Die Stadtbahn Dortmund ist ein zur Stadtbahn Rhein-Ruhr gehörendes Stadtbahnsystem in Dortmund und wird von den Dortmunder Stadtwerken (DSW21) betrieben. Das Netz mit acht Linien hat eine Länge von 75 Kilometern, davon 20,5 Kilometer im Tunnel. Von den 125 Stationen liegen 98 an der Oberfläche und 27 unterirdisch.
Das Stadtbahnnetz setzt sich aus drei Stammstrecken zusammen, die sich als Dreieck im Stadtzentrum kreuzen und sich teilweise zu den Vororten verästeln. Die drei Kreuzungsbahnhöfe sind Kampstraße, Reinoldikirche und Stadtgarten. Innerhalb des Bahnhofs Stadtgarten befindet sich auch die Betriebsleitstelle.
Das Netz gliedert sich in zwei Teilnetze. Die Äste der Stammstrecken I (Leopoldstraße–Markgrafenstraße) und II (Brunnenstraße–Stadtgarten) sind Hochflur-Stadtbahnstrecken. Dagegen wird die Stammstrecke III mit Niederflur-Stadtbahnwagen befahren. Sie ähnelt daher eher einer U-Straßenbahn, wird aber im Streckennetz als Stadtbahn geführt (siehe Bezeichnung mit U + 4 als Bereichskennziffer für Dortmund + eine weitere Ziffer).
Geschichte Die Stadtbahn ging mit einem 4,1 Kilometer langen Schnellstraßenbahnabschnitt zwischen Kirchderne und Grevel in Betrieb und wurde ab 15. Mai 1976 zunächst mit der Straßenbahnlinie 2 (später 402/406, heute U42) betrieben. Schon lange bevor von einer Stadtbahn die Rede war, wurde am 30. April 1959 die Strecke von der kurzzeitigen Endstelle Markgrafenstraße (Ecke Ruhrallee, eröffnet am 1. November 1957) über Westfalenpark nach Hacheney als kreuzungsfreie Schnellstraßenbahn in Betrieb genommen. Ebenfalls lange vor der Stadtbahneinführung ging 1967 die erste Dortmunder Untergrundstation Westfalenhalle (damals noch ohne Plural-n) in Betrieb, als ursprünglich recht spartanisch gestaltete Straßenbahnhaltestelle. Alle drei Maßnahmen waren noch Bestandteile der Planung eines Ausbaus der Straßenbahn, der sich im Wesentlichen an den oft erst in der Nachkriegszeit entstandenen Achsen der Hauptstraßen orientierte. Die Strecken sollten in der Regel auch in der Innenstadt oberirdisch auf eigenem Gleiskörper in Straßenmitte geführt werden, nur an wenigen Knotenpunkten als Unterpflasterbahn mit einfachem Ausbaustandard, also mit höhengleichen Abzweigungen.Ausbauplanung 1965, abgerufen am 16. Februar 2019 Die erste längere Tunnelstrecke ist im Stadtteil Hörde am 27. Mai 1983 in Betrieb gegangen und wurde von den Straßenbahnlinien 401 und 406 bis zur offiziellen Stadtbahneröffnung am 2. Juni 1984 befahren. Danach nahm dort die Stadtbahnlinie U41 den Betrieb auf.
Als neueste Stadtbahnstrecke wurde die Ost-West-Strecke fertig gestellt. Sie wird auch als Stammstrecke III bezeichnet. Die Linien U43 und U44 wurden am 27. April 2008 offiziell zum Fahrbetrieb freigegeben. Sie ersetzten die bisherigen Straßenbahnlinien 403 und 404. Auf dieser Strecke fahren auch die neuen Stadtbahnwagen NGT8. Die letzte Fahrt eines N8C mit Fahrgästen fand am 21. Dezember 2011 auf der kleinen U43 zwischen Westentor und Brackel statt.
Nach dem sukzessiven Abzug der nur für 600 V ausgelegten N8C von den jeweiligen Linien wurde die Stromversorgung schrittweise 1999 auf der Stammstrecke I, 2002 auf der Stammstrecke II und abschließend 2012 auf der Stammstrecke III sowie auf dem Betriebshof auf 750 V erhöht und damit an die Auslegung der heute eingesetzten Stadtbahnwagen angepasst.
