mini|Kinshasa, Kongo, 2001 Kinshasa , (bis 3. Mai 1966 – Kurzform , ) ist die Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo.
Die Stadt ist mit mehr als 16 Millionen Einwohnern (2023) noch vor Lagos die größte Stadt in AfrikaDie Metropolregion Kairo ist mit über 21 Millionen Einwohnern (2021) zwar die größte in Afrika. Innerhalb des administrativen Stadtgebiets von Kairo leben aber nur etwas über 10 Millionen Einwohner (2021), daher liegt die Stadt hinter Kinshasa und Lagos auf dem dritten Rang der größten Städte in Afrika, siehe auch Liste der größten Städte Afrikas. und die größte frankophone Stadt der Welt. Die Metropolregion Kinshasa ist mit 17 Millionen Einwohnern die drittgrößte Metropolregion Afrikas. Die Demokratische Republik Kongo ist zwar flächenmäßig das zweitgrößte Land Afrikas, weist aber eine Bevölkerungsverteilung auf, bei der schätzungsweise 20 Prozent der Einwohner nur etwa 0,5 Prozent des Staatsgebiets bewohnen.
Der Hauptstadtdistrikt der Neutralen Stadt (französisch ) hat den Status einer Provinz und wird von einem Gouverneur regiert, der vom Präsidenten ernannt wird. Kinshasa ist das politische, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum des Landes. Die Stadt ist Sitz der kongolesischen Regierung, des Parlaments, aller staatlichen Zentralbehörden sowie zahlreicher diplomatischer Vertretungen.
Kinshasa ist der bedeutendste Verkehrsknotenpunkt des Landes mit dem internationalen Flughafen Ndjili und besitzt zahlreiche Universitäten, Hochschulen und Museen.
Geographie Geographische Lage Kinshasa liegt am Pool Malebo am Kongo gegenüber von Brazzaville, der Hauptstadt der Republik Kongo, 350 Meter über dem Meeresspiegel.
Vor dem Durchbruch durch die Niederguineaschwelle staut sich der wasserreiche Kongo zu einem See, dem Pool Malebo, auf, der etwa 30 Kilometer lang, 21 Kilometer breit und maximal 16 Meter tief ist.
Der Kongo ist erst nördlich des Pool Malebo schiffbar.
Das Verwaltungsgebiet der Hauptstadt hat eine Fläche von 9.965 Quadratkilometern. Davon hat allein die im Osten gelegene ländlich geprägte Kommune Maluku mit 7.948,8 Quadratkilometern einen Anteil von rund 80 Prozent.
Stadtgliederung Kinshasa gliedert sich in 24 Gemeinden (communes):
Klima mini|Klimadiagramm von Kinshasa
Die Stadt befindet sich in der tropischen Klimazone. Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 25,3 Grad Celsius, der Jahresniederschlag 1.378 Millimeter.
Die durchschnittlichen Temperaturen liegen das ganze Jahr über zwischen 22 und 26,8 Grad. Die wärmsten Monate sind März und April mit durchschnittlich 26,7 bis 26,8 Grad Celsius, der kälteste der Juli mit 22,0 Grad Celsius im Mittel.
Hauptregenzeit ist zwischen Oktober und Mai. Der meiste Niederschlag fällt im November mit durchschnittlich 236 Millimetern, der wenigste von Juni bis August mit ein bis fünf Millimeter im Mittel.
Geschichte Der Ort wurde am 3. Dezember 1881 von Henry Morton Stanley als Handelsposten gegründet und zu Ehren des damaligen belgischen Königs Leopold II. Léopoldville genannt. Anfang 1882 ernannte Stanley Charles-Marie de Braconnier zum ersten Kommandanten des Postens und beauftragte ihn mit dem weiteren Ausbau als Kolonialstation. Um sich vor der einheimischen Bevölkerung und insbesondere vor dem Häuptling Ngalièma zu schützen, ließ Braconnier zunächst ein Blockhaus errichten, um das weitere Gebäude errichtet wurden. Rund um den Posten wurden Gärten und Äcker zur Versorgung der Station angelegt.M. Coosemanns: BRACONNIER (Charles Marie). Biographie Belge d'Outre-Mer. Vol. I. Academie Royale des Sciences d'Outre-Mer. Brüssel. 1948. PDF. Spalten 155–160. Abgerufen am 3. Februar 2025. 1885 bis 1908 war das Kongobecken mitsamt seinem Hinterland Leopolds Privateigentum und Schauplatz der berüchtigten Kongogräuel. 1898 wurde die Eisenbahn zur Küstenstadt Matadi fertiggestellt. Nach der Verlegung der Hauptstadt des Belgisch-Kongo von Boma nach Léopoldville im Oktober 1929 erlebte die Stadt ein rasches Wachstum.
