Der SV Arminia Hannover (offiziell: Sportverein Arminia e. V. Hannover) ist ein Sportverein mit einer großen Fußballabteilung in Hannover. Der Verein wurde am 1. Mai 1910 gegründet und hat 638 Mitglieder in den Abteilungen Fußball, Futsal, American Football, Inline-Skaterhockey, Tischtennis, Darts und Poker. Die Vereinsfarben sind Grün-Weiß-Grün.
Die erste Fußballmannschaft spielt seit dem Abstieg im Jahr 2025 in der sechstklassigen Landesliga Hannover. In den 1920er und 1930er Jahren nahm Arminia dreimal an der Endrunde um die deutsche Meisterschaft teil und spielte anschließend in der erstklassigen Gauliga Niedersachsen bzw. Oberliga Nord. 1967 und 1968 scheiterte die Mannschaft in der Aufstiegsrunde zur Bundesliga, in den 1970er Jahren spielte Arminia vier Jahre in der 2. Bundesliga Nord.
Spielstätte ist das Rudolf-Kalweit-Stadion am Bischofsholer Damm im Stadtteil Bult. Die Spieler von Arminia sind entgegen den Vereinsfarben als die „Blauen“ bekannt, was mit einer verbandstechnischen Besonderheit aus der Frühzeit des deutschen Fußballs zusammenhängt.
Geschichte Frühe Jahre (1910 bis 1933) Saisondaten 1919–1933 Saison Liga Level Platz Tore Punkte 1919/20 Bezirksliga Hannover I 1. 58:10 24:2 1920/21 Südkreisliga I 5. 54:36 20:16 1921/22 Südkreisliga, St. 1 I 1. 56:26 25:7 1922/23 Südkreisliga, St. 1 I 1. 65:12 25:3 1923/24 Südkreisliga, St. 1 I 1. 92:7 28:0 1924/25 Südkreisliga, St. 1 I 1. 53:15 26:2 1925/26 Südkreisliga, St. 1 I 1. 68:25 23:5 1926/27 Südkreisliga, St. 1 I 2. 47:38 18:10 1927/28 Südkreisliga, St. 1 I 2. 60:25 21:7 1928/29 Ausgefallen wegen der Fußball-Revolution 1929/30 Oberliga Südhannover-BS I 2. 61:24 28:8 1930/31 Oberliga Südhannover-BS I 1. 79:26 29:3 1931/32 Oberliga Südhannover-BS I 1. 63:26 26:6 1932/33 Oberliga Südhannover-BS I 1. 57:19 26:6 BS = Braunschweig mini|links|Blick von der Waterloosäule auf den Platz um 1900 Am 1. Mai 1910 gründeten ein Dutzend Schüler höherer Lehranstalten, Kaufmannslehrlinge und Handlungsgehilfen zu Füßen der Waterloosäule den FC Arminia Hannover. Dieser spielte für zwei Jahre am Waterlooplatz, ehe der Verein den so genannten „Schwarzen Platz“ auf der Kleinen Bult, den Exerzierplatz des Ulanenregiments, bezog. Im gleichen Jahr trat der Verein dem Norddeutschen Fußball-Verband bei. Zu jener Zeit gab es in Hannover die Regelung, dass jede Trikotfarbe nur von einem Verein getragen werden durfte. Das von Arminia bevorzugte Grün war damals an den Fußsportverein 1897, einen Vorläufer des heutigen HSC, vergeben. Arminia spielte zunächst in „Silbergrau“ mit den Buchstaben „FCA“ für FC Arminia auf der Brust. 1913 wurde nach der Fusion des Hannoverschen Fußball-Clubs von 1896 und des BV Hannovera 1898 zum Hannoverschen Sportverein von 1896 die Spielfarbe Blau des BV Hannovera frei, um die sich Arminia erfolgreich bewarb und in der man bis heute spielt.
