren Erhalt, zu finden. Auch die Lebensbedingungen waren in der damaligen Zeit in diesen Regionen günstiger als im Flachland. Um 1500 v. Chr. setzte eine Austrocknung ein, die mit Unterbrechungen bis heute anhält. Für die folgenden Felsbilder der Sahara
Saharaatlas (Marokko) Adrar n'Ahnet, Arak-Schlucht und Tassili n'Ajjer (Algerien)Jörg W. Hansen: Tassili. Art rupestre dans les tassilis de l'ouest et du sud algérien. = Rock art in the western and southern tassilis, Algeria. = Felsbildkunst in den westlichen und südlichen algerischen Tassilis. = Arte rupestre nei tassili dell'ovest e del sud algerino. Vorwort von Paul G. Bahn. Somogy éditions d'art, Paris 2009, ISBN 978-2-7572-0251-7 (französisch). Akkakus und Messak Settafet im Fessan (Libyen) Tibesti (Tschad) Plateau von Djado (Niger) Ennedi-Massiv (Tschad)
wurde eine relative Chronologie vorgeschlagen, die davon ausgeht, dass die Bilder von großen Wildtieren zwangsläufig älter sind als die von Haustieren. Zeitlich folgen fünf Perioden aufeinander. Diese, mit dem Klimaablauf in Verbindung gebracht, kommen zu einer in etwa absoluten Datierung.
Periodisierung Bubalus-Zeit 10.000–6000 v. Chr. mini|Die Dabous-Giraffen nördlich von Agadez Der Name Bubalus bezeichnet einen Altbüffel (Pelorovis antiquus, möglicherweise mit dem Kaffernbüffel verwandt) mit meterlangen Hörnern, der in Afrika vor etwa 5000 Jahren ausgestorben ist. Im Bubalus-Stil sind die Bilder des gesamten afrikanischen Großwildes dargestellt, z. B. Elefant, Nashorn, Giraffe, Büffel, Löwe, verschiedene Antilopen, Gazellen sowie die häufig abgebildeten Wildesel (daher auch Wildesel- oder Jägerzeit genannt). Darstellungen von Krokodil und Flusspferd verweisen auf Wasserreichtum. Menschen werden beim Jagen und Sammeln dargestellt, spielen aber eine untergeordnete Rolle und werden vergleichsweise klein abgebildet.
In diese erste Periode fallen die größten Darstellungen der Sahara-Felskunst. Die größten Bilder erreichen eine Höhe von 8 m. Es lassen sich zwei Regionen voneinander trennen, die sich in ihrer Motivik deutlich unterscheiden: Die Zentralsahara und der Maghreb.
In der Zentralsahara sind die Felsbilder vorwiegend graviert. Die Innenfläche weist eine Glättung oder lineare Musterung auf. Die dargestellten Wesen sind äußerst detailreich wiedergegeben. Neben Menschendarstellungen finden sich zunächst ausschließlich Wildtiere. Die hauptsächlich dargestellten Arten waren Elefant, Giraffe, Nashorn, Flusspferd, Bubalus, Antilope, Rind, Strauß und selten auch der Löwe.
Einzelne Menschen können in Verbindung mit Tieren auf zweierlei Art vorkommen: Entweder als kleine Figur oder in einem realistischen Größenverhältnis, dann aber stets mit einer Maske, meist in Form eines Hunde- oder Schakalskopfes. Gelegentlich treten auch antilopen-, vogel- und katzenköpfige Masken auf.
Ein zweites wesentliches Thema der Bubalusperiode sind Darstellungen sexuellen Inhalts. Männer sind mit übergroßem Penis abgebildet, häufig wird der Geschlechtsakt mit einer Frau dargestellt, aber auch Tiere können in diesem Zusammenhang eine Rolle spielen. Die Männer tragen außerdem häufig Tiermasken.
Ein drittes Darstellungsthema bilden die abstrakten Motive, vor allem die Spirale, die entweder für sich allein oder in Verbindung mit Menschen- und Tierdarstellungen auftreten können.
In einer jüngeren Phase der Bubalusperiode wird der allmähliche Übergang zur Rinderperiode erkennbar. Erstmals treten domestizierte Rinder auf. Darüber hinaus gab es in der frühen Phase der Tierhaltung offenbar auch Versuche, weitere Arten zu domestizieren, so findet sich in Tasili n’Ajjer beispielsweise eine Abbildung, auf der ein Mensch einen Elefanten an der Leine führt. Die Tiere werden zunehmend in Herden dargestellt. Die Darstellungstechnik bleibt allerdings gleich. Dafür ist eine allmähliche stilistische Veränderung festzustellen. Die Bilder verlieren an Detailgenauigkeit, und eine Reduzierung der Tiere auf ihre wesentlichen Merkmale lässt sich feststellen.
