Der Deutsche Tennis Bund e. V. (DTB) ist die Dachorganisation für alle deutschen Verbände und Vereine im Tennissport. Der in Hamburg ansässige Verband ist mit rund 1,4 Millionen Mitgliedern der mitgliederstärkste Tennisverband der Welt und der drittgrößte Sportverband in Deutschland.Deutscher Tennis Bund – Daten & Fakten. In: dtb-tennis.de, abgerufen am 20. Februar 2022.
Der Verband wurde am 19. Mai 1902Pfingstmontag als Deutscher Lawn Tennis Bund (DLTB) in Berlin gegründet, als sich 22 Clubs mit rund 2500 Mitgliedern unter einem Dachverband organisierten.Ball-Spiele. In: Neue Hamburger Zeitung. 29. Mai 1902, Abendausgabe, S. 14.
Der DTB ist in 17 Landesverbände unterteilt. Die Mitglieder sind in nahezu 9.000 Tennisvereinen im ganzen Bundesgebiet organisiert, denen insgesamt etwa 46.000 TennisplätzeTennisplätze seit 1995. In: dtb-tennis.de, abgerufen am 28. Januar 2018. zur Verfügung stehen.
Der DTB ist Lizenzinhaber des ATP-World-Tour-500-Turnier am Hamburger Rothenbaum (Tennisstadion am Rothenbaum), das seit 2019 von der MatchMaker Sports GmbH um Turnierdirektorin Sandra Reichel und ihrem Vater Peter-Michael Reichel veranstaltet wird. 2021 fand am Rothenbaum erstmals seit 19 Jahren wieder ein WTA-Turnier statt. 2022 wurden die Hamburg European Open erstmals seit 1978 zum kombinierten Damen- und Herrenturnier.
Außer für Tennis ist der DTB der Nationalverband für die jungen, tennisnahen Sportarten Beachtennis, Padel und Pickleball.
Aufgaben und Ziele Laut Satzung will der DTBSatzung § 3. In: dtb-tennis.de (PDF; 262 kB), abgerufen am 7. Februar 2022. den Tennissport fördern und seine Interessen wahren und Öffentlichkeitsarbeit leisten. den deutschen Tennissport im In- und Ausland, insbesondere in nationalen und internationalen Sportorganisationen vertreten, alle damit in Zusammenhang stehenden Fragen zum Wohle seiner Mitglieder regeln und sich zu diesem Zwecke nationalen und internationalen Sportorganisationen anschließen. Auswahlmannschaften in den verschiedenen Altersklassen bilden und mit ihnen an internationalen Wettbewerben teilnehmen sowie die Vorbereitung und Durchführung dieser Wettbewerbe organisieren. die Zulassung von Trainern, Übungsleitern und Schiedsrichtern sowie deren Aus-, Fort- und Weiterbildung bundeseinheitlich regeln und fördern. den Spitzensport, den Jugend- und Nachwuchssport sowie den Freizeit- und Breitensport – auch im Bereich des Behindertensports – fördern.
Gliederung Der Deutschen Tennis Bund besteht aus 17 Landesverbänden., abgerufen am 5. Januar 2016.Satzung § 8 (PDF; 75 kB). Verband Kürzel Mitglieder Vereine Plätze Bundesland Badischer Tennisverband BTV109.6176903.477 Württembergischer Tennis-Bund WTB163.9269995.350 25px|Logo des Bayerischen Tennisverbandes Bayerischer Tennis-Verband BTV302.9521.9819.483 Tennis-Verband Berlin-Brandenburg TVBB43.1801891.203 / Hamburger Tennis-Verband HTV36.35984880 Hessischer Tennis-Verband HTV121.6937263.623 Tennisverband Mecklenburg-Vorpommern TMV4.19939223 Tennisverband Mittelrhein TVM77.4023592.171 Tennis-Verband Niederrhein TVN95.0244162.873 Westfälischer Tennis-Verband WTV127.3277794.440 Tennisverband Niedersachsen-Bremen (F) TNB134.8341.1045.566 / Tennisverband Rheinland-Pfalz TRP79.4016692.821 25px|Logo des Saarländischen Tennisbundes Saarländischer Tennisbund STB21.780160792 Sächsischer Tennis Verband STV12.142140638 Tennisverband Sachsen-Anhalt TSA5.45076351 Tennisverband Schleswig-Holstein TSH41.7033171.693 Thüringer Tennis-Verband TTV5.83566273 Stand: 1. Februar 2022
(F) Bei der Mitgliederversammlung des Tennisverbandes Nordwest (TVNW) am 22. März 2012 in Bremen wurde ein Kooperationsvertrag mit dem Niedersächsischen Tennisverband (NTV) unterzeichnet, der in den folgenden Jahren zu einer Fusion der beiden norddeutschen Landesverbände zu einem Landesverband mit Namen Tennisverband Niedersachsen-Bremen führen sollte. In: dtb-tennis.de, abgerufen am 28. März 2012. Die Fusion wurde zum 1. Januar 2018 vollzogen.Kleiner Verband, großer Name. In: Weser-Kurier, 20. Dezember 2017.