Léopoldville hatte Mitte der 1930er Jahre etwa 40.000 Einwohner, davon ungefähr 2.500 Europäer. 1945 wurde die Einwohnerzahl auf 100.000 geschätzt. Bis Anfang der 1950er Jahre stieg die Zahl auf 250.000, davon 15.000 Europäer, an, zudem erhielt die Stadt eine Hochschule. Administrativ war die Universität Lovanium an die Katholische Universität Löwen angegliedert.
Vor der Unabhängigkeit bestand Léopoldville aus einer Europäerstadt und einer Afrikanerstadt (Quartier Indigène), wobei die Bewohner des einen Teils den anderen nach 21 Uhr abends nicht ohne Sonderausweis betreten durften. Um 1950 erhielt die Stadt das mit 70.000 Plätzen größte Stadion des Kongo.
Gemäß einer kanadischen Studie wurden die ersten Blutproben, in denen HIV nachgewiesen wurde, 1959 in Léopoldville und Brazzaville entnommen.Donald G. McNeil, jr.: Chimp to Man to History Books: The Path of AIDS. In: The New York Times, 17. Oktober 2011, 29. Juli 2026. In diesem Jahr war Léopoldville auch die zweite Stadt der Welt, in dem ein Gyrobus verkehrte, ein elektronischer Bus, der sich an den Haltestellen auflud.
Am 4. Januar 1959 brachen Unruhen aus, bei denen belgische Institutionen und die Läden von Griechen und Portugiesen geplündert wurden. Die 1380 Polizisten, verstärkt durch die Armee und bewaffnete weiße Zivilisten schossen auf die Menge. Nach offiziellen Angaben wurden 47 Kongolesen getötet und 241 verletzt, die Zahl der toten Kongolesen könnte jedoch zwischen 200 und 300 liegen.
mini|Das von Sabena eröffnete Hotel Memling in den 1970er Jahren
1960 war Léopoldville mit etwa 400.000 Einwohnern die größte Stadt Zentralafrikas. Mit der Unabhängigkeit wurde es Hauptstadt der unabhängigen Demokratischen Republik Kongo. Nach der Machtergreifung 1965 von Mobutu Sese Seko wurde Léopoldville 1966 umbenannt nach dem Namen eines ehemaligen Dorfes Kinshasa, das im Stadtgebiet lag.
Im September 1996 begann, verstärkt unter anderem durch Flüchtlingsströme aus Ruanda und Burundi, im Osten des Landes eine Rebellion unter Führung von Laurent-Désiré Kabila, die militärisch von Ruanda und Uganda unterstützt wurde. Obwohl er lange nicht ernst genommen wurde, gelang Kabila am 16. Mai 1997 der Sturz des alten, schwer kranken und international mittlerweile isolierten Mobutu, er zog mit seinen Truppen in Kinshasa ein und erklärte sich am 29. Mai 1997 zum neuen Präsidenten.
Am Morgen des 30. Dezember 2013 verübten mit Messern bewaffnete Anhänger des evangelikalen Predigers und Milizenführers Mutombo Angriffe auf staatliche Fernsehstudios, den Flughafen Ndjili und die Tshatshi-Militärbasis. Dabei starben ein Oberst der Armee und 54 der Angreifer. Bei Überschwemmungen im Dezember 2022 starben etwa 170 Menschen.
Einwohnerentwicklung Die folgende Übersicht zeigt die amtlichen Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand, jeweils bezogen auf das verwaltungsmäßige Stadtgebiet. Wie in vielen anderen Metropolen bilden sich auch in Kinshasa vermehrt große Vororte und Satellitenstädte heraus, in denen das Hauptbevölkerungswachstum stattfindet. Die Stadt hatte 2012 über 9,4 Millionen Einwohner, die Agglomeration Kinshasa-Brazzaville 10,3 Millionen (2010). Verkehrs- und Handelssprache der Bevölkerung ist Lingala.
Kinshasa gehört zu den am schnellsten wachsenden Großstädten der Welt. Für 2050 wird mit einer Bevölkerung von 35 Millionen Menschen gerechnet. Laut derselben Prognose wäre Kinshasa 2075 mit über 58 Millionen Einwohnern die größte Stadt der Welt.
