mini|Luftbild Malschwitz, , ist ein Dorf und die zugehörige Gemeinde etwa sechs Kilometer nordöstlich von Bautzen in Sachsen. Es zählt zum amtlichen Siedlungsgebiet der Sorben in der Oberlausitz.Sächsisches Sorbengesetz, Anlage zu § 3 (2).
Die aus den Ortsteilen Malschwitz und Pließkowitz bestehende Ortschaft Malschwitz hat entsprechend der Sächsischen Gemeindeordnung gemäß ihrer Ortschaftsverfassung einen Ortschaftsrat und Ortsvorsteher.
Geografie und Verkehr Die Gemeinde Malschwitz liegt nördlich der Talsperre Bautzen sowie im Süden des Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft. Landschaftsprägend ist die ausgedehnte Niederung der Flüsse Spree, Kleine Spree, Kotitzer Wasser und Löbauer Wasser. Hier befinden sich mehrere Teichgebiete mit Schilfbeständen. Beim Ortsteil Kleinbautzen kreuzt die A 4 das Gemeindegebiet. Diese ist über den Anschluss Bautzen-Ost (ca. 5 km) zu erreichen. Durch das Gemeindegebiet führt die B 156. Beim Ortsteil Lömischau mündet rechtsseitig das Löbauer Wasser in die Spree.
Gemeindegliederung Zur Gemeinde Malschwitz gehören folgende 23 Ortsteile: Baruth bei Bautzen (Bart), Einwohner Briesing (Brězynka), Einwohner Brießnitz (Brězecy), Einwohner Brösa (Brězyna), Einwohner Buchwalde (Bukojna), Einwohner Cannewitz (Skanecy), Einwohner Doberschütz (Dobrošecy), Einwohner Dubrauke (Dubrawka), Einwohner Gleina (Hlina), Einwohner Guttau (Hućina), Einwohner Halbendorf/Spree (Połpica), Einwohner Kleinbautzen (Budyšink), Einwohner Kleinsaubernitz (Zubornička), Einwohner Lieske (Lěskej), Einwohner Lömischau (Lemišow) mit Neulömischau (Nowy Lemišow), Einwohner Malschwitz (Malešecy), Einwohner Neudorf/Spree (Nowa Wjes/Sprjewja), Einwohner Niedergurig (Delnja Hórka), Einwohner Pließkowitz (Plusnikecy), Einwohner Preititz (Přiwćicy), Einwohner Rackel (Rakojdy), Einwohner Ruhethal (Wotpočink), Einwohner Wartha (Stróža), EinwohnerStand: ; Angaben der Gemeindeverwaltung Malschwitz
Geschichte mini|links|Evangelische Kirche in Malschwitz Der Ortsname ist sorbischer Herkunft und stammt von einem Personennamen Mališ oder Małyš ab (sorbisch mały = „klein“).Walter Wenzel: Oberlausitzer Ortsnamenbuch. Domowina-Verlag, Bautzen 2008, S. 110. Bereits vor dem Jahr 1000 wurde ein Milzener Fürstengut und nach 1000 ein königliches Tafelgut um Kleinbautzen und Preititz erwähnt. Die erste nachweisbare Erwähnung des Ortes als Malswiz stammt von 1225. Um 1430 wird Malschwitz als Rittersitz genannt.
Am 12. April 1715 vernichtet ein Feuer die Fachwerkkirche, die Schule, das Rittergut und 14 Bauerngüter. Die neue Kirche wird 1716 in massiver Bauweise an selber Stelle erbaut. Der heutige Turm wird erst 1913 angebaut.
Während der Schlacht bei Bautzen ruhten die Franzosen am 21. Mai 1813 bei Malschwitz und wendeten sich dann gegen die Preußen bei Pließkowitz. Während Pließkowitz fast gänzlich niederbrannte, hatte Malschwitz nur geringe Schäden zu verzeichnen. Über die Schäden der Kriegsereignisse des „Budissinischen Kreises“ zwischen dem 16. und 28. Mai 1813 wird im Nachrichtenblatt Budissinische Nachrichten vom 2. Oktober 1813 von 53 Dörfern berichtet. In Malschwitz wurde lediglich ein „Unterthanen-Gebäude“ zerstört. Dieses Gebäude stand allerdings im heutigen Ort Pließkowitz, gehörte damals aber zu Niedermalschwitz. Es war das Haus des Teichwächters Johann Zaunig. Die Malschwitzer Kirche und die Kirchhofmauer wurden von einigen Kanonenkugeln getroffen. Die Kirche blieb ansonsten unversehrt. Die Franzosen drangen jedoch „in das Heiligtum ein“, stahlen einen silbernen Kelch und weitere Dinge, ruinierten die Sakristeitür und verbrannten den Zaun des Pfarrgartens.
