Die Blockflöte ist ein Holzblasinstrument, das zur Gruppe der Kernspaltflöten gehört. Zur Tonerzeugung enthält ihr Kopf einen Kern (genannt Block) aus Holz oder Kunststoff, der nur eine enge Spalte (den Kernspalt) frei lässt. Wegen der Form ihres Mundstücks (bei den häufigsten, kleineren Typen) wird dieser Flötentyp auch „Schnabelflöte“ genannt. Die Blockflöte bildet eine größere Instrumentenfamilie mit Flötentypen in allen Tonlagen, die meistens in C oder in F gestimmt sind.

Die heute übliche Form der zweihändig gespielten Blockflöte geht auf einen mittelalterlichen Instrumententyp zurück, der sich seinerseits von verschiedenen älteren Flötentypen herleitet. Spätestens ab dem Spätmittelalter lässt sich die Blockflöte als eines der wichtigsten Holzblasinstrumente nachweisen. Eine besondere Blüte erlebte das Instrument in der Barockmusik, als auch einige technische Anpassungen an der Bauweise vorgenommen wurden, um den Tonumfang zu vergrößern und einen helleren, klareren Klang zu erzielen. Etwa in der Mitte des 18. Jahrhunderts wurde die Blockflöte jedoch von der Querflöte weitgehend verdrängt, nicht zuletzt weil diese mit ihrem lauteren Klang sich in den größer werdenden Orchestern akustisch besser durchsetzen konnte. Erst im frühen 20. Jahrhundert kam es zu einer „Wiederentdeckung“ der Blockflöte, einerseits im Bereich der historischen Aufführungspraxis von Renaissance- und Barockmusik, andererseits in der Jugendbewegung und der Musikpädagogik. Zusätzlich sind jedoch seitdem auch neue Kompositionen in unterschiedlichen Genres für das Instrument entstanden.

Die Blockflötenfamilie

Renaissance und Barock mini|Moderne Nachbauten barocker Blockflöten (von links nach rechts: Kontrabass, Großbass, Bass, Tenor, Alt, Sopran, Sopranino) In Europa etablierte sich die Blockflöte seit der Renaissance als ganze Instrumentenfamilie durch alle Tonlagen hindurch.

Die traditionellen Bezeichnungen der Blockflötengrößen entsprechen den jeweils eine Oktave tieferen vokalen Stimmregistern. Die Lage der Tenorblockflöte (Tonumfang c1 bis d3) entspricht also der Sopran-Singstimme; die Bassblockflöte (f bis g2) erklingt in der Altlage und entspricht der Alt-Singstimme. Eine mögliche Erklärung für diese „verschobenen“ Bezeichnungen der Blockflötentypen bringt schon Michael Praetorius. Er vermutet, dass durch die wenig ausgeprägten Obertöne der Klang des Instrumentes im Vergleich zu fast allen anderen Musikinstrumenten sehr grundtönig empfunden wird. Er wird als weniger hoch empfunden als etwa der von einer Violine gespielte gleich hohe Ton.So argumentiert bereits Michael Praetorius: Syntagma musicum. Band 2,2: Theatrum Instrumentorum. Elias Holwein, Wolfenbüttel 1620, S. 21 (online). Siehe auch: Hildemarie Peter: Die Blockflöte und ihre Spielweise in Vergangenheit und Gegenwart. Robert Lienau, Berlin 1953 (zugleich Dissertation, Freie Universität Berlin 1952), S. 50.

Folgende Instrumente wurden in der Renaissance und im Barock gebaut (angegeben ist jeweils der tiefste spielbare Ton). Der Tonumfang der einzelnen Blockflöten betrug jeweils etwa zwei Oktaven. Sopraninoblockflöte ab f2 und g2 Sopranblockflöte ab c2 (Fifth-Flute), ab d2 (Sixth-Flute) und ab b1 (Fourth-Flute) Altblockflöte ab f1 (seltener auch in g1) Voice-Flute ab d1 Tenorblockflöte ab c1 Bassblockflöte ab f0 (auch Basset genannt) Großbassblockflöte ab B und c0 (auch Bass genannt) Kontrabassblockflöte ab F und Es

Wenn nichts anderes angegeben ist, wurde in der Regel von einer Altblockflöte ausgegangen. Sie war das übliche Soloinstrument.

Bisweilen findet sich der Ausdruck Chorflöte für die Sopranblockflöte.

20. Jahrhundert Neben den Kopien nach historischen Vorbildern der oben genannten Größen wurde die Blockflötenfamilie sowohl nach oben als auch nach unten erweitert. Moderne, neu entwickelte Modelle, sogenannte harmonische Blockflöten, erreichen einen Tonumfang von etwas mehr als drei Oktaven. Heute gängig sind vor allem Sopranino- bis Bassblockflöte.

