Die Denkmäler in Spandau entstanden in dem heutigen Berliner Bezirk relativ spät, da die Stadt an der Havel als Ackerbürgerstadt über wenig Steuereinnahmen verfügte. Zwar stieg durch den Ausbau der Rüstungsbetriebe auch die Anzahl der Einwohner, jedoch blieben die Einnahmen gering, da die Heereswerkstätten keine Gewerbesteuer zahlen mussten. Die ältesten Denkmäler in Spandau sind in ihrer Ausrichtung klar auf die Funktion der Stadt als Garnisonsstadt ausgerichtet (Kriegerdenkmäler). Erst später kamen Personen-Denkmäler von Kurfürst, Kaiser und Reichskanzler hinzu.
Definitionen Als Denkmäler werden hier künstlerisch gestaltete Monumente bzw. Bauwerke (Standbilder, Statuen, Skulpturen, Stelen, Bildstöcke, Denksteine, Stolpersteine) verstanden, die mit dem Ziel geschaffen wurden, an ein geschichtliches Ereignis oder Jubiläum, einen Brauch oder an einzelne oder mehrere historische Persönlichkeiten in der Öffentlichkeit zu erinnern. Sie tragen in aller Regel Inschriften oder Schrifttafeln.
Nicht zu den Denkmälern dieser Aufstellung zählen Friedhofsgrabdenkmäler für einzelne Personen, Bau- oder Bodendenkmale nach dem Denkmalschutzgesetz Berlin oder Naturdenkmale nach dem Berliner Naturschutzgesetz. Ebenfalls nicht zu den Denkmälern werden künstlerische Skulpturen im öffentlichen Raum verstanden, die nicht zum Gedenken errichtet wurden („Kunst am Bau“). Diese Skulpturen sind unter Skulpturen in Spandau beschrieben.
Als Gedenktafel werden hier Inschriften, Schrifttafeln oder Bildtafeln verstanden, die ebenfalls an ein geschichtliches Ereignis oder Jubiläum, einen Brauch oder an einzelne oder mehrere historische Persönlichkeiten öffentlich erinnern sollen, ohne im Zusammenhang mit einem Monument aufgestellt zu sein. Dies können auch einzelne Schrifttafeln sein, die auf einem einfachen Werkstein angebracht sind, der nicht besonders künstlerisch gestaltet wurde.
Nicht zu den Gedenktafeln zählen hier Inschriften oder Schrifttafeln, die lediglich erläuternden Charakter besitzen (z. B. über die Bauhistorie eines Gebäudes).
In den Überschriften der einzelnen Denkmäler und Gedenktafeln ist das jeweilige Jahr der Errichtung – soweit bekannt – in Klammern angegeben.
Kulturdenkmäler (respektive Bau-, Garten- und Bodendenkmäler), im Sinne des Berliner Denkmalschutzgesetzes, befinden sich in den Listen der Kulturdenkmale zu den einzelnen Ortsteilen des Bezirks: Spandau, Haselhorst, Siemensstadt, Staaken, Gatow, Kladow, Hakenfelde, Falkenhagener Feld und Wilhelmstadt.
Denkmäler Die folgenden Denkmäler sind aktuell erhalten:
Gedenkstein Schleuse Spandau (1815 [?] / 2002) links|150px Mit dem Neubau der Schleuse Spandau wurde ein alter Gedenkstein innerhalb des Schleusengeländes, der an die Historie der Schleusenanlage in Spandau erinnert, restauriert. Der östlich der Schleusenkammer liegende Gedenkstein Sandstein ist nicht öffentlich zugänglich, kann jedoch aus der Schleusenkammer oder von der Grünanlage am Zitadellengraben gesehen werden.
Inschrift (Text in Versalien): Unter / Friedrich Wilhelm III. / angefangen 1812 / während der Belagerung 1813 eingestellt / beendet 1814 und 1815 Ort: Möllentordamm 5A (Altstadt)
Gefallene der Befreiungskriege 1813–1815 (1816) Das von Karl Friedrich Schinkel im Stil des Eklektizismus entworfene Denkmal wurde am 27. April 1816 eingeweiht; in den Grundstein ist eine zinnerne Kapsel eingemauert worden. Das Denkmal erinnert an die Befreiungskriege von 1813–1815 gegen das von Napoleon geführte Frankreich. Die Plastik auf dem heutigen Reformationsplatz (ehemaliger Kirchhof und danach Heinrichplatz) an der St.-Nikolai-Kirche war ursprünglich von drei schon im Herbst 1815 gepflanzten Eichen umgeben (von denen heute noch zwei stehen), die zum Gedenken an die Beendigung der Freiheitskriege gepflanzt worden waren. Ursprünglich umgab ein Eisengitter mit vier Durchlässen den Platz; dieses wurde im Jahr 1933 wegen Baufälligkeit beseitigt. 1995 wurde das Denkmal restauriert, 1996 die dazugehörige Grünanlage umgestaltet.
