Abu Musab az-Zarqawi (, gebürtig Ahmad Fadeel al-Nazal al-Khalayleh, ; * 30. Oktober 1966 in Zarqa, Jordanien; † 7. Juni 2006 nahe Hibhib bei Baquba, Irak) war ein jordanischer Terrorist und Anführer der Terrororganisation al-Qaida im Irak. Während des Irakkriegs und der Besetzung des Iraks durch US-Truppen war er bis zu seinem Tod für zahlreiche Anschläge verantwortlich, insbesondere auf US-amerikanische und irakische Sicherheitskräfte und die schiitische Bevölkerung. Die US-Regierung setzte eine Belohnung von bis zu 25 Millionen US-Dollar auf Zarqawi aus. Zudem wurde er international von Interpol gesucht. Während Osama bin Laden den Kampf gegen die USA und ihre Verbündeten gegenüber innerislamischen Konflikten priorisierte, verfolgte Zarqawi eine stark antischiitische Strategie und versuchte, durch gezielte Angriffe auf Schiiten einen konfessionellen Konflikt im Irak zu entfachen.

Weitere Transliterationen, die im deutschen Sprachraum verwendet werden, sind al-Sarkawi, al-Zarkawi, al-Zarqawi, Abu Mussab Al Sarkaui. mini|Abu Musab al-Zarqawi, 2003

Leben Kindheit und Jugend Zarqawis Geburtsname lautete Ahmad Nazzāl al-Chalaila. Der von ihm später verwendete Name Zarqawi bezieht sich auf seinen Geburtsort, die jordanische Stadt Zarqa. Az-Zarqawi gehörte dem jordanischen Stamm der Bani Hassan an und war nicht, wie oft behauptet, das Kind palästinensischer Flüchtlinge. Sein Vater war traditioneller Heiler; seine Mutter litt an Leukämie. Im Alter von 17 Jahren brach er die Schule ab und war zunächst Kartenabreißer in einem Kino. Schon vor Beendigung seiner Schullaufbahn entwickelte Zarqawi nach Angaben seiner Mutter ein starkes Interesse am Koran. Mehrere seiner Schwestern waren später eng mit dem dschihadistischen Milieu verbunden. Jordanischen Geheimdienstkreisen zufolge war er in den 1980er Jahren kurzzeitig inhaftiert. 1988 heiratete Zarqawi Intisar Baqr al-Umari; aus der Ehe gingen vier Kinder hervor.

1989 ging Zarqawi nach Afghanistan, nachdem die sowjetischen Truppen das Land bereits verlassen hatten. Nach einigen Darstellungen beteiligte er sich an Kämpfen der Mudschahidin gegen die sowjetisch gestützte Regierung unter Muhammad Nadschibullāh. In dieser Zeit arbeitete er als Berichterstatter für die in Peschawar erscheinende islamistische Zeitschrift al-Bunyān al-Marsūs.

1990 bis 2001: Radikalisierung und Haft Anfang der 1990er Jahre lernte Zarqawi im pakistanisch-afghanischen Umfeld den palästinensisch-jordanischen dschihadistisch-salafistischen Ideologen Abū Muhammad al-Maqdisī kennen. Nach ihrer Rückkehr nach Jordanien intensivierte sich ihre Zusammenarbeit; Ende 1993 gründeten sie eine Untergrundzelle namens al-Tauhid, die später als Baiʿat al-Imām bekannt wurde. Beide wurden 1994 verhaftet und später zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Während ihrer gemeinsamen Gefängniszeit wurde al-Maqdisi zu einem wichtigen ideologischen Mentor Zarqawis.

Nach seiner Freilassung im März 1999 im Rahmen einer Amnestie versuchte Zarqawi zunächst, Arbeit zu finden. Nach einigen Monaten gab er die Arbeitssuche auf und ging nach Peschawar in Pakistan. Während seines Aufenthalts in Pakistan lief Zarqawis Visum ab. Zugleich verdächtigten ihn die jordanischen Behörden, an den vereitelten Anschlagsplänen zum Jahreswechsel 1999/2000 beteiligt gewesen zu sein, die sich gegen christliche Pilgerstätten und andere touristische Ziele in Jordanien richteten.

Im Jahr 2000 kehrte Zarqawi nach Afghanistan zurück. Bei seinen ersten Kontakten mit al-Qaida stieß er aufgrund ideologischer und strategischer Differenzen zunächst auf Vorbehalte. Dennoch unterstützte die Organisation ihn finanziell und logistisch beim Aufbau eines eigenen Ausbildungslagers bei Herat. Zarqawi kam dabei mit Osama bin Laden und weiteren Mitgliedern der al-Qaida-Führung in Kontakt, verweigerte jedoch einen Treueeid auf bin Laden und schloss sich der Organisation zunächst nicht an. Stattdessen baute er von Herat aus ein eigenständiges dschihadistisches Netzwerk auf, das die Grundlage seiner späteren Organisation Jamaʿat al-Tawhid wal-Jihad bildete.