Im Jahr 1915 stieg der Verein in die hannoversche Stadtliga auf und sicherte sich durch einen 3:2-Sieg über den Lokalrivalen Eintracht auf Anhieb die Meisterschaft. Am 23. August 1918 fusionierte Arminia mit dem Rugby spielenden SV Merkur 1898 zum SV Arminia-Merkur von 1898 Hannover. Merkur brachte den zum Stadion ausgebauten Platz am Bischofsholer Damm in die Fusion ein, der seitdem Arminias Heimat ist. Im Februar 1920 wurde aus dem SV Arminia-Merkur wieder der SV Arminia. Im Jahr 1920 zog Arminia erstmals in die Endrunde um die norddeutsche Meisterschaft ein und erreichte nach 3:1-Siegen über den Geestemünder SC und ABTS Bremen das Endspiel.
Dort gelang Arminia ein 2:1-Sieg nach Verlängerung über Borussia Harburg. Eine Anekdote besagt, dass die Harburger dabei von einem Flugzeug irritiert wurden, welches während der Verlängerung das Spielfeld überflog.Vgl. Grüne (2004), S. 125. Erstmals ging der norddeutsche Meistertitel nach Hannover. Im Viertelfinale der deutschen Meisterschaft scheiterten die „Blauen“ mit 1:2 nach Verlängerung am Außenseiter Titania Stettin. Zur tragischen Figur wurde der spätere Nationalspieler Eduard Wolpers, der beim Stand von 1:1 einen Elfmeter vergab. Trotz des Scheiterns stieg Arminia zur lokalen Nummer eins auf und lockte seine Anhänger auf ungewöhnliche Weise ins Stadion. Anstatt Plakate aufzuhängen, wurde an den Spieltagen am innenstädtischen Kröpcke die Vereinsfahne gehisst.
Bis auf die Saison 1926/27 nahm Arminia Jahr für Jahr an der norddeutschen Meisterschaft teil, stand aber dort meist im Schatten der Hamburger Vereine. Erst im Jahr 1930 spielte die Mannschaft wieder um die deutsche Meisterschaft; am letzten Spieltag sicherte sie sich durch einen 5:1-Sieg über den Hamburger SV die norddeutsche Vizemeisterschaft. Im Achtelfinale auf Reichsebene mussten sich die „Blauen“ im neutralen Bochum dem Emporkömmling Schalke 04 mit 2:6 beugen.
Drei Jahre später konnten sich die Arminen zum dritten Mal für die deutsche Meisterschaft qualifizieren. Unter dem englischen Trainer William Townley wurden die „Bischofsholer“ nach einem 3:0-Entscheidungsspielsieg gegen den Eimsbütteler TV erneut norddeutscher Vizemeister. Auf Reichsebene gelang im Achtelfinale ein sensationeller 2:1-Sieg nach Verlängerung beim Dresdner SC. Im Viertelfinale schieden die Arminen nach einer 0:3-Niederlage gegen den späteren Meister Fortuna Düsseldorf aus.
Arminia in der Zeit des Nationalsozialismus (1933 bis 1945) Saisondaten 1933–1945 Saison Liga Level Platz Tore Punkte 1933/34 Gauliga Niedersachsen I 2. 56:31 27:9 1934/35 Gauliga Niedersachsen I 4. 61:41 24:16 1935/36 Gauliga Niedersachsen I 6. 43:38 22:18 1936/37 Gauliga Niedersachsen I 2. 42:29 26:10 1937/38 Gauliga Niedersachsen I 5. 30:33 19:17 1938/39 Gauliga Niedersachsen I 9. 21:39 12:24 1939/40 Gauliga Niedersachsen-Süd I 3. 24:23 11:9 1940/41 Gauliga Niedersachsen-Süd I 3. 21:31 10:10 1941/42 Gauliga Niedersachsen-Süd I 5. 35:29 9:11 1942/43 Gauliga Südhannover-BS I 3. 62:39 23:11 1943/44 Gauliga Südhannover-BS I 4. 61:30 20:16 1944/45 Gauliga Hannover I abgebrochen BS = Braunschweig Nach der Machtübernahme von Adolf Hitler geriet Arminia sportlich in den Schatten des Lokalrivalen 96. Zwar standen beide Vereine dem neuen Regime nicht ablehnend gegenüber, dennoch profitierten die 96er von engeren persönlichen Kontakten zu den Parteifunktionären. Sportlich gehörten die „Blauen“ zu den Gründungsmitgliedern der neu eingerichteten Gauliga Niedersachsen, wo die Mannschaft in der ersten Spielzeit die Meisterschaft nur aufgrund des schlechteren Torquotienten gegenüber Werder Bremen verpasste. Drei Jahre später errang Arminia erneut die Vizemeisterschaft.
Als Lokalrivale 96 im Jahr 1938 die deutsche Meisterschaft gewann, befanden sich die Arminen auf sportlicher Talfahrt. Sportlich waren die „Bischofsholer“ in der Saison 1938/39 unter Trainer Fritz Pölsterl aufgrund des schlechteren Torquotienten gegenüber dem MSV Lüneburg abgestiegen, ehe eine Entscheidung am Grünen Tisch für den Klassenerhalt sorgte. Zum Spiel der Arminia beim ASV Blumenthal war kein Schiedsrichter erschienen. Die Vereine trugen ein Freundschaftsspiel aus, welches Blumenthal mit 4:0 gewann. Plötzlich sollte das Spiel mit diesem Ergebnis gewertet werden, wogegen die Hannoveraner protestierten. Es wurde ein Wiederholungsspiel angesetzt, gegen das die Blumenthaler protestierten. Schließlich entschied das Reichsfachamt Fußball, dass das Spiel nicht wiederholt wird und dass Arminia nicht absteigt. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs kam Arminia nicht mehr über Mittelfeldpositionen hinaus. Einer der wenigen Höhepunkte dieser Zeit war ein 11:1-Derbysieg über Hannover 96 in der Saison 1943/44.
Fahrstuhljahre nach dem Krieg (1945 bis 1963) Saisondaten 1945–1963 Saison Liga Level Platz Tore Punkte 1945/46 Oberliga Niedersachsen-Süd I 4. 29:13 11:7 1946/47 Oberliga Niedersachsen-Süd I 2. 85:34 33:7 1947/48 Oberliga Nord I 6. 35:44 21:23 1948/49 Oberliga Nord I 10. 33:50 16:28 1949/50 Oberliga Nord I 12. 38:44 27:33 1950/51 Oberliga Nord I 13. 63:69 27:37 1951/52 Oberliga Nord I 9. 67:72 30:30 1952/53 Oberliga Nord I 12. 51:62 27:33 1953/54 Oberliga Nord I 6. 78:77 29:31 1954/55 Oberliga Nord I 12. 50:60 24:36 1955/56 Oberliga Nord I 3. 46:39 37:23 1956/57 Oberliga Nord I 15. 39:48 23:37 1957/58 AOL Niedersachsen-West II 1. 85:23 51:9 1958/59 AOL Niedersachsen-Ost II 1. 86:31 47:13 1959/60 AOL Niedersachsen-Ost II 2. 68:31 44:20 1960/61 AOL Niedersachsen-West II 1. 87:43 45:15 1961/62 AOL Niedersachsen-West II 1. 124:27 50:10 1962/63 Oberliga Nord I 9. 57:59 38:34 AOL = Amateuroberliga mini|links|Josef Posipal Am 2. Oktober 1945 wurde der SV Arminia aufgelöst und als SV Bischofshol neu gegründet. Schon im Dezember des gleichen Jahres wurde der alte Name wieder angenommen.Hardy Grüne, Christian Karn: Das große Buch der deutschen Fußballvereine. AGON Sportverlag, Kassel 2009, ISBN 978-3-89784-362-2, S. 213. Verstärkt durch einige Spieler aus Berlin wie Fritz Apel qualifizierte sich die Mannschaft 1947 für die neu geschaffene erstklassige Oberliga Nord. Gleich in der ersten Spielzeit erreichten die Arminen um den späteren Weltmeister Josef Posipal den sechsten Platz, während die 96er absteigen mussten. Die Hoffnung auf einen Machtwechsel in der Stadt erfüllte sich für Arminia nicht, da 96 zur Saison 1949/50 kampflos in die Oberliga zurückkehrte.