Für seine Statistik über die sorbische Bevölkerung in der Oberlausitz ermittelte Arnošt Muka in den 1880er Jahren für den Ort eine Bevölkerungszahl von 582 Einwohnern; davon waren 554 Sorben (95 %) und 28 Deutsche. 1921 gründete sich in Malschwitz eine Einheit des Serbski Sokoł. Auch 1956 war laut Ernst Tschernik noch eine Mehrheit von 60,6 % der Bevölkerung sorbischsprachig. Der Sprachwechsel hin zum Deutschen erfolgte weitgehend in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Bei Forschungsbohrungen wurde im Jahre 1998 das an der Erdoberfläche nicht sichtbare verdeckte Maar von Baruth bestätigt. Gesichert gilt damit die „Baruther Vulkangruppe“ bestehend aus den Vulkanen bei Baruth und Guttau sowie den verdeckten Kratern (Maare) bei Baruth und Kleinsaubernitz. Entstanden sind diese im Tertiär vor 22 bis 27 Millionen Jahren.
Eingemeindungen Im Jahr 1936 wurde die Gemeinde Pließkowitz eingemeindet. Im Zuge der Gemeindegebietsreform von 1994 wurden die Gemeinden Baruth, Kleinbautzen, Malschwitz und Niedergurig zur neuen Gemeinde Malschwitz zusammengelegt. Zum 1. Januar 2013 erfolgte der Zusammenschluss mit der Nachbargemeinde Guttau (bis 1995 Gemeinden Neudorf/Halbendorf, Kleinsaubernitz und Guttau).
Politik
Gemeinderat Die Kommunalwahlen der vergangenen Jahre ergaben folgende Stimm- bzw. Sitzverteilungen: Parteien und Wählergemeinschaften2024 2019 2014%Sitze % Sitze % Sitze Alternative für Deutschland (AfD)34,86 20,5 1 ― ― Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU)33,56 34,1 7 50,4 10 Freie Wählergemeinschaft Malschwitz/Pließkowitz17,53 23,1 4 20,4 4 Freie Wählerschaft Guttau4,61–––– Die Linke (Linke)3,81 7,3 1 7,7 1 Baruther Sportverein 90 e. V. (BSV 90)3,71 3,6 0 5,8 1 Freie Demokratische Partei (FDP)2,1– 11,4 2 10,6 2 gesamt100,018 100,0 15 100,0 18 Wahlbeteiligung77,2 % 73,5 % 60,2 % Seit der Gemeinderatswahl am 9. Juni 2024 verteilen sich die 15 Sitze des Gemeinderates folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen: AfD: 6 Sitze CDU: 6 Sitze Freie Wählergemeinschaft Malschwitz/Pließwitz: 3 Sitze Freie Wählerschaft Guttau: 1 Sitz Linke: 1 Sitz Baruther SV 90 e. V.: 1 Sitz
Bürgermeister Bürgermeister ist seit 2008 Matthias Seidel (CDU). +letzte BürgermeisterwahlenWahlBürgermeisterVorschlagWahlergebnis (in %)2022Matthias SeidelCDU70,1201567,2200851,82001Günter SodanSodan61,2199450,7
Partnergemeinden Partnergemeinden von Malschwitz sind Desná in Tschechien, Gromadka in Polen und Sióagárd in Ungarn. Eine enge Freundschaft verbindet seit 1990 Guttau mit Guttau in der Gemeinde Grömitz, Ost-Holstein.
Sehenswürdigkeiten mini|Wasserturm in Baruth (Malschwitz)
Talsperre Bautzen, Infozentrum an der Staumauer in Niedergurig Herrenhäuser in Preititz, Kleinbautzen und Guttau Altes Schloss Malschwitz (Oberhof) Schloss Malschwitz (Niederhof) Historisches Rittergut in Niedergurig Arnošt-Bart-Haus in Briesing Landschaftsschutzgebiet Spree und Kleine Spree Kriegsopfergedenkstätte in Halbendorf/Spree Infozentrum „Haus der Tausend Teiche“ in Wartha Kirche Malschwitz Rieseneiche von Niedergurig (ziert das Gemeindewappen) Lutherdenkmal auf dem Gottlobsberg bei Niedergurig Technisches Denkmal „Altes Basaltwerk“ in BaruthTechnisches Denkmal Basaltwerk in Baruth Geologischer Lehrpfad in Baruth, Vulkanismus Historischer Dorfanger in Brösa Bergbaumuseum „Olba“, alte Bäckerei Kleinsaubernitz Alte Brennerei mit Storchennest in Guttau, jetzt Feuerwehr Olbasee beim Ortsteil Kleinsaubernitz Elchgehege im Heidewald bei Wartha Schulmuseum K.A. Kocor in Wartha Teufelsstein (mutmaßliches Sonnenheiligtum) Wasserturm in Baruth
Die Kulturdenkmale sind in der Liste der Kulturdenkmale in Malschwitz aufgeführt.
Naturschutz
Bildung mini|Oberschule der Gemeinde Malschwitz Die Gemeinde Malschwitz verfügt über zwei Grundschulen (in Baruth und Guttau) und eine Oberschule.
Persönlichkeiten Friedrich Adolph von Haugwitz (1637–1705), u. a. Oberhofmarschall, Steuerdirektor und Kriegsrat Kurt Krjeńc (Kurt Krenz, 1907–1978), Kommunist und SED-Funktionär, langjähriger Domowina-Vorsitzender
Literatur
Trudla Malinkowa/Weldon Mersiovsky (Hrsg.): Malschwitz. Malešecy. A Wendish Village in Lusatia. Serbin 2018, ISBN 978-1-944891-52-7.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Bautzen Kategorie:Ort in der Oberlausitz Kategorie:Ersterwähnung 1225 Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp)