180px|mini|Atom Egoyan bei dem dritten Filmfestival „Goldene Aprikose“ 2006 in Jerewan, dessen Präsident er ist. Atom Egoyan, CC (; * 19. Juli 1960 in Kairo, ÄgyptenIMDb, entweder zur Person oder zum jeweiligen Film.) ist ein armenischer, in Kanada lebender Regisseur.

Leben und Werk Atom Egoyan wurde in Kairo als ältestes Kind armenischer Eltern geboren, die seinen Vornamen aus Anlass des Baus des ersten ägyptischen Atomreaktors wählten. Seine Eltern waren ausgebildete Kunstmaler, die von einem MöbelgeschäftGeoff Pevere, TOM McSorley: lebten. Seine Schwester Eve Egoyan ist heute eine klassische Pianistin, mit Wohnsitz in Toronto. Die Familie ging 1963 nach Victoria, British Columbia, Kanada,Santana, S. 8. wo er dreisprachig aufwuchs.Rebecca Flint, All Movie Guide bei The New York Times. The New York Times: Atom Egoyan, abgerufen am 17. November 2007.

Mit 18 Jahren zog er nach Toronto, um dort Politikwissenschaft und klassische GitarreEgo Film Arts, egofilmarts.com: „memory, displacement, and the impact of technology and media in modern life“. zu studieren., abgerufen am 15. Dezember 2019. Er graduierte am Trinity College der University of Toronto. Wesentliche Einflüsse waren der Dramatiker Harold Pinter und der Schriftsteller Samuel Beckett. Er ist mit seiner Landsfrau, der Schauspielerin, Filmproduzentin und Politologin Arsinée Khanjian verheiratet. Sie haben einen gemeinsamen, 1993 geborenen Sohn namens Arshile und leben in Toronto.

1984 wurde Die nächsten Angehörigen beim Internationalen Filmfestival Mannheim-Heidelberg ausgezeichnet. Familienbilder kam international zu einiger Beachtung durch das Zutun von Wim Wenders, der 1987 beim Montreal Festival of New Cinema den Preis der Jury für Himmel über Berlin zurückwies, mit der Bitte, ihn Egoyan zu überreichen. (PDF) abgerufen am 2. Dezember 2007.Fanseite, , abgerufen am 3. Dezember 2007.filmreference.com, abgerufen am 3. Dezember 2007. Nach Familienbilder führte Egoyan Regie für das Fernsehen bei Friday the 13th (Cupid’s Quiver, 1987), bei Alfred Hitchcock Presents (The Final Twist, 1987 und There Was a Little Girl…, 1988) und The Twilight Zone (The Wall, 1989). Exotica stellt seinen Durchbruch dar und ist zugleich eine neue künstlerische Ausrichtung seiner Arbeit,Santana, Abstract. für die er den Grand Prix der Union de la critique de cinéma erhielt. Das süße Jenseits von 1997 gilt als sein bestes Werk. Der geglückte Ararat des Autorenfilmers Egoyan, der den Völkermord an den Armeniern thematisiert, lief in Deutschland 2004 mit nur fünf Kopien an.Film-Dienst 02/04 (2004), S. 33. Das vergleichsweise geradlinige WhodunitEpd Film 2/2006, S. 30 f. Wahre Lügen wurde von der Kritik gemischt aufgenommen.

Dem WDR zufolge hat sich Egoyan auch als Videokünstler und Opernregisseur einen Namen gemacht. So inszenierte er 2004 in Kanada Wagners Die Walküre des Ring-ZyklusWDR, , abgerufen am 13. November 2007. oder auch Salome in Houston und Vancouver. Neben verschiedenen Arbeiten für das Fernsehen wirkte er auch an Kunstinstallationen mit und ist verlegerisch und journalistisch tätig. 2003 war er Jurypräsident der Berlinale.

Heute gilt er als einer der bekanntesten und renommiertesten Regisseure Kanadas. So wurde er 1998 für Das süße Jenseits mit zwei Oscar-Nominierungen für Regie und Drehbuch gewürdigt. 1988 wurde er bei den Internationalen Filmfestspielen in Berlin prämiert. Durch den Film Traumrollen (1989) wurde er zu den Internationalen Filmfestspielen nach Cannes eingeladen. Zwei Jahre später gelang Egoyan der internationale Durchbruch mit dem Film Der Schätzer (1991). Er konnte 1994 und 1997 vier Auszeichnungen beim Cannes Film Festival gewinnen. Er erhielt viermal beim Toronto International Film Festival den Preis für den besten kanadischen Film, 1998 einen Independent Spirit Award und wurde 1989 und 1998 für Gemini Awards nominiert. Er bekam unter anderem auch acht Genie Awards, den bisher letzten im Jahr 2006. Die IMDb zählt mit Stand vom 10. März 2008 41 persönliche Filmpreise und weitere 34 Nominierungen, was ihn zu einem „Kritikerliebling“Fanseite, fansite-atom-egoyan.de, abgerufen am 3. Dezember 2007.„arthouse darling“. Linda Ruth Williams: Songs For Swinging Lovers in Sight & Sound Dezember 2005. , abgerufen am 17. November 2007, ersetzt durch Archivlink am 24. Juli 2013. macht.

