mini|hochkant=1.3|Ansichten von Brüssel, von oben nach unten: Geschäftsviertel (Quartier Nord) Blumenkunst am Großen Markt • Blick vom Kunstberg Arkaden und Triumphbogen im Jubelpark Manneken Pis • Kathedrale • Kongress-Säule Königlicher Palast
Brüssel (, manchmal auch [], ) bezeichnet entweder die Gemeinde Stadt Brüssel (, ), das zusammenhängende Stadtgebiet der Region Brüssel-Hauptstadt (, ) oder den gesamten verstädterten Ballungsraum, der auch Vororte umfasst.
Die zweisprachige Region Brüssel-Hauptstadt ist neben Flandern und der Wallonie eine von drei Regionen im föderalen belgischen Staatsaufbau. Sie ist ein zusammenhängendes Stadtgebiet mit rund 1,21 Millionen Einwohnern (Stand 1. Januar 2019) und besteht aus 19 Gemeinden, die mit Stadtteilen vergleichbar sind. Sie weist mit rund 7.441 Einwohnern pro Quadratkilometer eine hohe Bevölkerungsdichte auf.Einen Überblick über die Vergleichszahlen bietet die Liste deutscher Gemeinden, nach der Bevölkerungsdichte geordnet Die Region ist daher nicht mit den weit ins Umland reichenden Metropolregionen vergleichbar, die rund um viele europäische Großstädte definiert wurden. Der Ballungsraum Brüssel ist noch einmal wesentlich größer als die Region Brüssel-Hauptstadt.
Die Stadt Brüssel ist die Haupt- und Residenzstadt des Königreichs Belgien. Sie bildet das Zentrum der Region Brüssel-Hauptstadt, ist eine ihrer 19 Gemeinden und hat etwa 190.000 Einwohner. Dort haben mehrere föderale Institutionen ihren Sitz: Die Stadt Brüssel ist Verwaltungssitz der Region Brüssel-Hauptstadt. Hier befindet sich darüber hinaus der Verwaltungssitz der Französischen Gemeinschaft Belgiens, während die Wallonische Region ihren Sitz in Namur hat. Die Organe der Region Flandern und der Flämischen (niederländischsprachigen) Gemeinschaft sind fusioniert und haben ihren Sitz ebenfalls in der Stadt Brüssel. Zudem stellt die Stadt den Hauptsitz der Europäischen Union sowie den Sitz der NATO, ferner den des ständigen Sekretariats der Benelux-Länder und von EUROCONTROL dar.
Im Jahre 996 erstmals urkundlich erwähnt und im Mittelalter zur Hauptstadt des Herzogtums Brabant aufgestiegen, wurde Brüssel mit der Unabhängigkeit Belgiens 1830 zu dessen Hauptstadt erhoben. Zusammen mit seinen umliegenden Gemeinden ist Brüssel heute als Industrie- und Handelsstadt mit zwei Universitäten, mehreren Hochschulen, Akademien, Bibliotheken, Museen und Bühnen ein bedeutendes Wirtschafts-, Wissenschafts- und Kulturzentrum sowie ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt im Zentrum des Landes.
Der Artikel Region Brüssel-Hauptstadt behandelt vor allem die Themen Politik, Verwaltung und Sprachensituation. Weitere und übergreifende Themen werden nachfolgend behandelt.
Geografie mini|Blick vom Kunstberg nach Nordwest, in der Mitte der Turm des gotischen Rathauses
Die Stadt befindet sich recht zentral innerhalb des belgischen Staatsgebiets, eingebettet im Brüsseler Becken zwischen dem Flandrischen Tiefland und dem Brabanter Plateau auf einer Höhe zwischen 15 und 100 Metern über dem Meeresspiegel. Die Senne durchzieht die Stadt von Südwesten nach Nordosten, wo sie durch ihre großflächige Überwölbung aus dem 19. und 20. Jahrhundert nicht mehr auszumachen ist. Außerdem quert ein Schifffahrtskanal, ausgehend von Anderlecht und der westlichen Stadtgrenze mit Molenbeek-Saint-Jean/Sint-Jans-Molenbeek, das nördliche Stadtgebiet Brüssels und verbindet damit die Stadt mit Charleroi und Antwerpen.
Die Region Brüssel-Hauptstadt ist eine der drei Regionen und einer der 43 Verwaltungsbezirke Belgiens. Sie umfasst das zweisprachige Gebiet der Hauptstadt Brüssel und ist in 19 selbständige Gemeinden gegliedert. Die Stadt Brüssel, die das Stadtzentrum Brüssels umfasst, ist eine dieser 19 Gemeinden.
