mini|Luftaufnahme des Stadtzentrums Sofia ( []; ) ist die Hauptstadt Bulgariens. Die Stadt liegt in der gleichnamigen Ebene im Westen des Landes. Mit ihren Einwohnern (Stand ) ist sie die bevölkerungsreichste Stadt des Landes. Etwa jeder sechste (17,5 Prozent) Einwohner Bulgariens lebt in Sofia. Sofia ist in 24 Bezirke unterteilt. Im Stadtgebiet befinden sich der Fluss Iskar sowie mehrere kleinere Fließgewässer.

Das Gebiet der Stadt ist seit der Jungsteinzeit kontinuierlich besiedelt. In der Antike als Serdica oder SardicaCouncil of Sardica Abgerufen am 27. Mai 2017 und im Mittelalter als Sredez bekannt, wurde Sofia nach der wiedererlangten Unabhängigkeit Bulgariens 1878 zur Hauptstadt gewählt und in der Folge zum politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum des Landes. Aus diesem Grunde befinden sich hier heute die wichtigsten Theater, Museen und weitere Kultureinrichtungen des Landes.

Mit seinen Universitäten, die älteste aus dem Jahre 1888, Hochschulen und Forschungseinrichtungen stellt Sofia das überragende Bildungszentrum und mit zahlreichen Verlagen, Rundfunk- und Fernsehanstalten sowie Tages- und Monatszeitungen auch das dominierende Medienzentrum des Landes dar. Sofia ist Sitz der bulgarischen Regierung, des bulgarischen Präsidenten, der Bulgarisch-Orthodoxen Kirche und weiterer wichtiger Verwaltungs- und Militärbehörden sowie Residenz des Bulgarischen Patriarchen.

Geographie Lage mini|Satellitenbild Sofia liegt in der Sofiaebene, einer weiten Hochebene im Westen des Landes, nahe der Grenze zu Serbien. Mit ist Sofia die dritthöchstgelegene Hauptstadt Europas (nach Andorra la Vella und Madrid). Fünf Bergpässe führen in die Ebene und somit nach Sofia – der Iskar-Pass, der Wladaja-Pass, der Dragoman-Pass, der Petrochan-Pass und der Botewgrad-Pass.

Die Stadt befindet sich am nördlichen Hang des 2290 m hohen Witoscha-Gebirges, das ein beliebtes Ausflugsziel der Sofioter ist und die Kulisse der ganzen Stadt beherrscht. Die Grundform des Witoschagebirges ist fast kreisrund mit einem Durchmesser von etwa 15 km. Im Westen grenzt die Stadt an das Ljulin- und Losen-Gebirge. mini|Sofia mit Witoscha-Gebirge im Hintergrund mini|Das Witoscha-Gebirge (Video)

Im Norden und Nordosten verlaufen in ungefähr 50 Kilometer Entfernung das Sofiagebirge und das Murgasch-Gebirge, die Teil des Balkangebirges sind, das in Ost-West-Richtung durch ganz Bulgarien verläuft und das Land in eine Nord- und eine Südhälfte teilt. Dieses Gebirge ist der Namensgeber für die gesamte Balkanhalbinsel.

Durch die östlichen Stadtviertel fließt der zweitlängste Fluss Bulgariens, der Iskar. Auch zwei seiner Zuflüsse, der Perlowska und Wladajska durchqueren die Stadt, sind im Stadtbild aber kaum zu sehen.

Im Zentrum Sofias, wie in den Stadtvierteln Owtscha Kupel, Knjaschewo, Gorna Banja und Pantscharewo existieren Mineralquellen, deren Benutzung seit der Antike nachgewiesen ist.

Klima In Sofia herrscht ein gemäßigtes Kontinentalklima. Durch die hohe Lage () sind die Winter schneereich und kalt und die Sommer warm. Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 9,7 Grad Celsius, die mittlere jährliche Niederschlagsmenge erreicht 572 mm.

Die wärmsten Monate sind Juli und August mit durchschnittlich 19,4 bis 20,0 Grad Celsius und die trockensten Januar und Februar mit 27 bis 33 Millimeter Niederschlag im Mittel. Die größte Niederschlagsmenge ist im Mai und Juni mit durchschnittlich 73 bis 75 Millimeter zu verzeichnen. Der kälteste Monat ist der Januar mit −1,6 Grad Celsius im Mittel.

Die bulgarische Hauptstadt ist mit rund 33 Tagen pro Jahr die nebligste Stadt des Landes. Ein Rekord für Bulgarien sind 29 Tage Nebel in Folge, die im Dezember 1948 in Sofia registriert worden sind.

