Plattling ist eine Stadt im niederbayerischen Landkreis Deggendorf. Plattling wurde im 19. Jahrhundert zur Eisenbahnerstadt.
Geografie Geografische Lage Plattling liegt im Gäuboden und bildet mit Deggendorf in der Region Donau-Wald ein Oberzentrum. Neun Kilometer ONO vom Ortskern Plattlings mündet die Isar in die Donau. Bei der ehemaligen Grafenmühle und dem früheren Elektrizitätswerk befindet sich das Isar-Informationszentrum mit Ausstellungen zur Geologie und Biologie dieser Kulturlandschaft. Dieser Bereich gehört mit dem rechtsseitigen Isarufer jedoch bereits zur Nachbargemeinde Moos, während die Isarmündung selbst, einschließlich der letzten 1.630 Meter vor der Mündung, zum Stadtgebiet von Deggendorf gehört. In der Nähe kann man im Sommer mit der Radfähre Altaha zum gegenüberliegenden Donauufer (Niederalteich) übersetzen. Gemeindegliederung Es gibt 13 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Es gibt die Gemarkungen Pankofen, Pielweichs und Plattling.
Geschichte mini|Markt Plattling nach einem Stich von Michael Wening aus dem Jahr 1723|400x400px Plattling ist eine Nibelungenstadt. Im Nibelungenlied (21. Abenteuer) wird nämlich erwähnt, dass Kriemhild auf ihrem Zug ins Hunnenland vom Passauer Bischof Pilgrim empfangen wurde und man in „Pledelingen“ ihnen „Gemach“ schuf.
Mittelalter Urkundlich erwähnt wird Platling erstmals im Jahr 868, als es von König Ludwig dem Kloster Metten geschenkt wurde. Um 1200 kam es in den Besitz der Grafen von Bogen. Schon damals bestanden eine Brücke und ein Mautamt in Plattling. 1242 fiel es mit der Grafschaft an die Wittelsbacher und wird 1317 als Markt erwähnt.
Bis 1379 soll Plattling am östlichen Isarufer gelegen haben, wovon auch heute noch die aus dem 12. Jahrhundert stammende Pfarrkirche St. Jakob zeugt. Wegen ständiger Überschwemmungen wurde der Ort damals auf Anordnung von Herzog Albrecht I. verlegt. Die entsprechende Urkunde vom 10. November 1379 lässt allerdings nicht klar erkennen, ob die Umsiedlung „auf das Feld, da er nun liegt und fürbaß bleiben soll“ von einem Ufer zum anderen oder am selben Ufer in einen höher gelegenen Teil vorgenommen wurde. 1494 erhielt Plattling eine eigene Gemeindeordnung.
Frühe Neuzeit Im Landshuter Erbfolgekrieg plünderten am 18. und 19. Juni 1504 pfälzische Truppen Plattling, während des Dreißigjährigen Krieges brannte es dreimal nieder, und am 23. April 1742 verbrannten im Österreichischen Erbfolgekrieg ungarische Husaren die Isarbrücke. Am 17. Juli und am 1. Oktober 1742 kam es hier zu Scharmützeln zwischen habsburgischen und bayerischen Truppen.
Plattling gehörte zum Rentamt Straubing und zum Landgericht Natternberg des Kurfürstentums Bayern. Plattling besaß ein Marktgericht mit magistratischen Eigenrechten.
19. und 20. Jahrhundert Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde. Zur Mitte des 19. Jahrhunderts hatte Plattling etwa 1800 Einwohner, und es fanden neun Waren- und Viehmärkte statt.
Der Eisenbahnbau machte von 1857 bis 1880 Plattling zu einem bedeutenden Eisenbahnknotenpunkt und zu einer Eisenbahnerstadt. 1888 erfolgte die Stadterhebung. Die günstige Verkehrslage führte zu mehreren Industrieansiedlungen. Nach dem Zweiten Weltkrieg ließen sich Zweige der Textilbranche in Plattling nieder. 1960 entstand das Werk Plattling der Südzucker AG und im Oktober 1982 die Niederlassung der MD Papierfabriken Heinrich Nicolaus GmbH.
KZ-Außenlager Plattling Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs, am 20. Februar 1945, wurde in Plattling ein Außenlager des Konzentrationslagers Flossenbürg errichtet.Jörg Skriebeleit: Webseite KZ-Gedenkstätte Flossenbürg Abgerufen am 6. Juli 2016. Es befand sich in der einstigen Knabenschule – mitten in der Innenstadt zwischen Rathaus und Stadtpfarrkirche St. Magdalena. Anfangs waren 500 Häftlinge aus Flossenbürg darin untergebracht. Über die Hälfte davon waren Juden, die meisten davon polnischer Herkunft. Des Weiteren wurden 50 Ungarn, 80 Tschechen, 20 Russen, einige Deutsche, Franzosen und Männer anderer Nationalitäten festgehalten und zur schweren Zwangsarbeit beim Ausbau eines Übungsflugplatzes herangezogen. Die Versorgungslage und der Zustand der Häftlinge waren desaströs, die Sterbeziffer äußerst hoch. Die damals rund 7000 Bürger Plattlings konnten das tägliche Morden und Schinden der Häftlinge nicht übersehen, zumal diese Häftlinge in ihren gestreiften Lumpen täglich zweimal durch die Stadt geführt wurden. Tatsächlich sind auch Proteste von Plattlinger Frauen im Rathaus und Essensgaben bekannt.
