mini|Luftaufnahme der Anlage von Süden, mittig Kernschlossruine mit Rondell und Torturm (mittig unten), rechts: Vorburg mit deren Torturm, 2018 mini|Schloss und Vorburg 1859 (die Ansicht ist hier von Süden statt wie angegeben von Osten!) Das sächsische Schloss Hartenstein ist eine Schlossruine im Erzgebirge, südöstlich von Zwickau in der Stadt Hartenstein. Nicht weit von der Schlossruine befindet sich im Tal der Zwickauer Mulde die Burg Stein. Vor der Zerstörung betitelte der Volksmund das Schloss als „Perle des Erzgebirges“. Es war der einzige neogotische Schlossbau im Erzgebirge.
Verschiedene Sagen ranken sich um das Gemäuer. Als besonders hartherziger Burgherr taucht Ernst II. von Schönburg in der Sage vom Wilden Grafen auf.
Lage Im Osten von Hartenstein auf einem nach Westen gerichteten Bergsporn (Schloßberg, Hagk, Haagsberg) über dem Thierfelder Bach.
Geschichte Mit Beginn der bäuerlichen Besiedelung des Erzgebirges wurde um 1150Reiner Groß: Schönburgische Geschichte. Eine Zeittafel. Herausgeber: Britta Günther, Michael Wetzel, Tommy Schmucker, Chemnitz 2005, Eintrag „um 1150“ in chronologisch geordneter Liste, S. 7, Erbauung der Burg Hartenstein auf einem Plateau über dem Thierfelder Bach eine Wehranlage auf reichsunmittelbarem Territorium errichtet. Diese Anlage wurde im Laufe der Zeit erweitert und ausgebaut. Sie schützte wohl die Straße, die von Altenburg kommend über Zwickau, Hartenstein, Grünhain und Schlettau nach Preßnitz in Böhmen führte.
Im Jahr 1286 sind für Hartenstein Burgmannen („burgenses“) urkundlich belegt.
Erster bekannter Besitzer der damaligen Burg war Meinher I. von Werben aus dem Geschlecht der Meinheringer, der im Jahr 1173 Burggraf von Meißen war und auch das Klösterlein Zelle bei Aue gegründet hatte. Ab 1323 führten die Meinheringer auch den Titel „Graf von Hartenstein“. 1406 geriet Heinrich I. von Werben, Sohn des Meinher V., in finanzielle Not. Er musste am 2. Juli 1406 von Veit I. von Schönburg ein Darlehen in Höhe von 8000 Gulden aufnehmen und übertrug dem Schönburger für 8 Jahre Burg und Grafschaft Hartenstein mit dem Recht des Wiederkaufs als Pfand. 1414 wird diese Frist um weitere zwei Jahre verlängert.Reiner Groß: Schönburgische Geschichte. Eine Zeittafel. Herausgeber: Britta Günther, Michael Wetzel, Tommy Schmucker, Chemnitz 2005, Eintrag „2. Juli 1406“ in chronologisch geordneter Liste, S. 9.
Ab 1406 war daher die Grafschaft Hartenstein mit den zugehörigen Dörfern, Wäldern und Burgen an die Schönburger verpfändet. Als Heinrich I. von Werben die Pfandsumme nicht zurückzahlen konnte, wurden die Schönburger die neuen reichsunmittelbaren Herren. Mit einem Schreiben an den böhmischen König Wenzel IV (1361–1419), bat Heinrich I. von Werben um die Belehnung Veit des I. von Schönburg mit Hartenstein, was am 30. April 1417 auf dem Konzil in Konstanz schließlich durch den deutschen König Sigismund (1368–1437) urkundlich bestätigt wurde. Die Grafschaft Hartenstein war schon unter den Meinheringern böhmisches Reichsafterlehen geworden.
Als am 15. oder 16. Juni 1426 der junge Meißner Burggraf Heinrich II. von Hartenstein aus dem Geschlecht der Meinheringer in der Schlacht bei Aussig gegen die Hussiten fiel, nahm der sächsische Kurfürst Friedrich der Streitbare kurzerhand alle Besitzungen des Burggrafen im Raum der Mark Meißen in Besitz. Zur gleichen Zeit bemächtigten sich die Schönburger der Grafschaft Hartenstein mit der Burg Hartenstein an der Zwickauer Mulde. Unabhängig davon setzte König Sigismund am 21. Juli 1426 Heinrich X. in das Amt des Burggrafen zu Meißen ein und belehnte ihn mit der Grafschaft Hartenstein. Vergeblich klagte dagegen der aus dem Hause Reuß stammende Heinrich I., wie er sich jetzt als Burggraf zu Meißen und Herr von Hartenstein nannte. Im Nachhinein bestätigte König Albrecht II. mit dem Schiedsspruch von Preßburg im Jahr 1439 die geschaffene Situation. Heinrich von Reuß, „Herr von Hartenstein“, verblieb nur dieser Titel (Burggraf von Hartenstein). Burg und Herrschaft Hartenstein blieben im Besitz der Schönburger.Johannes Richter: Zur Genealogie und Geschichte der Burggrafen von Meißen und Grafen zum Hartenstein aus dem älteren Hause Plauen. In: Sächsische Heimatblätter. Bd. 38, Heft 5, 1992, ISSN 0486-8234, S. 299–303. Als Trost über den Verlust ließ Heinrich X. von Reuß („Heinrich I. von Hartenstein“) bei Buchau in Böhmen die Burg Neuhartenstein errichten. Siehe dazu auch: Burg Hungerberg (alte Burg von Buchau).
