Die Bahnstrecke Wittenberge–Buchholz – auch Wittenberge-Buchholzer Zweigbahn genannt – wurde von der Berlin-Hamburger Eisenbahn-Gesellschaft (BHE) konzessioniert, geplant, gebaut und 1874 eröffnet. Sie war als zusätzliche Verbindung der Metropolen Berlin und Hamburg sowie Bremen gedacht, erreichte jedoch nie die erhoffte Bedeutung. Die Strecke verband Wittenberge, Dömitz, Dannenberg, Lüneburg und Buchholz und sollte ursprünglich bis Bremerhaven weitergeführt werden.
Die eingleisige Hauptbahn verlief durch die heutigen Bundesländer Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen. Zum Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Elbebrücke Dömitz zerstört. Das in der Sowjetischen Besatzungszone gelegene Teilstück Wittenberge–Dömitz wurde 1947 als Reparationsleistung demontiert. Damit war die durchgehende Verbindung unterbrochen; in der Folge wurden weitere Abschnitte der Strecke stillgelegt.
Heute sind noch zwei Teilstrecken in Betrieb. Die längere von beiden zwischen Lüneburg und Dannenberg im Wendland ist heute als „Wendlandbahn“ bekannt und als Nebenbahn eingestuft, die kürzere von Buchholz nach Jesteburg ging in der westlichen Verbindungsstrecke zum Rangierbahnhof Maschen auf.
Geschichte Planung und Bau der Strecke mini|ohne|hochkant=2|Ausschnitt aus Bahnkarte Deutschland 1899
Geplant und gebaut wurde die Strecke von der Berlin-Hamburger Eisenbahn-Gesellschaft (BHE), die 1870 die Konzession für eine Verbindung von Wittenberge an der Bahnstrecke Berlin–Hamburg über Dömitz und Dannenberg nach Lüneburg an der Bahnstrecke Hannover–Hamburg und weiter nach Buchholz an der Bahnstrecke Wanne-Eickel–Hamburg erhielt.
Die ursprünglichen Überlegungen sahen einen Weiterbau nach Bremerhaven vor, wodurch Fernverkehr von Berlin zu einem weiteren Nordseehafen ermöglicht und die Strecke in direkte Konkurrenz zur südlicheren Amerikalinie von Stendal nach Bremen getreten wäre; zudem waren auch militärstrategische Gründe für diese Planung ausschlaggebend.
Aufgrund der vorgesehenen überregionalen Bedeutung als zweigleisige Hauptbahn geplant und trassiert, ging die Strecke nur eingleisig am 15. Dezember 1873 mit dem ersten Abschnitt von Wittenberge bis Dömitz in Betrieb. Nach Fertigstellung der Elbbrücke konnte am 26. November 1874 der Bahnverkehr bis Göhrde aufgenommen werden. In Lüneburg entstand ein eigener Bahnhof (heute Lüneburg West), allerdings endete der durchgehende Streckenbau in Buchholz. Da sich die Prioritäten geändert hatten, wurde der Streckenabschnitt nach Bremerhaven nicht mehr realisiert.
Als eigenständige Verbindung wurde eine Bahnstrecke Bremerhaven-Wulsdorf–Buchholz etwa 30 Jahre später über Harsefeld und Bremervörde doch noch errichtet. Damit war die Verbindung zwischen der Reichshauptstadt und dem Nordseehafen ab 1902 zwar vervollständigt, jedoch wurde ein durchgehender Personen- oder Güterverkehr zwischen den beiden Großstädten über diesen Weg nie ausgeführt.
Nach der Verstaatlichung der bis dahin privaten Eisenbahngesellschaften ging das Konkurrenzdenken verloren, neben der Stammstrecke der Berlin-Hamburger Eisenbahn und der Amerikalinie bestand kein Bedarf für eine weitere Fernstrecke zu den Nordseehäfen; als Hauptgrund für die Erhaltung zählte nunmehr lediglich die militärstrategische Bedeutung.
Erst jetzt entstand der Wille zu einer Erschließung der Region, die Strecke erhielt zusätzliche Halte in Jesteburg, Brackel, Tangendorf und Bahlburg und erlangte somit hauptsächlich regionale Bedeutung. 1939 verkehrten nur fünf durchgehende Zugpaare Wittenberge–Lüneburg, ergänzt von einem Eilzugpaar von Rostock nach Uelzen. Das zweite Gleis, das nur auf der Elbbrücke verlegt worden war, wurde auch dort wieder abgebaut.
