Andrea Henkel (* 10. Dezember 1977 in Ilmenau), verheiratete Andrea Burke, ist eine ehemalige deutsche Biathletin. Mit acht Weltmeisterschaftstiteln und zwei Olympiasiegen zählt sie zu den erfolgreichsten Vertreterinnen ihrer Sportart.

Leben Die jüngere Schwester der Langlaufolympiasiegerin Manuela Henkel wuchs im thüringischen Großbreitenbach auf und stand im Alter von vier Jahren erstmals auf Langlaufskiern. Von 1991 an besuchte sie das Sportgymnasium in Oberhof, an dem sie 1996 das Abitur machte. Im selben Jahr wurde sie in die Sportfördergruppe der Bundeswehr aufgenommen, in der sie den Rang eines Hauptfeldwebels bekleidete. Die Sportsoldatin trainierte vorwiegend in Oberhof unter der Leitung ihres langjährigen Heimtrainers und späteren Frauenbundestrainers Gerald Hönig; zu ihren ehemaligen Trainern zählen Manfred Geyer und Harald Böse. Ihre Managerin war die frühere Biathletin Petra Behle.

Im März 1995 debütierte die vierfache Juniorenweltmeisterin im Biathlon-Weltcup. Seit der Saison 1998/99 gehörte sie bis zum Ende ihrer aktiven Karriere dem deutschen Weltcupteam an. Ihren ersten Einzelsieg feierte sie im Dezember 1999 im slowenischen Pokljuka im Massenstartrennen.

Bei den Olympischen Winterspielen 2002 von Salt Lake City gelangen Henkel mit dem Gewinn der Goldmedaillen im Einzelwettkampf und in der Staffel die ersten großen Erfolge ihrer Karriere. Nach dreijähriger Durststrecke holte sie 2005 bei den Welttitelkämpfen in Hochfilzen überraschend erneut Gold über die 15 km und wurde damit als erste Biathletin Olympiasiegerin und Weltmeisterin über die Langstrecke. 2007 avancierte Henkel in Antholz beim Dreifacherfolg der DSV-Damen zur ersten deutschen Massenstartweltmeisterin und sicherte sich zudem erstmals WM-Gold mit der Staffel. Mit dem Gewinn des Gesamt-Weltcups 2006/07 krönte sie die bis dato erfolgreichste Saison ihrer Karriere, in der sie zuvor bereits die Disziplinenwertung im Einzel für sich entschieden hatte.

Bei den Weltmeisterschaften von Östersund schaffte Henkel 2008 mit ihrem Doppelsieg in Sprint und Verfolgung Historisches im Biathlonsport. Als erste Athletin hatte sie es geschafft, in allen vier Einzeldisziplinen einen WM-Titel zu erringen. Mit der Staffel gewann sie erneut die Goldmedaille und war damit neben Magdalena Neuner die erfolgreichste Teilnehmerin dieser Titelkämpfe. Fünf Jahre musste Henkel warten, ehe sie 2013 bei den Titelkämpfen in Nové Město na Moravě mit Silber über 15 km noch einmal eine Einzelmedaille gewann, nachdem sie in den beiden Jahren davor in Chanty-Mansijsk und Ruhpolding zum dritten bzw. vierten Mal Staffelweltmeisterin geworden war.

Am 25. Oktober 2014 heiratete Henkel den US-amerikanischen Biathleten Tim Burke.Neuer Name, neuer Job auf www.bild.de, abgerufen am 10. März 2016. Nach ihrer aktiven Karriere wanderte sie in die Vereinigten Staaten aus und arbeitet dort als Fitnesstrainerin.

Karriere im Biathlon-Weltcup Anfänge im Weltcup-Team Ihr Debüt im Biathlon-Weltcup gab Andrea Henkel im März 1995 beim Weltcup in Lillehammer. Im Einzelwettkampf erreichte die 17-Jährige mit sechs Strafminuten den 30. Rang und im Sprint mit zehn Treffern den 21. Platz. Rund dreieinhalb Jahre nach der ersten Bewährungschance erkämpfte sich die mittlerweile vierfache Juniorenweltmeisterin zur Saison 1998/99 einen Platz in der deutschen Weltcupmannschaft. In Hochfilzen feierte sie einen Tag nach ihrem 21. Geburtstag als Zehnte im Sprint einen gelungenen Einstand und bestätigte den Achtungserfolg mit guten Leistungen in den folgenden Rennen, unter anderem schaffte sie in Osrblie im Verfolgungsrennen dank einer fehlerfreien Schießleistung mit Platz fünf ihr bestes Saisonergebnis. Bis in den Januar hinein setzte sich Henkel in der erweiterten Weltspitze fest und lag nach zwei siebten Plätzen in Oberhof zwischenzeitlich auf dem sechsten Rang der Gesamtwertung.

