Das Hausrind oder schlicht Rind (Bos taurus,Taxonomy – Bos taurus (Bovine). In: uniprot.org. lateinisch Bos) ist die domestizierte Form des eurasischen Auerochsen. Es wurde zunächst wegen seines Fleisches, später auch wegen seiner Milch und Leistung als Zugtier domestiziert. Seitdem hat der Mensch eine Anzahl unterschiedlicher Rinderrassen gezüchtet, in die teilweise auch Wildrinder (etwa der Amerikanische Bison beim Beefalo) eingekreuzt wurden. Rinder sind Spitzengänger und Paarhufer.

Die Zebus (Bos indicus) stammen von der indischen Form des Auerochsen ab. In Abgrenzung von Rassen zebuinen Ursprungs bezeichnet man die in Europa üblichen Hausrinder als taurine Rinder. Der Vorfahr der Zebus wird von manchen Autoren auch als eigene Art (Bos namadicus) geführt, was aufgrund der Ähnlichkeit mit den restlichen Auerochsentypen und der uneingeschränkten Kreuzbarkeit des Zebus mit taurinen Hausrindern nicht vollständig geteilt wird.Cis van Vuure: Retracing the Aurochs – History, Morphology and Ecology of an extinct wild Ox. 2005, ISBN 954-642-235-5.

Vor allem in Asien sind weitere Tiere domestiziert worden, die von anderen Arten abstammen, so das Balirind (Bos javanicus f. domestica) aus dem Banteng (Bos javanicus), der Gayal (Bos gaurus f. frontalis) aus dem Gaur (Bos gaurus) und der Hausyak (Bos mutus f. grunniens) aus dem Wildyak (Bos mutus).

Im Gegensatz zu den bisher genannten Arten, die der Gattung Bos (Eigentliche Rinder) angehören, zählt der Wasserbüffel (Bubalus arnee) zur Gattung Bubalus (Asiatische Büffel). Aus ihm wurde der Hausbüffel gezüchtet.

Ursprung mini|Lebendrekonstruktion des europäischen Auerochsen: Stier (links), Kuh (rechts) mini|Zebubulle. Das Zebu (Buckelrind) gilt als Nachfahre des indischen Auerochsen Bos namadicus mini|Buša-Rind

Heute geht man davon aus, dass die taurinen Hausrinder, die in Europa und Nordamerika üblicherweise gehalten werden, ursprünglich aus Anatolien und dem Nahen Osten stammen, wo der Auerochse, Bos primigenius, ebenfalls vorkam. DNA-Untersuchungen ergaben, dass sich bereits die Ahnen der taurinen Rinder und der Zebus genetisch unterschieden und somit unabhängig voneinander domestiziert wurden.

Die Domestizierung zum taurinen Hausrind fand bereits vor rund 10.000 Jahren statt.Ceiridwen J. Edwards et al.: Mitochondrial DNA analysis shows a Near Eastern Neolithic origin for domestic cattle and no indication of domestication of European aurochs Proceedings of the Royal Society B 2007; 274, 1377–1385. Siehe Abschnitt 5: Conclusions. (englisch). Als Bestätigung gilt, dass um diese Zeit Ackerbauern zusammen mit Rindern und weiteren Nutztieren, die sich damals äußerlich noch nicht von den Wildtieren unterschieden, auf das bis dahin rinderlose Zypern gelangten.Jean-Denis Vigne et al. (2000): Predomestic cattle, sheep, goat and pig during the late 9th and the 8th millenniun cal. BC on Cyprus: preliminary results of Shillourokambos (Perkklisha, Limassol). In: Archaeozoology of the Near East IV A: Proceedings of the fourth international symposium on the archaeozoology of southwestern Asia and adjacent areas, Vol. A, S. 83–106. Die Zebus wurden aus der indischen Form des Wildrindes (Bos namadicus) gezüchtet; teilweise wird diese Wildform auch als Unterart des Auerochsen aufgefasst.

2012 stellte eine internationale Forschergruppe rund um Wissenschaftler der Universität Mainz fest, dass die heutigen taurinen Rinder letztendlich von 80 weiblichen Tieren aus dem „Fruchtbaren Halbmond“ abstammen.Joachim Budde: Artikel „Flaschenhals im Nahen Osten“ auf dradio.de, vom 25. Mai 2012. Introgression männlicher und mitunter sogar einzelner weiblicher Auerochsen in den Genpool europäischer Hausrinder wird in einigen Studien nicht ausgeschlossen bzw. sogar suggeriert.A. Götherström, C. Anderung u. a.: Cattle domestication in the Near East was followed by hybridization with aurochs bulls in Europe. In: Proceedings. Biological sciences / The Royal Society. Band 272, Nummer 1579, November 2005, S. 2345–2350. doi:10.1098/rspb.2005.3243. PMID 16243693. .S. Hiendleder, H. Lewalski, A. Janke: Complete mitochondrial genomes of Bos taurus and Bos indicus provide new insights into intra-species variation, taxonomy and domestication. In: Cytogenetic and genome research. Band 120, Nummer 1–2, 2008, S. 150–156. doi:10.1159/000118756. PMID 18467841.

