Die Zweite Isonzoschlacht war eine von insgesamt zwölf Schlachten zwischen dem Königreich Italien und dem Kaiserreich Österreich-Ungarn. Sie fand in der Zeit vom 17. Juli bis 3. August 1915 statt und war der zweite vergebliche Versuch der italienischen Streitkräfte, den Durchbruch durch die österreichisch-ungarische Frontlinie am Isonzo zu erzwingen. Diese Schlacht wird manchmal in der Literatur auch als „Schlacht um den Monte San Michele“ bezeichnet, obwohl der Monte San Michele (Debela Griža) wegen seiner exponierten Lage südlich von Görz auch Brennpunkt des Geschehens von der Ersten bis zur Sechsten Isonzoschlacht war.Vasja Klavora, Die Karstfront/1915 – 1916 (2007), S. 76ff

mini|hochkant|General Boroević, Kommandant der k.u.k. 5. Armee mini|hochkant|Der Herzog von Aosta, Kommandeur der 3ª Armata

Strategische Ziele der Angreifer Nach dem Misserfolg in der Ersten Isonzoschlacht zwei Wochen zuvor befahl der italienische Generalstabschef General Luigi Cadorna einen erneuten Angriff durch die 3. italienische Armee des Herzogs von Aosta, während die nördlich benachbarte 2. italienische Armee gegnerische Kräfte durch sporadische Angriffe zwischen Plava und der Wippachmündung zu binden hatte. Sechs Armeekorps wurden für die direkten Angriffe bereitgestellt, während ein siebtes als Eingreifreserve diente. Dazu kam eine erhebliche Verstärkung der schweren Artillerie. Das strategische Ziel dieser Unternehmung war, wie bei der vorangegangenen Aktion, der Durchbruch nach Triest und weiter in die ungarische Tiefebene um sich dort mit den russischen Streitkräften zu vereinigen, Österreich-Ungarn in zwei Hälften zu zerschlagen und so den Krieg zu gewinnen.

Hauptziel der Italiener war die Eroberung der österr.- ungar. Stellungen auf den Höhen des Monte San Michele (Debela Griža), denn sowohl Italiener als auch Österreicher wussten, dass sich das Schicksal der Karstfront und folglich auch der Fortbestand des Görzer Brückenkopfes dort entscheiden werde.Vasja Klavora, Die Karstfront/1915 – 1916 (2007), S. 95

Maßnahmen der Verteidiger Auf österreichisch-ungarischer Seite waren die italienischen Absichten nicht unbemerkt geblieben. Auch die im betroffenen Frontabschnitt liegende k.u.k. 5. Armee unter General Boroević hatte Verstärkungen erhalten. Die Armee bestand zu diesem Zeitpunkt aus dem VII. Armeekorps (Verteidigungsabschnitt III) und nördlich davon bei Görz aus dem XVI. Armeekorps (Verteidigungsabschnitt II). Das XV. Armeekorps hielt im Norden den Verteidigungsabschnitt I bei Tolmein, war an dieser Schlacht jedoch nicht primär beteiligt. Dazu kam als Eingreifreserve eine Gebirgsbrigade der 97. Infanterietruppendivision und als Armeereserve die 17. und 93. Infanterietruppendivision, die auf der Karsthochfläche südlich von Görz bereitgehalten wurden. Als Verstärkung war die 10. Gebirgsbrigade der 61. Infanterietruppendivision an der Nordseite des Görzer Brückenkopfes eingeschoben worden.Österreich-Ungarns letzter Krieg Bd. II S. 750

Eingesetzte Kräfte + Österreich-Ungarn Italien Armeen5. k.u.k Armee 2. Armee / 3. Armee ArmeekorpsXV. AK IV. AKXVI. AK II. AKVII. AK VI. AK XI. AK XIV. AK X. AK VII. AK

Erste Angriffsphase 18. Juli

Am 18. Juli 1915 eröffneten die italienischen Batterien das Trommelfeuer auf die meist nur aus Steinwällen bestehenden österreichisch-ungarischen Stellungen. Nach Einstellung des Artilleriefeuers (die Verteidiger hatten große Verluste durch herumfliegende Steinsplitter) griffen die italienische 21. und 22. Infanterie-Division (XI. (it) AK), die 20. Infanterie-Division (X. (it) AK) und die 14. Infanterie-Division (VII. (it) AK) den Isonzo-Frontbogen zwischen Seiz im Süden und dem Monte San Michele im Norden an. Ihnen gegenüber lag die 39. und 81. Honvéd Infanterie-Brigade, sowie die 14. und 16. Gebirgs-Brigade. Der den ganzen Tag anhaltende Nahkampf brachte den Italienern bis zum Abend lediglich Geländegewinne von 100 Metern Tiefe im Bereich von zwei Honvéd Kompanien.Österreich-Ungarns letzter Krieg Bd. II S. 747 ff

Am Morgen des 19. Juli erfolgte ein neuer Angriff, der diesmal etwas mehr Erfolg hatte, da er im Abschnitt längs der Straße Vermegliano – Doberdò in die österreichischen Stellungen eindringen und geringfügig Raum gewinnen konnte. Die Angriffe von drei italienischen Divisionen (4., 11. und 12 ID) auf den Görzer Brückenkopf konnten ohne Geländeverluste abgewiesen werden.

19. Juli Der Brückenkopf von Tolmein saß wie ein Stachel in der italienischen Front und verhinderte jede größere Operation gegen die österreichisch-ungarische Nordfront. Um den Brückenkopf einzudrücken, griffen am 19. Juli Alpini und Infanterieverbände von den Gipfeln des Vrata, des Krn und des Kozljak aus gegen die sich im Nordosten befindlichen Höhen 2041 und 1931 an. Gleichzeitig erfolgte ein Angriff der 8. (it) ID gegen den Mrzli vrh. Alle Angriffe führten an diesem Tag zu keinerlei Erfolg.

Österreichische Reaktionen Obwohl die Abwehr der ersten Angriffsoperation gelungen war, war man beim AOK 5 besorgt über die Lage. Allein das VII. Armeekorps meldete Ausfälle in Höhe von etwa 500 Mann an Toten, Verwundeten und Vermissten. Aus diesem Grunde wurde dem VII. AK die 93. ITD aus der Armeereserve zugewiesen und im Raum zwischen Doberdó und San Martino eingesetzt. Mit dieser Division sowie der 20. Honvéd ITD und 17. ITD sollte am Morgen des 20. Juli ein Gegenstoß geführt werden, um die verlorenen Gräben zurückzugewinnen. Schon in den Bereitstellungsräumen waren durch Störungsfeuer schwere Verluste zu verzeichnen. Das Infanterie-Regiment Nr. 90 hatte in dieser Nacht 13 Offiziere und 600 Mann Ausfälle.

20. Juli mini|Westhänge des Monte San Michele (Italienische Aufnahme) mit der Trennung zwischen der 20. Honvéd Infanterietruppendivision und der 17. Infanterietruppendivision Der am Morgen dieses Tages begonnene lokale Angriff der Österreicher prallte mit voller Wucht auf den am Vortag von General Herzog von Aosta befohlenen Großangriff des X. (it) und XI. (it) Armee-Korps gegen den Monte San Michele.

Trotz hinhaltendem und zähem Widerstand durch die ungarischen Landwehrverbände gelang es den Italienern, sich bis nahe der Kuppe des Monte San Michele vorzuarbeiten, während im südlichen Teil des Angriffsabschnitts den Angreifern kein Erfolg beschieden war. Entscheidend für den Verlauf der Schlacht war jedoch der Besitz des Monte San Michele. Ein Verlust hätte den Angreifern die Möglichkeit gegeben, das gesamte Stellungssystem der Verteidiger von der Flanke her zu packen und aufzurollen. Der Kommandant der 93. ITD General Boog raffte jetzt aus den Beständen seiner Division, der 20. HITD und der 17. ITD 15 Bataillone zusammen und griff nach zweistündigem Vorbereitungsfeuer der Artillerie von der Kuppe des Monte San Michel in Richtung Isonzo bergabwärts an. Nachdem die Italiener vom oberen Bereich des Berges zurückgedrängt werden konnten, scheiterte der Versuch bis zum Fluss vorzudringen letztendlich an der Erschöpfung der Leute.

Hauptangriffsziel des VI. (it) AK war der Brückenkopf von Görz, der von der 11., 12. und 29. ID angegriffen wurde. Der Angriff scheiterte vor der Podgora-Höhe und dem Monte Sabotino am hartnäckigen Widerstand der dalmatinischen und Triestiner Feldjäger und k.k. Standschützen (Diese wurden nach italienischer Lesart als Angehörige der unerlösten Gebiete Irredenti beziehungsweise Fratelli bezeichnet und hätten nach Auffassung der Verfechter dieser Doktrin eigentlich überhaupt nicht kämpfen dürfen.) Die Angreifer verloren hier 436 Gefallene, 2703 Verwundete und 244 Vermisste.L’esercito italiano nella grande guerra (1915–1918) Volume I / Roma: Ministero della Guerra – Ufficio Storico, 1929–1974 Band I S. 248 Nach diesem katastrophalen Ergebnis wurden die Angriffe hier zunächst eingestellt.