In Ruhpolding und Antholz stellten sich schließlich die ersten Rückschläge ein: nachdem sie im Massenstart zum achten Mal in neun Rennen unter die besten 15 gelaufen war, holte sie in den folgenden vier Wettkämpfen lediglich einen Weltcuppunkt. Von Damenbundestrainer Uwe Müssiggang wurde Henkel dennoch für Biathlon-Weltmeisterschaften in Kontiolahti nominiert, wo sie in Sprint und Verfolgung zum Einsatz kam und die Plätze 12 und 18 erreichte. In Lake Placid erzielte sie als Neunte über die 7,5 km noch ein Top-Ten-Resultat, bevor sich in Valcartier und beim Saisonfinale in Oslo zunehmend ein Substanzverlust bei der jungen Läuferin bemerkbar machte. Nach einem Null-Punkte-Wochenende in Kanada nahm sie am Holmenkollen nur noch an den in Finnland ausgefallenen WM-Entscheidungen teil und belegte in Einzel und Massenstart die Plätze 26 und 20. Ihre erste Weltcupsaison schloss sie auf Position 14 des Gesamtklassements ab.

Henkel als beständigste deutsche Biathletin In der Saison 1999/2000 gelang Andrea Henkel der endgültige Durchbruch in die Weltspitze, auch wenn sie anders als im Vorjahr schlecht in den Winter startete: weil der damals noch zu den etwas schwächeren Langläuferinnen zählenden Thüringerin zu viele Fehlschüsse unterliefen, verfehlte sie in Hochfilzen und Pokljuka in vier Wettbewerben gleich dreimal die Punkteränge. Beim von Osrblie nach Pokljuka verlegten dritten Weltcup erlangte Henkel ihre gewohnte Treffsicherheit zurück und qualifizierte sich mit einem achten Platz im Sprintrennen gerade noch für den Massenstart, in dem sie sich mit einer Sekunde Vorsprung auf Swetlana Ischmuratowa ihren ersten Weltcupsieg erkämpfte. In der Folge etablierte sich die 22-Jährige mit sehr beständigen Leistungen in der Weltspitze, in 13 der noch ausstehenden 18 Saisonrennen lief sie unter den besten Zehn. Im Januar wurde Henkel unter anderem zweimal Fünfte in Oberhof und einmal Sechste in Ruhpolding, bevor sie in Antholz nach Rang drei über die 7,5 km im Verfolgungsrennen ihren zweiten Weltcupsieg feierte.

Zwei weitere Top-Ten-Platzierungen erreichte sie in Östersund eine Woche vor den Weltmeisterschaften in Oslo, zu deren Auftakt sie in Sprint und Verfolgung die Plätze acht und fünf belegte. Nachdem sie im Einzelwettkampf wegen fünf Schießfehlern nicht über den 40. Rang hinaus gekommen war, gewann Henkel in der Staffel mit Silber ihre erste WM-Medaille. Im abschließenden Massenstart verlor sie mit Platz 16 die Führung im Disziplin-Weltcup und damit auch ihr erstes Rotes Trikot. Nach kurzer Regenerationspause präsentierte sie sich in Lahti wieder in guter Form und schaffte als Zweite über die 15 km und Dritte in der Verfolgung zum vierten und fünften Mal in dieser Saison den Sprung auf das Siegertreppchen. Mit den Plätzen 6, 10 und 11 sicherte sich Henkel beim Weltcup-Finale in Chanty-Mansijsk noch den fünften Rang in der Gesamtwertung und war damit überraschend die Bestplatzierte unter den deutschen Skijägerinnen.

Dass dies kein Zufall gewesen war, stellte sie in der Saison 2000/01 unter Beweis, in der sie dieses Ergebnis wiederholte und abermals ihre Teamkolleginnen hinter sich ließ. Wie in der Vorsaison gelangen ihr im internen Vergleich die meisten Top-Ten-Resultate, zudem erreichte sie als Einzige aus der Mannschaft bei allen Starts auch die Punkteränge. In Antholz – Ersatzausrichter der drei Dezember-Weltcups – verpasste Andrea Henkel als Zweite des Auftaktrennens über 15 km mit dem letzten Schuss den möglichen Sieg. Nach mäßigem Abschneiden in zwei aufeinander folgenden Sprintrennen reihte sie sich in den weiteren vier Wettbewerben wieder unter den besten Zehn ein, in der abschließenden Verfolgung wurde sie noch einmal Zweite. Im Januar fielen ihre Leistungen etwas unbeständiger aus, lediglich als Vierte über die 7,5 km in Oberhof und als Siebte im Verfolgungsrennen von Ruhpolding nach einer Verbesserung um 19 Positionen erreichte sie vordere Platzierungen. In den übrigen Heimrennen sowie beim regulären Weltcup in Antholz bewegte sie sich zwischen den Plätzen 13 und 20.

