Peter Seamus O’Toole (* 2. August 1932 in Leeds, EnglandRobert Sellers: Peter O’Toole. The Definitive Biography. Sidgwick & Jackson, 2015.; † 14. Dezember 2013 in London)Peter O’Toole ist tot. In: Süddeutsche Zeitung vom 15. Dezember 2013 (abgerufen am 15. Dezember 2013). war ein irischer Schauspieler. Neben der Arbeit im Theater trat er ab Mitte der 1950er Jahre in mehr als 90 Film- und Fernsehrollen in Erscheinung, die ihm unter anderem vier Golden Globe Awards, einen Emmy sowie acht Oscarnominierungen einbrachten. Den größten Erfolg feierte er mit Lawrence von Arabien. 2003 wurde er von der Academy of Motion Picture Arts and Sciences (AMPAS) mit dem Ehrenoscar für sein Lebenswerk geehrt.

Leben Kindheit und Ausbildung Peter O’Toole wurde 1932 im englischen Leeds als Sohn von Patrick Joseph O’ToolePeter O’Toole. In: World who’s who: Europa biographical reference. Routledge, London 2002 (abgerufen am 13. Juli 2012 via worldwhoswho.com)., einem irischen Buchmacher, und Constance Ferguson, einer schottischen Krankenschwester, geboren. O’Toole selbst gab an, in der Region Connemara im westirischen County Galway geboren zu sein, was jedoch durch das Geburtenregister widerlegt wird.Niamh Horan: O’Toole’s claims of Irish roots are blarney. In: Independent.ie, 28. Januar 2007. Er wuchs größtenteils in Leeds unter ärmlichen Verhältnissen in einem irischen Einwandererviertel auf. Erst ab seinem elften Lebensjahr begann für O’Toole die Schulausbildung an der dortigen streng geleiteten Konventschule St. Anne’s, wo versucht wurde, ihm mit Anstrengung seine Linkshändigkeit abzugewöhnen.

Drei Jahre später verließ O’Toole die Schule und fand Anstellung als Laufbursche. Später arbeitete er als Fotograf und Journalist für die Zeitung Yorkshire Evening News, bevor er seinen Militärdienst bei der Royal Navy auf einem U-Boot antrat. Ab dem 17. Lebensjahr trat O’Toole als Laienschauspieler auf der Bühne auf. Nachdem er in Stratford-upon-Avon eine Bühnenadaption von König Lear mit Michael Redgrave in der Titelrolle gesehen hatte, fasste er den Entschluss, eine professionelle Schauspielkarriere zu verfolgen.Peter O’Toole. In: Internationales Biographisches Archiv 22/2002 vom 20. Mai 2002, ergänzt um Nachrichten durch MA-Journal bis KW 49/2011 (abgerufen via Munzinger Online).

Theaterrollen 1952 erhielt O’Toole ein Stipendium an der Royal Academy of Dramatic Arts, an der er zusammen mit Alan Bates, Albert Finney und Bryan Pringle studierte. Sein erstes Engagement hatte er am Bristol Old Vic Theatre, wo sein Talent nicht lange verborgen blieb und er bereits im Alter von 23 Jahren den Hamlet gab. Von Bristol aus führte sein Weg nach London und Stratford-upon-Avon, wo er bei der neu gegründeten Royal Shakespeare Company unter anderem den Petruchio in Der Widerspenstigen Zähmung spielte. 1987 folgte sein einziges Engagement am New Yorker Broadway, bei dem er in einem Revival von George Bernard Shaws Pygmalion als Professor Higgins auftrat.

Erfolg als Filmschauspieler Sein Fernsehdebüt hatte O’Toole Mitte der 1950er Jahre. Einem weltweiten Publikum wurde er jedoch vor allem durch seine zahlreichen Kinoauftritte bekannt, die sich nach seiner erfolgreichen Darstellung des rebellischen Private C. „Bammo“ Bamforthin in Willis Halls Antikriegsstück The Long and The Short and The Tall (Royal Court Theatre, 1959) anschlossen.

1962 spielte er die Titelrolle in David Leans Historienepos Lawrence von Arabien (1962), für das er seine erste Oscar-Nominierung, einen Golden Globe Award als Bester Nachwuchsdarsteller sowie den British Film Academy Award erhielt.

Es war der Beginn einer erfolgreichen Karriere, die ihm sieben weitere Oscarnominierungen als Bester Hauptdarsteller einbrachte: zwei für seine Darstellung König Heinrichs II. (Becket, 1964; Der Löwe im Winter, 1968); eine für seine Rolle als scheuer Englischlehrer, der sich in ein Showgirl verliebt (Goodbye, Mr. Chips, 1969); eine weitere für den Part des geisteskranken und tiefreligiösen britischen Aristokraten Jack Gurney (The Ruling Class, 1972); eine für seine Darstellung des rücksichtslosen Filmregisseurs Eli Cross (Der lange Tod des Stuntman Cameron, 1981) und eine für die des ehemals erfolgreichen, alkoholkranken Filmschauspielers Alan Swann, der mit seiner Fernseharbeit neues Terrain betritt (Ein Draufgänger in New York, 1982). Seine letzte Oscarnominierung erhielt O’Toole 2007 für die Hauptrolle in Roger Michells Tragikomödie Venus, in der er als wenig erfolgreicher Londoner Schauspielveteran durch seine Bekanntschaft mit einer ziellosen 19-Jährigen (gespielt von Jodie Whittaker) aus seiner Lethargie gerissen wird.