Im Maghreb sind die Felsbilder denen der Zentralsahara grundsätzlich ähnlich in Darstellungstechnik und Motivik. Auch hier gibt es Tierdarstellungen und Darstellungen sexuellen Inhalts. Ebenso lässt sich in der jüngeren Phase eine Tendenz zur Vereinfachung der Bilder feststellen. Einige stilistische Merkmale sind allerdings nur für diese Gegend typisch. So werden die Tiere hier sehr häufig nur mit zwei Beinen wiedergegeben, wodurch die Szenen an Dynamik verlieren.
Die am häufigsten abgebildeten Tiere sind der Bubalus und der Widder. Neben dem Bubalus ist manchmal auch ein Mensch in anbetender Haltung dargestellt. Bei den Abbildungen von Widdern handelt es sich um domestizierte Formen. Sie sind in ihrer typischen Form als sogenannte Sonnenwidder dargestellt. Diese Bezeichnung geht auf einen runden Gegenstand zwischen ihren Hörnern zurück, der an eine Sonnenscheibe erinnert und in älterer Zeit zu Spekulationen um Verbindungen zum ägyptischen Gott Amun-Re aufkommen ließ. Dies ist aber schon rein zeitlich kaum möglich. Außerdem wird ein göttlicher Charakter der Widders auch dadurch unwahrscheinlich, dass neben ihm abgebildete Menschen ihm meist den Rücken zukehren. Es wird sich daher vielleicht am ehesten um ein geschmücktes Opfertier handeln, oder aber es fehlt völlig ein sakraler Bezug.
Eine weitere Besonderheit des Maghrebs sind die Löwenbilder, auf denen der Kopf stets frontal dargestellt ist.
Rundkopfzeit 7000–6000 v. Chr. mini|Menschendarstellung der Rundkopfzeit, Tassili n'Ajjer Weitgehend zeitgleich mit der Bubalusperiode tritt eine weitere Periode auf, die nach ihrem charakteristischsten Merkmal als Rundkopfperiode bezeichnet wird. Ihr Vorkommen ist im Gegensatz zur Bubalusperiode stark begrenzt. Sie kommt nur in Tassili n-Ajjer, im unmittelbar benachbarten Tadrart Akakus und im Ennedi vor. Die übliche Darstellungstechnik ist die Malerei. Die dargestellten Menschen tragen runde, direkt auf dem Körper aufsitzende Köpfe. Die Kunst zeichnet sich durch Stilisierung und Abstraktion aus. Großwild und domestizierte Tiere werden kaum dargestellt.
In der ältesten Phase sind die Darstellungen monochrom, je nach Region flächig gemalt oder als Umrisslinien. Die Menschen sind lediglich mit Schurzen bekleidet, tragen häufig Federschmuck auf dem Kopf und halten Bögen und andere, häufig nicht identifizierbare Gegenstände in den Händen.
Es folgt eine Phase der Polychromie, in der rot- oder violettbraune Konturen flächig mit weißer, gelber oder ockerbrauner Farbe gefüllt sind. Neben Menschen- kommen auch Tierdarstellungen vor, Mensch und Tier werden jedoch fast nie zusammen abgebildet und Tiere treten vorwiegend einzeln auf. Neben den bereits für die Jägerperiode typischen Arten finden sich auch Abbildungen, die sich keiner bekannten Tierart eindeutig zuordnen lassen.
Bekleidung und Ausstattung der Menschen ändern sich in dieser Phase nicht, es werden jetzt aber zusätzlich Schmuckgegenstände und Körperbemalung oder Tätowierung sichtbar. Die Menschen sind in sehr groben Formen wiedergegeben. Die Köpfe sind direkt auf den Rumpf aufgesetzt und weisen zum Teil runde oder ovale Elemente auf, die an Zyklopenaugen erinnern. Ein bekanntes Beispiel hierfür ist der sogenannte „Marsgott“ von Tassili n’Ajjer.
