Der Klínovec () ist mit die höchste Erhebung des Erzgebirges. Er liegt in der Karlsbader Region der Tschechischen Republik. Gemeinsam mit dem weniger als 4 km entfernten, im deutschen Sachsen gelegenen Fichtelberg bildet er das bedeutendste Wintersportgebiet im Erzgebirge. An der Westflanke des Berges reicht ein deutscher Gebietszipfel bis 80 Höhenmeter unterhalb des Gipfels.

Lage und Umgebung Der Klínovec befindet sich im mittleren Erzgebirge unmittelbar an dessen südlichem Steilabfall. Am südlichen Fuß des Berges liegt die frühere königlich-böhmische Bergstadt Jáchymov (St. Joachimsthal). Auf dem Erzgebirgskamm liegen die kleinen Orte Boží Dar (Gottesgab), Loučná pod Klínovcem (Böhmisch Wiesenthal) und Háj u Loučné (Stolzenhain) sowie auf deutscher Seite der Kurort Oberwiesenthal in der Nähe des Klínovec. Die früher an der Bergschulter gelegenen Sonnenwirbelhäuser wurden nach Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei nach 1945 aufgegeben. Auf dem Gipfelplateau befindet sich das im Verfall begriffene Berghotel mit dem 2013 rekonstruierten, 24 Meter hohen Aussichtsturm sowie weitere Restaurants und ein 80 Meter hoher Fernseh- bzw. Richtfunkturm.

Geologie Der Klinovec ist vor allem aus metamorphen Sedimentgesteinen, wie Glimmerschiefer, Paragneisen und Quarziten aufgebaut. In der Nordwestseite kommen auch Gänge und Gesteinskörper vulkanitischen Ursprungs vor; diese tertiären alkalischen Vulkanite werden als Haüynite bezeichnet.

Name Die Besiedlung des Berges und Ortes am Sonnenwirbel wird erstmals im ältesten Trauungsbuch St. Joachimsthals (ab 1531) mit einer Trauung vom 17. Februar 1544 erwähnt, als Paul Vischer Margaretha, die Tochter des Thomas Schubart vom Sonnenwirbel heiratete.Lutz Kühnl: 1. Heiratsbuch von St. Joachimsthal 1531 - 1554, S. 133, Veineinigung Sudetendeutscher Familienforscher, Regensburg, Jahrbuch 2012 Zu dieser Zeit muss der Ort am gleichnamigen Berg bereits bestanden haben und durch Bergleute auch wirtschaftlich genutzt worden sein. Danach folgen diverse weitere Erwähnungen im Kirchenbuch, so dass auf eine kleine Ansiedlung zu dieser Zeit zu schließen ist. 1562 berichtet Johannes Mathesius, welcher seinerzeit in Sankt Joachimsthal als Rektor und Pfarrer angestellt war, über die Erschließung dieser Bergregion durch Bergleute. In einer topografischen Darstellung erwähnt er den Berg als „Sonnewirbel“. Jaroslaus Schaller nennt den Berg und die gleichnamige Siedlung als „Sonnenwirbel“ in seiner 1785 erschienenen „Topographie des Königreichs Böhmen“. Im Landkartenwerk der Franziszeischen Landesaufnahme (1846–1847) wird der Gipfel als „Sonnenwirbel B.“ bezeichnet. Abschließend taucht die Bezeichnung „Sonnenwirbl“ für Gipfel und Siedlung in einem Parzellierungs-Croquis der Gemeinde Joachimsthal von 1842 auf, deren Positionsangaben mit den Aufzeichnungen von Mathesius übereinstimmen.

Der Name „Keilberg“ verdrängte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die alte Bezeichnung „Sonnenwirbel“. Johann Gottfried Sommer bezeichnet 1847 den höchsten Erzgebirgsgipfel als „Keilberg“, wenngleich er den nordwestlich an den Gipfel anschließenden und nah an Boží Dar reichenden Ausläufer als Sonnenwirbel bezeichnet. Gleiches findet man beispielsweise in Schriften von August Emanuel von Reuss und Anton Adolph Schmidl. Eine heute erloschene Ansiedlung auf der Bergschulter an der Grenze zu Sachsen trug noch bis 1945 den deutschen Namen Sonnenwirbelhäuser.