Anfang der 1990er Jahre legte er mit Loitering with Intent – the Child den ersten, von Kritikern hoch gelobten Band seiner Memoiren vor. Der zweite Band – Loitering with Intent – the Apprentice folgte einige Jahre später.

2003 erhielt O’Toole den Ehrenoscar für sein Lebenswerk. Er hatte sich zunächst geweigert, diesen Sonderpreis anzunehmen, und der Academy einen Brief geschrieben, in welchem er mitteilte, dass er „noch im Spiel“ sei und gern mehr Zeit hätte, um „den hübschen Kerl“ zu gewinnen. Die Academy antwortete, dass sie ihm den Oscar für sein Lebenswerk verleihen werde, ob er es nun wolle oder nicht. Im Januar 2007 in der Talkshow Charlie Rose erklärte er, dass ihn schließlich seine Kinder überzeugten, den Ehrenoscar anzunehmen. Sie machten ihn darauf aufmerksam, dass es die höchste Ehre in der Filmindustrie sei, diesen Preis verliehen zu bekommen. Der Oscar für sein Lebenswerk wurde ihm von Meryl Streep überreicht. Sein langjähriger Freund Kenneth Griffith jedoch zeigte sich bitter enttäuscht darüber, dass O’Toole sich herabgelassen habe, einen solch „lächerlichen Preis“ zu akzeptieren.

Im Juli 2012 gab O’Toole bekannt, sich von Film und Theater zurückziehen zu wollen. „Ich habe nicht mehr das Herz dafür, und es wird auch nicht mehr zurückkommen“, so seine Pressemitteilung.Peter O’Toole beendet Schauspielkarriere bei Spiegel Online, 10. Juli 2012 (abgerufen am 12. Juli 2012). Er starb nach längerer Krankheit am 14. Dezember 2013 im Alter von 81 Jahren in London.Booth, Robert (2013) „Peter O’Toole, star of Lawrence of Arabia, dies aged 81“, theguardian.com, 15. Dezember 2013. Abgerufen am 15. Dezember 2013

Peter O’Tooles Standardstimme in der deutschen Synchronisation seiner Filme war seit Lawrence von Arabien (1962) für viele Jahre Sebastian Fischer, der ab Ein Draufgänger in New York (1982) von Jürgen Thormann als fortdauerndem Stammsprecher abgelöst wurde, wenngleich Sebastian Fischer ihn zwischen 1984 und 1998 noch in drei Filmen synchronisierte. Weitere deutsche Synchronstimmen erhielt Peter O’Toole unter anderem von Friedrich Schoenfelder, Lothar Blumhagen, Holger Hagen, Erik Schumann, Jürgen Goslar, Klaus Kindler, Fritz Tillmann, Claus Biederstaedt oder Horst Schön. Wilhelm Borchert lieh ihm einmalig in Der Löwe im Winter (1968) als Henry II. die Stimme.https://www.synchronkartei.de/person/stK-yNuBZ/darsteller?sortierung=sprecherRollenAb

Privatleben Peter O’Toole lebte in London und zählte Cricket zu seinen Hobbys. In seiner von 1959 bis 1979 dauernden Ehe mit der walisischen Schauspielerin Siân Phillips wurde er der Vater zweier Töchter (Kate, * 1960, Schauspielerin, und Pat, * 1963, Schauspiellehrerin und Regisseurin). O’Toole war ein trinkfreudiger Lebemann, dem Liebschaften mit zahllosen Frauen nachgesagt wurden. Aus einer Beziehung mit dem US-amerikanischen Model Karen Brown ging ein Sohn (Lorcan O’Toole, * 1983, Schauspieler) hervor, um den 1988 ein in den Medien vielbeachteter Sorgerechtsstreit entbrannte.

