Der Kaukasus (von , ; , , , [von ], )Alexandar Loma: Zwischen Schnee und Adlern. Der Bergname Kaukasus und Dazugehöriges. In: Studia Etymologica Cracoviensia. Band 13, Krakau 2008, S. 103–117 (, PDF; 17 MB). ist ein etwa 1100 Kilometer langes, von Westnordwest nach Ostsüdost verlaufendes Hochgebirge in Eurasien zwischen Schwarzem und Kaspischem Meer. Es ist Teil des Alpidischen Gebirgssystems und unterteilt sich in die drei Gebirgsketten namens Großer Kaukasus, Kleiner Kaukasus und Talysch-Gebirge. Der Kaukasus ragt bis zu einer Höhe von 5642 Metern über dem Meeresspiegel auf und hat eine mittlere Höhe von 602 Metern. Er befindet sich auf den Territorien Russlands, Georgiens, Armeniens, Aserbaidschans und der Türkei. Im Jahr 2000 lebten etwa 30,6 Millionen Menschen in diesem Gebirge und seiner näheren Umgebung. Die Region des Kaukasus war schon im Altertum eine wichtige Drehscheibe für den Handel.

Lage und Geographie

mini|Nord- und Südkaukasus

Der Kaukasus gliedert sich in die Ebenen des Nordkaukasus, den Großen Kaukasus, die Transkaukasische Senke, den Kleinen Kaukasus und das Talysch-Gebirge. Die Entwässerung ist vorwiegend radial. Längstäler sind im Kaukasus selten. Eine der wenigen Ausnahmen stellt das Hochtal von Swanetien dar.

Der Große Kaukasus ist über 1100 Kilometer lang, bis 180 Kilometer breit und vielfach gegliedert. Ganz im Norden liegt die Kette der bewaldeten Schwarzen Berge (um ). Südlich davon folgt der Weidekamm ( bis ), dann der Felsenkamm (bis ). Südlich dieser Ketten unterteilt sich das Gebirge in vier Abschnitte: den westlichen Schwarzmeerkaukasus, auch Pontischer Kaukasus genannt ( bis ), den vergletscherten Hochgebirgs-Kaukasus mit den höchsten Gipfeln Elbrus, Schchara und Kasbek (bis ), in der Mitte das Suramigebirge (bis ) und im Osten den Kaspischen Kaukasus ( bis ). Die Hauptkette wird nur durch einen einzigen ganzjährig befahrbaren Übergang, die Georgische Heerstraße in zwei Hälften geteilt. Die Taman-Halbinsel und die Abşeron-Halbinsel bilden geologische Fortsetzungen von Haupt- oder Nebenketten, die dadurch noch ins Meer hineinragen. Mit dem Krimgebirge und dem turkmenisch-chorasanischen Kopet-Dag liegt der Große Kaukasus auf einer Faltungszone der alpidischen Gebirgsbildung, an die er aber nicht geographisch grenzt, sondern durch unterseeische oder noch relativ flache Faltenkämme verbunden ist.

Rund 100 Kilometer südlich liegt der Kleine Kaukasus auf dem Territorium von Georgien, Armenien und Aserbaidschan. Der Kleine Kaukasus ist kein eigenständiges Gebirge, sondern ein Abschnitt der nordanatolisch-nordiranischen Kettengebirge mit Deckenbau und jungen Vulkanen. Im Südwesten ist er im georgisch-türkischen Grenzgebiet mit dem Pontischen Gebirge verbunden, im Südosten geht das Talysch-Gebirge auf dem Staatsgebiet des Iran in das Elburs-Gebirge über und im Süden schließt sich das Armenische Hochland an. Am Suramigebirge grenzt er unmittelbar an den Großen Kaukasus. Der höchste Berg des Kleinen Kaukasus ist der Aragaz (). Bedeutend als Referenzberg ist auch der Gjamysch (). Er ist mit Firn bedeckt, hat aber keine Gletscher.

Innereurasische Grenze In der Antike galt der Kaukasus zeitweise als Grenze zwischen Europa und Asien. Seit 1735 wurde gemäß Philipp Johann von Strahlenberg, im Russischen Reich, später dann in der UdSSR, die etwa 300 km nördlich des Großen Kaukasus gelegene Kuma-Manytsch-Niederung als Grenze zwischen den Erdteilen betrachtet. Diese Darstellung wird auch international überwiegend akzeptiert. Da das Kaspische Meer seit dem Quartär bis vor etwa 10.000 Jahren (Chwalynsker Transgression) mit dem Schwarzen Meer verbunden war, bildet der ehemalige Wasserweg eine logische Verlängerung der durch Asowsches Meer – Schwarzes Meer – Bosporus – Marmarameer und Dardanellen gebildeten Abgrenzung zwischen Europa und Asien. In der Großen Sowjetischen Enzyklopädie war bis zur letzten Auflage noch die Kontinentgrenze nach Strahlenberg eingetragen. Heute wird in Russland der Kaukasuskamm als Kontinentgrenze angesehen.