1439 heiratet Veit II. von Schönburg Anna von Plauen aus dem Hause Reuß. Damit werden die langjährigen Differenzen zwischen beiden Familien über das Besitzrecht an der Grafschaft Hartenstein (mit den Burgen Hartenstein und Stein) beigelegt.Reiner Groß: Schönburgische Geschichte. Eine Zeittafel. Herausgeber: Britta Günther, Michael Wetzel, Tommy Schmucker, Chemnitz 2005, Eintrag „1439“ in chronologisch geordneter Liste, S. 10.
Am 4. Mai 1439 wird mit dem Preßburger Machtspruch die Lehnshoheit über die Grafschaft Hartenstein – mit den Burgen Hartenstein und Stein – an das Kurfürstentum Sachsen übertragen. 1485 geht die Lehnshoheit über die Grafschaft Hartenstein – mit den Burgen Hartenstein und Stein – nach der Leipziger Teilung auf die albertinische Linie der Wettiner über. Somit war Burg und Herrschaft Hartenstein kursächsisches Reichsafterlehen der Herren von Schönburg geworden.Reiner Groß: Schönburgische Geschichte. Eine Zeittafel. Herausgeber: Britta Günther, Michael Wetzel, Tommy Schmucker, Chemnitz 2005, Einträge „4. Mai 1439“ S. 10 und „1485“ S. 11 in chronologisch geordneter Liste
Das Gebiet der nunmehrigen Schönburgischen Herrschaften reichte bis tief ins westliche und mittlere Erzgebirge, das Territorium der oberen Grafschaft Hartenstein um Elterlein und den Fichtelberg musste jedoch zum Teil im Jahr 1559 an den sächsischen Kurfürsten verkauft werden. Bereits unter Veit I. von Schönburg (erstmals 1370 erwähnt, † zwischen 1421 und 1423Wolf-Dieter Röber: (Schloss) Lichtenstein. In: Helmut Bräuer, Robby Joachim Götze, Steffen Winkler, Wolf-Dieter Röber u. a.: Die Schönburger, Wirtschaft, Politik, Kultur. Beiträge zu Geschichte des muldenländischen Territoriums und der Grafschaft Hartenstein unter den Bedingungen der schönburgischen Landesherrschaft. Broschüre zur gleichnamigen Sonderausstellung 1990–91 in Museum und Kunstsammlung Schloss Hinterglauchau. Museum und Kunstsammlung Schloss Hinterglauchau, Glauchau 1990, , hier S. 24.), Herr zu Waldenburg, wurde die Burg Hartenstein umgebaut. 1388 wurde Veit I. von Schönburg, Herr der Burg Hartenstein, in Burg Waldenburg belagert von den Markgrafen von Meißen, da er in der Rabensteiner Fehde die Burg Rabenstein und das Kloster Chemnitz überfallen hatte.Reiner Groß: Schönburgische Geschichte. Eine Zeittafel. Herausgeber: Britta Günther, Michael Wetzel, Tommy Schmucker, Chemnitz 2005, Eintrag „1388“ in chronologisch geordneter Liste, S. 9.
Im 16. Jahrhundert wurde die Burg unter Ernst II. von Schönburg (1484–1534Wolf-Dieter Röber: (Schloss) Hinterglauchau. In: Helmut Bräuer, Robby Joachim Götze, Steffen Winkler, Wolf-Dieter Röber u. a.: Die Schönburger, Wirtschaft, Politik, Kultur. Beiträge zu Geschichte des muldenländischen Territoriums und der Grafschaft Hartenstein unter den Bedingungen der schönburgischen Landesherrschaft. Broschüre zur gleichnamigen Sonderausstellung 1990–91 in Museum und Kunstsammlung Schloss Hinterglauchau. Museum und Kunstsammlung Schloss Hinterglauchau, Glauchau 1990, , hier S. 22.), Herr zu Glauchau und Waldenburg,Der Innungsbrief der Glauchauer Weber von 1528, in: Schriftenreihe Heft 2, Museum und Kunstsammlung Schloss Hinterglauchau, Glauchau, 1980, „Ernnst, Herre von glauchaw vnd Waldenburg“ S. 2. zu einem Schloss umgebaut. Auf diese Umbauten verweist die Jahreszahl 1530 und ein schönburgischer Wappenstein über dem Tor der Kernburg.Wolf-Dieter Röber: Schloß Hartenstein. In: Schriftenreihe Heft 3, Museum und Kunstsammlung Schloß Hinterglauchau, Stadt Glauchau, 1981, S. 22–23. 1572 ließ Hugo II. von Schönburg-Waldenburg († 1606) weitere Umbauten oder Reparaturen vornehmen. Hugo II. wurde durch einen Erbteilungsvertrag am 21. November 1582 alleiniger Besitzer der Herrschaft Hartenstein mit den Burgen Hartenstein und Stein.Reiner Groß: Schönburgische Geschichte. Eine Zeittafel. Herausgeber: Britta Günther, Michael Wetzel, Tommy Schmucker, Chemnitz 2005, Einträge „1572“ u. „21. November 1582“ S. 17. 1584 wurde die ehemalige Rüstkammer in der Kernburg zu einer Kapelle umgebaut. 1606 erfolgte der Neubau des Schlossturmes (der Kernburg).Wolf-Dieter Röber: Schloß Hartenstein. In: Schriftenreihe Heft 3, Museum und Kunstsammlung Schloß Hinterglauchau, Stadt Glauchau, 1981, S. 22–23.
