Der Deutsche Schachbund e. V. (DSB) ist die Dachorganisation der Schachspieler in Deutschland.Manfred van Fondern: Lexikon für Schachfreunde. Verlag C. J. Bucher, Luzern/Frankfurt am Main 1980, S. 77–78. Er ist Mitglied im Deutschen Olympischen Sportbund und seit 1926 (mit Unterbrechungen) im Weltschachverband FIDE. Der DSB hat derzeit (Bestandserhebung 2024) 94.811 Mitglieder, davon rund 29.100 Jugendliche und etwa 9.000 Frauen und Mädchen in 2.246 Vereinen und gehört damit zu den größten Schachverbänden der Welt. Zum DSB gehören 17 Landesverbände, der Deutsche Blinden- und Sehbehinderten-Schachbund (DBSB), seit 1972 die Schwalbe (1924 gegründete deutsche Vereinigung für Problemschach), seit September 2006 der Deutsche Fernschachbund, seit Mai 2007 der Verein Schachbundesliga e. V. sowie seit April 2021 die Deutsche Schachjugend e. V. Eine Sammlung zur historischen und aktuellen Situation des Schachs in Deutschland befindet sich im Niedersächsischen Institut für Sportgeschichte in Hannover.

Organisation Der Deutsche Schachbund betreibt die obersten zwei Spielklassen im Deutschen Mannschaftsschach: 1. Bundesliga (organisiert von seinem Mitgliedsverein Schachbundesliga e. V.) 2. Bundesliga in zwei Staffeln (Nord und Süd), die nach geographischen Gesichtspunkten eingeteilt werden, um die Reisekosten zu minimieren.

Der Deutsche Schachbund besitzt 17 Landesverbände, die das Ligasystem in untere Bereiche in Form von Bezirken und Kreisen lokal weiterführt. In größeren Landesverbänden haben sich auch teilweise Verbände von Vereinen gebildet.

Landesverband Vereine Bezirke oder untergeordnete Verbände Badischer Schachverband 179 Mannheim, Heidelberg, Odenwald, Karlsruhe, Pforzheim, Mittelbaden, Ortenau, Freiburg, Hochrhein, Schwarzwald, Bodensee Bayerischer Schachbund 399 Mittelfranken, München, Niederbayern, Oberbayern, Oberfranken, Oberpfalz, Schwaben, Unterfranken Berliner Schachverband 50 keine Landesschachbund Brandenburg 57 Cottbus, Frankfurt an der Oder, Potsdam Landesschachbund Bremen 21 keine Hamburger Schachverband 39 keine Hessischer Schachverband 191 Kassel-Nordhessen, Osthessen, Lahn-Eder, Main-Vogelsberg, Frankfurt, Starkenburg, Main-Taunus, Rhein-Taunus, Lahn, Bergstraße Landesschachverband Mecklenburg-Vorpommern 36 West, Mitte, Ost Niedersächsischer Schachverband 158 Hannover, Braunschweig, Südniedersachsen, Lüneburg, Oldenburg-Ostfriesland, Osnabrück-Emsland Schachbund Nordrhein-Westfalen 411 Ruhrgebiet, Niederrhein, Südwestfalen, Ostwestfalen-Lippe, Münsterland, Mittelrhein Schachbund Rheinland-Pfalz 136 Rheinland, Rheinhessen, Pfalz Saarländischer Schachverband 38 keine Schachverband Sachsen 134 Leipzig, Dresden, Chemnitz Landesschachverband Sachsen-Anhalt 84 Dessau, Halle, Magdeburg Schachverband Schleswig-Holstein 67 Nord, West, Kiel, Ost Thüringer Schachbund 81 Nord, Mitte, Ost, Süd Schachverband Württemberg 214 Oberschwaben, Alb-Schwarzwald, Neckar-Fils, Ostalb, Stuttgart, Unterland

Die Bezeichnungen der Spielklassen unterhalb der 2. Bundesliga sind nicht einheitlich festgelegt, so geht es beispielsweise im Hamburger Schachverband weiter mit Oberliga (zusammen mit Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern), Landesliga, Stadtliga, Bezirksliga, Kreisliga und Kreisklasse.

Geschichte Gründung und Aufbau einer Organisation miniatur|Postkarte vom Münchener DSB-Kongress 1900 Der DSB wurde am 18. Juli 1877 in Leipzig gegründet. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten außer dem Philosophen Carl Göring, dem Schriftsteller Rudolf von Gottschall, den Organisatoren Hermann Zwanzig, Constantin Schwede und Eduard Hammacher auch die Schachmeister Adolf Anderssen, Max Lange und Johannes Hermann Zukertort.

