mini|hochkant=1.4|Blick über einen zentralen Teil des Parks zum Grugaturm mini|hochkant=1.4|Karte des Grugaparks Der Grugapark ist ein Park in Essen. Er ist aus der ersten Großen Ruhrländischen Gartenbau-Ausstellung im Jahr 1929 hervorgegangen und wurde ein Jahr später als ein dem Gemeinwohl dienender Volkspark wiedereröffnet. 1938 war der Grugapark Austragungsort der Reichsgartenschau, im Zweiten Weltkrieg wurde er zerstört. Nach Wiederaufbau und späterer Erweiterung wurden im Grugapark 1952 die zweite Gruga-Ausstellung und 1965 die Bundesgartenschau ausgerichtet. Heute dient der Park der Naherholung, als Spiel- und Sportstätte und als Veranstaltungsort für Konzerte und Feste.

Im Park befinden sich mehr als vierzig Skulpturen (Skulpturen im Grugapark) bedeutender Bildhauer, wie beispielsweise Alfred Hrdlicka, Auguste Rodin und Fritz Klimsch.

Lage Der Grugapark erstreckt sich über den Flanken der Hügel im Tal des Borbecker Mühlenbachs. Damit liegt er etwa 3,5 Kilometer südwestlich der Essener Stadtmitte auf dem Gebiet des Stadtteils Rüttenscheid. Mit einer Fläche von rund 65 Hektar nimmt er den gesamten Südwesten Rüttenscheids ein und grenzt unmittelbar an die Stadtteile Holsterhausen im Norden, die Margarethenhöhe im Westen und Bredeney im Süden. Begrenzt wird er von den Straßen Norbertstraße, Lührmannstraße, Am Grugapark, Juistweg, Lührmannwald und Külshammerweg sowie im Norden an den Fuß- und Radweg Grugatrasse auf dem Bahndamm der ehemaligen Bahnstrecke Mülheim-Heißen–Altendorf (Ruhr).

Geschichte Vorgeschichte mini|hochkant=0.6|links|Stenshofturm, 2011 mini|1909: Zeppelin LZ 6 landete auf späterem Grugaparkgelände Der westliche Teil des heutigen Grugaparks, dem damaligen Stenshofgelände, lag im Mittelalter auf dem Gebiet der Abtei Werden. Das ursprüngliche Wort Stens wandelte sich über Stennes und Stenhus in Steinhaus.Gedenktafel vor Ort Der unter Denkmalschutz stehende Stenshofturm wurde im 12. Jahrhundert aus Sandstein im romanischen Stil errichtet, weshalb er auch Romanisches Haus genannt wird. Bei den heutigen Mustergärten im Grugapark gelegen, gilt der Stenshofturm als einzig erhaltenes, ursprüngliches Gebäude der etwa tausendjährigen Geschichte des Rüttenscheider Bauerntums.

Nördlich nahe dem Stenshofturm stand, auf heutigem Parkgelände, die Edmund-Lührmann-Stiftung, eine 1905 errichtete Kranken- und Heilanstalt, die im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Das Stiftungsvermögen ging in der neurologischen Abteilung der Städtischen Krankenanstalten, dem heutigen Universitätsklinikum Essen, auf. Heute erinnert die Lührmannstraße (zuvor ab 1897 Paulstraße, 1906 bis 1907 Reinhardstraße), die den Grugapark in Ost-West-Richtung teilt, an die ehemalige Stiftung.

Das Gebiet des neueren, südlichen Grugaparkteils gehörte zum Hof Kamman, in dessen Ziegel-Fachwerk-Bau sich noch bis 1964 die Kruppsche Hügel-Gärtnerei befand. Dieses Hofgebäude lag zwischen dem 1964 errichteten Grugabad und dem zur gleichen Zeit angelegten Margarethensee. Dieser wird vom Borbecker Mühlenbach gespeist, an dessen Ufer dort um 1600 eine Mühle erwähnt wird.Marlies Holle: Rüttenscheider Denkmalpfade – Wanderführer zu den historischen Stätten in Rüttenscheid. Bürger- und Verkehrsverein Rüttenscheid e. V., Essen 2004. Der Mühlenbach fließt innerhalb des Grugaparkgeländes weiter nach Norden durch den später angelegten Waldsee. Westlich des heutigen Waldsees befanden sich die Gebäude des Hofes Schulte-Silberkuhl, der 1355 erwähnt und nach 1600 Schulte im Hofe genannt wird. abgerufen am 22. Oktober 2015. Im weiteren Verlauf des Mühlenbaches nach Norden, beim heutigen Hundertwasserhaus, gab es eine weitere vom Bach angetriebene Mühle.

Bereits um 1900 gab es erste Pläne zur Anlage eines Grüngürtels in Essen, die jedoch verworfen werden mussten, da die Familie Krupp ab 1906 auf dem dafür vorgesehenen Gelände die Siedlung Margarethenhöhe errichten ließ.

Am 20. September 1909 landete auf dem Feld, das zwischen dem heutigen Grugaturm und der heutigen Grugahalle lag, der Zeppelin LZ 6. Es war die erste Landung eines Zeppelins auf Essener Gebiet. Zu diesem damals besonderen Großereignis gab es schul- und arbeitsfrei. Bei Ankunft des Luftschiffes läuteten alle Kirchenglocken und auf dem Kruppschen Schießplatz schoss man mit Kanonen Salut. 2009 gab es zu diesem Ereignis die Ausstellung Zeppelin trifft auf Grugaturm in der Orangerie der Gruga.Zeppelin trifft auf Grugaturm. In: Westdeutsche Allgemeine Zeitung. (WAZ), 16. September 2009.

Erste Gruga-Ausstellung 1929 Entstehung Der Botanische Garten, der mithilfe von Stiftern und engagierten Kommunalpolitikern entstand und ab 1925 durch ein Beschäftigungsprogramm von 500 Notstandsarbeitern errichtet wurde, eröffnete am 24. Mai 1927 und gilt als Keimzelle des Grugaparks. Seine Anlage als Lehr- und Versuchsgarten diente wissenschaftlichen Zwecken, aber auch bereits der Bevölkerung, der damit die Botanik inmitten der damaligen Industriestadt näher gebracht wurde. Beispielsweise wurden heimische Koniferen sowie weitere Nadelgehölze aus Asien und Amerika gepflanzt, um die Auswirkung der durch Industrien im Ruhrgebiet verschmutzten Luft auf die Pflanzen zu untersuchen. Da viele Exemplare trotz jahrzehntelanger Luftverschmutzung gut gediehen, wurden sie als rauchhart angesehen. Südlich davon kann man heute noch steinerne Hinweistafeln finden, die aus diesen Anfängen stammen. Kurz nach der Eröffnung des Botanischen Gartens für Besucher zu Ostern 1928, wurde die 15 Meter breite Geologische Wand aufgestellt. Sie ist heute in gutem Zustand erhalten, da sie während der Bombardements im Zweiten Weltkrieg unversehrt blieb. Die Wand am westlichen Ufer des Waldsees stellt im Querschnitt die geologischen Formationen des Groß-Essener Gebiets dar und ist daher ein Denkmal zur rund 500-jährigen Bergbaugeschichte in Essen, der einst zechenreichsten Stadt Europas. In den 1980er Jahren wurde der Botanische Garten mit dem Grugapark vereinigt.

Der Ursprung für die weitere Entwicklung des Geländes bis zum heutigen Park liegt bei der damals nahezu bankrotten Gemeinnützigen Ausstellungs-Gesellschaft der Messe Essen, die in den 1920er Jahren mit einem Park die Attraktivität ihres Ausstellungsgeländes erhöhen wollte. 1922 veranstaltete der Gartenbauverband für den Stadt- und Landkreis Essen, der Vorgänger des heutigen Stadtverbands der Kleingärtnervereine in Essen, eine Kleingartenbauausstellung in Halle 7 der Ausstellungshallen. 1926 folgte dort eine achttägige, öffentliche Herbstblumenschau. Diese Ausstellungen trugen das Ihre zur Entstehung des Grugaparks bei.Der Grüne Bote. Sonderausgabe 4/2009, Chronik 1919 bis 2009, 90 Jahre Stadtverband Essen der Kleingärtner e. V. Zwischen dem damals zehn Hektar umfassenden Messegelände100 Jahre Landschaftsarchitektur.de; abgerufen am 7. Februar 2019. und dem Botanischen Garten lagen Brachflächen, die teils als Lager der Friedrich Krupp AG, als landwirtschaftliche Fläche, aber auch als Müllkippe genutzt wurden. Besatzung, Hyperinflation und eine schwierige Wirtschaftslage in der ersten Hälfte der 1920er Jahre waren Hindernisse bei der Umsetzung des Vorhabens, eine große Gartenschau anzulegen. Der Gedanke, diese Brachflächen in einen Park umzugestalten, wurde maßgeblich durch den damaligen Oberbürgermeister Franz Bracht und die Beigeordneten Albert Meurer (1878–1957) und Heinrich Reisner vorangetrieben. Infolgedessen wurde das Gelände zwischen den Stadtteilen Rüttenscheid und Holsterhausen von der Stadt gekauft, um dort eine große Gartenschau in der von der Schwerindustrie geprägten Stadt Essen zu installieren. Dazu der Oberbürgermeister in der Essener Volkszeitung vom 29. Juni 1929:

Im Januar 1929 übernahm der Reichspräsident Paul von Hindenburg die Schirmherrschaft der Gartenbauausstellung, um der Bedeutung des deutschen Gartenbaus Ausdruck zu verleihen.Hindenbrug übernimmt das Protektorat der Großen Ruhrländischen Gartenbau-Ausstellung Essen; In: Essener Volkszeitung vom 24. Januar 1929 Zwischen Oktober 1927 und Juni 1929 erfolgte der Bau der Gartenbauausstellung mit Hilfe von etwa eintausend Arbeitslosen, die von der produktiven Erwerbslosenfürsorge finanziert wurden. Sie bauten in dem sumpfigen Brachland Terrassen, pflanzten unzählige Blumen und legten Teiche an. Die Dahlienarena entstand aus einer kreisrunden Sportstätte, die die Rüttenscheider Sportfreunde 07 (heutiger Name: VfL Sportfreunde 07 Essen e. V.) vor den endgültigen Planungen zum Bau des Grugaparkes errichteten. Die Essener Alleen mussten junge Bäume an den neuen Park abtreten. Unter der Leitung des Gartenbau-Architekten Johannes Gabriel († 4. Januar 1929) und des Gartendirektors Rudolf Korte entstand der sogenannte Blumengarten an der Ruhr, der Grugapark. Er war von Beginn an nicht nur für eine Ausstellung angelegt, sondern darüber hinaus als beständiger Volkspark gedacht.

Eröffnung Der ursprünglich geplante Eröffnungstermin musste von Mai auf Ende Juni 1929 verschoben werden, da sich die Arbeiten verzögerten – einerseits durch harten Frost im Winter 1928/1929, andererseits durch Streiks der Notstandsarbeiter. Am 7. Juni 1929 führten zwei für die Entstehung der Gruga Verantwortliche, der Beigeordnete Ernst Bode und Gartenbaudirektor Rudolf Korte, Vertreter der Presse durch das Gelände.Ein Rundgang durch die Gruga – Eine großartige Schöpfung ist fast fertig. In: Essener Volkszeitung vom 8. Juni 1929

Schließlich wurde die nun GRUGA (Große Ruhrländische Gartenbau-Ausstellung) genannte Ausstellung am 29. Juni 1929 durch den damaligen Reichsverkehrsminister, Adam Stegerwald, in der Ausstellungshalle V (Vorläufer der heutigen Grugahalle) vor mehr als 600 geladenen Gästen eröffnet. Die Feierlichkeiten begannen um 11 Uhr mit Richard Wagners Meistersingervorspiel des Städtischen Orchesters unter der Leitung des Essener Generalmusikdirektors Max Fiedler.Minister Dr. Stegerwald eröffnet die Gruga; In: Essener Volkszeitung vom 30. Juni 1929, Jahrgang 62 Ihr wohnten neben der Stadtspitze, Behörden- und Wirtschaftsvertretern auch der Staatsminister für Landwirtschaft Heinrich Steiger, Minister für Volkswohlfahrt Heinrich Hirtsiefer, der Schriftsteller Gerhart Hauptmann, die Kronprinzessin Cecilie und der Schauspieler Willy Fritsch bei. WDR west.art, Sendung vom 8. Juli 2004, abgerufen am 26. September 2014. Gartendirektor Rudolf Korte wandte sich mit folgenden Worten an den Oberbürgermeister Franz Bracht:

Der Eintritt für Erwachsene kostete 1 Reichsmark, für Kinder unter vierzehn Jahren und Schwerkriegsbeschädigte 50 Pfennige. Kinder unter drei Jahre hatten freien Eintritt. Zudem gab es Dauerkarten, für die Erwachsene 15 Mark zahlen mussten.

Charakter Die erste Große Ruhrländische Gartenbau-Ausstellung war eine 20 Hektar große, geometrische Anlage von unterschiedlichen Abteilungen, die durch geradlinige Baumreihen, Hecken, Mauern und Treppen voneinander abgegrenzt waren. Das Konzept berücksichtigte den Ausstellungs- und Lehrcharakter genauso wie den Erholungsbedarf der Bevölkerung. Dazu sollte die Auswirkung der Industrie auf die Flora untersucht werden. So waren unter anderem in Einzelgärten der Bergbauregion rechnungstragende rauchempfindliche und rauchunempfindliche Pflanzen ausgestellt sowie Kleingartenbau und Kleintierzucht dargestellt.