Liniennetz
Innerhalb der Stadtbahn Rhein-Ruhr ist das Dortmunder Netz bislang das engmaschigste. Wie die Liniennetzpläne der Stadtbahn Rhein-Ruhr zeigen, konnte – anders als in anderen Städten wie beispielsweise in Duisburg – der zu großen Teilen mit Landesmitteln finanzierte ursprüngliche Netzausbau weitgehend verwirklicht werden.
Folgende acht Linien werden an allen Tagen betrieben:
Linie Verlauf Takt Haltestellen Fahrzeugeinsatz (Regulär) 28 (12) B80C/6 (Doppeltraktion), B80C/8 (Einzelwagen), B80D (Doppeltraktion) 28 (8) B80C/6 (Doppeltraktion), B80D (Doppeltraktion) 34 (5) NGT8 (Einzelwagen/Doppeltraktion) 19 (4) NGT8 (Einzelwagen) 13 (7) B80C/8 (Einzelwagen) 7 (7) B80C/8 (Einzelwagen) 27 (8) B80C/6 (Doppeltraktion), B80C/8 (Einzelwagen) 11 (8) B80D (Einzelwagen), B80C/8 (Einzelwagen)
Hinzu kommen folgende zwei Verstärkungslinien, die nur bei Veranstaltungen im Westfalenstadion oder in den Westfalenhallen verkehren: Linie Verlauf Takt Haltestellen(U-Bahnhöfe) Fahrzeugeinsatz 7 (6) B80C/6 (Doppeltraktion), B80C/6 (Dreifachtraktion) 8 (7) B80C/6 (Doppeltraktion), B80C/6 (Dreifachtraktion)
Erläuterungen zu den Linientabellen: Verlauf der Linie teilweise in Klammern: auf den betreffenden Abschnitten nur zeitweise Betrieb in fetter Schrift: betreffender Abschnitt verläuft im Tunnel und besitzt nur U-Bahnhöfe Umsteigemöglichkeiten: Wenn neben dem Haltestellennamen 20px steht, zum Regionalverkehr 14px|S-Bahn steht, zur S-Bahn 14px|Stadtbahn steht, zu (kreuzenden) Stadtbahn-Linien Takt: Dargestellt ist der Takt montags–samstags tagsüber, etwa zwischen 5 und 20 Uhr. Im Abendverkehr ab etwa 20 Uhr bis etwa 24 Uhr sowie sonntags ganztägig wird auf allen Linien ein 15-Minuten-Takt angeboten (U49 ab ca. 22 Uhr im 30-Minuten-Takt). Von Betriebsbeginn zwischen 3:00 und 4:30 Uhr bis ca. 5 Uhr morgens wird in der Regel im 20-Minuten-Takt gefahren.
Umsteigemöglichkeiten An den Haltepunkten Dortmund Stadthaus, Dortmund Möllerbrücke, Dortmund-Westerfilde, Dortmund-Marten Süd, Dortmund-Wickede und Dortmund Hauptbahnhof gibt es Umsteigemöglichkeiten zur S-Bahn Rhein-Ruhr. Der Haltepunkt Hörde liegt in fußläufiger Distanz zum Bahnhof Dortmund-Hörde und bietet Umsteigemöglichkeiten zum Regionalverkehr.
Ebenfalls liegt der Haltepunkt Dortmund-Huckarde Nord unweit der Haltestelle „Huckarde Bushof“, wo eine Umsteigemöglichkeit zur RB43 (Emschertalbahn) besteht. Obwohl sich hier einmal pro Stunde eine alternative Verbindung u. a. nach Marten, Bövinghausen oder Lütgendortmund ergibt, wird in den aktuellen Liniennetzplänen diese Umsteigemöglichkeit nicht kenntlich gemacht.
