Der Begriff Derby (Aussprache britisch [] oder US-amerikanisch []) wird heute für verschiedene Prüfungen und Wettbewerbe im Pferdesport verwendet. Er geht zurück auf das 1780 erstmals auf der Epsom-Downs-Rennbahn in England ausgetragene Pferderennen, das als Leistungsvergleich für dreijährige Vollblutpferde vom 12. Earl of Derby begründet wurde. Ihm folgten später vergleichbare Zuchtrennen in anderen Ländern.
Neben den klassischen Galopprennen bestehen mittlerweile eine Reihe weiterer Prüfungen in verschiedenen Reit- und Pferdesportarten als Derby, dessen Begriff sich auch in anderen Sportarten etabliert hat.
Derby im Galopprennsport mini|300px|Derby in Epsom, Théodore Géricault, 1821 Ein Derby ist im Galoppsport ein Pferderennen, das nach dem Derby in Epsom in England benannt ist.Seite 134, Crown Jewels of Thoroughbred Racing: Original Paintings von Richard Stone Reeves, David Ashforth Das Derby ist in den verschiedenen Ländern jeweils das wichtigste der klassischen Flachrennen und bedeutendste Zuchtprüfung für Vollblüter (sowohl für englisches Vollblut als auch Traber und Araber), bei denen dreijährige Pferde unter gleichem Gewicht laufen, wobei Stuten ein geringeres Gewicht zu tragen haben. Dieses in England entstandene System von Leistungsprüfungen wurde weltweit übernommen. In den meisten Ländern ist das Derby eine Prüfung der Triple Crown.
Seit 1780 wird in England das international bekannte englische Derby (eigentlich Derby Stakes) in Epsom über eine Distanz von 2.423 Meter ausgetragen.
Im Laufe des 19. Jahrhunderts folgten fast alle Staaten, die Vollblutzucht betreiben, dem englischen Beispiel. So entstand 1836 in Frankreich der Prix du Jockey Club; in Irland nach einigen Vorläufern 1866 das Irish Derby. 1868 wurde in Österreich das Derby in Wien begründet und 1869 das Deutsche Derby in Hamburg. Das Deutsche Derby wird traditionell am ersten Sonntag des Monats Juli parallel zum Irischen Derby im Hamburger Stadtteil Horn auf der Horner Rennbahn ausgetragen. In England und Frankreich liegt der Termin meist im Juni und in den Vereinigten Staaten (Kentucky Derby) schon im Mai.
Die Länge der Rennstrecke variiert etwas. So führt das Deutsche Derby traditionell über 2400 Meter, das französische Derby seit 2005 über 2100 Meter (zuvor ebenfalls 2400), das Kentucky Derby über 1¼ Meilen (2011 m) und das Irische Derby über 2414 Meter.
In vielen anderen Staaten bestehen Stutenderys, wie das Irish Oaks in Irland, der Prix de Diane in Frankreich und der Preis der Diana in Deutschland.
Wie auch das Derby in Epsom, das zu einem großen gesellschaftlichen Ereignis wurde, entwickelten sich auch andernorts insbesondere die Galoppderbys zu zahlreich besuchten Veranstaltungen, die neben wettbegeisterten Zuschauern und Pferdeliebhabern, auch zu Treffpunkten der führenden Gesellschaftsschichten wurden.
+ Liste von RennenNameOrtDistanzBeschränkungenErsteAustragungTerminBemerkungenAmerican DerbyArlington Park, Arlington Heights (Illinois), USA1 3/16 miles 1884 Gruppe III-Rennen, Ort und Distanz hat gewechselt, von 1905 bis 1925 nur einmal ausgetragenAustralian Derby (auch AJC Derby)Randwick Racecourse, Sydney2400 m3-jährige1861zweite Märzhälfte oder Anfang April Gruppe I-RennenBangalore Derby2,400 m4-jährige & älterSun Kingdom wins Bangalore Derby Abgerufen am 6. Februar 2011.Epsom Derby (auch The Derby, Derby Stakes, English Derby)Epson Rennbahn, England 2423 m (1 Meile, 4 Furlongs und 10 Yards)3-jährige Hengste und Stuten17801. Samstag in Juni. Gruppe I-Rennen, vor 1995 am 1. Mittwoch im JuniPrix du Jockey Club (auch Französisches Derby)Chantilly Racecourse2100 3-jährige Hengste und Stuten1836Anfang Juni Gruppe I-Rennen Deutsches Derby Horner Rennbahn, Hamburg2400 m 3-jährige Hengste und Stuten 1869 Anfang Juli Gruppe I-Rennen Hong Kong DerbySha Tin Racecourse 2000 m 4-jährige 1873 Mitte März Gruppe I-Rennen Derby Italiano Ippodromo delle Capannelle22001884 Gruppe II-Rennen Indian DerbyMahalaxmi Racecourse, Mumbai, Maharashtra, Indien2400 m 4-jährige 19431. Sonntag im FebruarDerby getting bigger and better, Kalyan Ashok, 11. Juli 2010, The HinduIrish Derby The Curragh, County Kildare, Ireland 1½ Meilen 3-jährige 1866 Letzter Sonntag im Juni Gruppe I-Rennen, Termin hat gewechselt, jedoch immer Ende Juni oder Anfang JuliKentucky Derby Churchill Downs, Louisville (Kentucky), USA 1¼ Meilen 3-jährige 1875 1. Samstag im Mai Gruppe I-Rennen New Zealand DerbyEllerslie Racecourse, Auckland2400 m 3yr olds18601. Samstag im März Gruppe I-Rennen Queensland Derby Gruppe I-RennenSingapore Derby Kranji Racecourse 2000 m 4-jährige 1880 Mitte Juli Gruppe I-Rennen Tokyo Yushun japanisches Derby Pferderennbahn Tokio 2400 m 3-jährige Hengste und Stuten1932 zweite Maihälfte oder Anfang Juni Gruppe I-Rennen, momentan das höchstdotierte DerbyVictoria Derby Flemington Racecourse, Melbourne 2500 m 3-jährige1855Distanz hat gewechselt
Traber-Derby
Deutsche Traber-Derby ist ein Trabfahren für dreijährige inländische Pferde über 1900 Meter. Es ist ein Gruppe I-Rennen, für das sich die Pferde in Vorläufen qualifizieren. Es wurde zum ersten Mal am 23. Mai 1895 ausgetragen. Seit 1954 findet es jährlich am ersten Sonntag im August auf der Trabrennbahn Mariendorf in Berlin statt.
+ Liste von RennenNameOrtDistanzBeschränkungenErsteAustragungTerminBemerkungenSvenskt Travderby (Schwedisches Traber-Derby)Jägersro Racetrack, Malmö2640 m 4-jährige 19281. Sonntag im September nationales Trabrennen der Gruppe IDeutsches Traber-Derby Berlin-Mariendorf 1900 m 4-jährige 1895 3. Sonntag im August nationales Trabrennen der Gruppe I, für inländische PferdeÖsterreichisches Traber-DerbyTrabrennpark Krieau, Wien2600 m4-jährige1884Mitte/Ende Juninationales Trabrennen, Zuchtrennen, für inländische Pferde
Derbys im Spring- und Dressursport mini|250px|Der Derby-Platz in Klein Flottbek, Hamburg 2005
Als Derby werden im Springreiten solche Springen bezeichnet, die sich von den üblichen Parcours durch eine besonders lange Strecke und den Einsatz naturnaher Sprünge und vieler Geländehindernisse (Wälle, Senken, Ricks mit Gräben) unterscheiden. Sie stellen weniger technische als psychologische Anforderungen an Pferd und Reiter. Sie führen grundsätzlich über Grasböden.
Bekannt und von langer Tradition sind u. a. das Englische Derby in Hickstead, das Niederländische in Valkenswaard und das seit 1920 ausgetragene Deutsche Spring Derby in Hamburg. Das Springderby im Hamburger Ortsteil Klein Flottbek verfügt über einen seit Beginn nahezu unveränderten 1230 m langen und anspruchsvollen Parcours, dessen Hindernisse (u. a. das über den Pferdesport hinaus bekannte Pulvermanns Grab) der Natur abgeschaut sind.
Seit 1955 (mit Unterbrechungen) ist auch das Dressurreiten in Hamburg-Klein Flottbek als Derby vertreten. Das Deutsche Dressurderby wird dort parallel zum Deutschen Springderby ausgetragen. Hierbei handelt es sich um eine Dressurprüfung mit Pferdewechsel.
Fahrderby Das Deutsche Fahrderby wurde erstmals 1950, parallel zum Deutschen Springderby in Hamburg, ausgetragen. Heute ist die Surenburg in Hörstel-Riesenbeck der Austragungsort dieser Fahrsport-Veranstaltung.
Das Programm der Anfangsjahre unterschied sich noch deutlich von den heutigen Aufgabenstellungen. So wurden neben dem Dressurprüfungen Zugleistungsprüfungen für die einzelnen Pferde durchgeführt. Diese Programmteile erfolgten in Elmshorn. Als letzte Teilprüfung erfolgte eine Leistungsfahrt als Vorläufer der heutigen Marathonfahren, die in Elmshorn begann und am Turnierplatz in Hamburg-Klein Flottbek endete.
Ende der 1950er Jahre kam die Leistungsfahrt des Fahrderby in die Kritik, nachdem aufgrund überschnellen Fahrens Pferde zuschanden gehetzt worden waren.Fahr-Derby: Von Quälerei keine Rede?, Der Spiegel, 22. Juli 1959 Im Laufe der Jahre entwickelte sich die Leistungsfahrt in Fahrsport von einem Wettbewerb, der sich an einer Fahrt mit einem Gespann über Straßen und Wege orientierte, zu einer Sportveranstaltung. An die Stelle von Straßenhindernissen (Schranken etc.) sind heute komplexe Kombinationen getreten.
Nachdem das Deutsche Fahrderby, ähnlich wie das Deutsche Dressurderby, innerhalb Hamburgs ausgelagert wurde und teilweise ausfiel, wechselte der Austragungsort. Ab den 1990er Jahren fand es in Starnberg-Landstetten statt. Aufgrund von Finanzierungsproblemen kam aber auch am Standort das Ende, im Jahr 2002 erhielt daraufhin Riesenbeck den Zuschlag für das Derby. Da im Jahr 2012 in Riesenbeck die Weltmeisterschaft der Vierspännerfahrer stattfand, gastierte das Deutsche Fahrderby beim CHI Donaueschingen. Im Jahr 2015 wurde in das deutsche Nationenpreisturnier einmalig statt in Aachen in Riesenbeck durchgeführt, seitdem findet das Fahrderby in Donaueschingen statt.
Bis zum Jahr 2012 bestand das Deutsche Fahrderby aus fünf Teilprüfungen. Im Gegensatz zu anderen kombinierten Prüfungen im Fahrsport wurden im Rahmen des Fahrderbys Prüfungen mit Zwei- und Vierspännern in einer Gesamtwertung durchgeführt. Es handelte sich hierbei um folgende Prüfungen: Gebrauchsprüfung für Zweispänner (Bewertung der Grundgangarten, Fahrdressur nach Anweisung der Richter) Dressurprüfung für Zweispänner (Fahrdressur) Dressurprüfung für Vierspänner Geländefahrt für Vierspänner („Marathonfahrt“) Hindernisfahrt für Vierspänner („Kegelfahren“)Programm Deutsches Fahrderby/Riesenbeck International 2010
Seit 2013 verzichtet man auf Zweispännerprüfungen, als Ersatz wurde als neue Teilprüfung die „Jagd um Punkte“ eingeführt. Hierbei wählt jeder Fahrer frei seinen Weg durch den Hindernisparcours.Zwei Titel für Georg von Stein, Jan Kappelhoff / Westfälische Nachrichten, 4. August 2014, reiterverein-riesenbeck.de Somit besteht das Derby aus folgenden Prüfungen: Dressurprüfung für Vierspänner Jagd um Punkte für Vierspänner Geländefahrt für Vierspänner („Marathonfahrt“) Hindernisfahrt für Vierspänner („Kegelfahren“)
Derby im Vielseitigkeitsreitsport Deutlich unbekannter als die Derbys in den vorgenannten Disziplinen ist, dass in den Jahren 2001, 2003 und 2004 auf der Horner Rennbahn in Hamburg auch das Deutsche Vielseitigkeitsderby stattfand. Hierbei handelte es sich um Vielseitigkeitskurzprüfung (CIC) auf internationalen 3*-Niveau. Besonderheit war ein Wasserdurchritt, der – anders als üblich – brusthoch war.Letzter Olympiatest für Vielseitigkeitsreiter, Christoph Plass für Die Welt, 25. Juli 2004 Archivberichte 2003: Jörgen Köhlbrandt für die „Deutschen“ nominiert, Kai Rüder Dritter im Vielseitigkeits-Derby, Fehmarnscher Ringreiterverein , Rainer Leymann für vielseitigkeitsreiten.de
Literatur A new dictionary of eponyms, Morton S. Freeman, 1997, Oxford University Press US, ISBN 0-19-509354-2 Crown jewels of thoroughbred racing: original paintings, Richard Stone Reeves, 1997, Eclipse Press, ISBN 0-939049-90-2 America From Apple Pie To Ziegfeld Follies Book One: People, Kirk Schreifer, John Sivell, 1996, Full Blast Productions, ISBN 1-895451-17-5 The Hidden Places of East Anglia: Including Essex, Suffolk, Norfolk and Cambridgeshire, Barbara Vesey, 2003, Travel Publishing, ISBN 1-902007-91-3
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Einzelnachweise
Kategorie:Pferdeveranstaltung Kategorie:Pferderennsport Kategorie:Springreiten