Am 24. oder 25. April wurde das Außenlager – bis auf 60 Kranke – Richtung Eggenfelden „evakuiert“, in Surberg bei Traunstein befreiten US-Truppen ca. 120 Gefangene, etwa 70 sollen während des Todesmarsches erschossen worden sein. Genaue Zahlen gibt es nicht. Die Überlebenden des Außenlagers Plattling wurden am 1. Mai von amerikanischen Soldaten befreit.
Nach der Befreiung diente das Lager zur Internierung von Nazis und später für die Sammlung von 3000 Soldaten der Wlassow-Armee. Ermittlungen der Staatsanwaltschaft München I führten zu keinem Ergebnis, sie wurden 1976 eingestellt.Ulrich Fritz: Plattling In: Wolfgang Benz, Barbara Distel (Hrsg.): Flossenbürg. Das Konzentrationslager Flossenbürg und seine Außenlager, Beck München, 2007, S. 220–223.
Eingemeindungen Im Jahr 1963 wurde aus der Gemeinde Pankofen das Dorf Enzkofen eingegliedert. Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde die Gemeinde Pielweichs am 1. Juli 1971 und die Gemeinde Pankofen am 1. Mai 1978 eingemeindet.
Einwohnerstatistik Im Zeitraum 1988 bis 2018 wuchs die Stadt von 10.385 auf 13.043 um 2.658 Einwohner bzw. um 25,6 %.
Entwicklung seit 1840: DatumEinwohner01.12.1840204501.12.1871278401.12.1900494716.06.1925699917.05.1939749213.09.19501145306.06.19611041527.05.19701025625.05.19871040409.05.20111220631.12.201212401DatumEinwohner31.12.20131254431.12.20141279931.12.20151291331.12.20161296031.12.20171295531.12.20181304331.12.20191302831.12.20201294831.12.20211300131.12.20221312131.12.202413160DatumEinwohner31.12.202513296
Konfessionsstatistik Gemäß dem Zensus 2022 waren (Stand Mai 2022) 54,1 % oder 7.018 der 12.962 Einwohner katholisch, 12,4 % evangelisch und 33,5 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Bevölkerung kompakt (Gebietsstand 15.05.2022, Religion), abgerufen am 14. Januar 2026
Laut kirchlicher Statistik gab es im Jahr 2025 zirka 48 % (6319) Katholiken - 2 Prozentpunkte oder 258 Einwohner weniger als im Vorjahr.Worst-Case-Szenario unterboten: Immer weniger Katholiken in Plattling, abgerufen am 14. Januar 2026
Politik
Stadtrat Sitzverteilung im Stadtrat nach den Kommunalwahlen in Bayern 2026 (und zum Vergleich frühere Jahre): CSU FW AfD SPD Junge Liste (JL) BP Grüne Gesamt 2026 9 4 4 2 2 2 1 24 2020 11 5 — 4 2 2 — 24 2014 13 4 — 5 2 — — 24 2008 12 5 — 5 2 — — 24 2002 14 4 — 5 1 — — 24
Bürgermeister Erster Bürgermeister ist seit Mai 2020 Hans Schmalhofer (CSU). Er wurde bei den Kommunalwahlen am 15. März 2020 im ersten Wahlgang mit 62,42 Prozent der Stimmen zum 1. Bürgermeister gewählt. Die Wahlbeteiligung betrug dabei 45,56 Prozent. Am 8. März 2026 wurde er mit 51,1 Prozent bei einer Wahlbeteiligung von 50,4 Prozent im Amt bestätigt.
Schmalhofers Vorgänger war Erich Schmid (CSU), der von 2002 bis 2020 amtierte.
Wappen mini|75px|Ehemaliges Stadtwappen
Städtepartnerschaften : Nebra (Unstrut) in Sachsen-Anhalt, vertreten durch Bürgermeisterin Antje Scheschinski, Partnerschaft seit 1992. : Selkirk, vertreten durch Provost Keith Miller, Partnerschaft seit 1998. : Scharnitz im Karwendel in Tirol, vertreten durch Bürgermeister Christian Ihrenberger, Partnerschaft seit 2009. Scharnitz ist die Quellgemeinde der Isar, während sich in Plattling deren Mündung in die Donau befindet. Die grüne Isar ist also quasi das verknüpfende Band dieser Partnerschaft.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke
Am östlichen Isarufer, mitten im heutigen Friedhof, steht die Kirche St. Jakob. Sie wurde im 12. Jahrhundert im romanischen Stil erbaut. Vor der Verlegung des Ortes 1379 war sie die Gemeindekirche. Im Inneren der Kirche befindet sich ein Taufbecken aus dem 15. Jahrhundert. Auf einem der steinernen Bodenquader ist in Altarnähe ein Abdruck zu sehen, der der Sage nach von einem türkischen Reiter stammt, der bei den osmanischen Feldzügen im Mittelalter bis nach Plattling gekommen sein soll.
Baudenkmäler
Denkmäler mini|hochkant|Plattling, St. Jakob, Gedenkstein Shoa Das Kriegerdenkmal für die Gefallenen von 1914 bis 1918 am Ludwigplatz wurde von dem Architekten und Bildhauer Christian Metzger aus Regensburg geschaffen.
Am Preysingplatz befindet sich das Preysing-Denkmal zu Ehren von Conrad von Preysing, der lange Zeit in Plattling lebte und wirkte.
In der Nähe des Bahnhofs befindet sich der sogenannte „Läusestein“, ein Denkmal für die Entlausungsstelle, die an diesem Ort nach dem Ersten Weltkrieg eingerichtet wurde.Sixtus Lampl, Michael Petzet, Wilhelm Neu, Otto Braasch: Denkmäler in Bayern – Niederbayern. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München 1986, S. 72.
Auf dem Vorplatz des Plattlinger Friedhofs St. Jakob erinnert seit 1987 ein Gedenkstein an die KZ-Opfer des Außenlagers Plattling-Michaelsbuch sowie an die jüdischen Einwohner, die Opfer der Shoa wurden.Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation. Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 184.
Regelmäßige Veranstaltungen Alle zwei Jahre an den geradzahligen Jahren findet im Sommer ein mittelalterlicher Markt, der Nibelungenmarkt statt, der traditionell mit einem Auszug von über 400 mittelalterlich kostümierten Frauen und Männern beginnt. Da der Markt den ganzen Stadtplatz einnimmt, muss dieser während des Marktes für den Durchgangsverkehr gesperrt werden.
Alle vier Jahre, zuletzt 2022, werden zusätzlich zum Nibelungenmarkt die Nibelungenfestspiele aufgeführt, die die im Nibelungenlied dargestellte Begegnung von Bischof Pilgrim mit Kriemhild als Bühnenstück in Szene setzen. Seit 2008 wird beim Nibelungenmarkt als Ausgleich zu den Nibelungenfestspielen der Drachenstich des Siegfried szenisch dargestellt. Hierzu wurde 2008 der ausrangierte Drache des Further Drachenstichs nach Plattling gebracht. Der Förderverein erhielt 2017 den Heimatpreis Bayern.
Sport Der 1863 gegründete TSV Plattling untergliedert sich in die Abteilungen Alte-Herren-Männersport, Aikido, Badminton, Basketball, Coronar-Sport, Frauengymnastik, Teenie Power, Kanuten, Karate, Kickboxen, Leichtathletik, Mutter und Kind, Reiten, Rollstuhlsport, Ju-Jutsu, Sportgymnastik, Schülerinnenturnen, Skisport, und Volleyball. Der Verein ist der älteste und größte Sportverein in Plattling. Der 1919 gegründete Fußballverein SpVgg Plattling sorgte in den Spitzenzeiten für überregionale Bekanntheit der Stadt Plattling. Viele Jahre traten die Fußballer der SpVgg Plattling in der damals drittklassigen Fußball-Bayernliga gegen namhafte Gegner wie TSV 1860 München, FC Augsburg oder den SSV Jahn Regensburg an. Im DFB-Pokal waren unter anderem Bayer 04 Leverkusen, Borussia Mönchengladbach und Fortuna Düsseldorf zu Gast an der Plattlinger Rennbahn. Der Motorsportclub Plattling e. V. existiert seit 1928 und veranstaltet auf seiner Fünf-Kurven-Sandbahn Motorrad-Sandbahnrennen. Im ESV Plattling, der seit 1956 besteht, werden die Sportarten Eisstock, Tennis, Kegeln, Gymnastik und Unihockey betrieben. Der SV Pankofen wurde 1929 gegründet und gliedert sich in die Abteilungen Fußball (zwölf Junioren- und zwei Seniorenmannschaften, eine Alte Herren- und eine Damenabteilung), Tennis, Ski und Stockschützen. Mit etwa 180 Mitgliedern ist die Jugend die stärkste Abteilung des SV Pankofen. In der Saison 2017/18 sind neun Juniorenmannschaften im Spielbetrieb, wobei die G-Junioren nur Freundschaftsspiele bestreiten.