mini|Sir Gawain and the Green Knight
Sir Gawain and the Green Knight (englisch; mittelenglisch Sir Gawayn and þe grene knyʒt; deutsch „Sir Gawain und der grüne Ritter“) ist eine mittelenglische Ritterromanze in der Tradition der Artusepik.
Überlieferung Handschrift mini|Cotton Nero A.x.
Sir Gawain and the Green Knight (SGGK) ist, zusammen mit drei anderen mittelenglischen Texten, in einer einzigen Handschrift überliefert: Cotton Nero A.x. (Art. 3). Diese wird auf etwa 1400 datiert und gibt sich damit als Abschrift zu erkennen, da die Sprache, in der die Romanze verfasst wurde, älter ist. Seit 1753 befindet sich das Manuskript im British Museum.
Bei den weiteren Texten in der Handschrift handelt es sich um die Gedichte Purity (manchmal auch als Cleanness bezeichnet), Patience und Pearl; alle drei sind – im Gegensatz zum eher weltlichen Artusstoff, auf dem SGGK aufbaut – deutlich religiös basiert. Die Handschrift aller vier Dichtungen lässt einen einzigen Schreiber erkennen. Werktitel werden nicht genannt und die grafische Absetzung der vier Werke durch farbige Initialen (die erste über 14, die anderen über 8 Zeilen) war offenbar so uneindeutig, dass sie zunächst als ein einziges zusammengehöriges Werk unter dem Titel Poesia in lingua Veter Anglikaner katalogisiert wurden.Zur Katalogisierung siehe Cotton Nero A.x. Dazu mag beigetragen haben, dass auch im Text selbst kolorierte, allerdings etwas kleinere Initialen auftreten.
Die Reihenfolge der Gedichte ist: Pearl, Purity, Patience, Sir Gawain and the Green Knight.
Ferner sind auch Illuminationen enthalten, welche – mit Ausnahme dreier in SGGK – dem jeweiligen Gedicht vorangestellt sind. Von den zwölf im gesamten Manuskript enthaltenen Buchmalereien beziehen sich vier auf die Ritterromanze (eine vor Beginn und drei nach Ende des Gedichts). Folgende Szenen sind abgebildet:
Gawain mit Axt vor Arthur und dem enthaupteten Grünen Ritter zu Pferde, Grüner Ritter trägt seinen Kopf in der Hand (fol. 90b) die Schlossherrin betritt das Schlafgemach Gawains (fol. 125a) Gawain zu Pferde bei der Grünen Kapelle mit dem Grünen Ritter (fol. 125b) Gawain vor Arthur, nach seiner Rückkehr nach Camelot (fol. 126a)
Am Ende des Manuskripts – und damit auch am Ende von SGGK – findet sich von anderer Hand der Eintrag: „Hony soyt qui mal pence“.
Autor Siehe hierzu #Autor („Gawain-Poet“)
Der Verfasser von SGGK wird vom Großteil der Forschung auch heute noch als unbekannt angesehen, obwohl es einige Versuche gegeben hat, ihn zu identifizieren – beispielsweise als Mitglied des Hofs Johns of Gaunt (1340–1399) oder Enguerrands de Coucy (1339–1397).
Es lässt sich nicht einmal mit Gewissheit sagen, ob der Autor dem Klerus oder einem weltlichen Stand angehörte. Sicher ist einzig, dass er über Bildung, sowohl im religiösen wie auch im säkularen – vor allem höfischen – Bereich verfügte, und diese mit Stilsicherheit, aber auch Humor in seinem Werk verarbeitete.
Ob der Verfasser von SGGK ebenso der Urheber der drei anderen Gedichte des Manuskripts war, ist nicht völlig geklärt, gilt aber aufgrund sprachlicher und stilistischer Gemeinsamkeiten der vier Werke als sehr wahrscheinlich. Daher wird er in der Forschung auch häufig als „Gawain-Poet“ oder „Pearl-Poet“ bezeichnet.
Sprache Dialekt Der Text ist im mittelenglischen Dialekt der Nordwest-Midlands geschrieben, möglicherweise im Raum von Lancashire, und wird gewöhnlich auf das letzte Drittel des 14. Jahrhunderts datiert. Zusätzlich enthält er eine Vielzahl von Archaismen sowie Begriffe skandinavischen Ursprungs und setzt damit einen gewissen Bildungshintergrund der Rezipienten voraus.
Metrik
Siehe #Sprache: Friedrich Knigge: Die Sprache des Dichters von Sir Gawain and the Green Knight, der sogenannten Early English Alliterative Poems und De Erkenwalde. Elwert. Marburg 1985–1986. Bruno Kuhnke: Die alliterierende Langzeile in der mittelenglischen Romanze Sir Gawayn and the Green Knight. Felber. Berlin 1900. Dorothy Everett: The Alliterative Revival, in Denton Fox (Hrsg.): Twentieth Century Interpretations of Sir Gawain and the Green Knight. A Collection of Critical Essays. Prentice-Hall. Englewood Cliffs 1968, archive.org.
SGGK ist eine Dichtung des „Alliterative Revivals“, des Wiederauflebens der traditionellen germanischen stabreimenden Dichtkunst in England, das sich Mitte des 14. Jahrhunderts vor allem im Nordwesten des Landes vollzog. Das Gedicht bedient sich der alliterativen Langzeile, die durch eine mittige Zäsur in zwei Kurzzeilen mit (gewöhnlich) je zwei Betonungen geteilt wird. Die betonten Silben „staben“ dabei miteinander: sie weisen in ihrem Anlaut entweder denselben Konsonanten oder einen Vokal (jeglicher Art) auf.
In seiner Umsetzung der alliterativen Prinzipien verhält sich SGGK allerdings nicht identisch zur ursprünglichen altenglischen Form. Der Dichter des mittelenglischen Werkes verwendet am Ende der in ihrer Länge variierenden Strophen einen endreimenden Abschluss, welcher als „bob and wheel“ bezeichnet wird. Es handelt sich dabei um insgesamt fünf Zeilen, die erste eine einhebige Kurzzeile („bob“), die folgenden vier dreihebig („wheel“). Das Reimschema dieses Teils ist immer . In diesem Abschluss äußert sich häufig der Erzähler zusammenfassend zum Inhalt einer Strophe.
Inhalt Zusammenfassung Auf seiner Queste zur Grünen Kapelle, bei der ihm ein Schlagabtausch mit dem Grünen Ritter bevorsteht, den Gawain nicht zu überleben erwartet, kehrt er in Schloss Hautdesert ein.
Sein Aufenthalt dort ist geprägt von den drei Jagden des Schlossherrn, während derer dessen Frau Gawain dreimal zu verführen versucht. Zwar ist sie dabei erfolglos, doch ein kleiner Lapsus des Neffen Arthurs beweist im Duell mit dem Grünen Ritter seine menschliche Unvollkommenheit.
Aus dem Schlagabtausch geht Gawain für ihn überraschend fast völlig unverletzt hervor, macht sich jedoch fortan schwere Vorwürfe, weil er dem ritterlichen Ideal nicht genügt zu haben glaubt. Bei seiner Rückkehr in Camelot muss der Neffe Arthurs feststellen, dass er mit seiner Selbstkritik alleine steht.
Die einzelnen Episoden Die Herausforderung Am Silvesterabend kommt ein riesenhafter, wild wirkender Ritter, der ebenso grün ist wie sein Ross, in Arthurs Halle geritten und fordert König und Tafelrunde spöttisch heraus: Wenn sie ihres großen Ruhmes würdig seien, so solle einer von ihnen die gigantische Axt nehmen, die er selbst mitgebracht habe, und einen Schlag gegen ihn führen. Überlebe er, der Grüne Ritter, dies, so würde er den Schlag genau ein Jahr später erwidern.
Arthur fährt erzürnt auf und schickt sich an, die Herausforderung selber anzunehmen. Da bittet Gawain, sein Neffe, darum, dies tun zu dürfen, was ihm gewährt wird. Und so schlägt der Verwandte Arthurs dem Grünen Ritter den Kopf ab. Der Riese jedoch fällt nicht tot zu Boden, sondern hebt nur sein Haupt auf, steigt, Kopf in der Hand, auf sein Pferd, und mahnt Gawain, nicht seinen Schwur zu vergessen, in einem Jahr zur Grünen Kapelle zu kommen, und dann dort den Vergeltungsschlag entgegenzunehmen. Daraufhin reitet er lachend fort.
Gawains Reise Es ist Allerheiligen, als Gawain sich rüstet. Sein Schild trägt außen das Pentagramm, Zeichen der fünf Tugenden und damit höfischer und christlich-ritterlicher Vollkommenheit; innen ist das Bild Marias aufgemalt. So zieht er aus, um die Grüne Kapelle zu finden, und niemand vom Hof Arthurs erwartet, ihn lebend wiederzusehen.
Gawains Weg, auf dem ihm der Winter weit härter zusetzt als die Gefahren durch Wölfe, Drachen und Wilde Männer, führt ihn in die West Midlands. Dort erreicht er am Heiligen Abend Schloss Hautdesert, wo er freundlich und ehrenvoll empfangen wird. Gawain verbringt an diesem Ort die Weihnachtstage, und als der Schlossherr, dem er von seinem Ziel erzählt, ihm erklärt, dass die Grüne Kapelle nur zwei Meilen entfernt vom Schloss liege, willigt er ein, bis zum Tag des Duells auf Hautdesert zu verweilen.
Der Handel mit dem Schlossherrn Der Schlossherr bittet Gawain, sich am folgenden Tag auszuruhen und später mit seiner Frau zusammen zu speisen. Dann schlägt er, dessen Name dem Ritter immer noch unbekannt ist, diesem einen Tauschhandel vor: Was immer er selbst am folgenden Tag erjage, solle Gawain gehören, der dafür geben solle, was ihm in der gleichen Zeit der Zufall beschere. Der Ritter willigt ein.
Am nächsten Morgen, der Schlossherr ist bereits auf der Jagd, betritt dessen Frau Gawains Gemach. Ihn, den für seine Minnedienste bekannten Ritter der Tafelrunde, versucht sie zu verführen, doch Gawain gelingt es, sich dem zu widersetzen, ohne es dabei an höfischer Etikette mangeln zu lassen. So bleibt es bei einem Kuss, welchen er, den Regeln des Tauschgeschäfts treu, am Abend an den Schlossherrn weitergibt – ohne zu sagen, von wem er ihn bekam – und dafür dessen Jagdbeute, eine Hindin, erhält.
Auch der zweite Tag vergeht auf diese Weise: Wieder ein abgewendeter Verführungsversuch, diesmal zwei Küsse, und wieder der Tausch mit dem Schlossherrn gegen dessen Beute, einen Eber.
Am dritten Tag lässt die Dame weiterhin nicht ab und bemüht sich erneut. Gawain gibt ihrem Werben zwar nicht nach, verweigert ihr auch das gewünschte Liebeszeichen und will nicht einmal ihren Gürtel als Geschenk annehmen. Als die Dame dann aber von dessen Fähigkeit erzählt, einen Menschen vor dem Tode zu bewahren, willigt Gawain, im Gedanken an das bevorstehende Treffen mit dem Grünen Ritter, schließlich ein und nimmt an. Sie bittet ihn noch, das Geschenk vor allem vor ihrem Mann zu verbergen, was er ihr auch verspricht.
Danach geht Arthurs Neffe zur Schlosskapelle und lässt sich die Beichte abnehmen, um seiner Sünden ledig am folgenden Tag dem Grünen Ritter gegenübertreten zu können. Der Gürtel kommt dabei nicht zur Sprache.
Dem Schlossherrn gibt Gawain am Abend, in Einlösung des Tauschhandels, für dessen Beute – einen Fuchs – die drei Küsse, die er des Tags erhalten hat. Auch hier erwähnt er den Gürtel nicht.
Das Duell mit dem Grünen Ritter Am nächsten Tag legt der Ritter der Tafelrunde Rüstung und Gürtel an und bricht mit einem Führer zur Kapelle auf. Dieser warnt ihn noch vor dem Grünen Ritter und bittet ihn zu fliehen, doch Gawain lehnt ab und erreicht schließlich die Kapelle, die sich als Erdhöhle oder gar Hügelgrab entpuppt und nichts mit einer christlichen Kapelle gemein hat.
Der Grüne Ritter erscheint bald darauf, und Gawain nimmt seinen Helm ab, um den Axtschlag zu empfangen.
Beim ersten Schlag des Ritters zuckt er in Erwartung zusammen, und der grüne Riese hält inne und schilt ihn ob seiner Ängstlichkeit. Auch den zweiten Schlag führt sein Gegner nicht zu Ende, sondern stellt nur befriedigt fest, dass Gawain diesmal nicht zusammenschreckte. Dieser gerät in Wut und fordert seinen Gegner auf, endlich zuzuschlagen, was dieser dann auch befolgt. Trotz der Kraft des Schlags ritzt die Axtklinge Gawain jedoch nur die Haut. Als dieser nun, da er seine Verpflichtungen erfüllt weiß, zu den Waffen greift, hält der Grüne Ritter ihn auf und erklärt ihm seine Beweggründe:
Der erste und zweite Schlag wurde unterbrochen, da Gawain seinen Tauschvertrag auf dem Schloss am ersten und zweiten Tag ehrlich und treu erfüllt hatte. Nur am dritten Tag tat er dies nicht, und daher wurde der letzte Schlag ausgeführt.