Verwaltungsgliederung mini|hochkant|links|Die Stadt Brüssel (rot) in der Region Brüssel-Hauptstadt mini|Die 19 Gemeinden der Region Brüssel-Hauptstadt
Die Stadt (rote Fläche auf der Karte links) bestand ursprünglich nur aus dem Stadtkern von Brüssel, aufgrund seiner fünfeckigen Form auch Pentagon genannt. Ihr wurden 1921 die zuvor selbständigen Gemeinden Haren, Laken und Neder-Over-Heembeek eingegliedert. Heutzutage kann man die Stadt Brüssel in sechs Teile aufteilen: das Pentagon, Laken, Neder-Over-Heembeek, Haren, die Südachse Louise/Louiza-Roosevelt, welche die Hauptstadtregions-Gemeinde Ixelles/Elsene durchtrennt, und das Europaviertel.
Die Region Brüssel-Hauptstadt ist in 19 selbständige Gemeinden gegliedert (siehe Karte rechts), die jedoch ein zusammenhängendes Stadtgebiet bilden. Die Gemeinden haben bis heute ein hohes Maß an politischer Eigenständigkeit bewahrt. In puncto Lebensqualität und Wohncharakter unterscheiden sich die Hauptstadtgemeinden teils sehr stark voneinander. So gelten die südöstlichen und östlichen Gemeinden der Region Brüssel-Hauptstadt, unter anderem aufgrund ihrer Nähe zum Erholungsgebiet Zonienwald, allgemein als bevorzugte Wohngegenden. Insbesondere zentrumsnahe Gemeinden wie Molenbeek, Anderlecht, Schaarbeek, Sint-Joost-ten-Node und Sint-Gillis werden dagegen eher von den Armen bewohnt und vermitteln teilweise einen heruntergekommenen Eindruck.
Der Unterschied zwischen der Stadt Brüssel und der Region Brüssel-Hauptstadt erinnert an jenen zwischen der City of London und Greater London – allerdings nicht im Hinblick auf die Größenverhältnisse. Die Stadt Brüssel hat einen vergleichsweise hohen Flächenanteil von etwa 20 % an der Region Brüssel, während der Anteil der City of London an der Fläche von Greater London weniger als 0,2 % beträgt.
Ausdehnung und Agglomeration mini|Satellitenfoto des Großraums Brüssel. Der Flughafen Brüssel-Zaventem (dreieckige Anlage rechts oben) ist 12 Kilometer vom Zentrum entfernt und liegt bereits außerhalb der Region Brüssel-Hauptstadt.
Das Gemeindegebiet der Stadt umfasst 32 km², die Hauptstadtregion hingegen 161 km². Auf der Fläche dieser Gebietskörperschaft leben 1.175.000 Menschen (Stand: 1. Januar 2016), das sind 7.298 Einwohner pro Quadratkilometer, mehr als in jeder deutschen Großstadt (die größte Dichte hat München mit 4.668 Einwohnern pro Quadratkilometer). Die Siedlungsfläche der Brüsseler Agglomeration im geografischen Sinne erstreckt sich über die Regionsgrenzen hinweg in Gemeinden der umgebenden Region Flandern. Die durch belgische Behörden noch nicht definierte Metropolregion (siehe unten) ist noch wesentlich größer und erstreckt sich auch in die Region Wallonien.
Die Metropolregion kann in unterschiedlicher Weise verstanden werden. Erstens gibt es die operationalisierte Agglomeration (geoperationaliseerde agglomeratie) mit 1.451.047 Einwohnern. Zusammen mit der Banlieue (wörtlich „Bannmeile“, „Vorstädte“) sind es 1.831.496 Einwohner und mit dem Pendler-Einzugsgebiet (forensenwoonzone) ergibt sich eine Population von 2.676.701 Einwohnern und mehr.
Die Gliederung der städtischen Siedlungsfläche in 19 Gemeinden rührt daher, dass man mit dem im mittleren Drittel des 19. Jahrhunderts beginnenden rapiden Bevölkerungswachstum anders umging als in deutschen Städten. Hauptstadtrolle und Industrialisierung förderten die Zuwanderung und damit die Verstädterung der vorher ländlichen Umlandgemeinden. Ein großer Teil der Zuwanderer kam aus der Wallonie und Nordfrankreich, was auch das Sprachgefüge der vorher flämischen Orte veränderte. Anders als 1920 in Berlin wurden nur wenige der zu Städten angewachsenen Dörfer in die Hauptstadt eingemeindet. Die wenigen Ausnahmen kamen auf königlichen Erlass zustande und betrafen vorrangig Schlossparks, Verwaltungsareale und andere Bereiche für repräsentative hauptstädtische Bauten. So besteht die Stadtgemeinde Brüssel heute aus dem von den Linien der 1356 und 1383 errichteten äußeren Stadtbefestigung vorgegebenen „Pentagon“ und mehreren Ausläufern, die teilweise schmal und lang bis an den Rand der Hauptstadtregion reichen. Die 18 verbliebenen Nachbargemeinden behielten zwar ihre kommunale Eigenständigkeit, gaben aber, ebenso wie Brüssel selber, Kompetenzen an die 1971 institutionalisierte Agglomeration ab. Im Jahre 1989 ging aus der Agglomeration die Region Brüssel-Hauptstadt hervor und übernahm einen großen Teil der kommunalen Aufgaben und Befugnisse.