Anfang des 19. Jahrhunderts erfolgte durch Fürst Friedrich Alfred von Schönburg ein Umbau im Stile der Neogotik, der im frühen 20. Jahrhundert (vor 1945) teilweise rückgängig gemacht wurde.Wolf-Dieter Röber: Schloß Hartenstein. In: Schriftenreihe Heft 3, Museum und Kunstsammlung Schloß Hinterglauchau, Stadt Glauchau 1981, S. 23. Die Anlage hatte einen ovalen Grundriss und bestand bis Ende April 1945. In den letzten Kriegstagen verschanzte sich eine Kampfgruppe der Waffen-SS im Hartensteiner Wald, worauf das Schloss durch amerikanische Bomben am 20. April 1945 fast vollständig zerstört wurde. Die erhalten gebliebenen Gebäude des äußeren Schlosshofes wurden nach dem Krieg zu Wohnzwecken genutzt. Die Ruine selbst diente als Freilichtbühne.
Von 2002 bis 2021 bemühte sich der Förderverein Schlossruine Hartenstein e. V. um den Erhalt und teilweisen Wiederaufbau des Schlosses. Seit 2021 ist das Gelände im Besitz des neuen Vereins Schlossruine Hartenstein e.V.
Altenburger Prinzenraub Nach dem Altenburger Prinzenraub (in der Nacht zum 8. Juli 1455) übergibt die eine Truppe der Entführer unter den Rittern Wilhelm von Mosen und Wilhelm von Schönfeld den jungen Prinzen Ernst von (Kur-)Sachsen am 11. Juli 1455 angeblich auf Burg Hartenstein an Friedrich XX. von Schönburg (seit 1446 Herr von Waldenburg und Mitbesitzer von GlauchauReiner Groß: Schönburgische Geschichte. Eine Zeittafel. Herausgeber: Britta Günther, Michael Wetzel, Tommy Schmucker, Chemnitz 2005, Eintrag „6. Februar 1446“ in chronologisch geordneter Liste, S. 10.) gegen Zusicherung der Straffreiheit. Die Entführer mussten Sachsen für immer verlassen (Exil). Friedrich XX. geleitet den Prinzen von hier nach Chemnitz zu seinem Vater, dem Kurfürsten Friedrich den Sanftmütigen (1428–1464).Reiner Groß: Schönburgische Geschichte. Eine Zeittafel. Herausgeber: Britta Günther, Michael Wetzel, Tommy Schmucker, Chemnitz 2005, Eintrag „11. Juli 1455“ in chronologisch geordneter Liste, S. 11.
Laut anderen Quellen soll die Übergabe aber auf Burg Stein bei Hartenstein erfolgt sein (und der Prinz wurde wohl erst danach ins Hartensteiner Schloss gebracht).
Geschichte der Schlosskapelle 1584 ließ Hugo II. von Schönburg (1559–1606) die Rüstkammer in eine Kapelle umbauen. Anlass war seine große Liebe zu seiner kränklichen Gattin Agnes (1567–1588), geb. Reuß von Plauen, mit der er von 1582 bis 1588 zusammenlebte. Erster Hofprediger wurde hier Magister Johannes Zechendörffer. Otto Ludwig von Schönburg (1643–1701) ließ die Kapelle erneuern und im Jahre 1696 einweihen. Nach dessen Gemahlin, Sophie-Magdalene (1651–1726), geb. Gräfin von Leiningen-Westerburg, wurde die Kapelle nun Sophienkapelle genannt.Wolf-Dieter Röber: Die Kapelle im Schloß Hinterglauchau. In: Schriftenreihe Heft 10, Museum und Kunstsammlung Schloss Hinterglauchau, Glauchau, 1994, S. 8–15 (Bemerkungen zur Geschichte der Schloßkapelle in Schloss Hartenstein S. 8)
Hofnarr Streitenberger auf Schloss Hartenstein mini|Holzfigur des Hofnarren Streitenberger im Museum der Burg Stein