Arminia kam sportlich nicht über Mittelfeldplätze hinaus. Größter Tag dieser Ära war ein 10:2-Sieg über den Hamburger SV auf schneebedecktem Boden. Am Saisonende wurde Fritz Apel gemeinsam mit Werner Heitkamp vom FC St. Pauli mit 21 Saisontoren Torschützenkönig der Oberliga Nord. Nachdem sich die „Blauen“ in der folgenden Spielzeit 1954/55 nur durch einen 6:1-Sieg über St. Pauli in der Oberliga hatten halten können, verpasste die Mannschaft ein Jahr später die Vizemeisterschaft nur um einen Punkt. Im Jahr 1957 folgte dann der Abstieg aus der Oberliga. Am letzten Spieltag führten die Arminen gegen den direkten Konkurrenten VfL Wolfsburg zur Halbzeit mit 2:0, doch die Mannschaft verlor noch mit 2:5.
Als Meister der Amateuroberliga Niedersachsen-West, wobei unter anderem ein 10:0-Sieg über Falke Steinfeld gelang, qualifizierte sich Arminia für die Aufstiegsrunde, in der die Mannschaft jedoch chancenlos war. 1959 fehlte in der Oberliga-Aufstiegsrunde nur ein Punkt auf Eintracht Osnabrück. Dafür erreichten die „Blauen“ das Endspiel um die deutsche Amateurmeisterschaft, welches im neutralen Offenburg mit 2:3 gegen den FC Singen 04 verloren wurde. Im Jahr 1961 verpasste die Mannschaft spektakulär die Niedersachsenmeisterschaft; einer 1:5-Niederlage bei Leu Braunschweig folgte ein 7:4-Sieg auf eigenem Platz. In der Oberliga-Aufstiegsrunde erzwangen die Hannoveraner am letzten Spieltag durch einen 5:1-Sieg über den direkten Konkurrenten Bremer SV ein Entscheidungsspiel, welches die Bremer mit 4:1 für sich entschieden.
Ein Jahr später gelang schließlich der Oberligaaufstieg. Schon in der Amateuroberligasaison zeigte sich die Mannschaft mit 124 erzielten Treffern torhungrig. Kickers Emden wurde beispielsweise mit 14:0 bezwungen. In der Aufstiegsrunde blieben die „Blauen“ ohne Punktverlust und stiegen auf. Am 11. November 1962 konnte Arminia 62.000 Zuschauer beim Heimspiel gegen den Hamburger SV im Niedersachsenstadion begrüßen.
Regionalligajahre (1963 bis 1974) Saisondaten 1963–1974 Saison Liga Level Platz Tore Punkte 1963/64 Regionalliga Nord II 3. 73:44 45:23 1964/65 Regionalliga Nord II 4. 76:49 40:24 1965/66 Regionalliga Nord II 6. 67:49 35:29 1966/67 Regionalliga Nord II 1. 78:28 47:17 1967/68 Regionalliga Nord II 1. 64:25 44:20 1968/69 Regionalliga Nord II 5. 51:35 38:26 1969/70 Regionalliga Nord II 8. 53:51 33:31 1970/71 Regionalliga Nord II 14. 46:61 28:40 1971/72 Regionalliga Nord II 14. 43:51 28:40 1972/73 Regionalliga Nord II 9. 48:41 34:34 1973/74 Regionalliga Nord II 9. 57:59 38:34
mini|Regionalligaspiel Holstein Kiel – Arminia Hannover, Endstand 3:1, 30. August 1964