Very High Speed Digital Subscriber Line (VDSL; die Abkürzung VHDSL gilt als veraltet) ist eine DSL-Technik, die wesentlich höhere Datenübertragungsraten über gebräuchliche Telefonleitungen liefert als beispielsweise ADSL oder ADSL2+. Wie alle DSL-Techniken benutzt auch VDSL für das letzte Stück der Übertragungsstrecke zum Kunden eine (verdrillte) zweiadrige Kupferleitung, welche im sogenannten Verzweigungskabel vom KVz (Kabelverzweiger) zum APL (Abschlusspunkt der Linientechnik) geführt ist.
Die Internationale Fernmeldeunion (ITU) hat derzeit zwei VDSL-Standards festgelegt: VDSL1 (ITU-T G.993.1) sowie VDSL2 (ITU-T G.993.2).
Standards Unter der Bezeichnung VDSL werden eine Reihe von DSL-Standards zusammengefasst.
VDSL1 VDSL1 umfasst eine Reihe zueinander nicht kompatibler DSL-Techniken. Erreicht werden typischerweise Übertragungsgeschwindigkeiten von 52 Mbit/s in Empfangsrichtung () und 11 Mbit/s in Senderichtung (). Die nutzbare Übertragungsbandbreite sinkt mit der Länge der Anschlussleitung. Bereits bei 900 Meter Entfernung zur Vermittlungsstelle sinkt die Datenübertragungsrate auf 26 bzw. 5,5 Mbit/s und bei etwa 2000 Meter befindet man sich auf ADSL-Niveau. Aus diesem Grund darf der Abstand zwischen dem Anschluss des Teilnehmer-Endgerätes und der Vermittlungsstelle nicht zu groß werden.
In Großstädten dürfte aufgrund der Dichte der Vermittlungsstellen der größte Teil der Bevölkerung abgedeckt sein. In Kleinstädten mit nur einer Vermittlungsstelle wird es nur in einem festgelegten Radius für VDSL-Highspeed reichen. Größere Entfernungen zwischen Teilnehmer und Vermittlungsstelle erfordern Outdoor-DSLAMs. Die nutzerseitigen Anschlüsse der Vermittlungsstellen oder DSLAMs sind häufig bereits bestehende Telefonleitungen. Die netzwerkseitigen Anschlüsse der Vermittlungsstellen oder DSLAMs sind in der Regel Glasfaserkabel.
VDSL1 benutzt je nach Hersteller und verwendetem Bandplan bis zu vier Frequenzbänder. Als Leitungscode werden DMT oder QAM verwendet, die nicht kompatibel sind, aber eine vergleichbare Leistung bieten.
Außer für die Internet-Anbindung wird VDSL1 auch vereinzelt zur Verlängerung oder Kopplung von Ethernet-Netzwerken über vorhandene Kupferdoppeladern verwendet. In dieser Anwendung auch bekannt unter dem Namen 10BaseS (Infineon), vertrieben u. a. durch Cisco als Long Reach Ethernet (LRE).
Bisher haben Netzbetreiber in vielen Ländern den Einsatz von VDSL(2) erprobt. Anwendungen waren z. B. Video-on-Demand oder Fernunterricht.
Der VDSL1-Standard hat sich weltweit nicht in großem Stil durchsetzen können. Das kann damit zusammenhängen, dass VDSL1-DSLAMs eine nur geringe Signalreichweite besitzen und Möglichkeiten fehlen, bestimmte Anwendungen bei ihrer Übertragung zu priorisieren, was für die gleichzeitige Übertragung von Internet- und IPTV-Diensten obligatorisch ist. Größere Verbreitung mit mehreren Millionen Leitungen hat VDSL1 lediglich in Südkorea, Japan, USA und der Volksrepublik China erreicht. In Südkorea wurde ein nahezu flächendeckendes VDSL1-Netz aufgebaut. In den USA bieten Qwest, Verizon (FiOS) und AT&T (U-Verse) ihre Dienste auf unterschiedlicher Basis an: U-Verse ist ein FTTN-Angebot („Fiber to the Node“, „Glasfaser bis zum Verteiler“; veraltete Bezeichnung: FTTC, „Fiber to the Curb“, „Glasfaser bis zum Bordstein“), das dem VDSL in Deutschland sehr ähnlich ist. Verizon bietet FiOS über „Fiber to the Home“ (FTTH) an, welches die Glasfaser direkt ins Haus holt und somit wesentlich längere Wege vom Verteilerkasten zurücklegen kann, aber auch wesentlich teurer in der Installation der Kabel bis zum Endverbraucher ist. Wie in Deutschland gibt es bis jetzt nur in wenigen Metropolenregionen FTTN- oder FTTH-Angebote, da die Kosten für die Installation sehr hoch sind. Dafür sind im Gegensatz zu Deutschland die monatlichen Kosten für FTTN/FTTH oft geringer, im Durchschnitt 29,25 US$ für eine 30/5-Mbit-Leitung.
VDSL2 mini|hochkant=1.3|VDSL2-DSLAM von Nokia Siemens NetworksTechnik: SURPASS hiX 5625 (5+1 Slots) VDSL2 basiert auf dem Übertragungsverfahren Discrete Multitone (DMT) und bietet bei Grenzfrequenzen bis 35 MHz theoretisch erreichbare kombinierte Datenübertragungsraten bis zu 350 Mbit/s (Upstream + Downstream), bei sehr kurzer Kabelstrecke. Danach fällt die theoretisch erreichbare kombinierte Geschwindigkeit auf 100 Mbit/s bei einer Entfernung von 500 m und 50 Mbit/s bei 1000 m. Nach einer Entfernung von ca. 1600 m sind die Datenübertragungsraten vergleichbar mit denen von ADSL2+. Der VDSL2-Standard wurde im Frühjahr 2005 von der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) verabschiedet. Der Standard selbst basiert auf dem bewährten ADSL2+-Standard und ist zu diesem vollständig abwärtskompatibel. Es werden allerdings statt den bei den verschiedenen ADSL-Varianten bis zu 512 Trägern wesentlich mehr Träger verwendet, die sich abhängig vom Bandplan auf Upstream und Downstream verteilen. Das bei höheren Frequenzen auftretende Übersprechen zwischen mehreren VDSL-Leitungen wurde durch eine im Vergleich zu ADSL geringere Leistung bei den meisten Bandplänen minimiert (14,5 dBm gegenüber 20,5 dBm). Zusätzlich wurden Möglichkeiten implementiert, gleichzeitig mehrere virtuelle Verbindungen über eine physische Verbindung zu realisieren, um so etwa IPTV-Daten priorisieren zu können.
VDSL sowie dessen Nachfolgestandard VDSL2 wurden mit dem Ziel entwickelt, sogenannte „Triple-Play-Dienste“ anbieten zu können. Darunter zu verstehen ist die Zusammenführung von klassischen Telefoniediensten in Form von Analog-/ISDN- beziehungsweise IP-Telefonie, breitbandigem Internet sowie IPTV.
Als Nachfolgestandard von VDSL2 wurde G.fast entwickelt.
Profile mini|hochkant=1.3|Anders als bei ADSL wechseln bei VDSL2 die Frequenzbänder für Up- und Downstream mehrfach ab, hier ein Profil 30a. Der VDSL2-Standard sieht als eine wesentliche Neuerung acht unterschiedliche „Profile“ vor. In den Profilen ist unter anderem die jeweilige Grenzfrequenz, der Trägerabstand sowie die erzeugte Signalstärke festgelegt. Die unterschiedlichen Parameter für die einzelnen Profile sind der Grund dafür, dass die maximal erzielbaren Datenübertragungsraten von Profil zu Profil variieren. Ein weiteres neuntes Profil, das VDSL2-Profil 35b wurde im Januar 2015 von der ITU in der ITU-T G.993.2 Annex Q nachnormiert.Annex Q – Enhanced data rate 35 MHz VDSL2 with 4.3125 kHz subcarrier spacing, S. 383 Es wird auch herstellerabhängig als Super VectoringSuper Vectoring mit 300 MBit/s ab 2017 verfügbar, golem.de oder Vectoring plus (V plus)Vplus soll weit mehr bieten als Vectoring, golem.de bezeichnet.
Profil Band-breite(MHz) Träger Über-tragungs-pegel Datenrate(typ., bi-direktional1) Anzahl Abstand(kHz) 8a 8,832 2047 4,3125 +17,5 dBm 66 Mbit/s 8b 8,832 2047 4,3125 +20,5 dBm 66 Mbit/s 8c 8,5 1971 4,3125 +11,5 dBm 66 Mbit/s 8d 8,832 2047 4,3125 +14,5 dBm 66 Mbit/s 12a 12 2782 4,3125 +14,5 dBm 90 Mbit/s 12b 12 2782 4,3125 +14,5 dBm 90 Mbit/s 17a 17,664 4095 4,3125 +14,5 dBm 150 Mbit/s 30a 30 3478 8,625 +14,5 dBm 300 Mbit/s 35b 35,328 8191 4,3125 +17,0 dBm 400 Mbit/s
1 bidirektionale Datenübertragungsrate bedeutet die Übertragungsrate vom Upstream plus die vom Downstream. Die Aufteilung dieser Bandbreite auf Up- und Downstream hängt vom verwendeten Profil, vom Bandplan und vom Annex ab.
