mini|Der Capricorn als Wappentier der Legio XIIII Gemina Martia Victrix, vereinfachte Darstellung mini|Feldzeichen (signum) der Legion, Replik im Museum Carnuntinum mini|Einsatzgebiet der Legion unter Claudius in Britannien mini|Grabstein des Gnaeus Musius, Standartenträger der Legio XIIII mini|Bleirohr mit Inschrift der Legio XIIII Gemina aus Wiesbaden (Aquae Mattiacorum) mini|Moderne Brückentafel der Römerbrücke in Mainz, die hier als Holztragwerkkonstruktion mit Segmentbögen dargestellt wird mini|Ziegelstempel in Form einer Tabula ansata der legio XIV Gemina M V, 101–114 n. Chr., gefunden im Kreuzgang des Stiftes in Klosterneuburg mini|Weihealtar aus Wien. Um das Jahr 102 weihte Titus Vettius Rufus, Centurio der Legio XIIII Gemina, diesen Altar den Nymphen. mini|Unter Septimius Severus im Jahr 193 geprägter Aureus zu Ehren der LegionIMPerator CAEsar Lucius SEPtimius SEVerus PERTinax AVGustusLEGio XIIII GEMina Martia Victrix
Die Legio XIIII Gemina (manchmal auch Legio XIV Gemina) war eine Legion der römischen Armee.
Im 1. und 2. Jahrhundert sind der Capricorn (mythologische Gestalt: halb Steinbock, halb Fisch) und der Adler als Legionsembleme belegt. Seit dem 3. Jahrhundert wurde ausschließlich der Capricorn verwandt.Yann Le Bohec: Die römische Armee von Augustus zu Konstantin dem Großen, Steiner, Stuttgart 1993, ISBN 3-515-06300-5, S. 287.
Caesars Legio XIIII Gallischer Krieg Die Legio XIIII wurde vielleicht schon von Gaius Iulius Caesar im Jahre 57 vor Christus in NorditalienGaius Iulius Caesar, De bello Gallico 5,24,4. während der Eroberung Galliens aufgestellt.
Im Winter 54/53 v. Chr. wurde die Legion von den Eburonen unter Ambiorix in ihrem Winterlager bei Aduatuca angegriffen und nahezu aufgerieben.Gaius Iulius Caesar, De bello Gallico 5,28–37; vgl.: Alfred von Domaszewski: Abhandlungen zur römischen Religion, Leipzig 1909, Nachdruck Olms, Hildesheim, New York 1977, S. 8. Caesar stellte die Legion 53 v. Chr. wieder her und setzte sie 52 v. Chr. in der Schlacht um Alesia ein.
Bürgerkriege Danach nahm sie am Bürgerkrieg gegen Gnaeus Pompeius Magnus teil, wo sie zunächst in Spanien stationiert war. Im Sommer 49 v. Chr. besiegte sie mit der Legio VI Ferrata und Legio VIIII Hispana die Anhänger des Pompeius bei Ilerda (Lleida).Gaius Iulius Caesar, De bello civili 1,43–60 ().
Im Jahr 48 v. Chr. setzte Caesar die Legion in der Schlacht von Dyrrhachium und wohl auch in der Schlacht von Pharsalos ein. Dann wurde die Legion nach Italien verlegt und aufgelöst. Für den Bellum Africum (Afrikanischer Krieg), der mit der Schlacht bei Thapsus im Jahr 46 v. Chr. ein schnelles Ende fand, reaktivierte Caesar die Veteranen der Legion. Dann löste Caesar die Legion um 46/45 v. Chr. wieder auf.Lawrence Keppie: The making of the Roman Army. From Republic to Empire, University of Oklahoma Press, Oklahoma 1998, ISBN 978-0-8061-3014-9, S. 210
Octavians Legio XIIII Triumvirat und Bürgerkrieg Ob Octavian die „alte“ Legio XIIII in den Jahren 41/40 v. Chr. wiederherstellte oder eine „neue“ Legio XIIII aufstellte ist unsicher.
Während des Triumvirats setzte Octavian die Legion bis 36 v. Chr. gegen Sextus Pompeius, der Sizilien besetzt hatte, ein. Im Bürgerkrieg kämpfte die Legion bis zur Niederlage des Marc Anton in der Schlacht bei Actium im Jahr 31 v. Chr. auf der Seite Octavians.
Julisch-claudische Dynastie Veteranen der Legio XIIII wurden in Italien bei Ateste (Este) angesiedelt. Die Einheit wurde mit Legionären aus den aufgelösten Truppen Marc Antons aufgefüllt und zur Legio XIIII Gemina verschmolzen nach Illyrien verlegt.
Im Jahr 13 v. Chr. wurden die Legio XIIII Gemina und Legio XVI Gallica an den Rhein, in das neu errichtete Lager Mogontiacum (Mainz) verlegt.Hildegard Temporini, Wolfgang Haase (Hrsg.): Aufstieg und Niedergang der römischen Welt (ANRW). Teil II Bd. 5/1, de Gruyter, Berlin – New York 1976, ISBN 978-3-11-006690-6, S. 491.