Rechtzeitig zu den Biathlon-Weltmeisterschaften in Pokljuka gelang es Henkel, ihre Schießleistungen wieder zu stabilisieren, nach Platz 11 im Sprint lag sie in der Verfolgung vor dem letzten Schießen auf Medaillenkurs, nachdem sie mit einem deutlichen Rückstand von 64 Sekunden auf Rang drei ins Rennen gestartet war. Mit ihrem einzigen Fehlschuss des Tages verpasste sie jedoch das sichere Edelmetall und fiel auf der Schlussrunde vom Bronzerang noch hinter Magdalena Forsberg und Olga Pylewa zurück. Nach Platz neun im Einzelwettkampf wurde Henkel mit der Staffel zum zweiten Mal Vizeweltmeisterin, ihren Startplatz für den Massenstart musste sie zugunsten von Martina Beck räumen, die in diesem Wettbewerb die Silbermedaille gewann. Nach dem Saisonhöhepunkt erreichte die Thüringerin bei den Testrennen auf den Olympiastrecken von Soldier Hollow als Dritte im Sprint noch einen Podestplatz, bei den fünf weiteren Einsätzen dort sowie – nach Startverzicht in Lake Placid – beim Saisonfinale am Holmenkollen erzielte sie mit Platzierungen zwischen vier und acht ebenfalls sehr gute Ergebnisse.

Doppelolympiasieg in Salt Lake City Mit drei Podestplätzen in den ersten vier Saisonrennen startete Andrea Henkel erfolgreich in den Olympiawinter: In Hochfilzen belegte sie im Auftaktsprint Rang zwei, über die 15 km und in der Verfolgung wurde sie in Pokljuka jeweils Dritte. Mit einem elften sowie zwei sechsten Plätzen aus Einzel, Sprint und Massenstart lief Henkel in Osrblie saisonübergreifend zum 16. Mal in Folge unter die besten Elf und rückte im Gesamt-Weltcup auf den zweiten Rang hinter der dominierenden Magdalena Forsberg vor. Zwangsläufig wäre sie in dieser Form zum engeren Favoritenkreis für die Winterspiele in Salt Lake City gezählt worden, doch zum Jahreswechsel wurde sie von einer Bronchitis zurückgeworfen, die sie die Teilnahme an den Heimrennen in Oberhof kostete. Immer noch leicht angeschlagen verfehlte die 24-Jährige bei ihrem Comeback in Ruhpolding erstmals seit fast zwei Jahren die Punkteränge, als sie in der Verfolgung von Startplatz 20 auf Rang 36 zurückfiel. Zu Beginn der olympischen Biathlonwettbewerbe von Soldier Hollow fand sie sich daher in der gewohnten Rolle der Außenseiterin wieder.

Doch während die großen Favoritinnen unerwartete Schwächen zeigten, präsentierte sich Andrea Henkel im Einzelwettkampf wieder in bester Verfassung und nutzte die Gunst der Stunde zu ihrem ersten großen Einzelerfolg – dem Olympiasieg über die 15 km. Nach einem „Ruhetag“ reichte es im Sprint mit zwei Strafrunden nur zum 25. Platz, von dem aus sie sich im Verfolgungsrennen mit der fünftbesten Tageszeit bis auf den 13. Rang vorkämpfte. Genau eine Woche nach dem ersten Triumph feierte sie in der abschließenden Staffelentscheidung den Gewinn der zweiten Goldmedaille, zu dem sie mit einer fehlerfreien Schießleistung beitrug. Bei den letzten drei Weltcups in Östersund, Lahti und Oslo fiel die Großbreitenbacherin in ein Formtief und rutschte mit der geringen Ausbeute von 35 Punkten aus den letzten sechs Wettbewerben in der Gesamtwertung noch bis auf Position 13 ab. Im Massenstart-Weltmeisterschaftsrennen am Holmenkollen kam sie mit drei Schießfehlern und fast vier Minuten Rückstand auf Platz 21.

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