mini|x280px|Blumberg zwischen Wutach und Donau, die hellblau gepunktete Linie markiert die Aitrach

Blumberg ist eine Stadt im Süden des Schwarzwald-Baar-Kreises am südwestlichen Rand der Schwäbischen Alb in Baden-Württemberg. Das Stadtbild ist aufgrund der Historie ungewöhnlich: Blumberg besitzt Züge einer Bergbaustadt, die an Orte im Ruhrgebiet erinnert. Blumberg ist staatlich anerkannter Erholungsort.

Lage und Umfeld Geographische Lage mini|Die topographische Situation von Blumberg östlich des WutachkniesEidgenössische Landestopographie: Landeskarte der Schweiz 1:25.000, Blatt 1011 Beggingen mini|Blumberg zwischen Eichberg (oberhalb) und Buchberg. Rechts die Riedstraße (heute B 27)

Die Stadt befindet sich am Schnittpunkt von Baaralb, Randen und Hegaualb, eingebettet im Hochtal (700 m. ü. M.) des ehemaligen Urstromtales der Feldbergdonau. Umgeben wird sie von den Hausbergen Eichberg (917 m) und dem Buchberg (876 m), die hier dem südwestlichsten Teil des Albtrauf angehören und geologisch dem Jura zuzuordnen sind. Das breite Tal fällt im Südwesten steil zur Wutach ab, nach Nordosten mit schwachem Gefälle zur Donau. Die alte Straße über das Ried – heute Bundesstraße 27 (B 27) – bildet die Wasserscheide zwischen Rhein und Donau.Einleitung. In: B. Prillwitz, D. Reimer: Blumberg in alten Ansichten. Europäische Bibliothek, Zaltbommel/Niederlande 1998, ISBN 90-288-4730-8. Gleichzeitig trennt der Damm, auf dem die B 27 verläuft, das Ried in das Obere und das Untere Ried. Zur besseren Unterscheidung wird das Obere Ried Blumberger Ried, das Untere Ried Zollhausried genanntStefanie Kübler: Blumberg – Öko-Kleinod wird aufpoliert. in: Schwarzwälder Bote, 3. Dezember 2010; abgerufen am 19. Juli 2021.. Höchster Punkt der Gemarkung ist mit der Hohe Randen, der tiefste Punkt wird mit an der Wutach beim Austritt aus dem Stadtgebiet gemessen.

mini|Höhenpanorama der Wutachschlucht („Wutachflühen“)

Nachbarschaft Nachbarstadt im Norden ist Hüfingen, im Osten grenzt Blumberg an den Hegau mit der Festung Hohentwiel und die Stadt Singen im Landkreis Konstanz, im Süden an den Schweizer Kanton Schaffhausen mit der Stadt Schaffhausen am Rheinfall und südwestlich an den Landkreis Waldshut am Hochrhein. Westlich der Stadt Blumberg gibt es nur eine kleine Verbindungsstraße nach Achdorf zur geologisch und touristisch attraktiven Wutachschlucht.

Siehe auch: Tourismus und Freizeit

Geologie In der Riß-Kaltzeit war das Feldbergmassiv von einer dicken Eiskappe bedeckt. „Ein mächtiger Talgletscher [‚Feldberg-Gletscher‘] streckte sich 23 km weit nach Osten und speiste einen großen Fluss, der bei abnehmender Fließgeschwindigkeit große Schottermassen in einem weiten Tal ablagerte. Zwischen Eichberg und Buchberg fand der Strom, der später Eiszeitdonau genannt werden sollte, eine ‚Pforte‘ durch den Steilanstieg der Schwäbischen Alb nach Osten.“Gerhard Kersting: Pflanzen- und Tierwelt. In: J. Sturm: Blumberg. 1995, S. 405.

„Die beiden Bergzüge ragten nach dieser Vorstellung als einsame Spitzen aus der geschlossenen Eisdecke hervor und teilten den Gletscher in einzelne Zungen. Eine dieser Zungen soll angeblich bis ins Aitrachtal vorgedrungen sein […] Dies erklärt die auffallend große Breite des Aitrachtales. Die Aitrach entspricht einem jüngeren Fluss, der das Tal nur benutzt, nicht aber ausgeräumt hat. Der Durchbruch zwischen Buch- und Eichberg – die ‚Blumberger Pforte‘ – wurde von der damaligen Donau geschaffen“, die damals die Wutach „zusammen mit Brigach und Breg [… als] Hauptquellast“ besaß.Peter Weinknecht: Zur Geologie von Blumberg und seiner Umgebung. In: J. Sturm: Blumberg. 1995, S. 393 und 402.