Während der Vorstöße nach Germanien unter Augustus verstarb ihr Feldherr Drusus im Jahr 9 v. Chr. nach einem Reitunfall. Danach errichteten die Soldaten der Legio XIIII Gemina und der Legio XVI Gallica ihm zu Ehren in Mainz ein Kenotaph, den Drususstein.Heinz Bellen: Politik – Recht – Gesellschaft: Studien zu alten Geschichte, Steiner, Stuttgart 1997, ISBN 3-515-07150-4, S. 93.
6 n. Chr. führte Gaius Sentius Saturninus mindestens acht Legionen (Legio VIII Augusta und Legio XV Apollinaris aus Pannonia, Legio XX Valeria Victrix aus Illyrien, Legio XXI Rapax aus Raetia, Legio XIII Gemina, Legio XIIII Gemina und Legio XVI Gallica aus Germania superior und eine unbekannte Einheit) von Süden gegen Marbod, den Markomannenkönig, während die Legio I Germanica, Legio V Alaudae, Legio XVII, Legio XVIII und Legio XIX unter Tiberius von Carnuntum aus nach Norden anmarschierten. Das stellte die Hälfte des gesamten Militärpotentials der Römer zu der Zeit dar. Kurz nach Beginn des Feldzugs im Frühjahr des Jahres 6 brach Tiberius ihn wieder ab, als er die Nachricht vom Pannonischen Aufstand erhielt. Allerdings schloss Tiberius vorher noch einen Freundschaftsvertrag mit Marbod, um sich vollkommen auf die schwere Aufgabe in Pannonien zu konzentrieren.
Nach Augustus’ Tod im Jahr 14 n. Chr. wird sie in Mogontiacum (Mainz) erwähnt, als die Rheinlegionen meuterten. Durch Zugeständnisse des Germanicus wurden sie aber bald wieder beruhigt.Tacitus, Annales 1,37. Acht Legionen nahmen an den Germanicus-Feldzügen im rechtsrheinischen Germanien in den Jahren 14 bis 16 n. Chr. teil. Die Legionen II Augusta, XIII Gemina, XIIII Gemina und XVI Gallica gehörten zur oberrheinischen Heeresgruppe des Germanicus, während die I Germanica, V Alaudae, XX Valeria Victrix und XXI Rapax zur niederrheinischen Heeresgruppe des Aulus Caecina Severus zählten.Klaus-Peter Johne: Die Römer an der Elbe. Das Stromgebiet der Elbe im geographischen Weltbild und im politischen Bewusstsein der griechisch-römischen Antike. Berlin 2006, S. 184.
In den Jahren 39/40 verlegte Caligula die Legio IIII Macedonica für seinen Feldzug gegen die Chatten nach Mogontiacum (Mainz) in Germania superior (Obergermanien).Heinrich Beck, Dieter Geuenich, Heiko Steuer (Hrsg.): Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Band 20, de Gruyter, 2002, ISBN 978-3-11-017164-8, S. 148. Der Krieg endete mit einem Sieg Galbas, des Kommandanten des obergermanischen Heeres und späteren Kaisers, im Winter 40/41. Zunächst teilte sie das Lager wohl mit der Legio XIIII Gemina, die im Jahr 43 von der Legio XXII Primigenia abgelöst wurde.Gerold Walser (Hrsg.): Römische Inschriftkunst. Steiner, 1993, ISBN 978-3-515-06065-3, S. 200. Eine Auswertung der Mainzer Inschriften zwischen 13 v. und 43 n. Chr. ergab, dass die Angehörigen der Legio XIIII Gemina zu 79 % aus Italien, zu 17 aus Gallien und zu 3 % aus Österreich stammten.Maureen Carroll: Spirits of the dead: Roman funerary commemoration in Western Europe, Oxford University Press, 2006, ISBN 0-19-929107-1, S. 214
Vermutlich gehörte die Legio XIIII Gemina zu den römischen Truppen, mit denen Aulus Plautius im Auftrag des Kaisers Claudius 43 n. Chr. Britanniens eroberte. Für ihre Teilnahme am Eroberungsfeldzug liegen keine sicheren antiken Belege vor; ihre Anwesenheit auf der Insel in den folgenden Jahren macht die Annahme aber wahrscheinlich. Es ist aber auch möglich, dass die Legion erst wenig später nach Britannien übersetzte, möglicherweise gemeinsam mit Kaiser Claudius, der der neu eroberten Provinz einen Besuch abstattete.Lawrence Keppie: Legiones II Augusta, VI Victrix, IX Hispana, XX Valeria Victrix. In: Yann Le Bohec (Hrsg.): Les Légions de Rome sous le Haut-Empire. Actes du Congrès de Lyon (17–19 septembre 1998) (= Collection du Centre d’Études Romaines et Gallo-Romaines. Nouvelle série, N° 20). De Boccard, Paris 2000, ISBN 2-904974-19-9, S. 25–37, hier S. 26 f.