Mit der Domestizierung wurde die Anatomie der Auerochsen deutlich verändert. Nicht nur wurde stets nach den umgänglichsten Exemplaren selektiert, sondern auch nach den ertragreichsten. Dies führte dazu, dass der Rumpf der Rinder länger und massiger wurde, die Beine kürzer und das Euter größer und oft haarlos. Der einst geschwungene Rücken mit der kräftigen Nacken- und Schulterpartie des Wildrindes wurde gerade und niedrig. Auch haben viele Rinder ein pädomorphes „Kälbchengesicht“, d. h. eine verkürzte Schnauze und Stirn. Viele Züchtungen haben kleinere und manche keine Hörner. Auch traten beim Hausrind neue Farbschläge auf, etwa durch das Fehlen von Pigmenten, oder die für Haustiere typische gescheckte Zeichnung. Typisch für viele Hausrinderrassen ist auch eine starke Reduktion des Geschlechtsdimorphismus bezüglich Größe und Fellfarbe.

Der Grad der züchterischen Modifikation des Hausrindes hängt von der Form der Landwirtschaft und dem Verwendungszweck ab. Einige Rinder in Südeuropa, vor allem Iberien, sind aufgrund der stellenweise noch sehr extensiven Haltung in ihrer Anatomie teilweise sehr ursprünglich. Sie sind robust genug, das ganze Jahr über frei auf der Weide zu leben, und bekommen kaum Zufütterung. Sie haben kleine Euter und eine hochbeinige Statur; oft ist auch noch eine ursprüngliche Hornform vorhanden. Genetisch älteste Rinderart Europas sind die Buša der Balkanhalbinsel: sie besitzen eine Haplogruppe, die ansonsten nur bei neolithischen Rindern gefunden wurde.Peter Hristov, Daniela Sirakova, Ivan Mitkov, Nikolai Spassov & Georgi Radoslavov (2016): Balkan brachicerous cattle – the first domesticated cattle in Europe, Mitochondrial DNA Part A, doi:10.1080/24701394.2016.1238901 (PDF). Keine andere Hausrinderart hatte bisher ein genetisches Merkmal zu diesen neolithischen Stammformen der heutigen domestizierten Hausrinder erbracht. Ein weiteres Merkmal der in historischer Zeit nicht mehr selektierten Buša-Rinder ist ihre hohe genetische Vielfalt, sie ist höher als in irgendeiner anderen europäischen Rinderrasse.J. Ramljak, G. Bunevski, H. Bytyqi, B. Marković, M. Brka, A. Ivanković, K. Kume, S. Stojanović, V. Nikolov, M. Simčič, J. Sölkner, E. Kunz, S. Rothammer, D. Seichter, H. P. Grünenfelder, E. T. Broxham, W. Kugler, I. Medugorac: Conservation of a domestic metapopulation structured into related and partly admixed strains. In: Molecular ecology. Band 27, Nummer 7, 04 2018, S. 1633–1650, doi:10.1111/mec.14555, PMID 29575253. Dieses Merkmal ist für den Erhalt der funktionellen und genetischen Vielfalt der Rinderrassen weltweit von Bedeutung.

Kräftige Zugrassen wie Sayaguesa, Pajuna oder Maronesa haben zusätzlich noch die geschwungene Rückenlinie. Das Spanische Kampfrind wurde, da es primär für Kampflust gezüchtet wurde, ebenfalls wenig modifiziert und weist noch deutliche Ähnlichkeit mit dem Auerochsen auf.

Da einige Rinderrassen ihrer Stammform näher sind als andere, gibt es seit langem die Idee, ein dem Auerochsen entsprechendes Rind rückzuzüchten. Das Heckrind war das erste Resultat dieser als Abbildzüchtung bekannten Zuchtmethode, doch wird dessen Authentizität oft für unzureichend befunden. Weitere Projekte sind das Taurusrind, das TaurOs Project und das Auerrindprojekt.

Bezeichnungen Jungtiere Kalb und Jungrind Noch nicht zuchtreife (juvenile) Jungtiere werden bis zum siebenten Monat als Kalb bezeichnet und vom achten bis zum zwölften Monat dann als Jungrind.Vgl. VO (EG) Nr. 1234/2007. Erste Brunstanzeichen treten im Alter zwischen sechs und zwölf Monaten auf und zeigen die Geschlechtsreife an. Da die Jungrinder in diesem Alter körperlich noch nicht für eine Belegung (Begattung) gebaut sind, werden sie erst in einem Alter von 15 bis 20 Monaten zugelassen (gedeckt). Dann haben sie etwa ein Gewicht von 350 bis 400 Kilogramm Lebendmasse.