Zweiter Weltkrieg Fliegerangriffe der Alliierten im Zweiten Weltkrieg lassen vermuten, dass der Strecke eine besondere Bedeutung zugemessen wurde. Bei einem derartigen Vorfall am 22. Februar 1945 wurde die Dannenberger Innenstadt teilweise zerstört, während die Bahnbrücke über die Jeetzel fast unbeschädigt blieb. Am 20. April 1945 gegen 16 Uhr wurde die Dömitzer Elbbrücke durch eine US-amerikanische Fliegerbombe getroffen. Der östliche Strompfeiler neben der Drehbrücke wurde dabei so stark beschädigt, dass ein Überbau in den Strom stürzte. Die durchgehende Verbindung zwischen Dömitz und Dannenberg war damit dauerhaft unterbrochen, die Brücke wurde nie wieder aufgebaut. mini|ohne|Ruine der Elbbrücke bei Dömitz
Entwicklung ab 1945 Abschnitt Wittenberge–Dannenberg Bis 1947 fand noch Zugverkehr zwischen Wittenberge und Dömitz statt, danach wurde die Verbindung als Reparationsleistung für die Sowjetunion demontiert. Auf westlicher Seite wurde das Gleis zwischen der Brücke und Dannenberg bis Anfang der 1970er Jahre zur Abstellung von Schadwagen genutzt, bis es auch hier entfernt wurde. Der Abschnitt Wittenberge–Dömitz wird teilweise als Bahnradweg genutzt. Die gesamte Trasse ist noch sehr gut auf Luftbildern zu erkennen.
Abschnitt Dannenberg–Lüneburg Im Umfeld der Orte Rohstorf, Dumstorf, Neetzendorf, Oldendorf, Harlingen und Pisselberg wurden neue Haltepunkte für eine Bedienung mit Schienenbussen errichtet. Bis auf Neetzendorf wurden sämtliche Stationen zwischenzeitlich wieder aufgelassen.
Im Jahr 1997 sah die LNVG für diesen Abschnitt mangels Nachfrage noch eine Abbestellung des SPNV vor. Stattdessen sollte die Relation nur noch durch Busse bedient werden. Da die Strecke durch den Bund wegen ihrer Bedeutung für das Zwischenlager Gorleben ertüchtigt wurde, konnte die Abbestellung des Angebotes abgewendet werden. Bedingt durch die allgemeine Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h, einer für einen Taktverkehr ungünstigen Fahrtzeit von über 60 Minuten je Richtung und eine nur ein Minimalangebot von einem Triebfahrzeug rechtfertigende Nachfrage verblieb das Angebot bei fünf Fahrten pro Tag, die einen Drei-/Vierstundentakt ergeben.
2026 beauftragte die DB InfraGO die Modernisierung der Signaltechnik und die Ausrüstung der Strecke mit dem European Train Control System (ETCS).
Abschnitt Lüneburg–Buchholz mini|Stillgelegte Trasse der Bahnstrecke Wittenberge–Buchholz zwischen Ochtmissen und Goseburg-Zeltberg
So blieb es auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei einer lokalen Bedeutung für den Streckenabschnitt Lüneburg–Buchholz, der sich überwiegend auf die Erschließung der anliegenden Gemeinden beschränkte. Als Ost-West-Verbindung in einer vom Nord-Süd-Verkehr geprägten Region verlor sie, wie viele Strecken der Deutschen Bundesbahn, noch vor der Wiedervereinigung ihren Personenverkehr. Die Einstellung des Güterverkehrs und die Stilllegung folgten, nur ein kleiner Teil der Strecke konnte als Bestandteil einer neuerrichteten Güterstrecke zwischen Buchholz und Maschen Rbf überleben.
Infrastruktur mini|Wander- und Radfahrweg ohne regelgerecht retroflektierend gestaltete Umlaufsperre
Während anfangs nur die Bahnhöfe Marxen, Wulfsen und Mechtersen vorhanden waren, bekamen die Haltepunkte Jesteburg und Brackel später auch Nebengleise und erlangten nach Anforderung Bahnhofsstatus. Tangendorf und Bahlburg verfügten über ein Ladegleis und waren betrieblich gesehen Haltepunkte. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Haltepunkte Reindorf (bei Buchholz/Nordheide), Vögelsen, Ochtmissen und Sternkamp (am Stadtrand von Lüneburg) eröffnet. Damit wollte die Bundesbahn in Zeiten zunehmender Motorisierung die Strecke attraktiver machen. Ende der 1960er Jahre wurden zahlreiche Bahnübergänge mit Blinklichtanlagen ausgerüstet.