Naturraum Die Lage an der Wasserscheide Rhein-Donau markiert zwei verschiedene Naturräume – nach Osten das Vorfeld zur Hochebene der Schwäbischen Alb und nach Westen der Steilabfall zur Wutachschlucht, der hier die wellige, zum Hochrhein sich senkende und von tief eingeschnittenen Flussläufen durchzogene Hügellandschaft des Südschwarzwaldes abgrenzt. Eine erste Weganlage in der Schlucht wurde bereits 1904 eingerichtet, doch war der ganze weitere Naturraum gefährdet, als die Badenwerk AG ein Konzessionsgesuch für den Bau des Schluchseewerkes einreichte, für das auch die Wutach teilweise abgeleitet werden sollte. Die ersten Forderungen nach einem Naturschutzgebiet wurden 1927 erhoben, und 1939 folgte die Einrichtung des Naturschutzgebietes Wutach-Gauchachtal. Allerdings griff das Schluchseewerk schon 1943 wieder auf die alten ‚Ableitungspläne‘ zurück (Wutachtalsperre), und erst nachdem „1000 Personen am 3. Mai 1959 in der Wutachschlucht zu einer großen Kundgebung zusammen(kamen) […] blieb das Kleinod und Wunder der Schöpfung künftigen Generationen erhalten.“Bruno Morath: Faszination Wutachschlucht. In: Heimat am Hochrhein. Band XXXVII, Jahrbuch 2012. Hrsg.: Landkreis Waldshut. Edition Isele, Eggingen 2011, ISBN 978-3-86142-538-0, S. 45 f.

Der Blaue Stein, eine Basalt-Säule, befindet sich zwei Kilometer östlich des Teilortes Randen. Er ist geologisch der westlichste Punkt des Hegaus.

Stadtgliederung Die Stadt Blumberg ist auf ihrer Gemarkung umgeben von den Teilorten Achdorf, Epfenhofen, Fützen, Randen, Hondingen, Kommingen, Nordhalden, Riedböhringen und Riedöschingen. Der Ortsteil Zollhaus ist der logistische Ausgangspunkt und nördliche Endbahnhof der Mittelstrecke der früheren Strategischen Bahn „zur Umgehung des Schweizergebiets“; der heutigen Museumsstrecke „Sauschwänzlebahn“.

mini|Ehemalige eigene Lokomotive der Stadt Blumberg

Stadtteile mini|Achdorf im Wutachtal

Achdorf Der Ort kann ein alter Siedlungsplatz sein, da sich hier das Wutachtal öffnet und eine Verbindung zur Hochebene von Blumberg gegeben war. Die Ersterwähnung war 775 n. Chr. 400 Jahre war der Ort Besitz des Klosters St. Gallen, dann unter den Herren von Blumberg und Nachfolgern, ab 1409 bis ins 19. Jahrhundert beim Kloster St. Blasien.

Kurz vor Kriegsende im April 1945 wurden deutsche Truppen auf dem Rückzugsweg durch Achdorf von französischen Kampffliegern beschossen und unter Artilleriefeuer genommen (Gedenkstein für die Opfer auf dem Friedhof). Ein Fluchtweg war der im Volksmund so genannte „Wellblechweg“ am Hang des Buchberges nach Fützen.

Der Dichter Victor von Scheffel war gerne zu Gast in der Wirtschaft „Linde“, heute Gasthof „Scheffellinde“. mini|Gasthof Scheffellinde in Achdorf

Aselfingen Aselfingen liegt westlich von Achdorf im Wutachtal. Das Dorf wurde erstmals 791 n. Chr. in einer Urkunde erwähnt. Seine Geschichte ist eng mit der von Achdorf verbunden.

mini|Museumszug über dem Ort Epfenhofen

Das Dorf Epfenhofen wird geprägt durch den Bahnviadukt, der hoch über die Dorfmitte führt.

mini|Bahnbetrieb um 1920, Viadukt Fützen

Fützen Das Dorf Fützen liegt im sich bereits weit öffnenden Talkessel an der Straße nach Stühlingen. Davor bildet sich noch eine letzte Talenge, die bei Grimmelshofen dann in die Klettgaulandschaft führt. Frühgeschichtliche Funde gibt es ebenso wie die Annahme eines römischen Gutshofes in der Nähe und alamannische Siedlungsspuren (Grabfeld). 1083 datiert die urkundliche Ersterwähnung und Nennung einer Familie als „Herren von Vuezen“ (12./13. Jahrhundert). Es gab wechselnde Klosterherrschaften und lange Besitzstreitigkeiten zwischen der Stadt Schaffhausen und den Stühlinger Landgrafen. 1643 geschah eine Plünderung durch eine schwedische Einsatztruppe, die zur Küssaburg weiterzog, deren Besatzung die eigene Festung in Brand setzte. 1722 erfolgte die endgültige Übernahme durch das Kloster St. Blasien. Ende April 1945 gab es Abwehrkämpfe deutscher Einheiten gegen einen französischen Panzerverband aus Richtung Waldshut. Fützen liegt heute zwischen der Wutachtalbahn mit eigenem Bahnhof und der Umgehung der B 314.