Administrative Gliederung

Die Stadt Sofia ist Zentrum der Provinzen Sofia und Sofia-Stadt sowie der Großen Gemeinde von Sofia. Die Große Gemeinde von Sofia besteht geographisch aus der Stadt Sofia und drei weiteren Städten sowie 34 Dörfern.

15 der 24 Rajone (bulg. райони/rajoni) in der Großen Gemeinde von Sofia umfassen nur Teile der Stadt, 6 auch umliegende Ortschaften. Drei Rajone der Gemeinde (Pantscharewo, Nowi Iskar und Bankja) umfassen nur Gebiete außerhalb der Stadtgrenzen, auch wenn diese innerhalb der Provinz Sofia-Stadt sind und unter der Jurisdiktion der Großen Gemeinde von Sofia fallen. Jeder der Rajone ist in mehreren Stadtvierteln gegliedert und verfügt über einen Bürgermeister, der in geheimer und direkter Wahl für vier Jahre gewählt wird.

Die Stadtbezirke sind:

Geschichte Ursprung mini|Römischer Thermenbau, heute Georgs-Kirche mini|Sweta Petka aus dem antiken Serdica im heutigen Zentrum Sofias, inmitten der U-Bahn-Station Serdika Sofia blickt auf eine jahrtausendealte Geschichte zurück. Sicher ist eine Besiedlung der Ortslage seit über 5000 Jahren, und neuere archäologische Funde deuten darauf hin, dass sich hier sogar schon vor etwa 8000 Jahren eine steinzeitliche Siedlung befand. Demnach wäre Sofia einer der ältesten Siedlungsplätze Europas.

Antike Im Lauf des 7. Jahrhunderts v. Chr. entstand im heutigen Stadtzentrum eine Siedlung, bewohnt von den thrakischen Τιλαταίοι (Tilataei). 339 v. Chr. wurde die Stadt von Philipp II., König von Makedonien (382–336 v. Chr.), erobert. Im letzten Jahrhundert vor der Zeitenwende wurden die Vorbewohner von den Serden verdrängt, möglicherweise keltischer Herkunft.The Cambridge Ancient History, Volume 3, Part 2: The Assyrian and Babylonian Empires and Other States of the Near East, from the Eighth to the Sixth Centuries BC by John Boardman, I. E. S. Edwards, E. Sollberger, and N. G. L. Hammond, ISBN 0-521-22717-8, 1992, S. 600: "In the place of the vanished Treres and Tilataei we find the Serdi for whom there is no evidence before the first century BC. It has for long being supposed on convincing linguistic and archeological grounds that this tribe was of Celtic origin" Die Römer eroberten das Gebiet 29 v. Chr. und legten hier die Kolonialsiedlung Serdica an. Unter Kaiser Marcus Ulpius Trajan zwischen 98 und 117 n. Chr. wurde sie zum Municipium „Ulpia Serdica“ erhoben und entwickelte sich zu einer blühenden Stadt. Außer einem Münzhof entstanden zahlreiche ansehnliche öffentliche Gebäude (Forum, Theater, Bad) und Tempel. Ende des 2. Jahrhunderts umgab eine starke, zwölf Meter hohe Festungsmauer die Stadt. Auch die Verkehrsbedeutung war groß, hier kreuzten sich die antiken Straßen Via Militaris und die Via Traiana. Zwei römische Kaiser wurden hier geboren, Aurelian (215–275) und Galerius (260–311). mini|Bronzemünze aus Serdica, z. Zt. Septimius Severus, Stadtname um Sarapisbüste Als Kaiser Diocletian (242/245 – 311/312) die Provinz Dakien teilte, wurde Ulpia Serdica Hauptstadt der Provinz Dacia mediterranea. Kirchengeschichtlich bedeutend ist Serdica bzw. Σερδική (Serdikē/Serdikí – in der östlichen Reichshälfte war Griechisch die Verkehrssprache, um die Zeit schon mit neugriechischer Aussprache) wegen der hier im Jahr 342 oder 343 abgehaltenen Reichssynode von Serdica mit über 300 Bischöfen aus dem ganzen römischen Reich. Das Scheitern des Konzils gilt als eine der Ursachen für die Spaltung der christlichen Kirche.

Spätantike und Mittelalter 447 plünderten die Hunnen unter der Führung Attilas die Stadt, denen bald die Goten folgten. Zur Zeit Justinians I. zwischen 527 und 565 wurde sie wieder aufgebaut (532 bis 537 Bau der Kirche Sw. Sofija) und mit starken Mauern und Wehrtürmen umgeben. Seither wurde sie von verschiedenen Feldherren erobert, blieb aber ein bedeutender Ort. 809 wurde die Stadt vom Heer des bulgarischen Khans Krum eingenommen und gehörte seitdem zum Ersten Bulgarischen Reich. Da dieses Reich mehrheitlich von Slawen bewohnt war, hatte der Name nun die slawische Form „Sredez“ angenommen. Der Gleichklang mit dem slawischen Wort für Mitte ließ die Namensherkunft in Vergessenheit geraten.