Mit der Einstellung des Personenverkehrs 1981 wurden die verbliebenen Stellwerke Wulfsen und Mechtersen demontiert und die Weichen mit Handhebeln versehen. Mechtersen war auch vorher schon nur zeitweise besetzt und wurde nun zur Anschlussstelle degradiert. Zudem wurden alle Blinklichtanlagen der Strecke fortan nicht mehr gewartet bzw. auf manuellen Betrieb umgerüstet. Brackel verlor sein Personal bereits in den 1970er Jahren, als der Bahnhof zum Haltepunkt herabgestuft wurde. 1988 wurde die Strecke zwischen Marxen und Mechtersen stillgelegt, der Abschnitt Marxen–Wulfsen wurde aber schon seit 1981 nicht mehr befahren. 1990 wurden zwischen Brackel und Tangendorf bis kurz hinter Tangendorf in Richtung Wulfsen gesehen, die Gleise demontiert. Die verbliebenen Stichstrecken Abzw Jesteburg–Marxen und Mechtersen–Lüneburg wurden 1994 stillgelegt. Im Jahr 1997 wurde die Anschlussweiche in Jesteburg ausgebaut, womit aus der Abzweigstelle eine Überleitstelle (Üst) wurde. 2000 wurden innerhalb von wenigen Tagen sämtliche verbliebenen Gleisanlagen zwischen Üst Jesteburg und Lüneburg entfernt.
Betrieb Seit den 1950er Jahren lösten Uerdinger Schienenbusse die mit Dampflok bespannten Wagenzüge ab. Nicht alle Züge befuhren die ganze Strecke, insbesondere Wulfsen war oft Start- und Endbahnhof einiger Zugpaare. Für Reisende zwischen Buchholz und Lüneburg war es ohnehin schneller, den Umweg über Hamburg-Harburg zu nehmen.
Im Jahr 1981 schließlich wurde der Personenverkehr auf der Schiene komplett eingestellt und durch die neu eingerichtete Bahnbuslinie Buchholz–Lüneburg (Liniennummer 1908, heute 4408/5202) ersetzt. Die neugebauten Bahnsteige in Jesteburg und Reindorf wurden so nur wenige Jahre genutzt. Im Zuge der Regionalisierung ging die Verantwortung für die Buslinie vom Bund auf die beiden Landkreise Harburg und Lüneburg über. Wenig später wurde sie in Wulfsen gebrochen und der Fahrplan im Grenzgebiet der beiden Kreise erheblich ausgedünnt.
Auch im Güterverkehr kam der Strecke immer nur lokale Bedeutung zu. Gelegentlich wurde sie aber auch von durchgehenden Zügen genutzt, um den Umweg über Hamburg-Harburg zu vermeiden. Bahlburg und Tangendorf verloren als erstes ihren Güterverkehr, später folgten Jesteburg und Brackel, am 24. Mai 1988 wurde der Güterverkehr zwischen Mechtersen und Marxen ganz eingestellt. Mechtersen wurde bis zum 28. April 1994 von Lüneburg und Marxen noch bis zum 28. Mai 1994 von Jesteburg aus von Übergabegüterzügen angefahren. Darüber hinaus wurde der Abschnitt Abzweig Jesteburg–Marxen trotz erfolgter Stilllegung noch bis in das Jahr 1997, z. B. im Zuge der Gleiserneuerung der Güterbahn 1996/1997, für Arbeits- und Bauzüge als Ausweichstelle genutzt.
Güterbahn Buchholz–Maschen mini|Metropolitan 2004 in Buchholz, wegen Bauarbeiten von Maschen über die Güterstrecke umgeleitet mini|Güterzug am Abzweig des Neubauabschnitts bei Marxen
1977 wurde Europas größter Rangierbahnhof in Maschen entlang der Bahnstrecke Lehrte–Hamburg-Harburg eröffnet. Die Rollbahn nach Bremen und zum Ruhrgebiet zweigt bereits weiter nördlich ab, so dass Güterzüge, die von Maschen in Richtung Bremen fahren, in Harburg kopfmachen müssten. Um diesen Fahrtrichtungswechsel zu vermeiden und die Hauptstrecke zwischen Harburg und Buchholz zu entlasten, wurde eine Neubaustrecke gebaut, die Maschen in südlicher Richtung verlässt und nach Jesteburg zur Strecke Wittenberge–Buchholz führt. Der daran anschließende acht Kilometer lange Abschnitt Jesteburg–Buchholz der bestehenden Strecke wurde grundlegend erneuert, zweigleisig ausgebaut und elektrifiziert. Zusammen mit dem neugebauten Abschnitt Jesteburg–Maschen wird dieser Abschnitt heute zur Strecke 1280 Buchholz (Nordheide)–Hamburg-Allermöhe gezählt.
Etwa zwei Kilometer östlich vom Bahnhof Jesteburg entstand die Abzweigstelle Jesteburg zur Neubaustrecke nach Maschen mit einem neuen Relaisstellwerk. Im Zuge des zweigleisigen Ausbaus wurde der Bahnhof Jesteburg zum Haltepunkt zurückgebaut und bekam wie Reindorf neue Außenbahnsteige. Das mechanische Stellwerk in Marxen, das sich im Stationsgebäude befand, wurde demontiert, die Weichen und die neu aufgestellten Lichtsignale werden vom Streckenstellwerk Jf bedient, das bis heute in Betrieb ist, allerdings aus Buchholz (Nordheide) ferngesteuert wird.