Das mehrfach preisgekrönte Drama Das süße Jenseits steht im Filmkanon der Bundeszentrale für politische Bildung.Bundeszentrale für politische Bildung, Filmkanon, abgerufen am 10. November 2007. In Deutschland waren Der Schätzer, Felicia, mein Engel und Das süße Jenseits „Film des Monats“ der Jury der Evangelischen Filmarbeit.

1997 wurde ihm von der französischen Regierung der Orden Ordre des Arts et des Lettres als Chevalier verliehen. Seit 1999 ist er Officer of the Order of Canada (OC).Governor General of Canada, Honours, abgerufen am 10. November 2007. Vom Trinity College der University of Toronto hat er einen Ehrendoktor der Rechte. 2002 wurde ihm die Ehrenbürgerschaft der Stadt Jerewan verliehen.Liste der Ehrenbürger von Jerewan, Internetseite der Stadt Jerewan Von 2006 an unterrichtete er drei Jahre lang an der University of Toronto.University of Toronto, , abgerufen am 14. Dezember 2021.

Egoyan setzte unter anderem David Hemblen, Don McKellar, Elias Koteas, Mia Kirshner, Bruce Greenwood, Sarah Polley, Ian Holm, Elaine Cassidy, Bob Hoskins, Michael Mcmanus, John Hurt, Charles Aznavour und Christopher Plummer in Szene, und regelmäßig seine Ehefrau Arsinée Khanjian. Mychael Danna wurde als Komponist an seiner Seite bekannt. In fast allen Filmen bediente Paul Sarossy die Kamera und in elf gemeinsamen Filmen arbeitete er mit der Filmeditorin Susan Shipton zusammen.

Themen und Ästhetik Beachtung verdient seine Behandlung der Konklusion bzw. Synthese, wo nicht jedem Zuschauer ein kathartisches Moment angeboten wird, und erzählerisch, nicht aber psychologisch/emotionell aufgeräumt (oder ohnehin unlösbare Situationen behandelt sind).

In Calendar spielen er und seine Frau die Hauptrollen, unter den Rollennamen Atom und Arsinée. Später filmte er auch eine Kurzdokumentation über seinen Sohn und ein eigenes Reisetagebuch.

Egoyan wird manchmal als KosmopolitOrientalischer Erzähler im westlichen Kino. In: taz, 25. Januar 2003. gesehen, wie auch das kanadische Kino ein multikulturelles ist. Er bezeichnet sich als christlich-religiös, wenn er auch keiner Gemeinde angehöre.Film-Dienst 02/04 (2004), S. 13. Egoyan sei nicht ausgesprochen politisch erzogen worden, wie er selbst sagt. Ararat wurde eine seiner persönlichsten Arbeiten: „Ich glaube, es ist kein Zufall, dass Künstler erst in ihrer zweiten Lebenshälfte sich solchen Themen stellen“ (Atom Egoyan).Epd Film 2/2004, S. 32 f. Große Teile des Stabes waren armenischer Abstammung.

Von seinen avantgardistischen Filmen hört man oft als PuzzlespielLux, S. A 11. oder Vexierspiel aufgrund ihrer „konstruiert-verschachtelten Erzähltechnik“.Stefan Lux: Ein Schritt hinter den Spiegel – Atom Egoyan in Lexikon des internationalen Films, S. A 8 – A 11. S. A 9. Erschienen nach Exotica. Beachtung verdient seine Behandlung der Konklusion bzw. Synthese, wo nicht jedem Zuschauer ein kathartisches Moment angeboten wird, und erzählerisch, nicht aber psychologisch/emotionell aufgeräumt (oder ohnehin unlösbare Situationen behandelt sind). In Exotica deutet sich erstmals ein „vorsichtiger Optimismus“ an.Lux, S. A 8.

Tobias Lehmann sieht in einer Rezension sein Leitthema als das des Verlustes.Artechock, artechock.de, abgerufen am 15. November 2007.Auch Canadian Film Encyclopedia, zu The Sweet Hereafter und Felicia’s Journey. In seiner Thesis „‘Look But Don’t Touch’: Synthesizing Strategies of Denial in the Later Films of Atom Egoyan, 1994–2002“ von 2005 untersucht Brian Allen Santana das filmische Arbeiten Egoyans ab einschließlich Exotica im Licht der individuellen oder kollektiven Verleugnung/Zurückweisung („Denial“). Where The Truth Lies behandelt Kritiker Michael Ranze zufolge unter anderem die Subjektivität der Wahrheit,Schon im Titel.vgl. Santana S. 44: „construct a reality“ zu Felicia’s Journey. unerfüllbare Sehnsüchte, gipfelnd sogar in Traumata.Auch David L. Pike: Four Films in Search of an Author – Egoyan Since „Exotica“ in Bright Lights Film Journal, Ausgabe 52, Mai 2006, abgerufen am 14. Dezember 2021. So sind auch Realitätsempfinden und buchstäblich Wunschvorstellungen dargestellt.vgl. Egoyans Protagonisten weisen in seinen Filmen, wie Egoyan selbst im wahren Leben auch, Probleme mit ihrer personalen Identität auf.

