mini|299x299px|Blick vom Hochfirst auf den Titisee und den Ortsteil Titisee Titisee-Neustadt (im Volksmund auch Wälderstadt) ist eine südbadische Stadt im Süd- bzw. Hochschwarzwald, im Südwesten Baden-Württembergs im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald. Die Stadt ist Kneipp- sowie Heilklimatischer Kurort und ein bekanntes Wintersportzentrum und hat rund 13.000 Einwohner.
Geographie Lage Die Stadt Titisee-Neustadt liegt östlich des Feldbergs im Südschwarzwald in einer Höhe von 769 bis . Der Ortsteil Titisee (heilklimatischer Kurort) liegt dabei am nördlichen Ufer des gleichnamigen Sees. Der Ortsteil Neustadt befindet sich etwa fünf Kilometer nordöstlich davon. Die Stadt liegt an der Wutach, die zunächst unter dem Namen Seebach vom Feldberg kommend den Titisee speist, als Gutach (gute Ach) aus diesem heraus fließt und östlich des Stadtteils Neustadt als reißender Fluss nun unter dem Namen Wutach (wütende Ach) das Stadtgebiet wieder verlässt und sich durch die Wutachschlucht schließlich bei Tiengen in den Hochrhein ergießt.
Die höchste Erhebung von Titisee-Neustadt ist der Hochfirst () an der Gemeindegrenze zu Lenzkirch.
Stadtgliederung Zur Stadt Titisee-Neustadt mit den ehemals selbstständigen Gemeinden Langenordnach, Neustadt im Schwarzwald, Rudenberg, Schwärzenbach, Titisee und Waldau gehören 113 Dörfer, Weiler, Zinken, Höfe und Häuser, darunter Heiligenbrunnen.
Im Stadtteil Neustadt im Schwarzwald lagen die aufgegangenen Ortschaften Gutach, Oberlangenordnach und Unterlangenordnach sowie die abgegangene Ortschaft Hochfirst. Im Stadtteil Rudenberg lag die nach 1952 aufgegangene Ortschaft Im Lochenbachdobel (Sägehäusle).Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band IV: Regierungsbezirk Freiburg Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-007174-2, S. 170–174.
Einwohnerzahl der Stadtteile Titisee-Neustadts (Stand: 30. Juni 2025):Zahlen & Fakten, titisee-neustadt.de, abgerufen am 01. Nov. 2025.
Stadtteil Einwohner Neustadt 9.150 Titisee mit Jostal 2.153 Waldau 373 Schwärzenbach 255 Langenordnach 228 Stadt Titisee-Neustadt 12.315
Klima
Geschichte mini|Hirschenbuckel in Neustadt mini|Rathaus Titisee-Neustadt
Die Stadt Neustadt wurde um 1250 wahrscheinlich durch die Fürsten zu Fürstenberg oder deren Vorgänger, die Grafen von Freiburg bzw. die Grafen von Urach oder deren Vasallen, die Herren von Hohenfirst, gegründet. Eine Urkunde über eine Gründung existiert nicht. Eine Burg Hochfirst soll nach der Überlieferung etwa 2000 m westlich von Neustadt auf dem Hochfirst gestanden haben. Nachforschungen erbrachten bisher jedoch keinerlei Belege, auch urkundlich ist eine Burg Hochfirst nicht nachweisbar, wohl aber ein Adelsgeschlecht dieses Namens.Eduard Schuster: Die Burgen und Schlösser Badens Karlsruhe, Verlag der Hofbuchhandlung Friedrich Gutsch, 1908. S. 117. Das Gebiet um den Hochfirst, Lenzkirch und die Burg Urach kamen über die Ritter von Blumegg an die Fürstenberger. 1275 wurde die Stadt Nova Civitas bezeichnet, 1294 Neuwenstadt, 1335 Neuwen-statt, 1630 Neostadium und 1650 New-Statt, bevor es später zu Neustadt bzw. Neustadt (Schwarzwald) wurde. Von 1669 bis 1806 besaß Neustadt ein Kapuzinerkloster. 1817 wurden große Teile der Stadt durch einen Großbrand zerstört. Im 18. Jahrhundert entwickelte sich die Uhrmacherei in der Stadt als großer Wirtschaftszweig. 1897 begann man mit dem Bau des heutigen Neustädter Münsters, das heute Wahrzeichen der Stadt ist. Es gab vier Vorgängerbauten. Neustadt kam 1803 an das Kurfürstentum Baden und gehörte zunächst zum Bezirksamt Baden, ab 1863 zum Landeskommissärbezirk Freiburg und wurde 1939 Kreisstadt des Landkreises Neustadt im Schwarzwald, der ab 1956 Landkreis Hochschwarzwald hieß.