Das Denkmal besteht aus zwölf miteinander verbundenen eisernen Lanzen mit flammenden Bomben. An den Lanzen, die mit einem eisernen Dach versehen sind, sind vier mit Ritterhelmen geschmückte Wappenschilder angebracht, die InschriftenNamen der Gefallenen, abgerufen am 17. August 2011. tragen.
Inschrift (nordwestliche Seite, Text in Versalien): Die dieses Erz Dir, Wandrer, nennt, / im Sieg für unserer Freiheit Glück sind / sie gefallen, / der Dank liess ihre Heldennahmen / nicht verhallen, / dass sie nacheifernd noch der späte / Enkel kennt. Inschrift (nordöstliche Seite, Text in Versalien): Aus Spandow fielen im Kriege 1812 bis 1815: / Greiser Rauschert Herr / Teichert Specknick Rasenack / Weiland Joho Tübbike / Neumann Albrecht Kraul / Peikert Michel Jakob / Heinrich Angermeier Biermann / Scheller Schilbe Deiwes. Inschrift (südwestliche Seite, Text in Versalien): Am 20. April 1813 beim Sturm auf Spandau fielen: / von Lebbin Sareyka Alexander / Wenda Szarnowsky Szentka / Walter Tiborowsky Lawrenz / Merßahn Talinsky Szelinsky / Zacharias Warmbier Katsch / Hoppe Neunfeld Tübbicke. Die vierte südöstliche Tafel zeigt ein Eisernes Kreuz.
Ort: Reformationsplatz (Altstadt).
Französisches Kriegerehrenmal (nach 1871) rechts|150px|Verwitterte Inschrift links|150px
Das auch „Franzosenkreuz“ genannte Denkmal erinnert an die 400 französischen Kriegsgefangenen aus dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/1871, die in Spandau an den Pocken gestorben sind. Das Kalksandstein-Denkmal wurde von den Mitgefangenen errichtet. 1932 wurde es restauriert und vom ursprünglichen Ort, dem Friedhof der Garnison- / St. Johannisgemeinde (heute: Koeltzepark) an der Neuendorfer Straße, auf den Friedhof „In den Kisseln“ (Abt. 48a) umgesetzt.
Inschrift: Souvenir Eternel / a nos / Frères d’armes / 1870–1871 (stark verwittert, kaum leserlich). Die Querbalken des Kreuzes tragen beiderseits die vergoldeten Inschriften: Erigé par leurs compatriots und In cruce salus Ort: Pionierstraße 82, Friedhof „In den Kisseln“ (Falkenhagener Feld).
Denkmal für die Gefallenen der Einigungskriege 1864, 1866 und 1870/1871 (1875) Das freistehende Denkmal (Denkmalkörper aus Granit über einer Bodenplatte, Engel ursprünglich in Zink, 1983 durch Beton ersetzt) wurde 1875 von Ernst Herter geschaffen. Es wurde von dem Kalkbrennereibesitzer Ernst Friedrich Schulze für die Gefallenen von 1864, 1866 und 1870/1871 gestiftet, u. a. auch für seinen Sohn, der in Frankreich gefallen war. Das im Jahr 1923 stark beschädigte Denkmal wurde 1932 vom Bezirksamt Spandau wieder hergestellt. Wie das Französische Kriegerehrenmal wurde es dann vom Friedhof an der Neuendorfer Straße auf den Friedhof „In den Kisseln“ (Abt. 48a) umgesetzt.
Aufgrund der Figur auf dem Sockel wird das Denkmal auch nach der Siegesgöttin Nike genannt. Inschrift (Vorderseite, Text in Versalien): Den Manen der fuer das / Vaterland / gefallenen braven Soehne Spandaus / zur steten Erinnerung / gewidmet / in dankbarer Anerkennung.
Auf der Namensplatte sind die Namen von 27 Gefallenen genannt.Namen der Gefallenen, abgerufen am 17. August 2011.
Inschrift (Rückseite): Sei getreu bis in den Tod, so will ich / Dir die Krone des Lebens geben. / Offb. Joh. 2.10.
Ort: Pionierstraße 82, Friedhof „In den Kisseln“ (Falkenhagener Feld).
Gedenkstein Kronprinzen- und Prinz-Heinrich-Buche (1881/1966) Wo der Lauf der Kuhlake im Norden des Spandauer Forstes fast endet, erinnert rund 400 Meter vor Erreichen der Eiskeller-Wiesen ein Gedenkstein an die (nicht mehr vorhandene) Kronprinzenbuche und an Kronprinz Friedrich Wilhelm, den späteren Kaiser Friedrich III., der in den 1860er Jahren die Jagd gepachtet hatte und sich am 16. April 1881 mit seinem Sohn Prinz Heinrich aktiv an der Löschung eines Waldbrandes beteiligte. Eine Postkarte von ca. 1910 zeigt den damals prächtigen Baum.
