mini|hochkant=1.2|Weißenberg von Südost
Weißenberg, , ist eine Landstadt im sächsischen Landkreis Bautzen in der Oberlausitz. Die eigentliche Stadt hat etwa 1000 Einwohner, mit den umliegenden Dörfern sind es ungefähr 3000. Weißenberg zählt zum amtlichen sorbischen Siedlungsgebiet. des Sächsischen Sorbengesetzes mini|hochkant=1.2|Weißenberg, Luftaufnahme (2017)
Geografie Weißenberg liegt im Oberlausitzer Gefilde etwa 16 km östlich der Großen Kreisstadt Bautzen nördlich des Strohmberges am Löbauer Wasser.
Die Stadt wird begrenzt von Malschwitz und Hohendubrau im Norden, Vierkirchen im Osten, Löbau im Südosten, Hochkirch im Südwesten sowie Kubschütz im Westen.
Stadtgliederung mini|links|Schloss Drehsamini|links|Kotitzer Kirche mit Jan-Kilian-Denkmal Die Stadt Weißenberg gliedert sich in folgende Ortsteile (Einwohner, Stand: )Angaben der Stadtverwaltung Weißenberg.: Belgern (sorbisch Běła Hora, das bedeutet eigentlich „Weißer Berg“) mit Neubelgern (Nowa Běła Hora), Einwohner Cortnitz (Chortnica), Einwohner Drehsa (Droždźij), Einwohner Gröditz (Hrodźišćo), Einwohner Grube (Jama), Einwohner Kotitz (Kotecy), Einwohner Lauske (Łusk), Einwohner Maltitz (Malećicy) mit Wasserkretscham (Wodowa korčma), Einwohner Nechern (Njechorń), Einwohner Nostitz (Nosaćicy), Einwohner Särka (Žarki), Einwohner Spittel (Špikały), Einwohner Weicha (Wichowy), Einwohner Weißenberg, Einwohner Wuischke (Wuježk), Einwohner Wurschen (Worcyn), Einwohner
Geschichte mini|Weißenberg Zentrum, Luftaufnahme (2017) Die Stadtgründung von Weißenberg an der Via Regia geht auf den böhmischen König Ottokar I. um 1228 zurück. Die damalige Bezeichnung war Wizenburg und verwies auf die weiße Burg des Städtchens.Jan Meschgang: Die Ortsnamen der Oberlausitz. Domowina Verlag, Bautzen 1973, S. 144.
Im Jahr 1625 konnte sich das Städtchen von seinem adligen Herren für 8.500 Taler freikaufen. Die Stadt musste aber noch einen ritterlichen Schutzherren annehmen.
Noch im 18. Jahrhundert wurde Weißenberg als ein größtenteils sorbisch bewohnter Marktflecken genannt, wobei alle Einwohner auch des Deutschen mächtig waren.Richard Andree: Wendische Wanderstudien. Stuttgart 1874, S. 59 Arnošt Muka ermittelte in den 1880er Jahren eine Einwohnerzahl von 1242, darunter waren ihm zufolge damals noch 300 Sorben (24 %). 1893 wurden die regelmäßigen sorbischen Gottesdienste in der Weißenberger Kirche abgeschafft.Johannes Martschke: Die Parochie Weissenberg. In: Neue sächsische Kirchengalerie, Die Diöcese Löbau. Leipzig, 1908, Sp. 661–678, hier Sp. 677 (Digitalisat). Ernst Tschernik zählte 1956 einen sorbischsprachigen Bevölkerungsanteil von nur noch 5,8 %, insgesamt 81 Sprecher.
Der heutige Ortsteil Wurschen ist am Triumphbogen in Paris verewigt, da die Schlacht bei Bautzen vom 20. und 21. Mai 1813 in Frankreich zuweilen Bataille de Wurschen genannt wird.
Am 17. April 1945 kam das Kampfgeschehen des Zweiten Weltkrieges erstmals nach Weißenberg, als sowjetische Artillerie den Bahnhof der Stadt unter Beschuss nahm. Am darauffolgenden Tag wurde Weißenberg von sowjetischen Truppen besetzt.Bautzener Tageblatt vom 2. Mai 1945, Bericht über die Kämpfe um Bautzen Im Zuge der Schlacht um Bautzen konnte der Ort wenige Tage später noch einmal von den Deutschen zurückerobert werden.
Politik
Stadtrat Nach der Stadtratswahl am 9. Juni 2024 verteilen sich die 12 Stadtratssitze wie folgt:
Wählervereinigung Weißenberg: 5 Sitze Weißenberger Stadt- und Dorfgemeinschaft: 3 Sitze AfD: 1 Sitz CDU: 3 Sitze
+letzte StadtratswahlenListe202420192014Sitzein %Sitzein %Sitzein %Wählervereinigung Weißenberg532,0533,3961,8Weißenberger Stadt- und Dorfgemeinschaft324,6––––AfD124,3––––CDU316,2966,7531,0Linke–––––4,4NPD–––––2,9Wahlbeteiligung72,1 %69,4 %51,1 %
Bürgermeister Nach 32 Dienstjahren als Bürgermeister ging Michael Staude in den Ruhestand. Im Juni 2015 wurde Jürgen Arlt im zweiten Wahlgang zu seinem Nachfolger gewählt. In: Gäubote, 30. Juni 2015. +letzte BürgermeisterwahlenWahlBürgermeisterVorschlagWahlergebnis (in %)2022Jürgen ArltArlt58,02015WV42,72008Michael StaudeStaude54,5200194,8
Städtepartnerschaften Weißenberg pflegt eine Partnerschaft mit der Gemeinde Deckenpfronn im Landkreis Böblingen am Rande des Schwarzwaldes. Sehenswürdigkeiten mini|hochkant|Alte Pfefferküchlerei
Schloss Drehsa Kirche Weißenberg Kotitz: Evangelische Kirche mit Jan-Kilian-Denkmal Lauske: Schlossgarten mit Schanzenturm Riegelmühle in Nechern Kirche, Schlossruine und Rittergut in Nostitz Das Museum Alte Pfefferküchlerei in Weißenberg zeigt die traditionelle Pfefferkuchenherstellung Schloss Wurschen
Naturschutz
Bildung Die Gemeinde Weißenberg verfügt über eine Grundschule. Im Ort ist außerdem eine Freie Oberschule ansässig.
mini|Eisenbahnviadukt Gröditz Verkehr Von dem seit dem Mittelalter südlich vorbeiführenden Fernhandelsweg, der „Hohen Straße“, hier auch als „Via Regia Lusatiae Superioris“ bekannt, konnte das Landstädtchen nur begrenzt profitieren, da den Kaufleuten gemäß den sogenannten Stapelrechten ihre Handelsaufenthalte zugewiesen waren. Nach dem Wiener Kongress von 1815 verlor Weißenberg mit der Abtretung eines Teiles der Oberlausitz an Preußen für einige Jahrzehnte den freien Zugang zu seinem nördlichen Hinterland. Auch die überregional bedeutsame Straße in Richtung Reichenbach wurde bedeutungslos. Der Ost-West-Verkehr zwischen Bautzen und Görlitz verlagerte sich auf die Chaussee durch Löbau (heute ein Teil der Bundesstraße 6).
In den 1920er Jahren begann in Deutschland die Planung für ein spezielles Autostraßennetz. Zwischen Sachsen und Schlesien konnte auf der jetzigen Bundesautobahn 4 von Dresden her der durchgehende Verkehr noch am 1. Juli 1940 bis Weißenberg aufgenommen werden, bevor durch den Zweiten Weltkrieg der Weiterbau in Richtung Osten zum Erliegen kam. Erst 1996 wurden die Arbeiten wieder aufgenommen und erreichten 1999 die polnische Grenze an der Neiße. Seit 1997 gibt es an der Anschlussstelle Weißenberg eine Autobahnmeisterei der Niederlassung Ost.
Die 1847 eröffnete Sächsisch-Schlesische Eisenbahn zwischen Dresden und Görlitz inspirierte zu weitreichenden Vorstellungen für künftige Bahnstrecken in der Oberlausitz. Felix Wilhelm: Ausgeführte und nicht ausgeführte Eisenbahnentwürfe in der Oberlausitz. In: Bautzener Geschichtshefte, IX (1931), S. 84–107. Doch scheiterten diese häufig auch an preußisch-sächsischen Gegensätzen; manche sprachen sogar vom „Preußisch-Sächsischen Eisenbahnkrieg“. Hans-Friedrich Gisevius: Zur Vorgeschichte des Preußisch-Sächsischen Eisenbahnkrieges. Verkehrspolitische Differenzen zwischen Preußen und Sachsen im Deutschen Bund, [West-]Berlin 1971, 323 S. Erfolgreich waren jedoch die Bemühungen um eine normalspurige Staatsbahn von Löbau nach Weißenberg, die sich nach ihrer Eröffnung am 1. August 1895 schon im darauffolgenden Jahr beim Kaisermanöver bewähren sollte. Manfred Thiemann: Kaisermanöver 1896. In: Oberlausitzer Hausbuch 2012, Bautzen 2011, S. 131–133. Bis 1906 wurde sie zur Bahnstrecke Löbau–Radibor verlängert und erreichte in Radibor die schon 1890 eröffnete Bahnstrecke Bautzen–Königswartha.
