Die Hakenwürmer (Ancylostomatidae) sind eine Familie der Fadenwürmer (Nematoden). Von ihren Arten sind zwei für den Menschen pathogen (Necator americanus und Ancylostoma duodenale). Beide Arten kommen als Parasiten vor und haben keinen Zwischenwirt. Der Befall mit Hakenwürmern heißt Ankylostomiasis oder Hakenwurmkrankheit (früher auch Dubini-Krankheit).

Verbreitung Hakenwürmer kommen weltweit vor. Bei Menschen verursachen sie in den Tropen und Subtropen die meisten Wurminfektionen. Es sind 900 Millionen Menschen betroffen, von diesen sterben bis zu 60.000 pro Jahr an der Infektion. Necator americanus ist in den Tropen verbreitet, wohingegen Ancylostoma duodenale meist in den Subtropen vorkommt. Die Drittstadium-Larven in der Umwelt sind sehr anfällig gegenüber Trockenheit und direkter Sonneneinstrahlung. Hakenwurminfektionen kommen vor allem bei der Landbevölkerung in den Tropen und Subtropen vor und treten meist bei Kindern und Kleinbauern auf, bei denen die Fäkalien in die Nähe der Felder gelangen. Früher gab es auch in Mitteleuropa Infektionen mit Ancylostoma duodenale bei Bergarbeitern im Steinkohlebergbau, da dort genügend Feuchtigkeit und die passende Temperatur vorhanden waren.Lars Bluma: Der Hakenwurm an der Ruhr. Umwelt, Körper und soziale Netzwerke im Bergbau des Kaiserreichs. In: Der Anschnitt. Band 61, 2009, Heft 5–6, S. 314–329. Er wurde deshalb als Grubenwurm bezeichnet. Diese Art, die auch in Italien vorkommt, wurde beim Bau des Gotthardtunnels (Baubeginn 1872) in der Schweiz entdeckt,. aber bereits 1843Angelo Dubini: Nuovo verme intestinale umano (Agchylostoma duodenale), costituente un sesto genere dei Nematoidei proprii dell’uomo. In: Annali universali di medicina, Band 106, (Mailand) 1843, S. 5–13. von Angelo Dubini erstmals beschrieben.Barbara I. Tshisuaka: Dubini, Angelo. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin / New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 324. Zur Erkundung der Lebensweise der Hakenwürmer und zur Diagnose der Ankylostomose hat unter anderem Giovanni Battista Grassi im 19. Jahrhundert beigetragen.Luigi Belloni: Beiträge der Universität Pavia zur mikroskopischen Diagnose der Ankylostomiasis, Malaria und Tollwut durch Battista Grassi, Camillo Golgi und Adelchi Negri. In: Christa Habrich, Frank Marguth, Jörn Henning Wolf (Hrsg.) unter Mitarbeit von Renate Wittern: Medizinische Diagnostik in Geschichte und Gegenwart. Festschrift für Heinz Goerke zum sechzigsten Geburtstag. München 1978 (= Neue Münchner Beiträge zur Geschichte der Medizin und Naturwissenschaften: Medizinhistorische Reihe. Band 7/8), ISBN 3-87239-046-5, S. 309–326.

Merkmale Hakenwürmer sind klein bis mittelgroß und haben einen runden Querschnitt. Die Mundkapsel ist groß und rund. Die Mundöffnung hat keine Lippen und ist nach vorn-oben gerichtet.J. Ralph Lichtenfels: Keys to the genera of the superfamilies Ancylostomatoidea and Diaphanocephaloidea. Nr. 8 von Roy C. Anderson, Alain G. Chabaud, Sheila Willmott (Hrsg.): CIH keys to the nematode parasites of vertebrates. CABI, 1980, S. 7.

Lebenszyklus Der Hakenwurm durchläuft in seiner Entwicklung sieben Stadien. Neben dem Wurm, der sich geschlechtlich fortpflanzt und Eier legt, gibt es fünf aufeinander folgende Larvenstadien.

Hakenwürmer besiedeln den Dünndarm, wo das Weibchen die Eier ablegt. Diese werden mit dem Kot in die Umwelt ausgeschieden. Dort schlüpft die erste Larve, die sich von Bakterien im Kot ernährt. Aus dieser geht dann durch Häutung das zweite Larvenstadium hervor. Das sich daraus entwickelnde dritte Larvenstadium wandert aktiv in den Boden ein, wo sie sich in der obersten Schicht festsetzt und auf einen geeigneten Wirt wartet.

Die Infektion mit Hakenwürmern erfolgt entweder durch Schmierinfektion, also orale Aufnahme der ansteckenden Larve 3, oder bei vielen Hakenwurmarten durch Aufnahme über die Haut. Dabei bohrt sich die Larve 3 durch die Haut und gelangt auf dem Blutweg in die Lunge und häutet sich zur Larve 4. Von der Lunge aus wird diese in die Bronchien transportiert, wo sie aufgehustet und anschließend abgeschluckt wird. Nach dem Abschlucken setzt sie sich im Darm fest und häutet sich zum letzten Mal und wird zum ausgewachsenen Wurm. Die Adulten und die fünfte Larve saugen Blut an den Darmzotten.

Hakenwurminfektion des Menschen Durch den Blutverlust hervorgerufene Anämie (Ägyptische bzw. Äthiopische Chlorose)Horst Kremling: Zur Entwicklung der klinischen Diagnostik. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen 23, 2004, S. 233–261; hier: S. 249. und weitreichende Zerstörung der Darmzotten können Leibschmerzen auftreten, wobei adulte Würmer 20 bis 30 Mikroliter Blut pro Tag aufnehmen können. Es treten Abgespanntheit, Müdigkeit, Bewusstlosigkeit, Depression und Apathie auf. Es kann zu Herzversagen und Tod kommen. Kinder sterben vor allem aufgrund des Blutverlustes.

Hakenwürmer können mit Mebendazol, Albendazol oder Pyrantel in Tablettenform behandelt werden. Nach sechs Wochen sollte eine Stuhluntersuchung zur Kontrolle des Behandlungserfolges durchgeführt werden.Marianne Abele-Horn: Antimikrobielle Therapie. Entscheidungshilfen zur Behandlung und Prophylaxe von Infektionskrankheiten. Unter Mitarbeit von Werner Heinz, Hartwig Klinker, Johann Schurz und August Stich. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Peter Wiehl, Marburg 2009, ISBN 978-3-927219-14-4, S. 289. Hakenwurmimpfstoffe sind in Entwicklung. 2023 wurde eine medizinische Anwendung dieses Wurms beschrieben.

Hakenwurminfektionen bei Tieren Hakenwurminfektionen spielen vor allem bei Hunden und Katzen eine größere Rolle.

Systematik Zur Familie gehören 255 Arten in drei Triben, sieben Untertriben, und 21 Gattungen. Sie wird in zwei Unterfamilien unterteilt:Mike Hodda: Phylum Nematoda: a classification, catalogue and index of valid genera, with a census of valid species. In: Zootaxa. 2022, Band 5114, Nummer 1, S. 103 . Unterfamilie Ancylostomatinae 1905 Tribus Ancylostomatini , 1905 (, 1980) Subtribus Ancylostomatinii , 1905 Ancylostoma , 1843 Galoncus , 1918 Subtribus Arthrocephalinii , 1968 Arthrocephalus , 1925 Arthrostoma , 1927 Placoconus , 1956 Subtribus Globocephalinii , 1932 Globocephalus , 1861 Subtribus Uncinariinii , 1903 Bioccastrongylus , 1961 Uncinaria , 1789 Tribus Bunostomini , 1909 Subtribus Acheilostominii , 1980 Acheilostoma , 1911 Tetragomphius , 1923 Subtribus Bunostominii , 1909 Bathmostomum , 1909 Brachyclonus , 1910 Bunostomum , 1902 Cameronecator , 1980 Gaigeria , 1910 Grammocephalus , 1910 Monodontus , 1861 Necator , 1903 Unterfamilie Diaphanocephalinae , 1920 Tribus Diaphanocephalini Subtribus Diaphanocephalinii Cylicostrongylus , 1961 Diaphanocephalus , 1851 Kalicephalus , 1861

Weblinks

Vorlesung Parasitologie. (4,9 MB) Tropeninstitut Basel

Einzelnachweise

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