2002 bis 2003: Im Irakkrieg Am 9. September 2002 reiste Zarqawi nach jordanischen Angaben illegal über die syrische Grenze nach Jordanien ein. Am 28. Oktober wurde der US-Diplomat Laurence Foley vor seinem Haus in Amman erschossen. Im Dezember wurden zwei Tatverdächtige festgenommen. Nach Angaben der jordanischen Behörden hatte Zarqawi die beiden mit dem Mord beauftragt und dafür bezahlt. Zarqawi wurde wegen seiner Beteiligung an dem Mord später in Jordanien in Abwesenheit zum Tode verurteilt.

Vor dem Weltsicherheitsrat behauptete der US-amerikanische Außenminister Colin Powell am 5. Februar 2003, Zarqawi agiere als Bindeglied zwischen Saddam Hussein und al-Qaida. Die Rede trug erheblich dazu bei, Zarqawi international bekannt zu machen und war Teil der Argumentation der US-Regierung für den bevorstehenden Irakkrieg. Spätere Untersuchungen fanden hingegen keine Belege für eine operative Zusammenarbeit zwischen Saddam Husseins Regime und al-Qaida.

Nach dem Sturz Saddam Husseins löste die von den USA geführte Besatzungsverwaltung im Mai 2003 die irakischen Streitkräfte und zahlreiche Sicherheitsorgane auf. Zusammen mit der gleichzeitig betriebenen Entbaathifizierung verloren dadurch zahlreiche Angehörige des bisherigen Staats- und Sicherheitsapparats ihre Stellung. Besonders unter sunnitischen Arabern, die unter Saddam Hussein überproportional in politischen und sicherheitsrelevanten Machtpositionen vertreten gewesen waren, verstärkten diese Maßnahmen die Entfremdung von der neuen politischen Ordnung. Die daraus resultierende Arbeitslosigkeit und politische Marginalisierung trugen zum Entstehen des sunnitischen Aufstands bei und schufen ein Umfeld, in dem sich auch Zarqawis Organisation etablieren konnte.

Im August 2003 wurden Zarqawi und sein Netzwerk mit mehreren schweren Anschlägen im Irak in Verbindung gebracht. Beim Bombenanschlag auf das Canal Hotel in Bagdad am 19. August wurden der UN-Sondergesandte Sérgio Vieira de Mello und 21 weitere Menschen getötet. Zehn Tage später kamen bei einem Anschlag auf die schiitische Imam-Ali-Moschee in Nadschaf mehr als 80 Menschen ums Leben, darunter der einflussreiche schiitische Geistliche Muhammad Baqir al-Hakim. In den folgenden Jahren setzte Zarqawi zunehmend auf gezielte Angriffe gegen Schiiten. Diese Strategie traf auf bereits bestehende konfessionelle Spannungen im Irak, die durch die jahrzehntelange Bevorzugung sunnitischer Eliten und die Unterdrückung schiitischer Opposition unter Saddam Hussein verschärft worden waren.

Am 31. Oktober 2003 setzte das US-Außenministerium im Rahmen des Programms Rewards For Justice eine Belohnung von bis zu fünf Millionen US-Dollar für Hinweise aus, die zu Zarqawis Ergreifung führten.

2004 bis 2006: Kampf gegen die US-amerikanische Besatzung 2004 Das Jahr 2004 war von einer weiteren Zunahme der Anschläge im Irak geprägt; Zarqawi und seine Organisation entwickelten sich zu einer führenden Kraft des dschihadistischen Aufstands. Die US-Regierung ihrerseits erhöhte die für Hinweise zu Zarqawis Ergreifung ausgesetzte Belohnung im Februar 2004 zunächst auf zehn Millionen und am 30. Juni auf bis zu 25 Millionen US-Dollar. Am 2. März verübte seine Organisation während der Aschura-Feierlichkeiten koordinierte Anschläge auf schiitische Pilger in Bagdad und Kerbela, bei denen mehr als 180 Menschen getötet wurden.

Im Mai wurde der entführte US-Amerikaner Nicholas Berg von Zarqawis Gruppe enthauptet. Die Tötung wurde gefilmt und das Video im Internet verbreitet; US-Geheimdienste gingen davon aus, dass Zarqawi selbst die Enthauptung vorgenommen hatte. In den folgenden Monaten entführte und ermordete die Organisation weitere ausländische Geiseln und veröffentlichte teilweise Aufnahmen ihrer Enthauptungen. Zu den Opfern gehörten der Südkoreaner Kim Sun-il im Juni, die US-Amerikaner Eugene Armstrong und Jack Hensley im September, der Brite Kenneth Bigley im Oktober sowie der Japaner Shosei Koda, dessen Ermordung Ende Oktober bekanntgegeben wurde.