Die europäische Statistikbehörde Eurostat stellt die Hauptstadtregion als „City“ auf eine Ebene mit den großen Stadtgemeinden und betrachtet somit Brüssel als Millionenstadt.Resident population in European cities, 1. Januar 2012. Eurostat – GISCO, Juni 2015. Auf EC.Europa.eu, abgerufen am 5. Januar 2019.Landkarte von Europa: Brüssel (hellblauer Punkt = 1–3 Millionen Einwohner), stark von kleineren Nachbarsignaturen überlagert südlich von Antwerpen (grüner Punkt = 0,5–1 Million Einwohner).Belgien – Hauptstadt: Brüssel. Überblick. Stand: November 2018. Auf Auswaertiges-Amt.de, abgerufen am 5. Januar 2019.1,2 Millionen Einwohner innerhalb der 19 Gemeinden, welche die Region Brüssel-Hauptstadt bilden, im Großraum Brüssel knapp 3 Millionen Einwohner (Stand 2018). Für die Metropolregion Brüssel, die von belgischen Behörden eigentlich noch nicht definiert wurde, berechnete Eurostat eine Fläche von 3.823 Quadratkilometern und für 2012 eine Bevölkerung von 2.922.678 Einwohnern, also 759 Einwohner pro Quadratkilometer. Zum Vergleich: Die Hauptstadtregion hat eine Fläche von 161,38 Quadratkilometern mit 1.175.000 Einwohnern (Stand: Januar 2016), also 7.298 Einwohner pro Quadratkilometer.Metropolregionen Datenbank. Eurostat. Auf EC.Europa.eu, abgerufen am 5. Januar 2019.Eine Auswahl von Tabellen zum Anklicken.
Bevölkerung
Die demographischen Verhältnisse der Region Brüssel-Hauptstadt sind äußerst heterogen. Insbesondere der Bevölkerungsanteil mit Migrationshintergrund ist je nach Gemeinde unterschiedlich. Mit 98 % hat Saint-Josse-ten-Noode den höchsten Anteil an Allochthonen aufzuweisen, gefolgt von Saint-Gilles (81 %), Schaerbeek und Molenbeek-Saint-Jean (beide jeweils 74 %). Die beiden Außengemeinden Ganshoren und Watermaal-Bosvoorde haben mit jeweils 24 % den geringsten Allochthonenanteil. Insgesamt hat Brüssel mit 57 % (nach NPDATA) einen für europäische Verhältnisse sehr hohen Anteil an allochthoner Bevölkerung.
Mit Stand 1. Januar 2025 lag der Ausländeranteil an der Gesamtbevölkerung von Brüssel laut dem Belgischen Statistikamt (Statbel) bei 37,2 %. Der Anteil belgischer Staatsbürger mit belgischer Abstammung betrug 22,0 %, der Anteil belgischer Staatsbürger mit einer ausländischen Herkunft 40,8 %. Laut Statbel waren im Jahr 2020, unter Berücksichtigung der Geburtsnationalität der Eltern, 74,3 % der Bevölkerung der Region Brüssel-Hauptstadt ausländischer und 41,8 % nichteuropäischer Herkunft (davon 28,7 % afrikanischer Herkunft). Unter den unter 18-Jährigen waren 88 % ausländischer und 57 % nichteuropäischer Herkunft (davon 42,4 % afrikanischer Herkunft).
Die niederländischsprachige Minderheit wohnt vor allem in den nördlichen und westlichen Gemeinden der Region Brüssel-Hauptstadt und macht dort einen Anteil von ca. 15 % an der örtlichen Bevölkerung aus, in den Südbezirken sinkt ihr Anteil auf unter 10 %. Bevölkerungsentwicklung von Brüssel-Hauptstadt1990199520002005201020152020964.385951.546959.3181.006.7491.089.5381.175.1731.218.255
Klima Brüssel liegt mit seiner Vollhumidität in der kühlgemäßigten Klimazone mit Seeklima.
Aufgrund der Lage der Stadt in relativer Küstennähe steht die Stadt unter dem Richtung Binnenland schwächer werdenden Einfluss von Meeresluftmassen, welche geringere Temperaturschwankungen im Jahresverlauf bewirken. In Brüssel ist der Juli mit einer Durchschnittstemperatur von 18,7 °C der wärmste, der Januar mit 3,7 °C der kälteste Monat. Die jährliche Durchschnittstemperatur liegt bei etwa 11,0 °C. Die mittlere Sonnenscheindauer liegt bei rund 1603,7 Stunden im Jahr. Die durchschnittlichen Maximaltemperaturen liegen im Juli bei etwa 23,2 °C, das mittlere Minimum bei rund 14,1 °C. Im Januar liegt das mittlere Maximum bei rund 6,1 °C, die durchschnittlichen Minimaltemperaturen bei ungefähr 1,4 °C.