Bandplan Zusätzlich zum Profil muss ein Bandplan vorgegeben werden, der die Verschachtelung der einzelnen Upstream- und Downstreamkanäle ineinander sowie die Freihaltung eventuell weiter genutzter Frequenzbänder für POTS oder ISDN regelt. Es existieren unterschiedliche Bandpläne für nordamerikanische, europäische und asiatische Netze. Eng mit dem Bandplan verbunden ist die PSD-Maske (Power Spectral Density). Diese Maske begrenzt die Sendeleistung des VDSL2-Modems auf bestimmten Frequenzen. Ziel ist es vor allem, die „friedliche“ Koexistenz von ADSL, ADSL2, ADSL2+ sowie VDSL2 sicherzustellen. Des Weiteren sieht der Standard vor, bestimmte Frequenzbereiche unter den Pegel von −80 dBm/Hz zu dämpfen, um die Frequenzbänder für Amateurfunk zwischen 1,8 und 29,7 MHz zu schützen.Very high speed digital subscriber line transceivers 2 (VDSL2) – Amendment 1. In: ITU-T Recommendation G.993.2 (2006) – Amendment 1. April 2007, S. 62. Auf ITU.int (PDF; 795 KB, englisch), abgerufen am 13. Januar 2019. Die Netzbetreiber wählen ein oder mehrere Profile, einen entsprechend dem Einspeisepunkt zugelassenen Bandplan sowie ein Profil für eine PSD-Maske für den jeweiligen Port.
VDSL in Europa Deutschland mini|hochkant=1.3|Telekom-Endgeräte zur Markteinführung von VDSL: VDSL-Modem Speedport 300HS (unten rechts) als Erweiterung am Router Speedport W 701V (oben links) Basierend auf dem VDSL2-Chipsatz Vinax von Lantiq baut die Deutsche Telekom seit dem Frühjahr 2006 ein VDSL2-basiertes Verteilernetz auf. Der Fortschritt und die Erfahrungen mit einem Netz dieser Größenordnung werden von vielen ausländischen Netzbetreibern mit großem Interesse beobachtet, da diese ebenfalls den Aufbau VDSL2-basierter Netze planen. Die durch VDSL2 bereitgestellte Datenübertragungsrate reicht aus, um Triple-Play-Angebote bereitzustellen. Diese ermöglichen es, mit Hilfe von VDSL2 als Übertragungsverfahren sowohl Internetdaten, Internettelefonie als auch Fernsehprogramme (IPTV) in HDTV-Qualität zu übertragen. Die klassische Festnetztelefonie wird, wie auch bei ADSL-Anschlüssen, auf derselben Leitung in einem anderen Frequenzbereich übertragen. Um gegenseitige Störungen der Festnetz-Telefonie- und der VDSL-Signale zu verhindern, wurden VDSL2-Splitter auf Kunden- und Netzbetreiberseite eingesetzt. Mittlerweile stellt die Telekom ihre (V-)DSL Anschlüsse auf VoIP um, sodass der Einsatz eines Splitters entfällt. Neue Ausbauten ab ca. Ende 2013 haben daher keine Möglichkeit mehr, Anschlüsse über die neu ausgebauten Outdoor-DSLAMs mit ISDN/POTS zu realisieren. Dies führt unter anderem dazu, dass gewisse Geschäftskundentarife in diesen Bereichen nicht buchbar sind.Marc Cattelaens: Firmen bleibt Turbo-Internet versagt, rp-online.de, 5. März 2014. Erklärtes Ziel der Telekom ist es, alle alten VDSL-Outdoor-DSLAMs, welche noch Splitter besitzen, bis Ende 2018Henning Gajek: ISDN-Ende: Telekom bekräftigt Pläne für Umschaltung auf All-IP bis 2018, teltarif.de, 28. April 2014. auf VoIP-Technik umzustellen, um Vectoring zu aktivieren. Anschlüsse, welche auf „Indoor“-VDSL basieren, werden bis auf weiteres kein Vectoring erhalten können.