Zarqawis Organisation richtete ihre Anschläge auch gegen Vertreter und Einrichtungen der neuen irakischen Staatsordnung. Am 17. Juli bekannte sie sich unter anderem zu einem gescheiterten Anschlag auf Justizminister Malik Dohan al-Hassan sowie zu einem Selbstmordanschlag auf ein Rekrutierungsbüro in Mahmudiyya.

Nur einen Tag später setzte die Khalid-bin-al-Walid-Brigade in einer im Internet veröffentlichten Erklärung eine Belohnung von 200.000 jordanischen Dinar (damals rund 282.000 US-Dollar) für die Tötung des irakischen Übergangsministerpräsidenten Iyad Allawi aus. Die Gruppe bezeichnete sich als militärischen Arm von Zarqawis Jamaʿat at-Tauhīd wa-l-Dschihād.

Am 17. Oktober erklärte Zarqawis Organisation, dass er Osama bin Laden die Bayʿa (den Treueeid) geleistet habe. Damit schloss sich Zarqawis bis dahin eigenständige Jamaʿat at-Tauhid wa-l-Dschihad al-Qaida an. Die Organisation trat fortan unter dem Namen Tanzīm Qāʿidat al-Dschihād fī Bilād ar-Rāfidain („Organisation der Basis des Dschihad im Zweistromland“) auf und wurde allgemein als al-Qaida im Irak bezeichnet. Neben ausländischen Geiseln richtete Zarqawis Organisation ihre Gewalt zunehmend gegen die neu aufgebauten irakischen Sicherheitskräfte. Am 24. Oktober bekannte sie sich zur Ermordung von 49 unbewaffneten irakischen Rekruten.

Falludscha entwickelte sich 2004 zu einem wichtigen Rückzugs- und Operationsraum für Zarqawis Netzwerk. US-Streitkräfte griffen im Laufe des Jahres wiederholt mutmaßliche Stellungen der Gruppe in der Stadt an. Im November begannen US-amerikanische und irakische Truppen eine Großoffensive zur Einnahme Falludschas, die sich auch gegen Zarqawis Netzwerk richtete. Nach Einschätzung des US-Militärs hatte Zarqawi Falludscha wahrscheinlich bereits vor der Einnahme der Stadt verlassen.

Mitte Dezember begann in Amman in Zarqawis Abwesenheit ein Prozess gegen ihn und mehrere mutmaßliche Gefolgsleute wegen eines vereitelten Anschlagsplans in Jordanien. Nach Darstellung der jordanischen Behörden hatte die Gruppe unter Verwendung großer Mengen Chemikalien unter anderem einen Anschlag auf den Sitz des jordanischen Geheimdienstes geplant.

Am 27. Dezember erkannte Osama bin Laden Zarqawi in einer veröffentlichten Audiobotschaft als Führer al-Qaidas im Irak an und forderte die Mitglieder der Organisation auf, ihm zu folgen.

2005 Zu Beginn des Jahres 2005 setzte Zarqawis Organisation ihre Angriffe auf Vertreter der neuen irakischen Staatsordnung und die Sicherheitskräfte fort. Am 4. Januar bekannte sie sich zur Ermordung des Bagdader Gouverneurs Ali al-Haidari. Am 10. Januar wurde der stellvertretende Bagdader Polizeichef Amir Ali Nayif ermordet; am folgenden Tag bekannte sich Zarqawis Organisation zudem zu einem Selbstmordanschlag auf eine Polizeistation in Tikrit.

Im Vorfeld der irakischen Parlamentswahlen vom 30. Januar intensivierte Zarqawis Organisation ihre Gewaltkampagne gegen den politischen Prozess und bekannte sich unter anderem zu Angriffen auf Sicherheitskräfte und Wahleinrichtungen. In einer am 23. Januar veröffentlichten Audiobotschaft erklärte Zarqawi der Demokratie den „erbitterten Krieg“ und drohte Teilnehmern und Unterstützern der Wahl mit Gewalt.

Gleichzeitig geriet Zarqawis Netzwerk zunehmend unter Fahndungsdruck. Im Januar nahmen irakische Sicherheitskräfte mehrere mutmaßlich führende Mitglieder fest, darunter Abu Umar al-Kurdi, der nach Regierungsangaben an der Vorbereitung zahlreicher Anschläge beteiligt gewesen war. Am 20. Februar entging Zarqawi bei Ramadi nach Angaben des US-Militärs nur knapp dem Zugriff amerikanischer Truppen; in den folgenden Wochen meldete die irakische Regierung weitere Festnahmen aus seinem Umfeld.