mini|Terrasse zwischen Fraktionsgebäude (links) und Funktionsgebäude mini|Plenarsaal, von außen mini|hochkant=1.7|Plenarsaal, von innen

Der Thüringer Landtag ist das Landesparlament des Freistaats Thüringen. Sitz des Landtags ist Erfurt.

Der Landtag nimmt im politischen System Thüringens die Rolle der Legislative auf Landesebene ein. Seine verfassungsmäßige Grundlage sind die Artikel 48 bis 69 der Verfassung des Freistaats Thüringen. Der Landtag verabschiedet Landesgesetze, wählt den Thüringer Ministerpräsidenten und kontrolliert die Arbeit der Landesregierung.

In Erfurt werden mehrere Gebäude in der Arnstädter Straße vom Landtag genutzt. Straßenseitig dominiert der von 1936 bis 1939 von Wilhelm Pook errichtete neoklassizistische Gebäudekomplex (Fraktionsgebäude des Thüringer Landtags), in dem heute Büros untergebracht sind. Dahinter befinden sich mehrere Neubauten aus den Jahren 1998 bis 2003, u. a. auch der Plenarsaal, in dem die Tagungen des Landtags stattfinden. Des Weiteren gehört das von 1950 bis 1951 errichtete Hochhaus der Verwaltung des ehemaligen Bezirks Erfurt, umgangssprachlich Eierkiste genannt, zu den Gebäuden des Landtags. Heute dient es der Landtagsverwaltung als Bürohaus.

Im am 1. September 2024 gewählten 8. Landtag mit 88 Sitzen sind fünf Fraktionen vertreten. Die AfD ist mit ihren 32 Sitzen erstmals stärkste Fraktion und hat eine Sperrminorität. Die CDU – seit 1990 viele Jahre mit der stärksten Fraktion – ist mit 23 Abgeordneten zweitgrößte Kraft. Das BSW zog erstmals in den Landtag ein und kam mit 15 Sitzen an dritter Stelle. Diese Fraktion wurde im September 2026 aufgelöst, 10 ehemalige Mitglieder schlossen sich zur Thüringen-gerecht-Fraktion zusammen. Die Linke, in der vorangegangenen Wahlperiode noch stärkste Kraft, kommt auf nunmehr zwölf Sitze. Kleinste Fraktion im Landtag ist mit sechs Abgeordneten die SPD-Fraktion.

Wahlrecht Der Landtag wird für fünf Jahre gewählt. Wahlberechtigt sind alle Deutschen, die am Wahltag 18 Jahre alt sind und seit mindestens drei Monaten in Thüringen ihren Wohnsitz haben oder sich dort gewöhnlich aufhalten. Die Wahl der im Normalfall 88 Abgeordneten erfolgt nach den Grundsätzen einer mit der Personenwahl verbundenen Verhältniswahl. In 44 Wahlkreisen werden 44 Wahlkreisabgeordnete direkt gewählt; diese werden bei Verteilung der Gesamtzahl von 88 Abgeordneten angerechnet. Hierbei werden ausschließlich jene Landeslisten der Parteien und Wählervereinigungen berücksichtigt, die mehr als fünf Prozent der abgegebenen Stimmen erhalten haben (Fünf-Prozent-Hürde). Die bei der Sitzzuteilung unberücksichtigten Stimmen erreichten bei der Landtagswahl 2004 einen Höchststand von 16,4 Prozent der abgegebenen Zweitstimmen.

Verwaltung Neben Juristen sind weitere Fachleute aus allen Bereichen als Beamte oder Tarifbeschäftigte für die Unterstützung der Abgeordneten aktiv. Die Mitarbeiter sind zur politischen Neutralität verpflichtet.

Oberster Dienstherr ist der Präsident des Thüringer Landtages, Thadäus König. Sein ständiger Stellvertreter und Behördenleiter ist der Direktor beim Thüringer Landtag, Jörg Hopfe.

Wahlergebnisse und Landesregierungen seit 1990 1. Wahlperiode

Die Wahl zum 1. Thüringer Landtag fand am 14. Oktober 1990 statt. Im Landtag waren fünf Fraktionen vertreten. Die CDU wurde stärkste Partei und ging eine Koalition mit der FDP ein. Am 8. November 1990 bildete sich das Kabinett Duchač. Am 23. Januar 1992 erklärte Ministerpräsident Josef Duchač seinen Amtsverzicht. Am 11. Februar 1992 trat das Kabinett Vogel I zusammen.

2. Wahlperiode

Die Wahl zum 2. Thüringer Landtag fand am 16. Oktober 1994 statt. Die CDU wurde stärkste Partei und bildete eine Koalition mit der SPD. In der Folge bildete sich das Kabinett Vogel II. Einzige Oppositionspartei war die PDS, da Grüne und FDP an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert waren.

3. Wahlperiode

Die Wahl zum 3. Thüringer Landtag fand am 12. September 1999 statt. Die CDU wurde stärkste Partei und erhielt die absolute Mehrheit. Am 1. Oktober 1999 bildete sich das Kabinett Vogel III. Wie bereits in der vorangegangenen Wahlperiode waren neben der CDU nur PDS und SPD im Landtag vertreten, wobei die PDS nun zweitstärkste Kraft war.