mini|Hondingen

Hondingen 764 und 817 n. Chr. wurde Hondingen unter dem Namen „Huntingun“ erwähnt, der einen Rückschluss auf keltischen Ursprung erlaubt. Der Ort liegt bereits im Vorfeld nach Fürstenberg und könnte nach neueren Abwägungen an der ehemaligen Römerstraße gelegen haben, die vom Hochrhein her bei Riedöschingen oder dem Steppacher Hof das Ried überquerte. Hondingen ist auch heute noch landwirtschaftlich geprägt.

Kommingen mini|Der „Schwarze Stein“ (GB = Großherzogtum Baden)

Das Straßendorf liegt an der Straße in den Hegau und war in Mittelalter und Neuzeit eng mit Tengen verbunden. Frühgeschichtliche Siedlungsspuren gibt es aus römischer und alamannischer Zeit. Der Ort wird als Ausgangspunkt für Höhenwanderungen (Randen/Hegau) genutzt.

Nordhalden Dies ist ein kleines Dorf abseits der größeren Verbindungen, vermutet wird eine Gründung durch Aussiedler aus Bargen (Schweiz). Bei Hof Neuhaus steht der „Schwarze Stein“, ein Grenzstein von 1839, der zugleich als nördlichster Punkt der Schweiz gilt. Es ist ein traditionelles Handwerkerdorf an der Schweizer Grenze. Bis zur Eingliederung in die Stadt Blumberg am 1. Januar 1971 gehörte Nordhalden zum Landkreis Konstanz. 1995 wurde eine Dorfsanierung abgeschlossen.

Randen (Randendorf) Einer Erzählung zufolge existierte die Siedlung nach einer Karte erst ab 1620 – gegen Anfang des Dreißigjährigen Krieges, der jedoch erst später in der Region wütete. „Eine Nachfrage zu dieser Karte ergab, dass es eine solche Karte gar nicht gibt. Stattdessen wurde von offizieller Seite auf eine urkundliche Ersterwähnung aus dem Jahr 1122 verwiesen.“Website der Ortschaft.

Als frühzeitlicher Siedlungsort wird die Lage auf der Anhöhe als ungünstig angesehen. Randen zählte zur Herrschaft Blumberg und wie die ganze Baar zum Fürstentum Fürstenberg. Das Dorf kam nach der Abschaffung der Standesherrschaften – der „Mediatisierung“ 1806 – zum Großherzogtum Baden. Ende April 1945 wurde der Ort bei Kämpfen zwischen französischen und deutschen Truppen, die aus dem Talkessel ausbrachen, weitgehend zerstört.

Die Siedlung ist seit alter Zeit Ortsteil von Blumberg an der alten Straße Hüfingen–Schaffhausen – ein Umstand, der früher durch den Reiseverkehr von Vorteil war, heute jedoch durch den unablässigen LKW-Transit in eine starke Belastung umgeschlagen ist.

mini|Kirche St. Genesius in Riedböhringen

Riedböhringen Riedböhringen weist frühe Siedlungsspuren aus der Bronzezeit und von Kelten auf. Der Name mit der Endung -ingen weist auf eine alamannische Gründung. Nachweisbar (seit 1498) ist der wohl eigenständig gebaute alte Turm (ehemaliger Wachturm) und heutige Kirchturm. Der Ort liegt in einem von zahlreichen Berghügeln (bucks genannt) umgebenen Tal.

Ein Bürgersohn war Kardinal Bea, der beim Zweiten Vatikanischen Konzil (1962–1965) in Rom von katholischer Seite nach den Erfahrungen der Kirchen mit der Hitler-Herrschaft den Kompromiss mit anderen Religionsgemeinschaften bewerkstelligte, der zur Ökumene führte. In seinem Geburtshaus ist ein Museum eingerichtet.

Riedöschingen Dies ist eine größere Gemeinde abseits der Verkehrsadern. 1200 urkundlich als „Villa Eschingen“ erwähnt, könnte ihr Ursprung auf eine römische Villa rustica, einen Gutshof, zurückgeführt werden. Der heutige Name mit der Endung -ingen weist auf die alamannische Dorfgründung hin. Einer Überlieferung zufolge könnte schon früh eine karolingische „Urkirche“ im Ort gestanden haben, urkundlich festgestellt ist sie 1175; der untere Teil des Turmes wird aus dieser Zeit stammen. Wie die meisten Ortschaften war auch Riedöschingen in Mittelalter und Neuzeit wechselnden Kloster- und weltlichen Herrschaften unterstellt.

mini|Bahnhof Zollhaus (Museumsbahn).

Zollhaus