Geologie miniatur|Gebirgsketten des Großen Kaukasus

Der Kaukasus ist ein Faltengebirge mit einigen Vulkankegeln, das wie die Alpen im Tertiär aufgefaltet wurde. Es besteht u. a. aus Graniten und Gneisen und enthält Erdöl- und Erdgas­lagerstätten, deren Reserven auf bis zu 200 Milliarden Barrel Erdöl geschätzt werden. (Zum Vergleich: Für Saudi-Arabien – das Land mit den weltweit größten Erdölvorkommen – werden 260 Milliarden Barrel geschätzt.) Die Lagerstätten werden in der Region um Maikop, um Grosny, um Baku und in jüngerer Zeit auch unter dem Kaspischen Meer abgebaut.

Geophysikalisch bildet der Kaukasus eine breite Zone der Verformung, die ein Teil des alpidischen Gebirgsgürtels, des Kollisionsgürtels der Kontinentalplatten von den Alpen bis zum Himalaya ist. Die Tektonik des Gebiets wird von einer Verschiebung der arabischen Platte um etwa 2,5 Zentimeter pro Jahr nach Norden gegen die Eurasische Platte bestimmt.

Ende des 20. Jahrhunderts ereigneten sich im Kaukasus deshalb verschiedene große Erdbeben mit Magnituden von 6,5 bis 7, die katastrophale Konsequenzen für die Bevölkerung und die Wirtschaft in der Region hatten. Beim Erdbeben von Spitak, Armenien, am 7. Dezember 1988 starben mehr als 25.000 Menschen, rund 20.000 wurden verletzt und etwa 515.000 wurden obdachlos.

Klima und Vegetation mini|Ausschnitt der globalen Klimate für Westasien und Kaukasien nach der Köppen-Geiger-Klassifikation

Vergleichbar mit den Alpen liegt der Kaukasus im Übergang zwischen der kühlgemäßigten und der subtropischen Klimazone. Aufgrund der Grenzlage zwischen dem subtropisch-humiden (feuchten) Klima um das Schwarze Meer bis zum südlichen Kaspischen Meer, dem eher gemäßigt-ariden (trockenen) Steppen- und Wüstenklima Mittelasiens und dem gemäßigt-kontinentalen (winterkalten) Klima der nördlichen Vorgebirge sowie der vielen kleinräumigen Gebirgsklimate der Höhenstufen begegnen sich im Kaukasus sehr viele Klimatypen auf relativ engem Raum.

Der Gebirgskamm des Großen Kaukasus wird häufig als Grenze zwischen der gemäßigten und der subtropischen Klimazone festgelegt. Das gemäßigt-kontinentale Klima setzt sich über Ostgeorgien ins Armenische Hochland und die Osttürkei fort. Im Kaukasus werden fünf regionale klimatische Grundtypen unterschieden: ein panhumides (ganzjährig feuchtes) subtropisches Klima, ein gemäßigt-feuchtes, ein gemäßigt-kontinentales semihumides oder semiarides (die Mehrheit des Jahres feuchtes bzw. trockenes) Klima, ein eher kontinental-trockenes kälteres Klima und ein kontinentales, eher heißes und sehr arides Klima.

mini|links|Skizze der Niederschlagsmengen im Kaukasus von Élisée Reclus (englisch, Mengenangaben des Niederschlags in Zoll)

Die panhumide Klimazone ist für den Westen des Großen und Kleinen Kaukasus von der Schwarzmeerküste Russlands über Westgeorgien bis zur Nordostküste der Türkei charakteristisch. Der Jahresniederschlag liegt hier über 2000 Millimeter. Diesem Klima entspricht die Vegetation sehr grüner und dichter subtropischer Feuchtwälder. Die Verdunstungswolken des feuchten Klimas werden ganzjährig vom kalten Hochlandklima angezogen, wo sie kondensieren und vorwiegend an den Gebirgsrändern abregnen. Dadurch sind fast alle Gebirgsränder im Norden des Kleinen Kaukasus, des Pontischen Gebirges, des Talysch-Gebirges, des Elburs-Gebirges und rund um den Großen Kaukasus sehr grün und waren ursprünglich dicht bewaldet. Im Zentralkaukasus, Teilen des Ostkaukasus, im nördlichen und östlichen Teil des Kleinen Kaukasus und in höheren Lagen oberhalb des subtropisch-panhumiden Gebietes herrscht ein gemäßigt-feuchtes Klima vor. Zu diesem Klima gehört die Zone der gemäßigten Mischwälder, die oberhalb in Nadelwälder und über der Baumgrenze in Hochalmen und Gletscher übergeht. Dagegen sind der innere Teil des Südkaukasischen Hochlandes (Armenien) und einige Regionen des Ostkaukasus (Teile des Berglandes von Dagestan) und das nordöstliche Steppenvorland von einem verhältnismäßig kontinentalen und trockenen Klima geprägt. Die jährlichen Niederschlagsmengen liegen hier bei 500 bis 600 Millimeter. In den sehr ariden heißen Steppen, Halbwüsten und Wüsten Inner-Aserbaidschans und des Arastals liegen sie noch darunter bei 200 bis 400 Millimetern.Kapitel Modern Vegetation of the Caucasus. bei rusnature.info. Nach Grafiken über die ökologische Höhenschichtung beschäftigt sich die 2. Karte und umliegender Text mit den Halbwüsten und Wüsten im Osten und die 3. Karte mit den Niederschlagsmengen.