Im Zuge der Franzisco-Josephinischen Landesaufnahme (1869–1887) wurde er als „Keilberg“ noch mit dem Zusatz Sonnenwirbel kartiert. Nach 1918 lag der Berg auf dem Staatsgebiet der Tschechoslowakei. Nachdem es bis dahin keinen tschechischen Namen für den Berg gegeben hatte; wurde nun – ebenso wie in zahlreichen anderen Fällen – die Übersetzung des deutschen Namens in die tschechische Sprache zugrunde gelegt: Das tschechische Wort klin bedeutet „Keil“, und so wurde der Berg zunächst genannt. In der zweiten Hälfte der 1920er Jahre setzte sich der Name Klínovec durch.

In historischen Aufzeichnungen ist der höchste Erzgebirgsgipfel leicht mit der ebenfalls auf Joachimsthaler Flur gelegenen, gleichnamigen Erhebung zu verwechseln. Diesen „Keilberg“ nennt abermals zuerst Mathesius 1562, zuvor wurde er vom gleichen Autoren mit „Kolberg“ bezeichnet. Auf einer amtlichen Katasteral-Indikationsskizze von 1842 liegt die dort als „Kailberg“ bezeichnete Erhebung etwas nördlich des Jáchymover Ortsteils Nové Město (Neustadt).

Geschichte Gipfelerschließung und -bauten Anfänge im 19. Jahrhundert mini|hochkant|„Kaiser Franz-Josef-Aussichtsturm“ zur Eröffnung am 3. August 1884 Gemäß einem Bericht aus dem Gottesgaber Pfarrarchiv von 1825 wurde 1817 auf dem Gipfel eine Aussichtspyramide errichtet, die im Berichtsjahr aber schon verfallen war. Im Jahr 1838 ließen der St. Joachimsthaler Posthalter und ein Gastwirt des Ortes eine neue Aussichtswarte („Gloriett“) errichten. Das Baumaterial stellte die Stadtverwaltung von St. Joachimsthal unentgeltlich zur Verfügung. Diese ließ zudem 1845/46 einen oberhalb der Sonnenwirbelhäuser von der bestehenden Straße abzweigenden Fahrweg zum Gipfel errichten. – Seinerzeit besuchten besonders häufig Karlsbader Kurgäste diesen Aussichtspunkt, die „Gloriett“ brannte 1868 jedoch gänzlich nieder.

Am 30. Mai 1880 gründete sich der Erzgebirgsverein in St. Joachimsthal, der von Beginn an die Wiedererrichtung einer Aussichtswarte zum Ziel hatte. Am 4. Juli des gleichen Jahres wurde der Bau eines gemauerten Aussichtsturms beschlossen. In Voraussicht, dass es bis zur Realisierung längere Zeit dauern würde, beschloss man zudem die zwischenzeitliche Aufstellung eines hölzernen Turmes. Dieser wurde bereits eine Woche nach Auftrag fertiggestellt.

Um den steinernen Bau zu finanzieren, rief man 1881 zu Spenden auf und fasste Bittschriften ab. Diese brachten jedoch nicht den gewünschten Erfolg – nach zwei Jahren waren erst 1100 Gulden eingesammelt. Daraufhin beschloss der Vereinsausschuss, für einen etwaigen Fehlbetrag bei der Bausumme solidarisch zu haften. Die Stadtverwaltung St. Joachimsthal überließ dem Verein die Baufläche zur Nutzung und gestattete zudem die Gewinnung von Baumaterial in der Nähe. Am 17. Juni 1883 wurde der Bau mit einer veranschlagten Summe von 3000 Gulden an den Kaadener Baumeister Josef Peter übertragen. Während des Baus stieg diese Summe noch auf 4300 Gulden. Zwischen dem 28. September und dem 18. Mai des Folgejahres ruhten die Arbeiten witterungsbedingt. Am 3. August 1884 wurde der Turm schließlich eingeweiht. Der erste Turmwart bewirtschaftete den Turm samt seitlichen Anbauten nur im Sommer und bei günstigem Wetter.

Der „Kaiser Franz-Josef-Aussichtsturm“ war ein 17 Meter hoher, oktogonaler, Steinbau. Über der Aussichtsplattform thronte ein auf acht Steinsäulen ruhendes Pyramidendach. Im Inneren führte eine Wendeltreppe zur Plattform. Um die Besucher teilweise vor Wetterunbilden zu schützen, wurde der rückwärtige Teil der Plattform später durch verglaste Fenster zwischen den steinernen Säulen abgeteilt. Bemerkenswert ist, dass die Turmspitze aufgrund fehlerhafter Gründung bereits frühzeitig eine Auslenkung von 60 Zentimetern gegenüber der Vertikalen aufwies.