Neben den beiden Bahnsteigen für Weißenberg (Sachs) gab es östlich der Ladestraße noch den Bahnsteig Weißenberg Süd für die Bahnstrecke Görlitz–Weißenberg. Die schon 1905 bis Tetta-Krischa (heute Buchholz) eröffnete Görlitzer Kreisbahn wurde ursprünglich privat betrieben und durfte somit nicht direkt in den sächsischen Staatsbahnhof eingebunden werden. Erst mit der separaten Lösung konnte am 14. Dezember 1913 schließlich auch der letzte, die sächsisch-preußische Grenze überquerende Teil übergeben werden. Auf den letzten Kilometern führten die Gleise der von Löbau und Görlitz kommenden Strecken parallel zum Bahnhof. Ein Verbindungsgleis wurde regulär nur für Güterwagen genutzt.
Die Wirtschaftlichkeit beider Nebenbahnen war auf die Dauer aber zu gering. 1972 wurden der durchgehende Reise- und Güterverkehr eingestellt und danach alle Gleise in Weißenberg abgebaut. Heute ist die Stadt durch Busse mehrmals täglich direkt mit Bautzen, Görlitz, Löbau und Niesky verbunden.
Persönlichkeiten Söhne und Töchter der Stadt Hans von Breßler (1801–1865), Majoratsbesitzer und Freimaurer Alfred zu Solms-Sonnenwalde (1810–1870), preußischer Standesherr und Politiker, geboren in Kotitz Viktor Christian Konstantin von Solms-Sonnenwalde (1815–1890), preußischer Landrat, geboren in Kotitz Ernst von Heynitz (1840–1912), Gutsbesitzer, Rechtsritter des Johanniterordens, Farmer, Organisator der Krankenpflege der Schutztruppe in Deutsch-Südwestafrika, geboren im örtlichen Gut Ellie von Bleichröder (1894–1989), Enkelin des Bankiers Baron Gerson von Bleichröder und eine prominente Insassin des KZ Theresienstadt, geboren in Drehsa Paul Bukowski, (1898–1944), Widerstandskämpfer und Mitglied der Gruppe um Franz Zielasko Pawoł Nedo, deutsch Paul Nedo (1908–1984), sorbischer Pädagoge und Ethnologe, Vorsitzender der Domowina Měrćin Nowak-Njechorński (1900–1990), sorbischer Maler, Grafiker, Publizist und Schriftsteller Johannes Stupka (1915–1980), Ökonom Jürgen W. Schmidt (1958), Historiker
Personen mit Bezug zur Stadt Jan Kilian (1811–1884), Pfarrer in Kotitz und Anführer von über 500 sorbischen Auswanderern Benno von Heynitz (1924–2010), Widerstandskämpfer und Jurist, Initiator des Bautzen-Komitee e.V. und der Gedenkstätte Bautzen
Literatur
Weißenberg. Bilder erzählen, Horb am Neckar 1994 Manfred Thiemann: Die Eisenbahn um Weißenberg. Ein Rückblick auf vergangene Zeiten, hrsg. vom Verein Ostsächsische Eisenbahnfreunde e. V. Löbau, Löbau 1997, 44 S. Hans von Polenz: Eisenbahnen im Bautzener Land, hrsg. vom Verein Ostsächsische Eisenbahnfreunde e. V. Löbau, Löbau 2006, 182 S. Wilfried Rettig: Die Görlitzer Kreisbahn. Die Geschichte einer ungewöhnlichen Kleinbahn, Freiburg i. Br. 2007, 128 S.
Weblinks
Webpräsenz der Stadt Weißenberg Fotografien von Weißenberg Interaktives 360°-Panorama Weißenbergs, Marktplatz
Einzelnachweise
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