Nachdem Bernhard Vogel aus Altersgründen zurückgetreten war, wurde am 5. Juni 2003 das Kabinett Althaus I gebildet.

4. Wahlperiode

Die Wahl zum 4. Thüringer Landtag fand am 13. Juni 2004 statt. Die CDU wurde stärkste Partei und konnte ihre absolute Mehrheit trotz Stimmenverlusten verteidigen. In der Folge bildete sich das Kabinett Althaus II. Erneut waren nur CDU, PDS (ab 2007 Die Linke) und SPD im Landtag vertreten.

5. Wahlperiode

Die Wahl zum 5. Thüringer Landtag fand am 30. August 2009 statt. Die CDU wurde stärkste Partei. Erstmals nach 1990 schafften Grüne und FDP wieder den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde. Das Wahlergebnis brachte mehrere Koalitionsoptionen. Schließlich entschied sich die SPD für eine Koalition als Juniorpartner der CDU und gegen eine ebenfalls mögliche rot-rote Koalition mit der Linken. In der Folge bildete sich das Kabinett Lieberknecht.

6. Wahlperiode

Die Wahl zum 6. Thüringer Landtag fand am 14. September 2014 statt. Die CDU wurde stärkste Partei. Während die FDP ausschied, zog erstmals die AfD in den Landtag ein. Die SPD führte ihre bisherige Koalition mit der CDU nicht fort und trat stattdessen in eine Regierung aus Die Linke, SPD und Bündnis 90/Die Grünen ein. Die CDU ging somit erstmals seit der Wiedergründung Thüringens in die Opposition. Am 5. Dezember 2014 wurde Bodo Ramelow mit 46 von 91 möglichen Stimmen zum ersten Ministerpräsidenten der Partei Die Linke der deutschen Geschichte gewählt. Er bildete das Kabinett Ramelow I.

7. Wahlperiode

Die Wahl zum 7. Thüringer Landtag fand am 27. Oktober 2019 statt. Die Linke wurde stärkste Partei vor AfD und CDU, verlor aber ihre bisherige Regierungsmehrheit mit SPD und Grünen. Einschließlich der FDP, die nur knapp die Fünf-Prozent-Hürde überwand, bestand der Thüringer Landtag erstmals aus sechs Fraktionen.

Bei der Plenarsitzung am 5. Februar 2020 wurde Thomas Kemmerich im 3. Wahlgang überraschend mit den Stimmen der FDP, CDU und AfD zum Ministerpräsidenten gewählt. Kurz nachdem er die Wahl angenommen hatte, trat er allerdings wieder vom Amt als Ministerpräsident zurück und war danach nur noch geschäftsführend im Amt. Am 4. März 2020 wurde Bodo Ramelow im dritten Wahlgang zum Ministerpräsidenten gewählt. Er bildete wiederum mit SPD und Grünen das Kabinett Ramelow II, das als Minderheitsregierung bis zum Ende der Wahlperiode im Amt blieb.

Durch den Austritt der Abgeordneten Ute Bergner verlor die FDP im September 2021 den Fraktionsstatus und bestand bis zum Ende der Wahlperiode als parlamentarische Gruppe fort. Somit gab es im Landtag bis zum Ende der Wahlperiode nur noch fünf Fraktionen. Die von Bergner mitgegründete Partei Bürger für Thüringen hatte durch Fraktionsübertritte im Jahr 2022 ebenfalls kurzzeitig Gruppenstatus im Landtag.

8. Wahlperiode

Die Wahl zum 8. Thüringer Landtag fand am 1. September 2024 statt. Die AfD wurde stärkste Partei vor der CDU und dem neu gegründeten BSW; Grüne und FDP schieden aus.

Die konstituierende Sitzung des 8. Thüringer Landtags begann am 26. September 2024 und wurde bis zum 28. September unterbrochen, da Alterspräsident Jürgen Treutler (AfD) die Beschlussfähigkeit nicht feststellte und über einen Antrag zur Geschäftsordnung nicht abstimmen ließ. Der von der CDU-Fraktion im Thüringer Landtag angerufene Verfassungsgerichtshof stellte am 27. September 2024 fest, dass verfassungsmäßige Rechte von vier Fraktionen durch den Alterspräsidenten verletzt worden waren. Er beschloss im einstweiligen Anordnungsverfahren, dass über die Änderung zur Geschäftsordnung auch bereits vor der Wahl des Landtagspräsidenten abgestimmt werden könne und verpflichtete den Alterspräsidenten Treutler, die Feststellung über die Beschlussfähigkeit des Landtags zu treffen, sodann die Tagesordnung mit diesem Antrag zur Abstimmung zu stellen und dann nach der vom Parlament beschlossenen Tagesordnung zu verfahren. Weitergehende Anträge wies er zurück.Thüringer Verfassungsgerichtshof: Beschluss vom 27. September 2024- VerfGH 36/24 -

In der Sitzung am 28. September 2024 wurde die Geschäftsordnung geändert und Thadäus König (CDU) zum Landtagspräsidenten gewählt.