Bis vermutlich 55 war die Legio XIIII Gemina, möglicherweise gemeinsam mit der Legio VIIII Hispana, in Ratae Corieltavorum (Leicester) stationiert. Nach anderer Forschungsmeinung kommt auch die Stationierung in Lactodurum (Towcester) von 43 bis 48 und in Manduessedum (Mancetter) von 48 bis 56 in Frage.Anthony R. Birley: The Roman government of Britain, Oxford University Press, 2005, ISBN 978-0-19-925237-4, S. 30. Unter dem Statthalter Publius Ostorius Scapula (47–52) wurde die Legion bei Feldzügen gegen die Kornen (um 47), Deceangli (48) und Briganten (49?) eingesetzt, bevor sie nach Lincolnshire verlegt wurde. In den 50er Jahren kämpfte die Legion gegen die Silurer, Ordovicer, und erneut gegen die Deceangli. In den späten 50er Jahren wurde die Legion nach Viroconium (Wroxeter) verlegt.Claude Lepelley (Hrsg.): Rom und das Reich in der Hohen Kaiserzeit, Bd. 2: Die Regionen des Reiches, de Gruyter, München 2001, ISBN 3-598-77449-4, S. 218.
Wahrscheinlich für ihre Rolle bei der Niederschlagung des Boudicca-Aufstands 61/62 n. Chr. erhielt sie die ehrenden Beinamen Martia Victrix („kriegerisch und siegreich“).Lawrence Keppie: Legiones II Augusta, VI Victrix, IX Hispana, XX Valeria Victrix. In: Yann Le Bohec (Hrsg.): Les Légions de Rome sous le Haut-Empire. Actes du Congrès de Lyon (17–19 septembre 1998) (= Collection du Centre d’Études Romaines et Gallo-Romaines. Nouvelle série, N° 20). De Boccard, Paris 2000, ISBN 2-904974-19-9, S. 25–37, hier S. 27. Veteranen der Legionen XIIII Gemina Martia Victrix und XX Valeria Victrix wurden im zerstörten Camulodunum (Colchester) angesiedelt und bauten die Stadt wieder auf.Anthony R. Birley: The Roman government of Britain, Oxford University Press, 2005, ISBN 978-0-19-925237-4, S. 49.
Kurz nach 65 wurde die Legion aus Viroconium (Wroxeter) abgezogen und von der Legio XX Valeria Victrix abgelöst.Alan K. Bowman, Peter Garnsey, Dominic Rathbone (Hrsg.): The Cambridge Ancient History. Vol. 11: The High Empire, A.D. 70–192. University Press, Cambridge 2000, ISBN 0-521-26335-2, S. 562. Sie wurde um 66/67 für Neros geplanten Kaukasusfeldzug gegen die Parther an die Donau verlegt. Als im Jahr 68 die Statthalter Gaius Iulius Vindex aus Gallia Lugdunensis und Galba aus Hispania Tarraconensis Neros Sturz vorbereiteten, setzte der Kaiser die Legion nach Norditalien in Marsch.David Colin Arthur Shotter: Nero Caesar Augustus: Emperor of Rome, Pearson, 2008, ISBN 978-1-4058-2457-6, S. 161; vgl. Anthony R. Birley: The Roman government of Britain, Oxford University Press, 2005, ISBN 978-0-19-925237-4, S. 227–228
Vierkaiserjahr und Flavische Dynastie Im Vierkaiserjahr 69 stellte sich die Legion auf die Seite des Kaisers Otho. Die Legion marschierte mit den anderen pannonischen und illyrischen Legionen nach Italien, jedoch traf nur eine Vexillation der XIIII Gemina rechtzeitig ein, um an der Ersten Schlacht von Bedriacum teilzunehmen. Othos Truppen wurden von Vitellius geschlagen. Vitellius verlegte die Legion wieder nach Viroconium (Wroxeter) in Britannien. An den Kämpfen zwischen Vitellius und Vespasian war die Legion nicht beteiligt.
68/69 n. Chr. brach im Zuge des römischen Bürgerkrieges (Vierkaiserjahr) auch ein Aufstand unter den verbündeten Batavern unter Iulius Civilis aus, der sich schließlich auch auf fast alle rheingermanischen Stämme ausweitete. Alle Kastelle nördlich von Mogontiacum wurden dabei belagert oder zerstört.Tacitus, Historiae 4,14 ff.
Die Legio XIIII Gemina wurde im Jahr 70 zur Verstärkung gegen die Aufständischen von Britannien auf das Festland verlegt.Tacitus, Historiae 4,68. Fabius Priscus führte die Legion gegen die Nervier und Tungerer in der Provinz Gallia Belgica, die sich ergaben.Tacitus, Historiae 4,79. Darauf marschierte die Legion nach Colonia Claudia Ara Agrippinensium und war schließlich auch an der entscheidenden Schlacht bei Vetera (Xanten) im Juli 70 beteiligt.