Während des Ersten Weltkriegs und kurz danach waren Grundnahrungsmittel knapp. Im Mai 1919 gab es erste Kommunalwahlen mit aktivem und passivem Frauenwahlrecht, was dazu führte, dass sich vier Frauen im Bürgerausschuss fanden. Der 1923 eingesetzte Bürgermeister Karl Pfister († 1993 in Freiburg) schuf und sicherte Arbeitsplätze. Dies gelang ihm durch Darlehen von insgesamt 700.000 Reichsmark, die er durch Verhandlungen mit Großbanken aus den USA, der Schweiz und den Niederlanden erwirkt hatte. Durch weitere Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen wie z. B. öffentliche Bauvorhaben um die Zeit der Weltwirtschaftskrise war er in der Lage, die Arbeitslosenquote, die im Deutschen Reich 18 % betrug, in seinem Amtsbereich auf 12 % zu halten.
Es folgte die Herrschaft der NSDAP, die nacheinander die Lokalzeitungen Der Hochwächter (1933) und das Echo vom Hochfirst (1935) für ihre Zwecke missbrauchte und später einstellte. Trotz dieser Einflussnahme lag bei den Wahlen der Stimmenanteil der Partei immer niedriger als in Titisee, wo er ungefähr dem Reichsdurchschnitt entsprach. Trotzdem zog 1933 die NSDAP-Ortsgruppe in das Rathaus ein, besetzte dessen Balkon und statuierte durch Amtsenthebung bzw. Verbringung ins Konzentrationslager Ankenbuck bei Klengen an einigen Personen des öffentlichen Lebens ein Exempel. Blasius Müßle, der damals Bürgermeister geworden war, wurde 1935 durch den späteren Kreisleiter Benedikt Kuner ersetzt.
Am 24. Februar 1945 wurde die damalige, wegen ihrer Unterbringungskapazitäten zum Lazarettort ausgebaute Gemeinde Titisee in drei Wellen von alliierten Luftstreitkräften bombardiert, vor Ort kamen 27 Menschen ums Leben. Davor war die Gemeinde bereits beim ersten gezielten Luftangriff auf den Hochschwarzwald am 30. September 1944 mit acht Toten getroffen worden. Auch die Gemeinde Neustadt wurde verschiedentlich bombardiert, am schwersten am 5. April 1945.Detlef Herbner, Peter Stellmach: Luftangriff vor 70 Jahren tötete 27 Menschen in Titisee, Badische Zeitung, 24. Februar 2015.
Räumliche Entwicklung und Geschichte der Stadtteile Am 1. Juli 1971 wurden die Gemeinden Rudenberg und Titisee nach Neustadt im Schwarzwald eingemeindet und die Stadt Neustadt im Schwarzwald in Titisee-Neustadt umbenannt. Den Namenszusatz im Schwarzwald führte die Stadt seit dem 19. Februar 1963. Am 1. September 1971 wurde Schwärzenbach eingemeindet. Am 1. Januar 1973 erfolgte die Eingemeindung von Waldau. Langenordnach wurde am 1. Januar 1974 eingemeindet.
Langenordnach links|50x50px|Langenordnach 1112 erstmals als Vallis Nordera urkundlich erwähnt. 1529 wurden 16 Häuser genannt; der Ort besaß bereits eine eigene Kapelle.
Neustadt im Schwarzwald links|52x52px|Neustadt im Schwarzwald mini|Altstadt von Neustadt mit St.-Jakobus-Münster 1275 erstmals urkundlich erwähnt, Mitte des 13. Jahrhunderts erfolgte die fürstenbergische Stadtgründung auf Friedenweiler Klostergut. Ab 1335 fürstenbergische Zollstätte; 1447 verlieh Graf Heinrich von Fürstenberg die Marktrechte. 1693 und im 19. Jahrhundert wurden große Teile der Stadt durch Brände zerstört. In Neustadt im Schwarzwald befand sich die PapierfabrikVgl. Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 982 (zum Geschäftsführer Harry Rausch). Fürst zu Fürstenberg.
Rudenberg links|57x57px|Rudenberg 1316 erstmals urkundlich erwähnt. 1529 hatte der Ort bereits „mehrere Hüser“, 1810 wohnten hier 191 Einwohner.
Schwärzenbach links|50x50px|Schwärzenbach 1316 erstmals urkundlich erwähnt. 1850 hatte Schwärzenbach 427 Einwohner.
mini|Titisee (Nordufer) Titisee links|53x53px|Titisee 1111 erstmalige urkundliche Erwähnung, 1635 traten die Bezeichnungen Dettesee und Titinsee zum ersten Mal in Urkunden auf. Ab 1750 galt allgemein die Bezeichnung Titisee. Der Ort setzt sich aus vier Ortsteilen bzw. Tälern zusammen: Altenweg, Spriegelsbach, Schildwende und Jostal. Aus diesem Grunde trug die Gemeinde Titisee bis 1. Mai 1929 den Namen Vierthäler bzw. Viertäler.
mini|Christkönigskirche Titisee Waldau links|51x51px|Waldau 1111 erstmals genannt, die erste urkundliche Erwähnung erfolgte 1178 in einer päpstlichen Urkunde. Seit 1807 gibt es eine katholische Pfarrei.