Am 12. Dezember 2024 wurde Mario Voigt (CDU) mit 51 von 88 möglichen Stimmen zum Ministerpräsidenten gewählt. Er bildet derzeit das Kabinett Voigt.

Durch den Austritt von drei BSW-Abgeordneten am 2. September 2026 verkleinerte sich die BSW-Fraktion zunächst auf zwölf Abgeordnete. Nach weiteren Parteiaustritten beim BSW Thüringen bildeten am 9. September zehn ehemalige Abgeordnete der BSW-Fraktion die Thüringen.Gerecht-Fraktion. Die fünf anderen Abgeordneten, die über die Liste des BSW gewählt worden waren, sind seitdem als fraktionslose Abgeordnete im Parlament vertreten.

Präsidenten des Thüringer Landtags Folgende Personen fungierten bislang als Präsident oder Präsidentin des Thüringer Landtags: WahlperiodeAmtszeitPräsident/inFraktionLebensdatenBildAnmerkung1.1990–1994Gottfried MüllerCDU* 193460px2.1994–1999Frank-Michael PietzschCDU* 194260px3.1999–2004Christine LieberknechtCDU* 195860px4.2004–2009Dagmar SchipanskiCDU1943–202260px5.2009–2014Birgit DiezelCDU* 195860px6.2014–2018Christian CariusCDU* 197660pxzurückgetreten (Wechsel in die Privatwirtschaft)2018–2019Birgit DiezelCDU* 195860px7.2019–2024Birgit PommerDie Linke* 195960px8.seit 2024Thadäus KönigCDU* 198260px

Alterspräsidenten Folgende Abgeordnete eröffneten die konstituierenden Sitzungen der Thüringer Landtage als Alterspräsidenten: WahlperiodeDatumAlterspräsident/inFraktionLebensdatenAlterAnmerkung1.25. Oktober 1990Siegfried GeißlerNF/Grüne/DJ1929–201461ab 22. Dezember 1992 fraktionslos2.10. November 1994Bernhard VogelCDU1932–202561zugleich Thüringer Ministerpräsident 3.1. Oktober 1999664.8. Juli 2004Siegfried JaschkeCDU* 1939655.29. September 2009Klaus von der KroneCDU1944–2023656.14. Oktober 2014Elke HolzapfelCDU* 1945697.26. November 2019Karlheinz FroschAfD* 195069ab 27. Mai 2024 fraktionslos8.26. und 28. September 2024Jürgen TreutlerAfD* 195173

Abgeordnetenlisten Liste von Listen der Mitglieder des Thüringer Landtags

Gremien Im Folgenden sind die Ausschüsse und Gremien des 8. Thüringer Landtags (2024 bis voraussichtlich 2029) aufgeführt.

Fachausschüsse AusschussVorsitzStellvertreterMitgliedergesamtAfDCDUBSWLinkeSPDAusschuss für Bildung, Wissenschaft und KulturUlrike Grosse-Röthig (Linke)Thomas Benninghaus (AfD)1243221Ausschuss für Digitales und InfrastrukturLutz Liebscher (SPD)Anja Müller (Linke)1243221Ausschuss für Europa, Medien, Ehrenamt und SportRoberto Kobelt (BSW)Jens Cotta (AfD)1243221Ausschuss für GleichstellungDieter Laudenbach (AfD)Steffen Quasebarth (BSW)1243221Ausschuss für Inneres, Kommunales und LandesentwicklungSigrid Hupach (BSW)Ringo Mühlmann (AfD)1243221Ausschuss für Justiz, Migration und VerbraucherschutzStefan Möller (AfD)Christoph Zippel (CDU)1344221Ausschuss für Soziales, Gesundheit, Arbeit und FamilieChristoph Zippel (CDU)Cornelia Urban (SPD)1243221Ausschuss für Umwelt, Energie, Naturschutz und ForstenChristina Tasch (CDU)Nadine Hoffmann (AfD)1243221Ausschuss für Wirtschaft, Landwirtschaft und Ländlichen RaumUwe Thrum (AfD)Martin Henkel (CDU)1243221Haushalts- und FinanzausschussMaik Kowalleck (CDU)Alexander Kästner (BSW)1243221PetitionsausschussNadine Hoffmann (AfD)Claudia Heber (CDU)1243221Wahlprüfungsausschuss Denny Jankowski (AfD)Wolfgang Weisskopf (CDU)832111

Unterausschüsse AusschussUnterausschussVorsitzStellvertreterMitgliedergesamtAfDCDUBSWLinkeSPDPetitionsausschussStrafvollzugskommission Dieter Laudenbach (AfD)Claudia Heber (CDU)1243221

Untersuchungsausschüsse

AusschussVorsitzStellvertreterMitgliederCorona-Untersuchungsausschuss–––Untersuchungsausschuss zur Arbeit des Inlandsgeheimdienstes–––

Weitere Gremien