Jahr EinwohnerJahrEinwohner 1920 1.60019741.990.700 1936 40.30019762.443.900 1938 35.90019842.664.309 1939 42.00019913.804.000 1947 126.10019944.655.313 1957 299.80020036.786.000 1959 402.50020057.787.832 1967 901.52020108.900.721 1968 1.052.500201511.575.000 1970 1.323.039202014.565.700
Überschwemmungen mini|Übersichtskarte zu den Überflutungen am Ndjili im April 2025
In Kinshasa kommt es während der von Oktober bis Mai dauernden Regenzeit häufig zu Überschwemmungen. Im Jahr 2025 fielen in Kinshasa ab 4. April wie bereits Ende März hohe Niederschlagsmengen. In der Folge trat der durch die Stadt verlaufende Ndjili, ein Zufluss des Kongo, über die Ufer. Bei der Flutkatastrophe starben mindestens 165 Menschen. Etwa 26 Bezirke und damit ein großer Teil Kinshasas war durch Überflutung von Infrastruktur betroffen, vor allem jedoch die ärmeren Bezirke im Außenbereich der Stadt.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Museen Im Nationalmuseum der Hauptstadt (Musee National de Kinshasa) sind Werke traditioneller kongolesischer Kunst zu sehen. Seit 2019 besteht das mit südkoreanischer Unterstützung errichtete Nationalmuseum der Demokratischen Republik Kongo. Die Museen der Universität (Musée de l’Université de Kinshasa) beherbergen prähistorische und völkerkundliche Ausstellungen. Die Gebäude der Universität befinden sich in einer rechteckigen Anlage nahe einem Hang, auf dem eine Kapelle steht. Zwischen den Hügeln liegt der See Ma Valée, der von tropischem Regenwald umgeben ist.
Kunst mini|Mutterschaft, Linoldruck von Guilherme d'Oliveira Marques in der Zeitschrift Cosmo-Kin mit Widmung für deren Verleger, 1931 Zentrum der Kunst in Kinshasa ist die Académie des Beaux-Arts de Kinshasa, die einzige universitäre Kunstakademie in Zentralafrika. Auf ihrem Gelände sind zahlreiche Skulpturen ausgestellt. Einer der ersten Maler in Kinshasa war der in Brasilien geborene Guilherme d’Oliveira Marques (1887–1960). Bekannte zeitgenössische Künstler des Landes wie Lema Kusa, Alfred Liyolo, Rogers Botembe, Henri Kalama Akulez unterrichten hier. Weitere Künstler in Kinshasa sind Maître Nshole, Mavinga, Freddy Tsimba, Claudy Khan.
Musik siehe Musik in der Demokratischen Republik Kongo
Bauwerke Die Cité de l’OUA beherbergt die Ministerien der Regierung der Demokratischen Republik Kongo. Das Diplomatenviertel liegt im Stadtteil Gombe. In der Zone de Matonge findet mit zahlreichen Restaurants und Bars das Nachtleben der Hauptstadt statt.
Sehenswert sind unter anderem das Gebäude der Societé Zairois de Commercialization (SOZACOM), das Hochhaus Hotel Memling, der Zentrale Markt und die Académie des Beaux-Arts. Erwähnenswert sind auch der Fischereihafen Kinkole und die Pagoden in den Gärten des Präsidentenpalastes in Nsele. Zu den historischen Bauwerken zählen das 1891 errichtete Gebäude der American Baptist Missionary Society und die 1914 fertiggestellte römisch-katholische Kathedrale. Zu den imposantesten Gebäude der Stadt gehören außerdem der Palais de la Nation (Sitz des Präsidenten) sowie der Palais du Peuple (Sitz des Parlaments).
Eine der wichtigsten Hauptstraßen ist der Boulevard du 30 Juin, benannt nach dem Tag der Unabhängigkeit des Landes am 30. Juni 1960. Dort befinden sich zahlreiche politische und wirtschaftliche Institutionen. Die fünf Kilometer lange Straße verbindet den Stadtteil Gombe im Süden mit Kintambo und der Baie de Ngaliema im Westen. Das 1967 auf Befehl des damaligen Präsidenten Mobutu Sese Seko demontierte sechs Meter hohe Reiterstandbild Leopolds II. befindet sich im Museum am Mont Ngaliema unterhalb des Verteidigungsministeriums.
Der Turm von Limete ist ein 210 Meter hoher unvollendeter Fernsehturm im Stadtbezirk Limete.
Sport In der Hauptstadt liegt das Nationalstadion Stade des Martyrs mit einem Fassungsvermögen von 80.000 Zuschauern. Bei besonderen Spielen (z. B. Derbys) kommen teilweise bis zu 100.000 Zuschauer in das 2008 renovierte Stadion. Es ist Spielstätte des zwölfmaligen kongolesischen Fußballmeisters DC Motema Pembe und des elfmaligen Meisters AS Vita Club. Das Stade du 24 septembre mit einer Kapazität von 24.000 Plätzen ist Heimstätte des dreimaligen Gewinners der kongolesischen Fußballmeisterschaft AS Dragons.