Inschrift (Vorderseite): Waldschnepfen suchten im Revier / Der Kronprinz und Prinz Heinrich hier. / Da weh! rast unfern im Wald der Brand. / Hei! leisteten Beide da hülfreiche Hand! / Ich sah es und bin nun ein glückliches Holz, /Ich heisse und drob ist der ganze Wald stolz: / Kronprinzen und Prinz Heinrichs / Buche.
Der Gedenkstein wurde nach der Inschrift auf einer erst 1966 hinzugefügten Tafel im Zweiten Weltkrieg beschädigt und 1966 wieder im Spandauer Forst aufgestellt. Inschrift der hinzugefügten dritten Tafel auf der rechten Seite (Text in Versalien): Die Gedenktafel wurde / 1945 bei den Kämpfen / um Berlin beschädigt / Auf Anregung des / Forstamtmannes Beyer / 1966 erneuert / Bezirksamt Spandau.
Offensichtlich wurde 1966 eine andere Buche als Kronprinzenbuche identifiziert, denn im Jahr 2009 findet sich der Stein, dessen historische Position sich nach einem beim Vermessungsamt des Bezirks nachgewiesenen historischen Vermessungsriss örtlich bei wiederherstellen lässt, 35,20 Meter vom ursprünglichen Ort entfernt vor (Messung vom 22. Oktober 2009). Von diesem Baum waren Mitte 2009 nur noch rund drei bis vier Meter hohe Reste von Totholz vorhanden, im Oktober 2009 wurde der Baumstumpf umgefallen vorgefunden. Der Ort befindet sich in einem relativ schlechten Zustand und ist nicht einfach zu finden (30 Meter westlich der Kuhlake im Wald). Zwei verwitterte Bänke laden zum Rasten ein.
Vom Forstamt Spandau ist gemeinsam mit dem Vermessungsamt des Bezirks und dem Ausbildungsgang Denkmalschutz des Oberstufenzentrums Bautechnik I in Spandau eine Rekonstruktion der historischen Situation (Rondellwege) und Neupflanzung einer Solitärbuche am ursprünglichen Ort vorgesehen. Inschrift (Rückseite): In Dankbarkeit gewidmet. / Spandau, den 16. April 1881. / Der Magistrat. Die Forstdeputation. / Ganzler, Stadtoberförster.
Ort: Spandauer Forst, Jagen 69 (Hakenfelde) – der Gedenkstein. steht nicht mehr an der ursprünglichen Stelle.
Denkmal Kurfürst Joachim II. (1889) Am 1. November 1539 wurde in der Mark Brandenburg die Reformation eingeführt. An diesem Tag erhielt Kurfürst Joachim II. in St. Nikolai in Spandau durch den brandenburgischen Bischof Matthias von Jagow das Abendmahl in beiderlei Gestalt, das heißt mit Brot und Wein, womit er den Übertritt zum lutherischen Bekenntnis kundgab. Aus Anlass des 350. Jahrestages wurde 1889 das Denkmal Kurfürst Joachim II vor dem Kirchenportal der St.-Nikolai-Kirche errichtet. Das drei Meter hohe Standbild (Bronze) auf einem vier Meter hohen Sockel aus poliertem schwedischen Granit wurde von dem Bildhauer Professor Erdmann Encke geschaffen und in der Kunst- und Glockengießerei Lauchhammer gegossen. Es wurde auch Reformationsdenkmal genannt. Inschrift (Widmungstafel an der Sockelvorderseite, Text in Versalien): Dem Kurfürsten v. Brandenburg / Joachim II. / am 350. Gedenktage des / am 1. November 1539 in der / St. Nicolaikirche zu Span- / dau geschehenen feierlichen / Uebertritts dieses Fuers- / ten zum evangelischen Glauben / errichtet 1889. Daneben befinden sich drei bronzene Reliefbilder mit Abbildungen des Kurfürsten. Reliefplatte links: Joachim II. in einem (erfundenen) Gespräch mit Martin Luther, Philipp Melanchthon und Johannes Agricola. Reliefplatte rechts: Joachim II. empfängt das Abendmahl in beiderlei Gestalt (die evangelische Kommunion) durch den Bischof von Brandenburg, Matthias von Jagow. Reliefplatte Hinterseite: Zeigt die Mutter Joachim II., Kurfürstin Elisabeth und seinen Bruder Johann. Die Szene deutet darauf hin, dass Elisabeth durch den Einfluss ihres Bruders Christian II. von Dänemark (gegen den Willen ihres Ehemanns Joachim I.) zum Luthertum tendierte und dies auch an ihre Söhne weiterzugeben versuchte.
Ort: Reformationsplatz (Altstadt).
Denkmal Albrecht der Bär (1898) links|105px rechts|105px
Dieses Denkmal zeigt Albrecht den Bären (ca. 1100–1170), den Gründer der Mark Brandenburg. Die ca. 2,5 Meter hohe Skulptur steht im Innenhof der Zitadelle Spandau auf einem rd. 1,5 Meter hohen Sockel.
Inschrift (Sockelvorderseite, Text in Versalien): Albrecht / Der / Baer / 1100–1170