Religion Die Gesamtbevölkerung der Stadt verteilt sich wie folgt auf die verschiedenen Konfessionen: Religion Anzahl Anteil in % Römisch-katholische Kirche 6.129 48,0 Evangelische Kirche 1.85714,6 Sonstige oder Konfessionslose 4.77537,4Quelle: Zensus 2022
Politik
Gemeinderat
Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 54,64 % zu folgendem Ergebnis:Stadt Titisee-Neustadt, Gemeinderatswahl 2024, Vorläufiges amtliches Endergebnis + Kommunalwahl am 9. Juni 2024 Partei / Liste Stimmenanteil Sitze +/− CDU 22,1 % 6 − 2 SPD 7,9 % 2 − 2 Grüne 19,5 % 5 – 2 Bürgerliste 15,0 % 4 ± 0 Liste Engagierter Bürger 35,7 % 9 + 3
Bürgermeister Bürgermeisterwahl 2023
Bei der Bürgermeisterwahl 2023 lag die Wahlbeteiligung bei 41,23 %, von 9485 Wahlberechtigten gaben 3911 ihre Stimme ab, wovon 3834 gültige Stimmen waren. Gerrit Reeker setzte sich bei der Wahl mit 85,86 % gegen drei Mitbewerber durch und trat am 15. Mai 2023 seine achtjährige Amtszeit bis 2031 an.
Übersicht der Bürgermeister und Bürgermeisterinnen von Titisee-Neustadt seit 1971 Amtszeit Name 1971–1979 Hans Gallinger (SPD) 1979–2003 Martin Lindler (CDU) 2003–2019 Armin Hinterseh (CDU) 2019–2023 Meike Folkerts (CDU) seit 2023 Gerrit Reeker
Neustadt 1820–1836: Fidel Hirt 1837–1842: Johann Höhr 1842–1849: Dominik Ganter 1849: Mathä Schreiber 1849: Andreas Vollmer 1849: Johann Kromer 1850: Anton Vollmer 1850–1852: Josef Sorg 1852–1872: Johann Baptist Fürderer 1873–1875: Karl Heinrich Ganter 1875–1879: Johann Bauser 1879–1883: Karl Klenker 1883–1894: Conrad Winterhalder 1894–1905: Anton Brugger 1905–1914: Adolf Schork 1914–1923: Adolf Winter 1923–1933: Karl Pfister 1933–1935: Blasius Müßle 1935–1937: Benedikt Kuner 1937–1945: Albert Hirt 1945: Emil Scherer 1945–1946: Adalbert Dengler 1947–1950: Josef Sahner 1951–1971: Julius Pfeffer Langenordnach 1827–1830: Mayer (Vorname nicht erhalten) 1830–1832: Martin Fehrenbach 1832–1838: Mathias Kreuz 1838–1842: Martin Föhrenbach 1842–1848: Johann Kaltenbach 1848–1854: Mathias Kreuz 1854–1859: Martin Föhrenbach 1859–1867: Balthasar Mayer 1867–1877: Josef Föhrenbach 1877–1889: Martin Kaltenbach 1890–1896: Martin Kleiser 1896–1905: Anton Straub 1905–1921: Martin Kleiser 1921–1934: Konrad Faller 1934–1946: Josef Faller 1946: Alfred Rombach 1946–1948: Alfons Fehrenbach 1948–1967: Josef Faller 1967–1974: Ernst Wursthorn Viertäler/Titisee 1822–1831: Georg Willmann 1831–1837: Jakob Dotter 1837–1843: Johann Schwörer 1843–1844: Andreas Ketterer 1844–1851: Matthä Lickert 1851: Philipp Tritschler 1851–1859: Josef Fürderer 1860–1862: Severin Pfrengle 1862–1870: Josef Haiß 1870–1884: Severin Pfrengle 1884–1891: Alexander Kaltenbach 1891–1925: Heinrich Bach 1925–1945: Leo Hog 1946–1968: Willy Stahl 1968–1971: Hans Schmider
Wappen Die Blasonierung des Wappens lautet: „In Silber (Weiß) auf blauem Boden, worin ein silberner (weißer) Wellenbalken, eine grüne Tanne, auf deren Zweigen links ein zur Schildmitte blickendes rotes Eichhörnchen sitzt.“Titisee-Neustadt bei leo-bw.de, abgerufen am 7. Oktober 2015.
Städtepartnerschaften Coulommiers (Frankreich) – seit 1971 Leighton-Linslade (Vereinigtes Königreich) – seit 1991 Titisee-Neustadt ist Mitglied der größten internationalen Städtefreundschaft Arbeitsgemeinschaft Neustadt in Europa, in der sich 36 Städte und Gemeinden mit Namen Neustadt aus Deutschland, Österreich, den Niederlanden, Ungarn, Tschechien, Polen und der Slowakei zusammengeschlossen haben.
Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft