mini|Altenhof Alte Posthalterei Lehnin Kloster Lehnin [] ist eine amtsfreie Gemeinde im Landkreis Potsdam-Mittelmark in Brandenburg (Deutschland).

Geografie mini|Historischer Backofen in Emstal mini|Torfstichsee Emstaler Schlauch Kloster Lehnin liegt im Westen des Landes Brandenburg, 20 Kilometer südöstlich der Stadt Brandenburg an der Havel, rund 30 Kilometer südwestlich von Potsdam sowie rund 60 Kilometer von Berlin entfernt. Sie liegt beidseitig der Bundesautobahn 2 zwischen den Ortsteilen Göhlsdorf (an der Bundesautobahn 10 (westlicher Berliner Ring)) und Reckahn.

Das Gemeindegebiet umfasst den größten Teil der Zauche sowie Teile der Havelniederung und des Planetales. Im Gemeindegebiet entspringt der meist kanalisierte Havelnebenfluss Emster.

Die Gemeinde grenzt im Nordwesten an die Stadt Brandenburg an der Havel. Weiter umliegende Gemeinden sind Groß Kreutz (Havel) im Norden, Werder (Havel) im Osten, Beelitz im Südosten, Planebruch und Golzow im Süden sowie Wollin im Westen.

Gemeindegliederung Die Gemeinde Kloster Lehnin besteht laut ihrer Hauptsatzung aus 14 Ortsteilen (mit jeweils einem Ortsvorsteher), zwei Gemeindeteilen und weiteren Wohnplätzen. Damsdorf mit dem Wohnplatz Bochower Plan Emstal (bis 1937: Schwina) Göhlsdorf mit dem Wohnplatz Ausbau Grebs Krahne mit dem Gemeindeteil Rotscherlinde Lehnin mit den Wohnplätzen Forsthaus Rädel, Großheide, Heidehaus, Kaltenhausen und Mittelheide, Hauptort und mit 3.106 Einwohnern (Stand: 1. Januar 2014) größter Ortsteil der Gemeinde Michelsdorf Nahmitz mit den Wohnplätzen Akazienhof, Doberow und Heidehof Netzen mit dem Wohnplatz Am See Prützke Rädel mit dem Wohnplatz Gohlitzhof Reckahn mit dem Wohnplatz Meßdunk Rietz mit dem Wohnplatz Rietzer Berg Trechwitz mit dem Gemeindeteil Trechwitz Siedlung

Geschichte Das Dorf Lehnin als Kern der heutigen Gemeinde sieht als sein Gründungsdatum das Jahr 1180 an, als der Askanier Otto. I, der zweite Markgraf der Mark Brandenburg, das namensgebende Zisterzienser-Kloster Lehnin gründete. Deshalb wurde 2005 das 825-jährige Jubiläum gefeiert. Allerdings bestand 1180 und lange Zeit danach nur das Kloster. Die eigentliche Gründung des Dorfes oder Fleckens Lehnin vollzog sich 1415 aus einem Markt, den die Mönche vor den Klostermauern einrichteten. Eine größere Ausdehnung erfuhr der Ort 1667 durch die Ansiedlung von 13 Handwerkern mit ihren Familien. Der Grund dafür war vermutlich der häufige Aufenthalt des Kurfürsten. 1750 sind 104, 1800 152 Feuerstellen belegt. Allerdings verlor der Flecken Lehnin 1733 das Marktrecht an Werder (Havel) und konnte es erst 1855 wiedererlangen.

Von 1542 bis 1872 bestand das Amt Lehnin als Domäne und in Nachfolge des Klosterbesitzes. Um 1828 entstand daraus stufenweise das damals noch nicht voll immatrikulierte Rittergut, teils in der Hand der uradeligen Familie von Loebell und zum Zweiten als Teilbesitz des Legationssekretärs Uebel.Handmatrikel der in sämmtlichen Kreisen des Preussischen Staates auf Kreis-und Landtagen vertretenen Rittergüter 1857, Hrsg. Karl Friedrich Rauer, Selbstverlag, Berlin 1857, S. 81. Robert Karl Hermann von Loebell (1815–1905) und dessen Ehefrau Friederike Wilhelmine Rosalie von Thümen-Briesen (1825–1917) besaßen das Gut nur einige Jahre. Ende des 19. Jahrhunderts gehörten zum nun gesamtheitlichen Gut Lehnin 438 ha, hinzu die Nebengüter Dahmsdorf mit 389 ha und Tornow mit 291 ha. Neuer Eigentümer, auch der dazugehörigen Ziegelei mit Ringofen, war der Kommerzienrat M. J. Cohn. Er hatte aber alle Gutsareale verpachtet, davon Lehnin an Ober-Amtmann Köber. Ende der 1920er Jahre gehörte das Restgut Lehnin mit 102 ha der Dampfziegelei GmbH, Inhaber M. Albrecht und Th. Borchmann. Kleine landwirtschaftliche Besitzungen betrieben die Familien Jacob, Thiele sowie Tietz. Die Oberförsterei Lehnin mit 6177 ha, im Eigentum des Preußischen Staates, wurde durch die Oberförsterei Kunersdorf bei Michendorf verwaltet.Ernst Seyfert, Hans Wehner, Alexander Haußknecht, GF Hogrefe: Landwirtschaftliches Adreßbuch der Rittergüter, Güter und Höfe der Provinz Brandenburg. 1929. Verzeichnis sämtlicher Rittergüter, Güter und Höfe von ca. 20 ha aufwärts, Mit Unterstützung von Staats- und Kommunalbehörden, sowie des Brandenburgischen Landbundes zu Berlin, sowie der Kreislandbünde. Nach amtlichen Quellen und auf Grund direkter Angaben bearbeitet. in: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher, Band VII, 4. Auflage, Band Regierungsbezirk Potsdam. Kreis Zauch-Belzig, (Letzte Ausgabe-Paul Niekammer-Reihe), Verlag von Niekammer’s Adreßbüchern GmbH, Leipzig 1929, S. 175.

1899 wurde Lehnin mit der Stichstrecke Groß Kreutz–Lehnin an das Eisenbahnnetz angeschlossen.

1943 bezog der sogenannte Generalbevollmächtigte Chemie (GebeChem) mehrere Gebäude des heutigen Luise-Henrietten-Stifts und ließ auf dem Gelände für seine Behörde sieben weitere Baracken errichten. Die Behörde koordinierte die Interessen der Kriegswirtschaft mit denen der Wehrmacht und SS und verteilte von hier aus KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter auf die Chemieindustrie. Das Stift ist eine diakonische Einrichtung der Evangelischen Kirche, die 1911 das Klostergelände bezog und in den alten Klostergemäuern sowie verschiedenen Neubauten eine weit verzweigte, heute vorbildliche helfende und heilende Einrichtung aufgebaut hat.

Am 23. April 1945 besetzte die Rote Armee während der Schlacht um Berlin auch Lehnin.

Bei Lehnin waren von 1982 bis 1990 die etwa 500 Fallschirmjäger der NVA stationiert. Ihr vorrangiges Ziel im Kriegs- oder Interventionsfall waren die Flughäfen von West-Berlin. Mitte Oktober 1989 wurde der Verband auf Anordnung Erich Honeckers, der als Vorsitzender des Nationalen Verteidigungsrats der DDR die formelle Befugnis dazu hatte, zum Einsatz gegen die Montagsdemonstrationen nach Leipzig verlegt, blieb jedoch in den Kasernen. Heute unterhält die Bundeswehr dort einen Truppenübungsplatz.

Eingemeindungen mini|Gutshaus und Feuerwehrhaus in Krahne Die Gemeinde Kloster Lehnin entstand am 1. April 2002 aus dem freiwilligen Zusammenschluss der Gemeinden Emstal, Göhlsdorf, Grebs, Krahne, Lehnin, Michelsdorf, Nahmitz, Netzen, Prützke, Rädel, Reckahn und Rietz des damaligen Amtes Lehnin und der Gemeinde Damsdorf des Amtes Emster-Havel. Am 26. Oktober 2003 wurde mittels Landesgesetz die bis dahin selbständige Gemeinde Trechwitz (damaliges Amt Emster-Havel) ebenfalls eingegliedert.

Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 2002 11 391 2005 11 700 2010 11 089 2015 10 720 2020 10.971 Jahr Einwohner 2021 11.101 2022 11.317 2023 11.355 2024 11.261 2025 11.243

Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl: Stand 31. DezemberHistorisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Potsdam-Mittelmark. S. 18–21Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2017 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden, Tabelle 7Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 7, A II 3, A III 3. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg (jeweilige Ausgaben des Monats Dezember), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011

Politik Gemeindevertretung Die Gemeindevertretung von Kloster Lehnin besteht aus 22 Gemeindevertretern und dem hauptamtlichen Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 65,8 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024

Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 Bürger für Kloster Lehnin (BfKL) – – 28,4 % 6 CDU 22,9 % 5 24,7 % 5 AfD 12,3 % 3 16,3 % 4 SPD 25,7 % 6 14,0 % 3 Baumfreunde Kloster Lehnin 10,2 % 2 4,8 % 1 Freie Bürger und Bauern (FBB) 14,7 % 3 4,2 % 1 Bündnis 90/Die Grünen – – 3,2 % 1 Freizeit- und Jugendverein Trechwitz (FJVT) 3,0 % 1 2,4 % 1 Piraten/Tierschutz Potsdam-Mittelmark – – 1,3 % – FDP – – 0,7 % – Die Linke 11,1 % 2 – – Insgesamt 100 % 22 100 % 22

Bürgermeister 2002–2016: Bernd Kreykenbohm (parteilos) seit 2016: Uwe Brückner (parteilos)

Nach der Bildung der Gemeinde wurde der damalige Amtsdirektor Kreykenbohm am 23. April 2002 durch die Gemeindevertretung für die restliche Dauer seiner Amtszeit bis zum 2. Juli 2008 zum hauptamtlichen Bürgermeister gewählt. In der Bürgermeisterwahl am 16. März 2008 wurde er mit 84,3 % der gültigen Stimmen in seinem Amt bestätigt.

Am 20. März 2016 wurde Uwe Brückner mit 72,1 Prozent der gültigen Stimmen zu seinem Nachfolger gewählt (Amtsantritt: Juli 2016).Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 20. März 2016 Am 3. März 2024 wurde er mit 53,1 Prozent der gültigen Stimmen in seinem Amt bestätigt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 3. März 2024 Er war 2016 als Kandidat einer Listenvereinigung aus SPD und der Wählergruppe Freie Bürger und Bauern und 2024 als Einzelbewerber angetreten. Seine Amtszeit beträgt acht Jahre.Brandenburgisches Kommunalwahlgesetz, § 74

Wappen mini|rechts|Wappen Lehnin, Zeichnung

Flagge Die Flagge ist blau-weiß-blau (1:2:1) gestreift und mittig mit dem Gemeindewappen belegt.

Dienstsiegel Das Dienstsiegel zeigt das Wappen der Gemeinde mit der Umschrift: „GEMEINDE KLOSTER LEHNIN • LANDKREIS POTSDAM-MITTELMARK“.

Städtepartnerschaften Seit 2003 besteht eine Partnerschaft zwischen Kloster Lehnin und der belgischen Stadt Tervuren in Flandern. mini|Kreuzgang des Klosters Lehnin

Sehenswürdigkeiten und Kultur In der Liste der Baudenkmale in Kloster Lehnin und in der Liste der Bodendenkmale in Kloster Lehnin stehen die in der Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragenen Kulturdenkmale.

Bauwerke Kloster Lehnin mit der Klosterkirche St. Marien im Ortsteil Lehnin, Hauptsehenswürdigkeit der Gemeinde Gutshaus der Familie von Rochow (genannt Schloss Reckahn) im Ortsteil Reckahn mit dem Rochow-Museum, Altes Gutshaus Reckahn, barocke Dorf- und Schlosskirche, Schulmuseum, slawischer Burgwall Denkmal für den Schriftsteller Willibald Alexis von 1914 im Ortsteil Lehnin vor dem Friedhof an der Puschkinstraße. Die Bronzeplakette mit dem Reliefmedaillon von Alexis schuf der Bildhauer Paul Matzdorf. Der große Gedenkstein mit Tafel ist Ausgangspunkt für den Willibald-Alexis-Weg. Er wurde errichtet, da Lehnin örtlicher Hintergrund für Die Hosen des Herrn von Bredow, einen der bekanntesten Romane von Alexis, ist. Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs im Ortsteil Netzen vor der Kirche Sowjetisches Ehrenmal von 1971 im Ortsteil Kaltenhausen Nr. 75/77, daneben ein Gedenkstein der VVN, der zur Verteidigung des Friedens aufruft Dorfkirche Damsdorf, barocker Saalbau aus dem 18. Jahrhundert Dorfkirche Göhlsdorf, neoromanische Kirche, die in den Jahren 1865 bis 1867 unter Einbeziehung der Feldsteine eines Vorgängerbaus errichtet wurde. Der vorhandene Turm wurde dabei in den Neubau einbezogen. Dorfkirche Krahne, neobarocke Saalkirche, die 1904 unter der Leitung des Architekten Ludwig von Tiedemann kreuzförmig erweitert wurde Dorfkirche Michelsdorf, romanische Feldsteinkirche aus dem 12. Jahrhundert, im Inneren befinden sich unter anderem die Reste einer Ausmalung aus dem Jahr 1946 Dorfkirche Rädel, Barockbau aus dem Jahr 1739 mit einem neobarocken Ostturm Dorfkirche Trechwitz, barocke Saalkirche

Naturdenkmale Der Blaue Stein ist ein großer Findling mit einer bläulich-grünen Farbe im Kiefernforst etwa zwei Kilometer östlich des Dorfes Krahne. Dieser wurde früher als Steinbruch verwendet.

Regelmäßige Veranstaltungen Jährlich am letzten Septemberwochenende wird im Ortsteil Lehnin über zwei Tage ein internationales Kürbisfest mit bunten und teils kuriosen Kürbisdekorationen gefeiert. Dazu gibt es: Umzug, Markt, Stände, Lesung, Konzert, Wettbewerbe und eine Kürbisausstellung.

Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft