Dülken (Südniederfränkisch: Dölke, ) ist mit gut 20.000 Einwohnern nach Alt-Viersen der zweitgrößte Stadtteil von Viersen (Nordrhein-Westfalen). Der Ort liegt am Südrand des Niederrheinischen Tieflandes. Das Stadtgebiet grenzt an die Viersener Stadtteile Boisheim, Süchteln, Alt-Viersen und an Amern, einen Stadtteil von Schwalmtal. Im Süden grenzt es an das Stadtgebiet von Mönchengladbach.

In Dülken entspringt die Nette, ein Nebenfluss der Niers.

Ortsteile Dülken besteht aus den Ortsteilen: Bistard Schirick Busch Nord Nette Waldnielerstraße Mackenstein Hausen Bergerstraße Ransberg Loosen Landwehr

Geschichte mini|Ehemaliges Stadtwappen von Dülken mini|alternativtext=Aktie der Dülkener Gewerbebank über 300 Mark, ausgestellt am 1. Juli 1902 in Dülken, unterschrieben von dem Dülkener Unternehmen Felix Tonnar, Bruder von August Tonnar. Gegründet 1887 zur Weiterführung der bis dahin als Genossenschaft geführten Gewerbebank.|Aktie der Dülkener Gewerbebank über 300 Mark, ausgestellt am 1. Juli 1902 in Dülken, unterschrieben von dem Dülkener Unternehmen Felix Tonnar, Bruder von August Tonnar. Gegründet 1887 zur Weiterführung der bis dahin als Genossenschaft geführten Gewerbebank.

Im 14. Jahrhundert kamen Stadt und Kirspel Dülken über die Attinenz zum Amt Brüggen an die Jülicher Grafschaft und verblieb dort bis zur französischen Besatzung. In dieser Zeit war Dülken eine der vier gräflichen (später herzoglichen) Münzstätten.Hugo Doergens: Chronik der Stadt Dülken, Kap. 4, Seite 41ff: Die Landesfürstlichen Rechte, mit besonderer Berücksichtigung der Geschichte der Dülkener Kameralmühlen; 1925; ohne ISBN 1400 Bruchtor („Broichportzen“) an der heutigen Venloer Straße.

Die 1506 errichtete Tränk(en)mühle und die 1556 errichtete Hochmühle (oder Höchmühle) waren die herrschaftlichen Kameralmühlen. Bei mangelndem Wind musste in der Brüggener Wassermühle gemahlen werden.

1553 fiel ein Drittel der Häuser einem großen Brand zum Opfer.

Die Narrenakademie wurde vermutlich 1554 gegründet.

Im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) wurde Dülken 1624 von spanischen Truppen besetzt. In den 1630er Jahren grassierte die Pest; durchziehende fremde Truppen trugen zu ihrer Verbreitung bei.Leo Peters (2020): Beistand in schlimmen Zeiten

mini|Kirche St. Cornelius

Vom Herbst 1794 bis etwa 1804 besetzten französische Truppen Dülken. Von 1798 bis 1814 war der Ort als Mairie (Bürgermeisterei) im Canton Bracht des Département de la Roer (Rur) dem französischen Staatsgebiet eingegliedert. 1801 wurde das linke Rheinufer offiziell französisch (Friede von Lunéville 9. Februar 1801). Die Franzosenzeit endete nach der Niederlage Napoleons. Dülken gehörte seit 1816 zum Kreis Kempen in der Rheinprovinz des Königreichs Preußen und bildete eine Bürgermeisterei, zu der neben der eigentlichen Stadt auch das sogenannte Kirchspiel Dülken mit den umliegenden Dörfer und Weiler gehörte.

Am 29. Mai 1857 erhielt Dülken die Rheinische Städteordnung.Amtsblatt der Regierung zu Düsseldorf 1857, S. 596 Die Bürgermeisterei wurde dadurch aufgespalten in eine Stadtbürgermeisterei für die Stadt Dülken und eine Landbürgermeisterei für die Gemeinde Dülken-Land.Otto v. Mülmann: Statistik des Regierungsbezirks Düsseldorf , 1867, S. 1008Volkszählung 1871 1857 wurde auch die evangelische Kirchengemeinde gegründet.ekduelken.de

1869 wurde die Karnevalsgesellschaft Orpheum gegründet.www.orpheum.de

Um 1874 entstand der bis 1916 genutzte neue jüdische Friedhof am Kampweg und im Jahr 1898 wurde eine Synagoge an der Martin-Luther-Straße eingeweiht. Diese wurde am 9. November 1938 von Nationalsozialisten in Brand gesetzt und kurz danach abgerissen.virtuelle-gedenkstaette-viersen.de Zwei Thorarollen und die Kultgegenstände wurden gerettet und bis zur Befreiung 1945 versteckt.Sie befinden sich heute in der Krefelder Synagoge: Rheinische Post 9. November 2018: Als die Synagoge in Dülken brannte

Im 19. Jahrhundert gab es wie überall in Deutschland ein starkes Bevölkerungswachstum; um die Mitte des Jahrhunderts wanderten mehrere Familien nach Missouri (USA) aus. 1903 hatte Dülken 10.000 Einwohner. Das Kaiser-Friedrich-Bad, eine klassische Badeanstalt der Kaiserzeit, eröffnete 1903.viersen.de Es schloss, als um 1980 das Sportzentrum Ransberg (mit Schwimmbad) eröffnete.

1906 bekam Dülken einen Straßenbahnanschluss bis Mönchengladbach. Die Bahnen verkehrten im 20- bzw. 30-Minuten-Takt. Das Gladbacher Gleisnetz reichte bis weit ins Hinterland und nach Krefeld. Endpunkt der Strecke quer durch Dülken war die Narrenmühle; Dülken hatte ein eigenes Straßenbahndepot. 1906 gründete sich der erste Fußballclub, der Dülkener FC.

1912 hatte Dülken bis auf einige Außengebiete flächendeckend Anschluss an das Stromnetz.

Der Erste Weltkrieg (1914–1918) brachte deutliche Einschnitte. Die Wirtschaft stagnierte; viele Preise stiegen und über 450 Dülkener fielen. Ein 1934 errichtetes Kriegerdenkmal erinnert an sie.viersen.de

Im Januar 1919 begann die alliierte Rheinlandbesetzung; 1930 zogen die Truppen wieder ab. Das geräumte Rheinland sollte anschließend Entmilitarisierte Zone bleiben. Hitler ließ es im März 1936 wieder besetzen ( Rheinlandbesetzung). Anschließend begannen auch im Rheinland Vorbereitungen für den Zweiten Weltkrieg.

Die Gemeinde Dülken-Land wurde am 1. Juli 1927 die Stadt Dülken eingemeindet.

Am 10. Juni 1940 (einen Monat nach Beginn des Westfeldzugs) fiel die erste Sprengbombe auf Dülkener Gebiet. Bei einem Luftangriff am 3. Dezember 1944 warfen US-Bomber Bomben auf Dülken. Das Heim der Hitlerjugend (am Neumarkt) wurde getroffen; 42 Jugendliche darin starben. Insgesamt starben 53 Menschen und 43 wurden verletzt.Winterliche Erinnerungen an den Dülkener Neumarkt auf rheinischer-spiegel.de

Ende Februar 1945 rückten Truppen der US Army im Rahmen der Operation Grenade (23. Februar bis 11. März 1945) Richtung Dülken vor.Ludwig Hügen: Der Krieg geht zu Ende: Niederrheinische Berichte zur Operation Grenade 1945. (Schriftenreihe des Kreises Kempen-Krefeld 18), 1975. Band 37, 1987. Am 1. März 1945 früh morgens nahmen Soldaten der 84. US-Infanteriedivision, nachdem sie in der Nacht zuvor Boisheim eingenommen hatten, Dülken gegen geringen Widerstand ein. Zuvor hatten Wehrmacht-Soldaten etwas südlich – bei Ungerath, Steeg, Hochfeld und Eicken – Widerstand geleistet.Dr. Hans Kaiser: Vom Rathaus aus den GIs entgegen. In: Rheinische Post (Lokalteil Viersen) 21. Februar 2015, Seite C6. Der Vormarsch erfolgte im Rahmen der Operation Grenade.

Im März 1945 war Dülken Teil einer großen Täuschungskampagne der US-Armee (Operation Viersen, Ghost Army), die deutschen Verbänden die Überquerung des Rheins bei Düsseldorf vorgaukelte, während tatsächlich Richtung Wesel angegriffen wurde (Operation Varsity am 24. März 1945).

In Dülken erinnern vierzig Stolpersteine an deportierte und ermordete jüdische Mitbürger und an den Holocaust. In den Nachkriegsjahren kamen zahlreiche Heimatvertriebene aus Ostgebieten des Deutschen Reiches. Zahlreiche Straßennamen erinnern an ihre Herkunftsstädte.

Am 30. Oktober 1906 wurde die 13 km lange Straßenbahnstrecke M. Gladbach Markt – Viersen – Dülken eröffnet. 1955 wurde der Straßenbahnbetrieb eingestellt; seitdem fahren Busse.

Am 26. April 1968 beschloss der Dülkener Rat mit 17 gegen 14 Stimmen die Bildung der Dreistadt Viersen-Dülken-Süchteln. Im Rahmen der kommunalen Neugliederung wurde Dülken am 1. Januar 1970 ein Stadtteil von Viersen.

1970 begann die Erschließung des Industriegebiet Mackenstein. 1976 wurde das Wasserwerk modernisiert.www.niederrheinwasser.de Das Alte Waisenhaus am Eligiusplatzviersen.de wurde 1973PDF Seite 6 zu einem Veranstaltungs- und Bibliotheksgebäude umgebaut.

1977 wurde der Neubau des Altenheims Bodelschwinghwerk-Dülken eingeweiht.www.bodelschwinghwerk-duelken.de

2007 fand die erste Dülkener Bierbörse statt.https://www.nachtwaechter-duelken.de

2013 beschloss die Stadt Viersen zusammen mit Mönchengladbach, das Gewerbegebiet Mackenstein zu erweitern.

Wahrzeichen Katholische Kirche Den alten Stadtkern überragt die 1871 nach dem Entwurf von Heinrich Wiethase erbaute Katholische Pfarrkirche St. Cornelius, eine der wenigen fünfschiffigen Kirchen am Niederrhein.

Die Kirche St. Ulrich wurde 1967 erbaut.

Narrenmühle mini|hochkant|Narrenmühle

Das Wahrzeichen von Dülken ist die Narrenmühle. Sie ist Sitz der 1554 gegründeten Narrenakademie. Im Zentrum ist noch heute der ellipsenförmige mittelalterliche Grundriss („Dülkener Ei“) gut erkennbar. Aus dieser Zeit sind Reste der alten Befestigungsanlage mit Wall und ein Wehrturm („Gefangenenturm“) erhalten. In unmittelbarer Nähe befindet sich auch das 1934 von dem Bildhauer Willy Meller geschaffene Kriegerehrenmal („Siegfried“). Jeweils am Aschermittwoch findet der Dülkener Schöppenmarkt statt, zu dem über 100.000 Besucher strömen. An der Einmündung der Blauensteinstraße in die Langestraße steht die Skulptur Tien Anton, die an das Dülkener Original Peter Anton Stams alias Tien Anton (1836–1895) erinnert.; angefertigt vom Aachener Bildhauer Hubert Löneke

Wasserturm Dülken mini|hochkant|Wasserturm zwischen Dülken und Viersen, 55 m hoch

Der 55 m hohe Wasserturm Dülken steht ostnordöstlich des Zentrums von Dülken am Südrand des Stadtgartens, etwa 750 m westlich der A 61. Von 1970 bis 2007 befand sich im Turm das Panoramarestaurant Windrose.Dülken: Restaurant im Wasserturm. In: wz-newsline vom 27. Juli 2009

Der alte Wasserturm ist ein Baudenkmal.

Wirtschaft Im 15. bis 18. Jahrhundert stagnierte die wirtschaftliche Entwicklung aus verschiedenen Gründen. Mitte des 19. Jahrhunderts gab es Leinwand-, Sammtweberei, eine Zwirnfabrik, Flachsbau und einen Pferdemarkt.Dülken, Herders Conversations-Lexikon. Freiburg im Breisgau 1854, Band 2, S. 463. Am 29. Januar 1866 erhielt Dülken einen Eisenbahnanschluss. Am 1. Oktober 1890 wurde die Bahnstrecke Dülken–Brüggen eröffnet. 1906 wurde die Eisengießerei Güsken gegründet; sie bestand bis 2016. In den 1970er Jahren gab es rund 30 Eisengießereien in und um Dülken.Nach 109 Jahren ist nun der Ofen aus

Im Industriezeitalter dominierte in Dülken wie auch in anderen Orten der Region die Textilindustrie.

Die räumliche Nähe zu den Ballungszentren an Rhein und Ruhr und zu den Niederlanden macht Dülken zu einem gut positionierten Wirtschaftsstandort. Neben alteingesessenen Unternehmen im Ortsgebiet existiert das Gewerbegebiet Mackenstein mit einer Fläche von 113 ha. Im nördlichen Bereich soll das Gewerbegebiet um weitere 16 ha erweitert werden.

Am Mackenstein haben sich regionale und auch überregional operierende Unternehmen angesiedelt.

Das Buntmetallwerk der Otto Fuchs KG ist einer der größten Arbeitgeber in Dülken.

Bildung In Dülken gibt es drei Gymnasien: das Clara-Schumann-Gymnasium, das Albertus-Magnus-Gymnasium und das Weiterbildungskolleg des Kreises Viersen (Abendgymnasium).

Mundart In Dülken wird Dölker Plott gesprochen, eine südniederfränkische Mundart, die große Ähnlichkeiten zu vielen anderen Dialekten der Region und der benachbarten niederländischen Provinz Limburg aufweist. Typisch für den Dialekt der Region ist die Tendenz zur Rundung des Kurzvokals [a] und Velarisierung des auslautenden -nd (z. B. hd. Lampe > Lomp, Hd. Hand > Honk, Hd. Brand > Bronk).Theodor Frings: Studien zur Dialektgeographie des Niederrheins zwischen Düsseldorf und Aachen. N. G. Elwert’sche Verlagsbuchhandlung, Marburg 1913, S. 8 & 11. Weitverbreitet ist auch der J-Anlaut, der aus dem Ripuarischen stammt (Hd. Grab > Jraf, Hd. Garten > Jart).Frings, Dialektgeographie des Niederrheins, S. 11

Dülkener Platt wird heutzutage nur noch von der älteren Generation gesprochen (und verstanden).Georg Cornelissen: Meine Oma spricht noch Platt: Wo bleibt der Dialekt im Rheinland? Greven Verlag, Köln 2008, S. 105 Es wird in Mundartzirkeln gepflegt. An Karneval (Fastelovend) werden auch Lieder und Büttenreden auf Platt vorgetragen.

Karneval