Fresser Im Alter von etwa vier bis zwölf Monaten heißt das Jungtier auch Fresser (je nach Geschlecht Bullen- oder Färsefresser, bei der Abstammung von zwei verschiedenen Rassen Kreuzungsfresser), sofern es der Milchviehhaltung entstammt. Das Mutterrind eines Fressers ist demzufolge eine Milchkuh. Wie die Bezeichnung Fresser vermuten lässt, ist das Tier von diesem Alter an nicht mehr auf die Milch der Mutter oder sogenannte Milchaustauscher angewiesen. Es ernährt sich ausschließlich von Raufutter und Kraftfutter. Je intensiver die Haltung, desto früher erfolgt die Entwöhnung von der Mutter und der Milch: Milchviehhaltung: zwei bis drei Monate Mutterkuhhaltung: vier bis sechs Monate Dementsprechend wird das Tier früher oder später als Fresser bezeichnet.

Absetzer Demgegenüber entstammen Absetzer – ebenfalls Kälber oder Jungrinder – dem Produktionsverfahren der Fleischrinderhaltung. Sie werden bis zum Zeitpunkt des Absetzens (im Alter von sechs bis elf Monaten) im Regelfall beim Mutterrind aufgezogen und anschließend als Absetzer vermarktet oder aber bis zur Verwendung in der Zucht weiterversorgt oder bis zur Schlachtung gemästet.

Rind (mundartlich) In den deutschen Mundarten bezeichnet man mit dem Wort „Rind“ verbreitet allein das Jungrind, also die Altersgruppe zwischen Entwöhnung („Kalb“) und erster Trächtigkeit („Kuh“). Die standardsprachliche Bedeutung im Sinne der Gattung gehört in diesen Gebieten oft nur der historischen Sprache an, stattdessen wird in der Mundart beispielsweise der Typus Rindvieh gebraucht.Badisches Wörterbuch, Band IV, S. 297 siehe dort Bedeutung 1b für die rezente Sprache und Bedeutung 1a für die historische Sprache.Pfälzisches Wörterbuch, Band V, Sp. 537 f.Rheinisches Wörterbuch, Band VII, Sp. 432 f.; siehe dort Bedeutung 1.Schwäbisches Wörterbuch, Band V, Spalte 348 f.; siehe dort Bedeutung 2 für die rezente Sprache und Bedeutung 1 für die historische Sprache.Schweizerisches Idiotikon, Band VI, Spalte 1026 ff. (Digitalisat); siehe dort Bedeutung 2 für die rezente Sprache und Bedeutung 1 für die historische Sprache.Südhessisches Wörterbuch, Band IV, Sp. 1405 f.; siehe dort Bedeutung 1.Thüringisches Wörterbuch, Band V, Sp. 184 f.; siehe dort Bedeutung 2.Vorarlbergisches Wörterbuch, Band II, Sp. 731; siehe dort Bedeutung 2 für die rezente Sprache und Bedeutung 1 für die historische Sprache.

Weibliche Rinder (adult) Färse mini|Mastkuh in Mecklenburg

Ein zuchtreifes (adultes) weibliches Rind wird mit circa 18 Monaten besamt (seltener bedeckt, gedeckt) und hat somit ein Erstkalbealter von etwa 27 Monaten. Bis dahin wird es als Färse oder im Süddeutschen/Österreichischen als Kalbin oder Kalbe (vgl. „Kalb“) bezeichnet. In der Schweizer Schriftsprache und in Baden-Württemberg bezeichnet man es auch oft einfach nur mit Rind.Danach (nach Kalb) wird das Tier als Jungrind, Rind oder Gusti/Guschti (Mundart) bezeichnet. (Kühe und Rinder auf schweizer Bauerhof – Vom Kalb zur Kuh. S. 12. PDF; 1,8 MB) (alternativ Milchland Schweiz – Kuh, Kalb oder Rind?, S. 2, PDF; 5,7 MB). Weitere regionale Bezeichnungen sind zum Beispiel Quie/Quiene, Starke/Sterke und Queen/Queene/Beijst/Beijste in NorddeutschlandAuch wenn die Schreibung ähnlich ist, so leitet sich die niederdeutsche Bezeichnung nicht vom englischen Wort queen her. Vgl. dazu dänisch kvie (Färse) und kvinde (Frau). sowie schweizerdeutsch Galtlig,Schweizerisches Idiotikon, Band II, Spalte 237, Lemma Galtling (Digitalisat); vgl. auch Galtvieh. Guschti/GustiSchweizerisches Idiotikon, Band II, Spalte 494, Lemma Gusti I (Digitalisat). und Manse/Mänsche/Meis u. ä.Schweizerisches Idiotikon, Band IV, Spalte 334, Lemma Mansen (Digitalisat). Im Allgäuerischen bezeichnet man weibliche Jungtiere als Schump(e).

Kuh mini|Sömmerung von Milchkühen am Simplonpass im Wallis