Mehrfache Erweiterung der Unterkunftsbauten mini|Aussichtsturm mit dem 1893 erbauten ersten Unterkunftshaus mini|Zufahrtsstraße zum Gipfel im Winter 2012/2013 Bald darauf genügten die seitlichen Anbauten den wachsenden Besucherströmen nicht mehr und Pläne für Erweiterungen wurden gemacht. Nach 1886 überließ die Stadtverwaltung ein 416 Quadratmeter großes Grundstück, auf dem der Turm stand, kostenfrei ins Eigentum des Vereins. Die erste Erweiterung war 1893 ein ebenerdiges Häuschen mit einem Gastzimmer. Seitdem wohnte der Turmwart während der Sommermonate ständig auf dem Gipfel. Im Jahr darauf wurde ein Keller errichtet. Einer der beiden seitlichen Räume des Turms wurde als Küche benutzt, der andere diente als Wohnraum. Bald darauf trat für die Besucher wiederum Platzmangel ein, besonders beklagt wurden fehlende Übernachtungsmöglichkeiten, so dass als Übergangslösung ein Holzschuppen mit Spitzdach rechts neben dem Turmeingang errichtet wurde, der über mehrere Nachtlager verfügte. Der Verein beschloss am 28. Mai 1899 einen größeren Anbau ausführen zu lassen. Die Stadtverwaltung schenkte eine weitere Fläche und die örtliche Sparkasse bewilligte ein Darlehen für den Bau. Das hölzerne Unterkunftshaus wurde 1900 für 16092 Kronen ausgeführt. Es enthielt im Erdgeschoss einen geräumigen Saal, welcher zu Ehren des 1887 verstorbenen Präsidenten des „Zentralkomitees zur Förderung der Erwerbstätigkeit der böhm. Erzgebirgsbewohner“ Richard Ritter von Dotzauer Dotzauer-Saal benannt wurde, sowie eine Küche. Im Obergeschoss befanden sich neun beheizbare Fremdenzimmer samt Nebenräumen. Da dieses Gebäude im Winter nicht unbeaufsichtigt bleiben konnte, wurde das Keilberghaus von da an ganzjährig bewohnt und bewirtschaftet, wenngleich die Besucherzahl von Herbst bis Frühling sehr gering war.

Im Jahr 1903 lud der Erzgebirgsverein in St. Joachimsthal zu einer Versammlung von Vertretern benachbarter Gemeinden und Gebirgsvereinen zu beiden Seiten der Landesgrenze, um mit diesen über Maßnahmen zur Förderung des Fremdenverkehrs bei Einführung eines großzügigen Wintersportbetriebes zu beraten. Um zudem Fahrten in Pferdeschlitten zum Gipfel anzubieten, machte sich der Bau eines Stallgebäudes südöstlich des Aussichtsturms erforderlich. Nachdem die Stadtverwaltung wiederum eine kleine Grundstückserweiterung zugestanden hatte, wurde noch 1903 für 5.300 Kronen ein geräumiger Stall errichtet. Die Zahl der Wintergäste stieg und auch die der Sommergäste wuchs weiter an. 1905 erhielt der Verein eine Anfrage des Militärs zur Beherbergung von Soldaten für Skiübungen. Um entsprechenden Raum zu schaffen, wurde 1906 das Stallgebäude aufgestockt und um einen Anbau ergänzt, so dass ein Schlafsaal und zwei Zimmer vorgehalten werden konnten. Im Winter 1906/07 wurden diese erstmals bezogen. Ende 1906 wurde im Unterkunftshaus eine Fernsprechstelle eröffnet, Postbestelldienst bestand seit 1894 vom Postamt in Gottesgab. Seit 1885 bestand eine vierspännige Omnibusverbindung von Karlsbad aus – sie verkehrte einmal täglich in den Sommermonaten. Nach langen Verhandlungen über den notwendig gewordenen Bau einer Straße zum Gipfel, erkannte die Bezirksverwaltung St. Joachimsthal den Nutzen und erklärte sich schließlich bereit, eine 1800 Meter lange Bezirksstraße anzulegen. Sie bewilligte dafür 2000 Kronen, für den ungedeckten Teil der Bausumme verpflichtete sich der Verein aufzukommen sowie dem Bezirksausschuss die Auslagen für Unterhaltungsmaßnahmen zu erstatten. Realisiert wurde der Bau 1906 bis 1907, die Kosten für den Verein konnten durch Notstandshilfe gemindert werden. Zudem wurde die Zahlung der Unterhaltungskosten an die Bezirksverwaltung über jährliches Ansuchen nachgesehen und schließlich ganz erlassen. 1917 wurde die Straße verbreitert und 1923 gewalzt.

mini|Gipfel mit Hotel und (2012 abgebrochenem) Aussichtsturm, im Hintergrund der Fernsehturm