Die Legio XIII Gemina (13. Zwillingslegion) war eine Legion der römischen Armee, die seit ihrer Aufstellung durch Gaius Iulius Caesar im Jahre 57 v. Chr. bis in das 5. Jahrhundert mit Unterbrechungen aktiv war. Das Legionsemblem war ein Löwe.

Inwieweit Octavians Legio XIII und die caesarische Legion als dieselbe Einheit anzusehen sind, ist ungeklärt, doch wird zumindest von einer starken Bezugnahme auf die Tradition der „alten Legion“ ausgegangen.Philip Sabin, Hans van Wees, Michael Whitby (Hrsg.): The Cambridge History of Greek and Roman Warfare Volume 2: Rome from the Late Republic to the Late Empire, Cambridge University Press, 2007, ISBN 978-0-521-78274-6, S. 35–36.

mini|Ziegel mit dem Stempel der LEG(io) XIII G(emina) aus Rumänien

Caesars Legio XIII Gallischer Krieg Die Legion wurde 57 v. Chr. von Gaius Iulius Caesar für den Gallischen Krieg erstmals aufgestellt.Lesley Adkins: Handbook to Life in Ancient Rome. Sonlight Christian, 2004, ISBN 0-8160-5026-0, S. 61.

Im Jahr 57 v. Chr. wurde die Legion gegen die Stämme der Belger, Nervier eingesetzt. Den Winter 54/53 v. Chr. verbrachte die Legio XIII mit ihrem Legaten, dem Quaestor Lucius Roscius Fabatus, in einem Lager im befriedeten Teil Galliens, dem Gebiet der Esubier.Gaius Iulius Caesar, De bello Gallico 5,24 und 53. Dort begann ein Aufstand der aremoricanischen Stämme, der jedoch bald darauf zusammenbrach. Während des gallischen Aufstandes kämpfte sie 52 v. Chr. unter anderem in der Schlacht von Gergovia und der Schlacht um Alesia gegen die Truppen des Vercingetorix.

Bürgerkrieg unter Caesar Caesar überschritt im Jahr 49 v. Chr. mit der Legio XIII den Rubicon und löste damit den Römischen Bürgerkrieg aus. Zunächst wurde die XIII in Ariminum (Rimini) stationiert.Gaius Iulius Caesar, De bello civili 1,7–8. Dann gelang der Legion unter Caesars Führung die Vertreibung der senatorischen Truppen aus Auximum (Osimo).Gaius Iulius Caesar, De bello civili 1,12.

Nach der Eroberung Italiens wurde die Legion kurzzeitig nach Apulien verlegt. Im Januar 48 v. Chr. nahm die Legion an der Schlacht von Dyrrhachium und im August 48 v. Chr. an der Schlacht von Pharsalos teil. Danach wurde die Legion nach Italien geschickt und ausgemustert. Im Jahr 46 v. Chr. wurde die Legion reaktiviert und bei Caesars Feldzug nach Africa in der Schlacht bei Thapsus eingesetzt. Möglicherweise nahm die Legion 45 v. Chr. noch an der Schlacht von Munda teil.

Um 46/45 v. Chr. wurde die Legion aufgelöst. Die Veteranen wurden bei Hispellum (Spello) in der italienischen Provinz Perugia angesiedelt.

Octavians Legio XIII Gemina Für eine mögliche „Reaktivierung“ der caesarischen Legion fehlen Beweise; es kann sich bei der von Octavian, dem späteren Kaiser Augustus, um 41/40 v. Chr. (wieder-)aufgestellten Legion auch um eine zufällige Nummerngleichheit handeln.Lawrence Keppie: The making of the Roman Army. From Republic to Empire, University of Oklahoma Press, Oklahoma 1998, ISBN 978-0-8061-3014-9, S. 210.

Bürgerkrieg unter Octavian Unter Octavian kämpfte die Legion XIII von 40 bis 31 v. Chr. im Römischen Bürgerkrieg.

Sie kämpfte seit 41/40 v. Chr. im Krieg auf Sizilien gegen Sextus Pompeius, der die Getreidelieferungen nach Rom bedrohte. Im Jahr 36 v. Chr. wurde die Legion bei Puteoli eingesetzt und möglicherweise im Jahr 31 v. Chr. in der Schlacht bei Actium. Nach der Schlacht wurde die Legion wohl mit anderen Truppenteilen verschmolzen und erhielt den Beinamen Gemina. 30 v. Chr. wurde die Legion auf den Balkan verlegt.

Julisch-claudische Dynastie mini|Grabstein des Veteranen Certus aus dem antiken Tenedo (Zurzach) Von 30 bis 16 v. Chr. war die Legio vermutlich im dalmatischen Burnum (Kistanje in Kroatien) stationiert und danach von 16 v. Chr. bis 9 n. Chr. in Aemona auf dem Gebiet des heutigen Ljubljana in Slowenien.Peter Lichtenberger, „LEGIO XIII GEMINA“, IMPERIUM-ROMANUM.COM, 15. Dezember 2008, abgerufen am 5. Januar 2009.