Den Anlass zur Gründung des DSB bot im Jahr 1877 die Feier zum 50-jährigen Schachjubiläum des hoch geachteten deutschen Spitzenspielers Adolf Anderssen, der in seiner Festrede sagte:

In den Jahren 1879 bis 1914 veranstaltete der DSB alle zwei Jahre Meisterturniere, die auch für ausländische Spieler offen waren und zu den stärksten Turnieren ihrer Zeit gehörten. Nach dem Ersten Weltkrieg waren nur noch deutsche Spieler zugelassen. Neben dem Meisterturnier wurden jeweils sogenannte Hauptturniere ausgetragen, deren Sieger mit dem Meistertitel des Deutschen Schachbundes ausgezeichnet wurden. Die betreffenden Spieler waren für die Teilnahme an künftigen Meisterturnieren qualifiziert. Fast alle bedeutenden Spieler dieser Epoche, unter anderen Siegbert Tarrasch, Emanuel Lasker und Aaron Nimzowitsch, nahmen zu Anfang ihrer Karriere an diesen Turnieren teil.

Gleichschaltung/Auflösung 1933/1934

Im April 1933 musste der DSB-Präsident Walter Robinow von seinem Amt zurücktreten, weil er Jude war. Mit dem Kongress des nationalsozialistisch ausgerichteten Großdeutschen Schachbundes (GSB) in Bad Pyrmont im Juli 1933 übernahm diese Organisation die bisherigen Aufgaben des DSB. Die Landesverbände und Vereine traten dem GSB bei. Am 2. November 1934 wurde der DSB aus dem Vereinsregister gelöscht. Zuvor hatte Ehrhardt Post dem Registergericht Coburg Unterlagen einer Mitgliederversammlung des Deutschen Schachbundes vorgelegt, welche den Auflösungsbeschluss getroffen hatte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand auf Initiative von Alfred Brinckmann und anderen im Jahr 1946 die Arbeitsgemeinschaft deutscher Schachverbände. Dies war der Vorgänger des Deutschen Schachbundes, der am 5. Februar 1950 in Wiesbaden wiedergegründet wurde. Die Wiederzulassung zur FIDE erfolgte im Juli 1950 nach Gründung des Deutschen Schachbundes mit Friedrich A. Stock als erstem FIDE-Delegierten.Michal Negele: Emil Joseph Diemer, ein Eiferer zwischen Wahn und Wahrheit auf Ken Whyld Association Später gab es einen eigenen Schachverband der DDR. Nachdem 1953 nochmals ein Gesamtdeutsches Meisterturnier durchgeführt wurde, welches Wolfgang Unzicker gewann, gab es bis zur Wiedervereinigung der beiden Verbände im September 1990 getrennte Meisterschaften. Höhepunkte der Organisationstätigkeit des DSB waren die Schacholympiaden in München 1958 und Siegen 1970. Der erste Kongress nach der Wiedervereinigung fand 1990 in der Gründungsstadt Leipzig statt.

Deutscher Schachverband der DDR (DSV) mini|Wimpel: Deutscher Schach-Verband der DDR Der Deutsche Schachverband der DDR (DSV) wurde am 27. April 1958 in Leipzig gegründet. Als im April 1969 das SED-Politbüro mit dem sogenannten Leistungssportbeschluss anordnete, nur noch bestimmte Sportarten zu fördern, gehörte Schach nicht zu diesen. In der Folge wurden die internationalen Kontakte stark eingeschränkt. Nur in Ausnahmefällen durften DDR-Meister an FIDE-Turnieren im westlichen Ausland teilnehmen.

Deutsche Wiedervereinigung 1989 In der Wendezeit galt es, die beiden Schachverbände DSB und DSV zusammenzuführen. Dies geschah beim Kongress in Leipzig am 29. September 1990, als die Landesverbände der DDR dem DSB beitraten. Michael Schmidt wurde Vizepräsident des DSB, Egon Ditt blieb Präsident.

Nur 12.000 der etwa 43.000 DSV-Mitglieder konnten vom DSB übernommen werden. Aus wirtschaftlichen und privaten Gründen, die ihre Ursache in der Wiedervereinigung hatten, beendeten viele Spieler ihre Mitgliedschaft. Im DSB hat man allerdings auch festgestellt, „daß die frühere Mitgliederzahl von 43.000 überhöht und nach oben manipuliert war.“ Für den DSB war das einer der Gründe für eine Beitragserhöhung um 1 DM.Rudolf Teschner in Schach-Report/DSZ/DSB 2/1991, S. 30.Ernst Bedau in Schach-Report/DSZ/DSB 3/1991, S. 29.

Bosman-Entscheidung 1995 Im Dezember 1995 wurde die Bosman-Entscheidung verkündet, welche besagt, dass Sportler innerhalb der Europäischen Union überall spielberechtigt sind. Gemäß Turnierordnung (2.1.3 und 2.1.4 Absatz 4) durften in der Vergangenheit maximal zwei Ausländer bei einem Mannschaftskampf eingesetzt werden. Beim DSB-Kongress im Bad Segeberg 1996 wurde beschlossen, dass ab der Saison 1996/97 beliebig viele Spieler aus dem Europäischen Wirtschaftsraum eingesetzt werden dürfen. Damit wurde die Bosman-Entscheidung umgesetzt. Der Badische Schachverband ist noch einen Schritt weiter gegangen und hat den Einsatz von beliebig vielen Ausländern (auch von Nicht-EU-Spielern) erlaubt. Damit wollte man vor allem den benachbarten Schweizer Spielern entgegenkommen. Seit dem Jahr 2004 gilt diese Regelung deutschlandweit.