Am Tolmeiner Brückenkopf gelang es den Angreifern nach stundenlangen erbitterten Nahkämpfen, die Stellungen der 3. Gebirgsbrigade auf der Höhe 2136 einzunehmen. Diese zog sich daraufhin etwa 400 Meter weiter rückwärts in die Auffangstellungen auf der Höhe 2077 zurück. Zunächst erfolgten hier keine weiteren Angriffe.

Österreichische Verstärkungen Wieder war auf österreichischer Seite eine Reaktion erforderlich. Um einen Durchbruch zu verhindern, mussten unverbrauchte, frische Verbände herangeführt werden.

„Die kritische Lage am Südflügel der 5. Armee veranlasste das Südwestfrontkommando nun im eigenen Bereich nach Reserven Umschau zu halten. Nur in Tirol waren zwei Regimenter verfügbar. Das Kaiserjäger-Regiment 4 und das Kaiserschützen-Regiment I, die ihre Stände auffüllten und, ihrer alten Mannschaften längst beraubt, alpin ausgebildet werden sollten. Sie wurden nun eiligst an den Isonzo verschoben.“ (Zitat aus dem Österreichischen Generalstabswerk)

mini|Eingesetzte Verbände im Südabschnitt

22. Juli

An diesem Tag griff die Kampfgruppe Boog erneut an und konnte die italienischen Verbände bis an den Höhenrand bei Sdraussina zurückdrängen, wurde dann jedoch von aus dem Norden vorstoßenden Truppen der italienischen 28. und 30. ID in der Flanke angegriffen und wich bis in die am 20. Juli verlorengegangenen Stellungen wieder zurück. Auch die im südlichen Verteidigungsabschnitt vom VII. (it) AK gegen die Front der 61. und 57. ITD auf Doberdò gerichteten Angriffe führten zu keinem Erfolg.

Österreichische Reaktionen Am 23. Juli meldete die 20. HITD noch 1200 einsatzbereite Mannschaften und Offiziere, während das VII. AK in den letzten beiden Tagen Ausfälle in Höhe von 2900 Mann zu beklagen hatte. Durch das Störfeuer der italienischen Artillerie waren mittlerweile sämtliche Versorgungswege unterbrochen worden. Der dadurch bedingte Mangel an Verpflegung und vor allen Dingen an Wasser in der hochsommerlich ausgedörrten und wasserlosen Steinwüste des Karst führte dazu, dass die große Masse der Soldaten an der Grenze ihrer physischen Leistungsfähigkeit angelangt war. Daher wurde die besonders betroffene 93. ITD am Abend dieses Tages nach Merna zurückgenommen und die Front an dieser Stelle (westlich des Monte San Michele) mit der frischen 9. Gebirgsbrigade der 59. ITD besetzt. Als Rückendeckung stand dahinter die 12. Gebirgsbrigade. Inzwischen waren das Kaiserjäger-Regiment 4 und das Kaiserschützen-Regiment I in diesem Frontabschnitt eingetroffen und sammelten sich zunächst in Selo.Österreich-Ungarns letzter Krieg Bd. II S. 753

23. Juli Das VII. (it) AK führte Angriffe gegen den Abschnitt zwischen Selz und Vermegliano. Es gelang ein Einbruch, der von den Österreichern im Gegenstoß nicht mehr gänzlich bereinigt werden konnte.

Zweite Angriffsphase Maßnahmen der Angreifer Angesichts der bisherigen eher dürftigen Ergebnisse warf der Capo di Stato Maggiore, General Cadorna, dem Befehlshaber der 3. Armee (in deren Bereich der Brückenkopf von Görz fiel) vor, er habe bisher zu lahm (zoppo) gehandelt, und verlangte mehr Unterstützung der südlichen Nachbararmee. Des Weiteren verlangte er nunmehr unverzüglich die Eroberung der Hochfläche von Doberdó um jeden Preis (Ad ogni costo!). Dazu wurde der letzte Verband der Heeresreserve, das XIII. (it) Armeekorps der 3. Armee zur Verfügung gestellt.L’esercito italiano nella grande guerra (1915–1918) Volume I / Roma: Ministero della Guerra – Ufficio Storico, 1929–1974 Band I S. 252 mini|Eingesetzte Verbände im Nordabschnitt

24. Juli Der von Italienern von der 14. ID gegen die Höhe 118 vorgetragene Angriff wurde abgewiesen.

25. Juli An diesem Tag fand ein erneuter Großangriff der Italiener statt. Das VII. (it) Korps griff mit der 14, 27. und Teilen der 13. ID den Abschnitt zwischen Redipuglia und Seiz mit der dazwischenliegenden Höhe 118 an. Das XI. (it) AK wurde mit der 21., der 19. und Teilen der 22. ID auf den Abschnitt Monte San Michele (einschließlich) bis Sagrado angesetzt.