Filmografie (Auswahl) 1960: Entführt – Die Abenteuer des David Balfour (Kidnapped) 1960: Im Land der langen Schatten (Ombre bianche) 1962: Lawrence von Arabien (Lawrence of Arabia) 1964: Becket (Becket) 1965: Lord Jim 1965: … die alles begehren (The Sandpiper) 1965: Was gibt’s Neues, Pussy? (What’s New, Pussycat?) 1966: Wie klaut man eine Million? (How to Steal a Million) 1966: Die Bibel (The Bible: In the Beginning…) 1967: Die Nacht der Generale (The Night of the Generals) 1967: Casino Royale 1968: Der Löwe im Winter (The Lion in Winter) 1968: Die große Katherina (Great Catherine) 1969: Goodbye, Mr. Chips 1971: Das Wiegenlied der Verdammten (Murphy’s War) 1972: The Ruling Class 1972: Unter dem Milchwald (Under Milk Wood) 1972: Der Mann von La Mancha (Man of La Mancha) 1975: Unternehmen Rosebud (Rosebud) 1975: Freitag und Robinson (Man Friday) 1976: Foxtrott (Foxtrot) 1976: Rogue Male – Einzelgänger, männlich (Rogue Male) 1978: Power Play 1979: Die letzte Offensive (Zulu Dawn) 1979: Caligula (Caligola) 1980: Der lange Tod des Stuntman Cameron (The Stunt Man) 1981: Masada (Fernseh-Miniserie) 1982: Ein Draufgänger in New York (My Favorite Year) 1984: Kim – Geheimdienst in Indien (Kim) 1984: Supergirl 1985: Creator – Der Professor und die Sünde (Creator) 1986: Club Paradise 1987: Der letzte Kaiser (The Last Emperor) 1988: High Spirits 1989: Der Rattenfänger (Pied Piper) 1990: The Rainbow Thief 1990: Hotel zur Unsterblichkeit (Wings of Fame) 1991: King Ralph 1992: Rebeccas Töchter (Rebecca’s Daughters) 1994: Fackeln im Sturm (Heaven & Hell: North & South, Book III) 1996: Gullivers Reisen (Gulliver’s Travels) 1997: Fremde Wesen (FairyTale: A True Story) 1998: Rosamunde Pilcher: Heimkehr (Coming Home) 1998: Phantoms 1999: Molokai: The Story of Father Damien 1999: Jeanne d’Arc – Die Frau des Jahrtausends (Joan of Arc) 2002: Bis zum letzten Vorhang (The Final Curtain) 2002: Global Heresy 2003: Hitler – Aufstieg des Bösen (Hitler: The Rise of Evil) 2003: Bright Young Things 2003: Augustus – Mein Vater der Kaiser (Imperium: Augustus) 2004: Troja (Troy) 2005: Casanova (TV-Miniserie) 2005: Lassie kehrt zurück (Lassie) 2006: Venus 2006: Eine Nacht mit dem König (One Night with the King) 2007: Die Tudors (The Tudors) 2007: Ratatouille 2007: Der Sternwanderer (Stardust) 2008: Dean Spanley 2008: Das Weihnachtshaus (The Christmas Cottage) 2012: Eldorado 2012: Gottes General – Schlacht um die Freiheit (For Greater Glory: The True Story of Cristiada) 2014: Katharina von Alexandrien (Katherine of Alexandria oder Decline of an Empire) 2015: Diamond Cartel/The Whole World at Our Feet (Гауһар картель; Бриллиантовый картель oder Весь мир у наших ног)

Veröffentlichte Autobiografien 1992: Loitering with Intent: the Child (London: Macmillan, ISBN 978-0-333-53797-8) 1996: Loitering with intent: the Apprentice (London: Macmillan, ISBN 978-0-333-53797-8)

Auszeichnungen In seiner Karriere wurde Peter O’Toole für über 60 Film- und Fernsehpreise nominiert, von denen er mehr als 20 gewinnen konnte.Auszeichnungen in der Internet Movie Database (englisch; abgerufen am 13. Juli 2012). Mit acht erhaltenen Oscar-Nominierungen zwischen 1963 und 2007 in der Kategorie Bester Hauptdarsteller ist er der am häufigsten nominierte, jedoch niemals ausgezeichnete Schauspieler. Allerdings erhielt er 2003 den Spezialpreis Ehrenoscar für sein Lebenswerk.

Ehrungen 1963: Golden Globe Award für Lawrence von Arabien (Bester Nachwuchsdarsteller) 1963: British Film Academy Award für Lawrence von Arabien (Bester britischer Darsteller) 1963: Laurel Award für Lawrence von Arabien (Bester Nachwuchsdarsteller) 1964: David di Donatello für Lawrence von Arabien (Bester ausländischer Darsteller) 1965: Golden Globe Award für Becket (Bester Hauptdarsteller – Drama) 1965: Premio Sant Jordi für Becket (Bester ausländischer Darsteller) 1967: David di Donatello für Die Nacht der Generale (Bester ausländischer Darsteller) 1969: Golden Globe Award für Der Löwe im Winter (Bester Hauptdarsteller – Drama) 1970: National Board of Review Award für Goodbye, Mr. Chips (Bester Hauptdarsteller) 1970: Golden Globe Award für Goodbye, Mr. Chips (Bester Hauptdarsteller – Komödie oder Musical) 1970: David di Donatello für Goodbye, Mr. Chips (Bester ausländischer Darsteller)