Drusus besetzte im Jahr 15 v. Chr. Raetia und setzte die Legionen XXI Rapax und XIII Gemina als Besatzungstruppen ein.Yann Le Bohec: Die römische Armee von Augustus zu Konstantin dem Großen, Steiner, Stuttgart 1993, ISBN 3-515-06300-5, S. 192. Im Jahr 6 rüstete Tiberius gegen Marbod, den König der Markomannen. Es wurden insgesamt zwölf Legionen mit Hilfstruppen aufgestellt. Kurz nach Beginn des Feldzugs im Frühjahr des Jahres 6 brach Tiberius ihn wieder ab und schloss einen Freundschaftsvertrag mit Marbod, als er die Nachricht vom Pannonischen Aufstand erhielt.Tacitus, Annalen 2,46. Von 6 bis 9 n. Chr. warf Tiberius mit größten Anstrengungen, unter Aufbietung einer Armee von 15 Legionen, was die Hälfte des gesamten Militärpotentials der Römer zu der Zeit darstellte, den Aufstand in Pannonien und Illyrien nieder, an dessen Niederwerfung die Legion ebenfalls beteiligt war.

Nach dem Verlust der drei Legionen XVII, XVIII und XIX in der Varusschlacht wurde die Legio XIII Gemina im Jahr 9 n. Chr. als Ersatz nach Germania superior (Obergermanien) geschickt, wo sie bis 17 n. Chr. in Mogontiacum (Mainz) stationiert war.Gerold Walser (Hrsg.): Römische Inschriftkunst, Steiner, 1993, ISBN 978-3-515-06065-3, S. 186; vgl. Hildegard Temporini, Wolfgang Haase (Hrsg.): Aufstieg und Niedergang der römischen Welt. Teil II Bd. 5/1, de Gruyter, Berlin – New York 1976, ISBN 978-3-11-006690-6, S. 532. Nach Augustus’ Tod im Jahr 14 n. Chr. meuterten die Legionen in Germanien, wurden aber durch Zugeständnisse des Germanicus bald wieder beruhigt.Tacitus, Annalen 1,37. Acht Legionen nahmen an den Germanicus-Feldzügen im rechtsrheinischen Germanien in den Jahren 14 bis 16 n. Chr. teil. Die Legionen II Augusta, XIII Gemina, XIIII Gemina und XVI Gallica gehörten zur oberrheinischen Heeresgruppe des Germanicus, während die I Germanica, V Alaudae, XX Valeria Victrix und XXI Rapax zur niederrheinischen Heeresgruppe des Aulus Caecina Severus zählten.Klaus-Peter Johne: Die Römer an der Elbe. Das Stromgebiet der Elbe im geographischen Weltbild und im politischen Bewusstsein der griechisch-römischen Antike. Berlin 2006, S. 184. Im Jahr 17 n. Chr. wurde die Legion nach Vindonissa (Windisch) verlegt. Sie baute den Stützpunkt zu einem aus Holzbauten bestehenden Legionslager aus. Um 45/46 n. Chr. wurde die Legion in Vindonissa von der Legio XXI Rapax abgelöst und an die mittlere Donau nach Poetovio (Ptuj) in Pannonien verlegt, wo sie die Legio VIII Augusta ersetzte.András Mócsy: Pannonia and Upper Moesia: History of the Middle Danube Provinces of the Roman Empire, Routledge, 1974, ISBN 978-0-7100-7714-1, S. 48.

Vierkaiserjahr und Flavische Dynastie Im Bürgerkrieg des Vierkaiserjahres 69 n. Chr. stand die Legion zunächst auf der Seite Othos.Sueton: Otho 10. In der Ersten Schlacht von Bedriacum wurden Othos Legionen von Vitellius geschlagen.Edward Togo Salmon: A history of the Roman world from 30 B.C. to A.D. 138. Routledge, 1990, ISBN 978-0-415-04504-9, S. 204. Vitellius setzte die Legion zum Bau von Amphitheatern in Bedriacum (Cremona) und Bononia (Bologna) ein und verlegte sie dann nach Pannonien. Dort schloss sich die Legion Vespasian an.Barbara Levick: Vespasian (Roman Imperial Biographies). Routledge, London und New York 1999, ISBN 0-415-16618-7, S. 59 In der Zweiten Schlacht von Bedriacum siegten Vespasians Truppen. Die Legio XIII Gemina gehörte zu den insgesamt neun Legionen, die den Bataveraufstand im Jahr 70 niederschlugen.Graham Webster: The Roman Imperial Army of the first and second centuries A.D. University of Oklahoma Press, 1998, ISBN 978-0-8061-3000-2, S. 49–50.

