Mercedes AMG High Performance Powertrains Limited (kurz Mercedes AMG HPP, bis 2011 Mercedes-Benz HighPerformanceEngines) ist ein britisch-deutscher Hersteller von Rennmotoren für die Formel 1 und ein 100-prozentiges Tochterunternehmen der Mercedes-Benz Group. Mercedes AMG HPP entstand 2005 durch die vollständige Übernahme der seit 1984 bestehenden britischen Motorenschmiede Ilmor, nachdem Mercedes-Benz zuvor bereits Teile übernommen hatte. Seit 2005 besteht Ilmor Engineering Ltd. parallel als eigenständiges Unternehmen weiter.
Mercedes AMG HPP ist werksseitiger Motorenlieferant des Mercedes AMG F1 Teams, mit dem die Mercedes-Benz Group seit der Saison 2010 wieder an der Weltmeisterschaft teilnimmt. Darüber hinaus beliefert das Unternehmen in der Saison 2026 die Kundenteams Williams (seit 2014), McLaren (seit 2021) und Alpine (seit 2026) mit Triebwerken.
Der erste Einsatz von Mercedes-Motoren in der Formel 1 datiert aus dem Werksengagement der Daimler-Benz AG in den Jahren 1954 und 1955. Mit den von Mercedes-Benz entwickelten 2,5-Liter-Achtzylindermotoren mit Benzin-Direkteinspritzung konnten durch Juan Manuel Fangio zwei Fahrer-Weltmeisterschaften und insgesamt neun Rennen gewonnen werden. Dieser Werkseinsatz ist inhaltlich von dem in diesem Artikel beschriebenen Unternehmen zu trennen. In der Statistik sind hingegen alle Renneinsätze von Teams und Fahrern mit Mercedes-Motoren bedacht.
So ist Mercedes-Benz mit insgesamt 239 Grand-Prix-Siegen und 249 Pole-Positions (Stand: Saisonende 2025) hinter Ferrari der zweiterfolgreichste Motorenlieferant der Formel-1-Geschichte und vor Porsche und BMW erfolgreichster deutscher Triebwerkshersteller. Es wurden mit Mercedes-Motoren von verschiedenen Teams 14 Fahrertitel und zwölf Konstrukteurstitel gewonnen.
Geschichte 1984 gründeten Mario Illien und Paul Morgan den Motorenhersteller Ilmor Engineering. Sie stellten anfangs Motoren für die amerikanische Champ-Car-Rennserie her, ab 1990 begannen die ersten Versuche in der Formel-1-Weltmeisterschaft. In der Saison 1991 rüstete man mit Leyton House erstmals einen Formel-1-Rennstall mit Motoren aus. Aufgrund zahlreicher Ausfälle (u. a. auch einige Motorschäden) konnte nur ein einziger Punkt gewonnen werden (durch Ivan Capelli beim Großen Preis von Ungarn). Folglich belegte man den zwölften und letzten Platz in der Konstrukteursweltmeisterschaft.
In der folgenden Saison wechselte Ilmor zu den Teams Tyrrell und March. Diese Saison verlief erfolgreicher und beide Kundenteams konnten einige Punkte sammeln. So belegte man am Ende der Saison mit Tyrell Platz sechs und mit March Platz neun der Konstrukteursweltmeisterschaft.
Ab 1993 begann ein Kooperationsprogramm mit Mercedes-Benz. Ilmor rüstete von nun an ausschließlich das von der Sportwagen-Weltmeisterschaft in die Formel 1 gewechselte Sauber-Team mit Motoren aus. Das Team fuhr offiziell noch mit Ilmor-Motoren, auf den Fahrzeugen stand der Schriftzug "Concept by Mercedes-Benz". Dank zahlreicher Punkteplatzierungen belegte das Team am Ende Platz sieben der Herstellermeisterschaft.
1994–2005: Mercedes 3,0 Liter V10 mini|Erster Formel-1-Wagen mit Mercedes-Motor seit 1955: Sauber C13 von 1994 mini|Erster WM-Titel der Ehe McLaren-Mercedes: Mika Häkkinen in der Saison 1998 mini|McLaren-Mercedes MP4-17D aus der Saison 2003 1994 erwarb Daimler-Benz erstmals Aktienanteile von 25 % an Ilmor. Deshalb wurden die Motoren des Sauber-Teams ab dieser Saison unter dem Namen Mercedes eingesetzt. Ilmor belieferte in diesem Jahr darüber hinaus noch Pacific Racing unter eigenem Namen, wobei die 1992 bei March und Tyrrell eingesetzten Motoren vom Typ 2175A zum Einsatz kamen. Sauber konnte einige Male punkten und wurde so Achter mit zwölf Punkten. Pacific Racing konnte keinen einzigen Punkt erzielen.
1995 wurden Mercedes-Benz und McLaren Partner in der Formel 1, die Motoren wurden von Ilmor für Mercedes-Benz hergestellt. McLaren nutzte die Mercedes-Motoren von nun an exklusiv als werksunterstütztes Team. Das Team konnte regelmäßig in die Punkte fahren und wurde so mit 30 Punkten WM-Vierter. Im Jahr darauf konnte mit 49 Punkten dieser vierte Platz verteidigt werden.
Beim Großen Preis von Australien in Melbourne 1997 konnte Mercedes als Motorenhersteller seinen ersten Formel-1-Sieg seit dem Ausstieg Ende 1955 feiern, David Coulthard gewann das Rennen. Beim Großen Preis von Italien ebenfalls durch David Coulthard und beim Großen Preis von Europa durch einen Doppelsieg von Mika Häkkinen und David Coulthard folgten zwei weitere Siege. Man hatte am Saisonende nun 63 WM-Punkte und verteidigte den vierten Platz in der Konstrukteursmeisterschaft erneut.
In den Jahren 1998 und 1999 gelang der Durchbruch, mit Mika Häkkinen konnte jeweils der Fahrerweltmeistertitel gewonnen werden. 1998 wurde McLaren zudem Konstrukteursweltmeister. Insgesamt gelangen in den beiden Jahren 16 Grand-Prix-Siege.
In den folgenden Jahren konnte das britisch-deutsche Team aufgrund der Überlegenheit der Ferraris nicht mehr um die WM-Titel kämpfen und wurde 2000 und 2001 jeweils Vizeweltmeister. 2002 blieb McLaren-Mercedes nur Platz drei hinter Ferrari und Williams-BMW.
In dieser Saison erhöhte DaimlerChrysler seinen Aktienanteil an dem Motorenwerk auf 55 % und änderte den Namen des Unternehmens in Mercedes-Ilmor Ltd. Des Weiteren wurde die phasenweise, vollständige Übernahme des Unternehmens vereinbart.
Die Saison 2003 verlief wieder erfolgreicher. McLaren kämpfte bis zum letzten Rennen mit Kimi Räikkönen um den Fahrer-Titel, scheiterte aber knapp mit zwei Punkten Rückstand auf Michael Schumacher. Bei den Konstrukteuren wurde man erneut nur Dritter mit 142 Punkten. 2004 war ein schwaches Jahr, mit nur einem Sieg lag McLaren-Mercedes am Ende der Saison mit 69 Punkten auf Platz fünf der Konstrukteurswertung.
2005 erwarb DaimlerChrysler die restlichen Unternehmensanteile und änderte den Unternehmensnamen in Mercedes-Benz HighPerformanceEngines Ltd. Alle Unternehmensteile, die nicht mit der Entwicklung und Produktion von Formel-1-Motoren beschäftigt sind, wurden im Zuge der Unternehmensumgestaltung zusammen mit den Namensrechten an „Ilmor“ an Mario Illien und Roger Penske verkauft, die daraufhin die Ilmor Engineering Ltd. neugründeten. Sportlich konnte sich das Team im letzten Jahr der Zehnzylinder-Motoren konsolidieren. Mit dem jungen Finnen Kimi Räikkönen und Juan Pablo Montoya wurde man sowohl bei den Fahrern (Räikkönen) als auch den Konstrukteuren Vizeweltmeister. Im nächsten Jahr war der McLaren nur das drittstärkste Fahrzeug im Feld, Platz fünf bei den Fahrern und Platz drei bei den Konstrukteuren war das Ergebnis.
2006–2013: Mercedes 2,4 Liter V8 mini|Weltmeister 2008: Lewis Hamilton im McLaren-Mercedes MP4-23 mini|Siege und Titel erstmals mit einem Kundenteam: Jenson Button im Brawn BGP 001 mini|Comeback als Werksteam mit dem Mercedes MGP W01 (2010) In der Formel-1-Weltmeisterschaft 2006 startete die Ära der V8-Motoren mit 2,4 Liter Hubraum. McLaren-Mercedes hatte gegen die dominierenden Teams Renault und Ferrari jedoch zunächst keine Chance. Es gelang 2006 kein einziger Sieg, Platz fünf bei den Fahrern (Räikkönen) und mit 110 Punkten Platz drei bei den Konstrukteuren war das Ergebnis.
2007 eröffnete Mercedes-Benz HPE den ersten Teil des neuen Formula One Mercedes-Benz Technology Centre im englischen Brixworth (ebenfalls Heimat von Ilmor Engineering). Sportlich wollte das Team endlich wieder zur Spitzengruppe der Meisterschaft gehören, wofür man den zweimaligen Weltmeister Fernando Alonso und den Nachwuchsfahrer Lewis Hamilton verpflichtete. Trotz teaminterner Streitereien der Fahrer gelang eine zunächst erfolgreiche Saison, in der man acht Laufsiege einfahren konnte und beide Meisterschaften nur um einen Zähler gegen Ferrari verlor. Das Jahr endete für McLaren-Mercedes aufgrund der „Spionage-Affäre“ mit dem Ausschluss von der Konstrukteurs-WM jedoch desaströs. Die Fahrer behielten hingegen ihre Punkte. 2008 verließ Alonso das Team und Heikki Kovalainen ersetzte ihn. Das Team präsentierte sich ähnlich konkurrenzfähig wie im Vorjahr und diesmal wurde Lewis Hamilton mit einem Punkt Vorsprung gegenüber Massa im Ferrari Weltmeister. Das Team wurde mit 151 Punkten und sechs Siegen Vizemeister.