Geschichte
Die ersten deutschen Tennisclubs entstanden um 1880. Die Forderung nach einem gesamtdeutschen Tennisverband wurde mit der Anzahl der Neugründungen von Tennisclubs und ersten Turnieren in Deutschland immer stärker. Anlässlich des Berliner Pfingstturniers fand im Berliner Palasthotel am 19. Mai 1902 ein Treffen von Männern statt, um die Gründungsurkunde des Deutschen Lawn-Tennis-Bund zu unterzeichnen. Zu ihnen gehörten: für Hamburg Carl August von der Meden, für Leipzig die Herren Gulden und Hillig, für Danzig die Herren Fritz Schlepps und Gelhorn, für München die Herren Rudolph Pummerer und Stahlmann, für Mannheim Dr. Hessen, für Braunschweig Emil Bartels und für Berlin die Herren Karl von Jecklin und Brüggemann. Anschließend wurde von der Meden zum ersten Präsidenten, Robert Freiherr von Fichard (Straßburg) und von Jecklin zu Vizepräsidenten, der Accessor Brüggemann zum Schriftführer und der promovierte Oechselhäuser zum Schatzmeister gewählt. Sitz des DTB wurde Berlin.Lawn-Tennis. In: Hamburgischer Correspondent. 29. Mai 1902. Morgen-Ausgabe, Zweite Beilage, S. , (Digitalisat)
Von der Gründung bis 1933 Die Entwicklung des deutschen Tennis war bis zum Ersten Weltkrieg vielversprechend gelaufen. Im Frühsommer 1919 machte sich der Lawn Tennis und Turnierclub Berlin daran, das organisierte Tennisspiel wieder zum Leben zu erwecken. 1920 hielt der Verband seine erste Mitgliederversammlung seit 1914 ab. Im selben Jahr strich die Föderation den Begriff Lawn aus dem Namen. Erst gegen Mitte der 1920er Jahre, nach dem Abklingen der Inflation, erholte sich der Sport vollends. 1924 traten 39 Vereine dem Deutschen Tennis Bund bei und erhöhten die Gesamtzahl auf 317 bei 42.000 Spielern. Der DTB wurde erst 1926 wieder in die International Lawn Tennis Federation (ILTF) aufgenommen.Deutscher Tennis Bund (Hrsg.): Tennis in Deutschland. Von den Anfängen bis 2002. Duncker & Humblot, Berlin 2002, ISBN 3-428-10846-9. S. 89f.
Der Deutsche Tennis Bund wurde erst 1926 wieder in die International Lawn Tennis Federation (ILTF) aufgenommen.Tennis in Deutschland. Berlin 2002, S. 89f. Die Teilnahme an der International Lawn Tennis Challenge und anderen internationalen Turnieren war den deutschen Spieler bis dahin verwehrt.
Die 1930er Jahre läuteten den ersten „Boom“ ein. 1931 gehörten 1130 Clubs und etwa 90.000 Spieler dem Verband an. Gottfried von Cramm, Henner Henkel, Hans Nüsslein, Hilde Sperling-Krahwinkel und Cilly Aussem sorgten auf internationaler Ebene für Aufsehen.
Zeit des Nationalsozialismus In der Zeit des Nationalsozialismus war auch der Deutsche Tennis Bund von der Gleichschaltung aller Vereine betroffen. Im April 1933 verfügte der Vorstand des DTB kurz nach der „Machtergreifung“ Adolf Hitlers in Deutschland den Ausschluss aller „nichtarischen“ Mitglieder und deren Sperrung für internationale Turniere. Jüdisch-deutsche Spitzenspieler wie Daniel Prenn oder Ilse Friedleben flüchteten ins Exil, Nelly Neppach wurde in den Selbstmord getrieben.Hans-Jürgen Kaufhold: Vom Licht ins Dunkel. Aus: Tennis in Deutschland. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. 2002, S. 136–143, hier S. 136. In einer letzten Sitzung am 18. Februar 1934 wurde im Charlottenburger Rathaus die Auflösung des Deutschen Tennis Bundes auf Veranlassung des Reichssportführers von Tschammer und Osten beschlossen.