Die gängigen modernen Blockflötentypen haben meist folgende Tonumfänge und sind abwechselnd in C und F gestimmt: Garkleinblockflöte: c3–a4 (g5) Sopraninoblockflöte: f2–g4 (c5) Sopranblockflöte: c2–d4 (g4) Altblockflöte: f1–g3 (c4) Tenorblockflöte: c1–d3 (g3) Bassblockflöte: f0–g2 (c3) Großbassblockflöte: c0–d2 (g2) Kontrabassblockflöte: F–g1 (c2) Subgroßbassblockflöte: C–d1 (g1) Subkontrabassblockflöte: F1–g0 (c1) Sub-Subgroßbassblockflöte: C1–d0 (g0)

Die Bezeichnungen werden nicht ganz einheitlich verwendet. So wird manchmal die Bassflöte ab f0 als Basset und erst diejenige ab c0 als Bass bezeichnet. Vor allem im Bereich der Flöten unterhalb des Großbasses gibt es unterschiedliche Bezeichnungen; obige Namen orientieren sich an den Paetzold-Blockflöten der Firma Kunath. Die Kontrabassblockflöte wird auch als Subbassblockflöte bezeichnet, die beiden tiefsten Blockflöten auch als Subkontrabass und Subsubkontrabass.Fa. Dolmetsch Recorders Zwischenzeitlich wurde die Modellreihe um einen SubSubgroßbass nach unten hin erweitert.

Es existieren sechs Exemplare der Subkontrabassblockflöte in B1 (auch „Big Babe“), die in den 1990er Jahren in historischer Bauweise von der niederländischen Flötenbauerin Adriana Breukink angefertigt wurden. Zwei der 3 m hohen Exemplare befinden sich in Amsterdam, eines in Karlsruhe, eines in Sao Paulo, eines in Hongkong und eines zusammen mit 13 weiteren Blockflötenmodellen Breukinks nach historischen Vorbildern an der Hochschule für Musik Freiburg.Drei Meter groß, hölzern, tieftönig: Das ist die XXL-Blockflöte der Musikhochschule Freiburg, Lisa Petrich, Badische Zeitung, 25. Dezember 2023, abgerufen am 25. Dezember 2023.Eine Flöte, so groß wie ein Alphorn, Hochschule für Musik Freiburg

Notation

Die Blockflöte wird als nicht transponierendes Instrument, also immer wie klingend, notiert. Die allgemein übliche Notation erfolgt heute von der Garkleinblockflöte bis zur Tenorblockflöte im Violinschlüssel, so dass der tiefste Ton jeweils als c1 oder f1 notiert wird. Ab der Bassblockflöte wird im Bassschlüssel notiert, wobei der tiefste Ton als F oder C notiert wird. Selten werden Bass- und Großbassblockflöte auch im Violinschlüssel notiert, dann ab f0 oder c1, was hauptsächlich didaktische Gründe hat. Früher war es unüblich Oktavierungen mit dem Schlüssel anzugeben. In neueren Ausgaben wird darauf meist geachtet.

Die Notation um 1600 benutzte für das chorische Flötenspiel den Diskant-, Alt-, Tenor- und Bassschlüssel. In den barocken Handschriften wurde bei der Altflöte auch der Französische Violinschlüssel notiert.

Da im Barock die Sopranblockflöte relativ unüblich war, sind manche Stimmen transponiert notiert. So konnte ein Spieler, der mit der verbreiteten Altflöte vertraut war, diesen Part ohne das Umlernen von Griffen spielen.

Aufbau und Funktionsweise Aufbau miniatur|Aufbau einer Blockflöte, Front- und Rückansicht miniatur|Schematischer Längsschnitt eines Blockflötenkopfs mit Block (A), Windkanal (B) und Schneidekante (C). Blockflöten sind in der Regel dreiteilig und bestehen aus Kopfstück, Mittelstück und Fußstück. Sopranino-, Sopran- und Altblockflöten werden auch zweiteilig gebaut, wobei das Mittel- und Fußstück in einem Stück gefertigt sind. Die Garkleinblockflöte wird meist einteilig gebaut. Die einzelnen Teile werden über Zapfen leicht drehend zusammengesteckt (im Bild nicht sichtbar). Die Zapfen sind als Dichtung mit einem gewachsten Faden umwickelt oder mit einem Korkring versehen. Die Bassblockflöte kann, wie alle noch größeren Blockflöten zwangsläufig, über eine spezielle Anblasvorrichtung, den S-Bogen, verfügen.

Alle drei Teile einer Blockflöte bilden zusammengesteckt eine Röhre, deren Bohrung vom Kopf- zum Fußstück je nach Instrumententypus zylindrisch oder umgekehrt konisch (also verjüngend) verläuft. Am unteren Ende (Fußstück) ist diese Röhre offen, am oberen Ende wird sie im Kopfstück durch einen Kern oder Block verschlossen, der einen Windkanal (Kernspalte) bildet. Der Windkanal wird bei einfachen Schulblockflöten weit und rechteckig gestaltet. Bei Solistenflöten ist er meist gebogen und enger gefertigt. Das Kopfstück ist bei den Größen bis etwa zur Tenorflöte zudem Träger des Mundstücks, auch als Schnabel bezeichnet, das an die Lippen gesetzt wird. Durch die Kernspalte über dem Block wird dem Instrument der Luftstrom zugeführt (siehe Schemazeichnung). Dieser stößt auf eine Schneidenkante (Anblaskante), die Teil des Labiums (genannt auch Aufschnitt) und wesentlich für die Tonerzeugung der Blockflöte ist. Mittelstück und Fußstück sind Träger von Tonlöchern.

Große Blockflöten wie Tenor-, Bass- und Großbassflöten werden auch mit abgewinkeltem Kopfstück gebaut. Durch den Knick „sitzen“ die Instrumente höher am Körper des Spielers und sind dadurch auch für Kinder oder Erwachsene mit kurzen Armen ohne Anstrengung spielbar.

Blockflöten verfügen in der Regel über sieben Grifflöcher auf der Vorderseite sowie eines auf der Rückseite, welches auch als Überblasloch fungiert. Die beiden untersten Grifflöcher können als Doppellöcher ausgeführt sein, was die betreffenden Halbtöne besser spielbar macht. Bei den größeren Blockflöten werden die meisten Tonlöcher wegen ihrer großen Abstände mit Klappen geschlossen. Bei einfachen Blockflöten werden die Tonlöcher meist zylindrisch gebohrt. Bei hochwertigeren Instrumenten werden die Tonlöcher teilweise unterschnitten. Beim Unterschneiden erweitert der Flötenbauer das Tonloch nach innen. Das kann gleichmäßig, aber auch nur zum Mundstück oder zum Fuß hin geschehen. Durch das Unterschneiden wird das Intonationsverhalten sowie die Ansprache der Flöten entscheidend verbessert.

Klangentstehung Der im Windkanal geformte Luftstrom (Luftblatt) gerät an der Anblaskante des Labiums in Schwingung, sodass die Luft abwechselnd ins Innere der Flöte und nach außen strömt. Die Frequenz der Schwingung und damit die Tonhöhe wird durch Resonanz mit der Luftsäule im Inneren des Instruments bestimmt. Die Klangerzeugung ist noch genauer unter Holzblasinstrumente beschrieben.

Zur Erzeugung von Tönen müssen anders als beispielsweise bei der Querflöte keine besonderen Techniken erlernt werden. Bereits durch einfaches Hineinblasen ist das Erzeugen eines Tones möglich. Allerdings ist der fortgeschrittene Blockflötist in der Lage, durch verschiedene Anblastechniken und vor allem durch Klanglaute und Zungentechniken (zum Beispiel „t“, „d“, „d-g“...) eine Vielzahl an Klangvariationen zu erreichen.

Kondenswasser im Windkanal kann die Tonerzeugung stören. Dies wird als Tröpfchenheiserkeit bezeichnet.

Bohrung mini|Eine Großbassblockflöte von „Paetzold by Kunath“ mit quadratischem Querschnitt, gespielt von Josephine Bode Die Bohrung der Renaissance-Blockflöten ist relativ weit und geht konstruktiv auf die mittelalterlichen Blockflöten zurück. Die Bohrung ist oft näherungsweise zylindrisch. Eine solche Blockflöte hat einen grundtönigen Klang, der Tonumfang beträgt je nach Modell eine TredezimeMichael Praetorius: Syntagma Musicum II, S. 21. bis zu weit über zwei Oktaven.Silvestro Ganassi führt in seinem Lehrwerk La Fontagara Griffe an bis zu zwei Oktaven plus Sexte über dem Grundton Diese Instrumente sind vornehmlich für das Ensemblespiel konzipiert und verschmelzen klanglich gut miteinander, aber auch mit anderen Renaissanceinstrumenten ähnlicher Lautstärke. In der heutigen Zeit gibt es auch Blockflöten mit näherungsweise zylindrischer Bohrung, die einen kräftigen, grundtönigen Klang haben und über zwei Oktaven gut ansprechen. Der Klang dieser Instrumente ist sehr tragfähig und nimmt erst im überblasenden Bereich an Schärfe zu.