Menschen treten im Gegensatz zu Tieren häufig in Gruppen auf. Ihre Handlungen sind dabei nicht immer ganz klar. In einigen Fällen handelt es sich allerdings eindeutig um kultische Szenen, wie etwa bei einer 3,20 m großen Figur, die von Frauen in betender Haltung umgeben ist. Die Rundkopfperiode weist eine der Bubalusperiode entgegengesetzte Stilentwicklung auf, denn hier stehen die stark vereinfachten Formen am Anfang, während naturalistische Formen erst in einer späten Phase auftreten. Diese Phase behält die alten Motive bei, es treten jetzt aber bevorzugt rotbraune Flächen mit weißer Kontur auf. Die Körper sind schlanker, der Kopf sitzt nicht mehr direkt auf dem Körper und weist teilweise deutlich negroide Züge auf. Auch Maskendarstellungen treten in dieser Phase auf.
Rinderzeit 5000–2500 v. Chr. Wahrscheinlich um 6000 v. Chr., mit Beginn der Neolithisierung setzt die Rinderzeit ein. Auffällig ist in dieser Periode eine Zweiteilung der Darstellungstechnik, bei der es nur wenige Überschneidungen gibt. In Tassili n’Ajjer, im Tadrart Akakus, im Ennedi und in Uweinat finden sich Malereien, im Tibesti und im Ahaggar hingegen Gravierungen.
Die Rinderdarstellungen sind relativ klein, selten länger als 40 cm. Sowohl Menschen als auch Tiere sind aber trotz der geringen Größe sehr detailreich wiedergegeben. Es überwiegen Abbildungen domestizierter Rinder, Schafe, Ziegen und Hunde. Menschen werden verstärkt in Alltagsszenen dargestellt.
Markantestes Motiv dieser Periode sind die Rinderherden. Es finden sich aber auch zahlreiche Darstellungen von Menschen, etwa Szenen auf dem Lagerplatz oder am Lagerfeuer ebenso wie Jagd oder erotische Szenen. Im Gegensatz zu allen anderen Dingen werden die Behausungen der Menschen nie realistisch abgebildet. Es dürfte sich wohl um Mattenzelte in einer Draufsicht handeln.
Die Menschendarstellungen lassen offenbar drei verschiedene Gruppen erkennen, die sich in Aussehen, Siedlungsgebiet, ihrer Lebensweise und ihrer Ausstattung voneinander unterscheiden: Im Südosten des Tassili siedelten dunkelhäutige Menschen, die sich nochmals in zwei Gruppen unterteilen lassen: Zum einen eine Gruppe mit sehr stark negriden Zügen und eine zweite Gruppe, die eine starke Ähnlichkeit zum heutigen Volk der Fulbe aufweist. Diese Gruppen lebten gänzlich als Rinderhirten und wurden mit Pfeil und Bogen dargestellt. Eine hellhäutige Gruppe hinterließ ihre Bilder im zentralen Tassili westlich von Iherir, nordöstlich von Djanet und östlich von Amguid, ebenfalls im Tassili, sowie im Immidir-Gebirge. Ihr Malstil wird als Stil von Iheren-Tahilahi bezeichnet. Die Menschen waren mit Speeren, Wurfhölzern und Keulen dargestellt und hielten neben Rindern auch Schafe und Ziegen. Darstellungen von Menschen, hinter denen ein Schaf läuft, erinnern an die „Sonnenwidder“ der Jägerperiode aus dem Maghreb.
Pferdezeit 1500 v. Chr. bis zur Zeitenwende mini|Darstellung eines Reiters; Djado, Niger Die ab der Mitte des 2. vorchristlichen Jahrtausends einsetzende Pferdeperiode kommt nur in der zentralen und westlichen Sahara vor. Die Darstellungen weisen nur eine geringe Größe auf. Die Pferde sind kaum länger als 30 cm und die Menschen kaum größer als 20 cm. Die Malerei ist in der Regel flächig monochrom ausgeführt. Anatomische Details werden kaum wiedergegeben, der menschliche Körper ähnelt einer doppelten Dreiecksform. Köpfe fehlen häufig ganz oder werden auf einen Strich reduziert. Männer tragen eine kurze Tunika und Frauen knöchellange Kleider.
In den abgebildeten Tierarten spiegelt sich ein zunehmend trockener werdendes Klima wider. So kommen an Wildtieren nur noch Strauß, Antilope, Gazelle und Mufflon vor.
Die Menschen sind in ähnlichen Szenen wie in der Rinderperiode dargestellt, es treten jetzt aber häufig Kampfszenen hinzu. Gebräuchliche Waffen waren Schild und Speer. Ein typisches Motiv waren auch Wagen, die meist von Pferden, aber auch von Rindern gezogen werden konnten. Im Maghreb, der Westsahara und in Mauretanien gibt es auch gravierte Darstellungen einzelner Wagen ohne Zugtiere.