Die Schneegrenze schwankt im Kaukasus zwischen 3000 und 3800 Höhenmetern. Am niedrigsten ist sie im Westen, wo sie ungefähr der Schneegrenze der Alpen entspricht. Die größte Höhe erreicht sie im Kleinen Kaukasus. Der Niederschlag führt im Winter dazu, dass viele Gebirgstäler über Monate nicht zu erreichen sind. Durch klimatische Wechselwirkung reicht der schneereiche Gebirgswinter manchmal bis in die subtropische Zone.

Im ursprünglich steppenartigen nördlichen Vorland des Großen Kaukasus reicht das Klima vom semihumiden Kontinentalklima im Westen über das semiaride bis zum ariden Kontinentalklima im Osten. Die ersten beiden Zonen wurden aber durch Bewässerungen in den letzten 200 Jahren allmählich zu Ackerland umgewandelt, das durch Schwarzerde­böden sehr ertragreich ist. Die Steppe ist nur noch im Osten erhalten. Zwischen Großem und Kleinem Kaukasus reichen Klima und Vegetation vom subtropischen Westgeorgien über das gemäßigt-feuchte Zentralgeorgien und das semiaride Hochland von Kachetien in Ostgeorgien mit eher offenen LandschaftenZur Landschaft Georgiens siehe (mit Karte). Zum vollständigeren Überblick über Gesamt-Kaukasien siehe die beiden Fußnoten am Ende des Kapitels. bis zum eher heißen und ariden Klima der Steppen, Halbwüsten und Wüsten Inner-Aserbaidschans. Im Südosten Aserbaidschans beginnt aber wieder die subtropisch-feuchte Zone des Hyrcanischen Waldes, die sich in Richtung Nordküste des Iran fortsetzt.Zu den Landschaften Aserbaidschans siehe diese Website Aserbaidschans (Karte nur Aserbaidschanisch-violett: sehr humid; grüntöne: humid; blau: alpine Landschaften; gelb: trockenes/arides Tiefland; braun: arides Hochland). Zum vollständigeren Überblick über Gesamt-Kaukasien siehe die beiden Fußnoten am Ende des Kapitels. Im Kleinen Kaukasus reichen Klima und Vegetation über abwechslungsreiche Zonen humiden oder semihumiden KlimasSiehe z. B. die abwechslungsreiche Landschaft Armeniens bei auf der Website der FAO oder die 3. Karte auf dieser Kartensammlung der University of Nebraska zu Niederschlägen. Westlich und östlich sind Klima und Vegetation ähnlich fragmentiert, siehe dazu die nächsten beiden Fußnoten., bis es nach Südosten in das eher aride gemäßigt-kontinentale oder kalt-kontinentale Hochlandklima übergeht. Zu dieser Zone, die auch in Teilen Dagestans auftritt, gehören eher steinige und kahle Landschaften mit wenig Vegetation.Zu den Klima- und Ökoregionen Kaukasiens insgesamt ausführlicher siehe WWF und Manana Kurtubadze: Climate Zones of the Caucasus Ecoregion. im GRID Arendal-Projekt des United Nations Environment Programme (UNEP) 2008. Besonders die linke, als PDF herunterladbare Karte.Vgl. auch Bericht des Caucasus Environment Outlook (CEO). Tiflis 2003. Ebenfalls beim GRID-Arendal-Projekt des UNEP. darin Kapitel CHAPTER 2. STATE OF THE CAUCASUS ENVIRONMENT AND POLICY MEASURES: A RETROSPECTIVE FROM 1972 TO 2002, Unterkapitel 2.1.1. Landscape Diversity (zugehörige Karte ebenfalls durch anklicken herunterladbar). Die Klima- und Vegetationszonen sind auch sehr gut auf dem Satellitenbild oben zu sehen.

Fauna