2009 belieferte Mercedes-Benz HPE neben dem Team McLaren-Mercedes auch erstmals Kundenteams: Force India und Brawn GP. Im Juni 2009 gab Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug eine Reduzierung der Belegschaft in Brixworth um etwa 50 Mitarbeiter bekannt. Grund seien die aktuellen Regeländerungen in der Formel 1. Brawn GP konnte in seiner ersten Saison mit Jenson Button als Weltmeister überraschend beide Meisterschaften gewinnen. Dies war für ein Team mit Mercedes-Motoren der sechste Fahrer-WM-Titel nach 1954, 1955, 1998, 1999 und 2008 und der zweite Konstrukteurs-WM-Titel nach 1998. Zudem konnte Jenson Button drei Rennen mit demselben Motor gewinnen, was einen neuen Rekord in der Formel 1 darstellte. Brawn GP verzichtete aus Kosten- und Gewichtsgründen von vornherein auf das neu erlaubte KERS-System, zur Rückgewinnung der Bremsenergie. McLaren-Mercedes, BMW-Sauber, Ferrari und Renault setzten auf das komplizierte System und verloren auch deswegen den Anschluss an die aerodynamisch besser aufgestellten Brawn GP und Red Bull. Erst beim Ungarn-GP vor der Sommerpause konnte durch den Sieg von Hamilton auf McLaren-Mercedes erstmals ein Formel-1-Antrieb mit KERS einen Grand Prix gewinnen. McLaren wurde bei den Fahrern Fünfter (Hamilton) und bei den Konstrukteuren mit 71 Punkten Dritter. Es gelang in der zweiten Saisonhälfte noch ein weiterer Sieg in Singapur. Force India wurde mit 13 Punkten Neunter in der Konstrukteurswertung.
Durch die Übernahme von Brawn GP im Vorfeld der Saison 2010 startete erstmals seit 1955 wieder ein Werksteam von Mercedes-Benz in der Formel-1-Weltmeisterschaft. Durch den gleichzeitigen Ausstieg bei McLaren endete die britisch-deutsche Partnerschaft nach 14 Jahren. McLaren war fortan nur noch ein Kundenteam neben Force India. Trotzdem konnte McLaren 2010 und 2011 den zweiten Platz bei den Konstrukteuren erreichen, während das Werksteam jeweils Rang vier belegte. Force India wurde Siebter und Sechster der Teamwertung.
2012 gelangen dem Werksteam mit Nico Rosberg zwar der erste Sieg und die erste Pole-Position seit dem Wiedereinstieg, trotzdem war McLaren als Kundenteam noch das erfolgreichere Team. Es gelangen sieben Siege, 378 Punkte und der dritte Rang bei den Konstrukteuren. Das Mercedes-Werksteam wurde mit 142 Punkten lediglich Fünfter, Force India mit 107 Siebter. 2013 wechselte Hamilton von McLaren zu Mercedes. In dieser Saison konnte Mercedes erstmals seinen ehemaligen Partner schlagen, man wurde mit insgesamt drei Siegen Vierter bei den Fahrern (Hamilton) und mit 360 Punkten Vizeweltmeister hinter Red Bull. McLaren beendete eine schwierige Saison auf dem fünften Schlussrang vor Force India.
Seit 2014: Mercedes 1,6 Liter V6 Turbo mini|Weltmeister 2014: Lewis Hamilton im Mercedes F1 W05 Hybrid mini|Williams fährt seit 2014 mit Mercedes-Motoren: Williams FW36 (2014) Zur Formel-1-Weltmeisterschaft 2014 wurden in der Formel 1 1,6-Liter-V6-Turbomotoren mit Energierückgewinnung (kinetisch und thermisch) vom Reglement vorgeschrieben. Zu Beginn dieser Hybrid-Ära präsentierte sich der von Mercedes AMG HPP neu entwickelte Mercedes-Benz PU106A Hybrid als leistungsstärkstes und zuverlässigstes Triebwerk in der Formel 1. Die Entwicklung begann bereits drei Jahre zuvor und soll geschätzte 100 Millionen £ an Entwicklungskosten verschlungen haben.
Mercedes-Benz gewann erstmals seit 1955 wieder eine Fahrerweltmeisterschaft durch Hamilton und wurde mit dem Rekord von 701 Punkten Konstrukteursweltmeister. Beide Titel konnten 2015 und 2016 jeweils in ähnlich dominanter Form verteidigt werden, wobei 2016 einmalig Nico Rosberg Weltmeister wurde.