Der DSB hatte nach der Bosman-Entscheidung zunächst die Ausländer-Problematik nur zögerlich behandelt. Daher schuf der Vorsitzende des Bundesligavereins PSV Turm Duisburg, Rechtsanwalt Ulrich Groth, einen Präzedenzfall, indem er in einem Mannschaftskampf zwei russische Spieler und den Engländer John Nunn einsetzte. Infolgedessen kam es zur Umsetzung der Bosman-Entscheidung im DSB.Siehe Schach-Report 1996:Nr. 2, S. 24f – Allgemeines zur Bosman-Problematik;Nr. 3, S. 25f – Der Streitfall „Duisburg“;Nr. 4, S. 27f – Grundsätzliches und Fall „Duisburg“;Nr. 7, S. 32 – Umsetzung des Bosman-Urteils

Präsidenten und Ehrenmitglieder mini|hochkant|Ullrich Krause, 2017 in Berlin

+ Präsidenten des Deutschen Schachbundes (einschließlich Großdeutscher Schachbund) 1877–1894 Hermann Zwanzig 1894–1899 Max Lange 1899–1902 Cornelius Trimborn 1902–1920 Rudolf Gebhard 1920–1933 Walter Robinow 1933–1938 Otto Zander 1938–1945 Franz Moraller 1950–1951 Richard Czaya 1951–1968 Emil Dähne 1969–1975 Ludwig Schneider 1975–1983 Alfred Kinzel* 1983–1989 Heinz Hohlfeld* 1989–2001 Egon Ditt* 2001–2007 Alfred Schlya* 2007–2011 Robert K. von Weizsäcker* 2011–2017 Herbert Bastian* 2017–2023 Ullrich Krause 2023–2026 Ingrid Lauterbach seit 2026 Paul Meyer-Dunker

+ Präsidenten des Deutschen Schachverbandes der DDR bis 1953 Paul Baender 1953–1954 Georg Klaus 1954–1956 Adolf Pawlitta 1956–1958 Friedrich L. Salzl 1958 Arno Otto 1958–1964 Arno Becher 1964–1978 Armin Heintze 1978–1990 Werner Barthel 1990 Michael Schmidt

mini|hochkant|Ehrenurkunde zum Jubiläum 2002 + Ehrenmitglieder1898Gesandter Tassilo von Heydebrand und der Lasa 1951 Richard Czaya 1970 Friedrich A. Stock 1970 Willi Fohl 1981 Kurt Hülsmann 1991 Helmut Nöttger 1998 Klaus Darga 2003 Heinz MeyerLothar SchmidWolfgang UnzickerWolfgang Uhlmann 2004 Otto SchilyGünther Müller 2005 Siegfried Wölk 2009 Ernst BedauHeinz-Jürgen Gieseke 2013 Horst Metzing (ehemals Geschäftsführer des DSBWalter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 834.)Hans-Jürgen Hochgräfe 2015 Klaus-Norbert Münch 2017 Christian KrauseChristian ZickelbeinKlaus Gohde 2019 Vlastimil HortHelmut PflegerRobert HübnerRalph Alt 2020 Jürgen Kohlstädt

* nach der Amtszeit Ehrenpräsident Der Deutsche Schachverband der DDR wurde erst 1958 gegründet. Die früheren Angaben beziehen sich auf die Sektion Schach im Deutschen Sportausschuss. Siehe auch Weitere Ehrungen des Deutschen Schachbundes auf Schachbund.de Ehrenurkunden des Deutschen Schachbundes aus Anlass des 125-jährigen Jubiläums

Deutscher Schachpreis mini|hochkant|Medienpreis 1983 für Claus Spahn Der frühere Medienpreis und der nachfolgende Deutsche Schachpreis sind die höchsten Auszeichnungen des Deutschen Schachbundes für herausragende Verdienste um die Förderung des Schachs.Medienpreis des DSB 1977–1998 / Deutscher Schachpreis ab 2000

Ausbildungssystem Der Deutsche Schachbund bietet die Möglichkeit, Anfängerwissen durch entsprechende Prüfungen beurkunden zu lassen. Dies erfolgt im aufsteigenden Schwierigkeitsgrad durch das Bauern-, Turm- und das Königsdiplom.

Beim Bauerndiplom gilt es, die Grundaufstellung, die möglichen Spielzüge und die Schachnotation zu beherrschen. Das Turmdiplom beurkundet die Fähigkeit zum Erkennen einer Mattstellung sowie grundlegender Taktiken, wie Fesselung und Abzug. Der bis hierher erforderliche Wissensumfang wird in etwa im Artikel Schach vermittelt. Das Königsdiplom erfordert die Kenntnis einiger bekannter Eröffnungen sowie die korrekte Behandlung grundlegender Endspiele.