Christiane Peitz erklärte 1998 in der Zeit, dass Egoyan sieben Spielfilme von nichts anderem handeln: von Entfremdung und Anpassung, vom Verlust geliebter Menschen, von der Sprachlosigkeit, der Suche nach Identität und Familie, von Trauer und Trost.Christiane Peitz: Tröster im Chaos. In: Die Zeit, Nr. 12/1998, S. 71 („Jedes Kind, das mit mehreren Kulturen und Sprachen aufwächst, begreift sehr früh, daß der Charakter eine Konstruktion ist“, Zitat von Atom Egoyan). Egoyans eigene Webseite spricht Nähe, ExilAuch Santana, S. 48 f. und den Einfluss der Technologie und der Medien auf das moderne Leben an. Der Technikkommentar („Video als Art der Erinnerung“Santana, S. 18, S. 45.) der frühen Filme macht seit Exotica dem Innerfamiliären Platz.Auch Santana, S. 48 f. zu Felicia’s Journey. Monique Tschofen findet in einem kurzen Aufsatz auch Vielsprachigkeit und Übersetzung als solche behandelt.Monique Tschofen: Speaking a/part: Modalities of Translation in Atom Egoyan’s Work, (PDF; 463 kB) abgerufen am 14. Dezember 2021.

Ohne Erotik ist kaum einer der Filme zu denken, trotzdem erscheint Egoyan manchem „steril und kalt“ (Matthias Kraus).Matthias Kraus: Atom Egoyan. Ein Filmemacher aus Kanada. ub.uni-marburg.de, abgerufen am 17. November 2007.Auch Lexikon des internationalen Films zu The Sweet Hereafter: „sehr artifizielle Machart“.Robin Detje: Durch die Wüste. In: Die Zeit, Nr. 6/1992, S. 55. Rezension von The Adjuster. „Wer […] seine eigene Ästhetik durchsetzen [will] in einer stromlinienförmig normierten Branche (und in einer Zeit, die eifrig behauptet, es gäbe nichts Neues mehr in der Kunst), kann Eitelkeit und Egozentrik gut gebrauchen; der braucht überhaupt jede Menge Schutz.“ Sexualität wird gezeigt als Voyeurismus, Homosexualität, Inzest oder Fetischismus.

Über das Gesamtwerk beeindruckt vor allem seine Schauspielerführung.

Als Lieblingsfilme nominierte er selbst für das Time Out auf den vorderen Plätzen Vertigo, Letztes Jahr in Marienbad und India Song (R: Marguerite Duras), als Schauspieler Faye Dunaway und Dustin Hoffman.

Filmografie (Auswahl) mini|Atom Egoyan und Arsinée Khanjian 2008 B= Drehbuch, D= Darsteller, M= Musik, P= Produktion, R= Regie, S= Schnitt

1984: Die nächsten Angehörigen (Next of Kin) – (B, M, P, R, S) 1987: Familienbilder (Family Viewing) – (B, P, R, S) 1989: Traumrollen (Speaking Parts) – (B, P, R) 1991: Der Schätzer (The Adjuster) – (B, P, R) 1993: Kalender (Calendar) – (B, D, P, R, S) 1994: Exotica – (B, P, R) 1997: Das süße Jenseits (The Sweet Hereafter) – (B, P, R), nach Russell Banks 1999: Felicia, mein Engel (Felicia’s Journey) – (B, R), nach William Trevor 2000: Krapp’s Last Tape – (R), nach Samuel Beckett 2002: Ararat – (B, P, R) 2005: Wahre Lügen (Where The Truth Lies) – (B, R), nach Rupert Holmes 2006: An ihrer Seite (Away From Her) – (P) 2007: Artaud Double Bill (Beitrag zum Episodenfilm Chacun son cinéma – Jedem sein Kino) 2008: Simons Geheimnis (Adoration) – (B, R) 2009: Chloe – (R) 2010: Barney’s Version – (D) 2013: Devil’s Knot – Im Schatten der Wahrheit (Devil’s Knot) – (R) 2014: The Captive – (B, P, R) 2015: Remember – (R) 2019: Der Ehrengast (Guest of Honour) – (B, P, R) 2023: Seven Veils (P; P, R)

Literatur