Es folgten weitere Überfälle durch die Petschenegen und Kreuzritter, was erneut zu Verwüstungen führte. Von 1018 bis 1194 stand Sredez/Σερδική erneut unter byzantinischer Herrschaft. Während des Zweiten Bulgarischen Reiches wurde sie weiter befestigt und erhielt im 14. Jahrhundert nach der Kirche „Sweta Sofia“ ihren heutigen Namen „Sofia“. Dieser Name wird zum ersten Mal in der Witoscha-Schenkungsurkunde des bulgarischen Herrschers Iwan Schischman aus dem Jahre 1371 erwähnt, mit der er dem Dragalewzi-Kloster Boden übereignete.

Osmanische Zeit mini|Die Hagia-Sophia-Kirche (6. Jahrhundert), im 14. Jahrhundert von den Osmanen zur Moschee umgewandelt und nach einem Erdbeben im 19. Jahrhundert verlassen. Heute ist sie wieder eine Kirche Im Jahr 1385 wurde Sofia von den Osmanen belagert und erobert. Nach einem Zeitraum der Plünderung wurde die Stadt in das Reich eingegliedert. Im Rahmen dessen wurden die Kirchen Sweta Sofia, St. Demetrius und St. Georg in Moscheen umfunktioniert. In den nun folgenden 500 Jahren osmanischer Herrschaft wurde das antike und mittelalterliche Stadtbild durch zahlreiche osmanische Bauten erweitert. Die Stadt wurde fortan Sitz des rumelischen Beylerbey, der alle europäischen Territorien des Osmanischen Reiches verwaltete. Während des 15. bis 17. Jahrhunderts bildete Sofia den größten Import-Export-Stützpunkt auf dem Gebiet des heutigen Bulgariens für den Karawanenhandel der Seerepublik Ragusa. Vor allem florierten die weiterverarbeitenden Betriebe von Metall, Wolle und Leder.The Encyclopaedia of Islam. New Edition. Brill. Leiden Bd. 9, S. 703 f. (Artikel: Sofya) mini|Die Banja-Baschi-Moschee von 1576 ist die letzte in Funktion verbliebene Moschee Sofias mini|Hauptsynagoge von Sofia Einhergehend mit einem deutlichen Bevölkerungsanstieg setzte im 15. und 16. Jahrhundert eine rege osmanische Bautätigkeit in Sofia ein. Dabei wurden Moscheekomplexe (Külliye) mit ihren Lehrstätten (Medrese), öffentlichen Bibliotheken und Bädern (Hamams), Karawansereien, Schulen, Armenküchen (Imaret) auch außerhalb der Altstadt errichtet und dienten somit als Kerne von neuen Stadtvierteln. Für das Ende des 16. Jahrhunderts werden in den Quellen 45 Moscheen, drei öffentliche Bibliotheken, vier Mausoleen (Türbe), 12 Karawansereien und Hane sowie mindestens sechs Paläste (Saray), mehrere Armenküchen und zahlreiche Schulen erwähnt. In Sachen Bildung standen der islamischen Bevölkerung Grundschulen (Mekteb) und Medresen zur Verfügung, die nicht-muslimischen Gemeinden nutzten ihre eigenen Schulen. Die osmanische Verwaltung investierte insgesamt in die öffentliche Infrastruktur, die Bildung und die lokale Wirtschaft. So wurde 1506 der größte Besistan (Markt) des Balkans, mit 44 Handwerksbetrieben innerhalb und 101 außerhalb seiner Mauern, errichtet. Daneben entstanden zahlreiche weitere Werkstätten und Märkte.The Encyclopaedia of Islam. New Edition. Brill. Leiden Bd. 9, S. 703 f. (Artikel: Sofya).

Alle Reisenden des 15. bis 18. Jahrhunderts berichten von einer florierenden Handelsstadt. Besonders wird die ethnische und religiöse Pluralität hervorgehoben. Neben orthodoxen Bulgaren werden Griechen erwähnt sowie Juden, und zwar sowohl Romanioten als auch Sephardim und Aschkenasim. Darüber hinaus siedelten sich monophysitische Armenier aus Polen, Plowdiw, dem Kaukasus und aus Persien bzw. Iran in Sofia an. Weiterhin gab es eine georgische Gemeinde, eine katholische aus Ragusa, eine Gemeinde der Sinti und Roma und eine muslimische Gemeinde, die vom frühen 16. Jahrhundert an die größte Gemeinde bildete, bis sie im späten 19. Jahrhundert durch Pogrome und Vertreibungen stark dezimiert wurde.