Nachkriegszeit und Wiederaufbau mini|Mitgliederentwicklung im DTB 1948–2011 1948 wurde der Verband unter dem Namen Deutscher Tennis Bund (DTB) neugegründet. Gottfried von Cramm war einer der Mitbegründer, und 1950 sorgte sein Engagement maßgeblich dafür, dass der DTB wieder in den Internationalen Tennisverband (ITF) aufgenommen wurde.. Trotz der schwierigen Situation entwickelte sich der Tennissport mit steigenden Mitgliederzahlen in den Vereinen positiv. 1952 erhielt der Deutsche Tennis Bund eine neue Verfassung. Die Neuerung bestand darin, dass sich der DTB nicht mehr als Verband der Vereine, sondern als Verband der Landesverbände sah. Der Grund war die schnell gestiegene Mitgliederzahl: Die seinerzeit 15 Landesverbände verfügten über mehr als 800 Vereine mit rund 80.000 Mitgliedern.Mitgliederentwicklung seit 1948. In: dtb-tennis.de, abgerufen am 5. Januar 2016.
Auf Vereinsebene wurden ab 1965 bis 1971 die Deutsche Tennis-Vereinsmeisterschaften wieder ausgespielt, die seit 1926 nicht mehr ausgetragen wurden. Sie wurden ab 1972 durch die Tennis-Bundesliga abgelöst.
Die goldenen Jahre – Tennisboom Anfang der 80er Jahre übersprang die Mitgliederzahl in den Vereinen die Millionengrenze und verdoppelte sich in nur zehn Jahren auf über zwei Millionen. Die Erfolge von Steffi Graf und Boris Becker lösten ein regelrechtes Tennisfieber aus.
Die folgende Grafik zeigt die Entwicklung der Mitgliederzahlen in den Landesverbänden 1982–2011.
800px|Vereinsentwicklung 1982–2011
Das 21. Jahrhundert mini|Mitglieder 1950–2010 (5-Jahresschritte)
Die Erfolge der deutschen Tennisspieler wirkten sich 2021 auch auf die Mitgliederzahlen des Deutschen Tennis Bundes aus. Zum ersten Mal seit 1995 verzeichnet der DTB wieder steigende Mitgliederzahlen. Während 2020 noch 1.366.137 Menschen einem Tennisverein angehörten, ist die Zahl der tennisspielenden Vereinsmitglieder – trotz Corona-Pandemie und sinkender Mitgliederzahlen im DOSB – um rund 17.000 gestiegen.
Präsidenten Jahr Name 1902–1911 Carl August von der Meden 1911–1925 Emil Bartels 1925–1934 Gerhard Weber 1934–1937 Wilhelm Schomburgk 1937–1945 Erich Schönborn 1949–1951 Richard Stephanus 1951–1952 Max Stahl 1952–1958 Jost Henkel 1958–1967 Franz Helmis 1967–1973 Fritz Kütemeyer 1973–1975 Eduard H. Dörrenberg 1975–1985 Walther Rosenthal 1985–1999 Claus Stauder 1999 Karl Weber 1999–2011 Georg Freiherr von WaldenfelsTennis: DTB-Präsident Waldenfels zieht Kandidatur zurück (spiegel.de, abgerufen am 16. April 2013) 2011–2014 Karl-Georg AltenburgNeue Tennis-Ära beginnt: Altenburg DTB-Präsident (abendblatt.de, abgerufen am 16. April 2013) (sport1.de, abgerufen am 16. April 2013) 2014–2021 Ulrich KlausTennis: Klaus zum neuen DTB-Präsidenten gewählt (spiegel.de, abgerufen am 17. November 2014) seit 2021 Dietloff von Arnim
Im Rahmen einer Strukturreform des Deutschen Tennis-Bunds wurden 2024 Vorstände berufen. Diese werden vom Präsidium, das nun als Aufsichtsrat fungiert, berufen.
Die Vorstandsvorsitzenden Zeitraum Vorstand 2024– Veronika Rücker und Peter Mayer
Wettbewerbe Jedes Jahr finden in Deutschland die nationalen deutschen Meisterschaften statt, bei denen deutsche Tennisspieler um Titel kämpfen. Dabei handelt es sich allerdings nicht nur um die bekannten internationalen Spitzenspieler bei den allseits bekannten Großveranstaltungen, sondern auch um Nachwuchstalente, Jungsenioren und Senioren, die nur selten im Rampenlicht stehen. Um dem deutschen und internationalen Nachwuchs eine Serie von Tennisturnieren anzubieten, wurden 2010 die wichtigsten internationalen Turniere zur German Masters Series zusammengefasst.
Die deutschen Heimspiele des Billie Jean King Cup (bis 1995 Federation Cup, bis 2020 Fed Cup), des wichtigsten Wettbewerbs für Nationalmannschaften im Damentennis, und des Davis Cup, des bekanntesten Wettbewerbs für Nationalmannschaften im Herrentennis, werden vom Deutschen Tennis Bund ausgerichtet.
Siehe auch Geschichte des Tennis
Weblinks
Offizielle Website Deutscher Tennis Bund DTB-Aktivenrangliste vom 31. Dezember 2021
Einzelnachweise
Kategorie:Tennisverband
Tennis Kategorie:Sportverband (Hamburg) Kategorie:Verbandsgründung 1902