Kaiser Domitian verlegte sie kurz nach 90 an die Donaugrenze nach Vindobona (Wien), wo sie wesentlich am Aufbau des Legionslagers beteiligt war.Renate Seebauer: Fenster nach Europa. Intensiv-Programm EURIDENT (= Interkulturelle Pädagogik. Band 7). LIT Verlag, Berlin u. a. 2009, ISBN 978-3-643-50004-5, S. 160. Im Jahr 92 nahm die Legion unter ihrem Legaten Lucius Caesennius Sospes an Domitians Krieg gegen die Sueben und Sarmaten teil.Werner Eck: Die staatliche Organisation Italiens. C.H. Beck, München 1979, ISBN 978-3-406-04798-5, S. 191.

Adoptivkaiser und Antoninische Dynastie Der Bau des pannonischen Legionslagers Brigetio, das nach älterer Meinung während der Regierungszeit des Kaisers Trajan (98–117) oder laut der im Lager geborgenen Bauinschrift um 124/128 n. Chr. errichtet wurde,Emese Számadó, Lászlo Borhy: Brigetio castra legionis. In: Zsolt Visy (Hrsg.): The Roman army in Pannonia. Teleki Lázló Foundation 2003, ISBN 963-86388-2-6, S. 75–77; hier S. 76; Tilmann Bechert: Römische Lagertore und ihre Bauinschriften. Ein Beitrag zur Entwicklung und Datierung kaiserzeitlicher Lagertorgrundrisse von Claudius bis Severus Alexander. In: Bonner Jahrbücher. Band 171, 1971, S. 201–287, DOI:10.11588/bjb.1971.1.82067, hier: S. 235; Zsolt Mráv: Die Brückenbauinschrift Hadrians aus Poetovio. In: Communicationes archaeologicae Hungariae 2002, S. 15–57; hier: S. 34. entstand durch die seit 89 n. Chr. in Pannonien eingesetzte Legio I Adiutrix, wobei sie laut der vorgefundenen Ziegelstempel von Vexillationen (Abteilungen) der drei anderen pannonischen Legionen an der suebischen Front – der XIII Gemina, der XIIII Gemina und der XV Apollinaris – unterstützt wurde.László Barkóczi, András Mócsy: Die römischen Inschriften Ungarns (RIU). 2. Lieferung. Salla, Mogentiana, Mursella, Brigetio. Adolf M. Hakkert, Amsterdam 1976, ISBN 963-05-0680-7, S. 89. Sollte Brigetio eine trajanische Gründung sein, verließ die Legio I Adiutrix 100/101 n. Chr. Brigetio und kam in einen Bereitstellungsraum für den ersten Dakerkrieg (101–102).Karl Strobel: Untersuchungen zu den Dakerkriegen Trajans. Rudolf Habelt Verlag, Bonn 1984, ISBN 3-7749-2021-4. S. 85. Dabei könnte auch der Bautrupp der XIII Gemina aus Brigetio abgezogen worden sein, da diese Legion gleichfalls am ersten Dakerkrieg Trajans teilnahm. Anschließend bildete sie mit der Legio IIII Flavia Felix unter dem Militärstatthalter Cn. Pinarius Aemilius Cicatricula Pompeius Longinus die Besatzungsmacht des eroberten Gebietes. Ein Aufstand führte im Jahr 105 zum zweiten Dakerkrieg, der im Jahr 106 mit einem römischen Sieg und der Gründung der Provinz Dacia endete. Nach den Dakerkriegen wurde die Legion in Apulum (Alba Iulia; dt.: Karlsburg) stationiert.Ioan Piso: An der Nordgrenze des Römischen Reiches (Heidelberger Althistorische Beiträge und Epigraphische Studien (HABES) Band 41), Steiner, 2005, ISBN 978-3-515-08729-2, S. 360. Die Legio I Adiutrix wurde 115 wieder abgezogen.Yann Le Bohec: Die römische Armee von Augustus zu Konstantin dem Großen, Steiner, Stuttgart 1993, ISBN 3-515-06300-5, S. 194. In den Jahren 116 bis 119 führten sarmatische Angriffe dazu, dass einige exponierte Randgebiete Dakiens aufgegeben wurden.Edward N. Luttwak: The Grand Strategy of the Roman Empire. From the First Century A.D. to the Third. Johns Hopkins University Press, Baltimore 1979, ISBN 978-0-8018-2158-5, S. 101. Im Jahr 119 wurde die Legio IIII Flavia Felix abgezogen, und die Legio XIII Gemina blieb, neben mehreren Auxiliareinheiten, als Besatzungstruppe zurück.