Besonderheiten im Betrieb und Streckennetz Von einem im Tunnel liegenden Abzweig zwischen den Haltestellen Hafen und Insterburger Straße (U47) führt seit 1993 eine nicht im Fahrgastverkehr befahrene Betriebsstrecke entlang der OWIIIa zum DSW-Betriebshof Dorstfeld, wo auch ursprünglich die Errichtung eines Verbindungsgleises zur Bahnstrecke 2136 der Deutschen Bundesbahn (später Deutsche Bahn; bedient von der S-Bahn-Linie S2) zwecks Anlieferung von Schienenfahrzeugen und Baustoffen angedacht war. Die Zufahrt von der Haltestelle Dorstfeld Betriebshof (Linien U43 und U44) wird durch die auf den Stammstrecken II und III verkehrenden Wagen genutzt, wobei erstere über ein Verbindungsgleis hinter der Haltestelle Brügmannplatz von der Stammstrecke II auf die Stammstrecke III überführt werden. Weiter nördlich kreuzt die Strecke der Linie U47 zwischen Buschstraße und Obernette die Güterumgehungsbahn Dortmund ebenerdig. Bis zur Einstellung der verbliebenen Straßenbahnlinien 403 und 404 am 26. April 2008 verkehrten ab 1986 monatlich regelmäßig jeden ersten Samstag historische Fahrzeuge im Dortmunder Straßen- und Stadtbahnnetz, zuletzt auf der 403 zwischen Dorstfeld Betriebshof und Pothecke bzw. In den Börten, in seltenen Fällen auch auf der 404 zur Westfalenhütte. Die Fahrten wurden vom Historischen Verein der Dortmunder Stadtwerke AG als Einsatzfahrten im konventionellen Tarifrahmen des VRR durchgeführt. Mangels Interesse seitens der Dortmunder Stadtwerke AG wurde der Museumsfuhrpark ab 1993 sukzessive aufgelöst und später vom U-Stadtbahnbetrieb abgezogen, so dass ab 1999 bis zur endgültigen Einstellung nur noch ein Museumsbetrieb auf den konventionellen Straßenbahnlinien angeboten werden konnte. Die verbliebenen Fahrzeuge – zuletzt der T3-Wagen 279 (Baujahr 1950) – wurden bis zum 26. April 2008 im Betriebshof Dorstfeld abgestellt und im Frühjahr 2012 als Dauerleihgabe an das Dortmunder Nahverkehrsmuseum veräußert.
Fahrzeuge Ehemalig Typ Breite Baujahr Fahrzeugnummern Bild BemerkungenT2 / B2????–1957115, 173, 217, 252, 259 (u.v.m.)rahmenlos|130x130px Einige Trieb- und Beiwagen im Dortmunder Nahverkehrsmuseum erhaltenWagen 259 in der DASAT31950279 (u.v.m.) Wagen 279 im Dortmunder Nahverkehrsmuseum erhaltenT4 (Triebwagen) / B4 (Beiwagen)1953/1958 301, 302, 303 (ab 1986 203), 304 (1981–2015 als Arbeitstriebwagen 904), 305, 306 / 811, 812, 813, 814, 815, 816 Wagen 303 im Blindheimer Straßenbahnmuseum erhaltenWagen 304 im Dortmunder Nahverkehrsmuseum erhaltenGT41954–1957411–437 Wagen 431 im Dortmunder Nahverkehrsmuseum erhaltenWagen 435 im Blindheimer Straßenbahnmuseum erhaltenGT8 2,3 m1959–19741–91rahmenlos|130x130px Wagen 13 und 87 im Dortmunder Nahverkehrsmuseum erhaltenWagen 76 im Kaufhaus The Outlets (Hiroshima) erhaltenN8C (Stadtbahnwagen Typ N)1978–1982101–154rahmenlos|130x130px 101 nach Unfall 1988 abgestellt; 1996 als Ersatzteilspender ausgeschlachtet und verschrottet102–106 als Ersatzteilspender 2003–2006 ausgeschlachtet und verschrottet107–129, 131–141 und 143–154 nach Danzig verkauft130 nach Brand 2006 verschrottet142 nach Unfall 1988 abgestellt; 1994–1996 zum Arbeitstriebwagen 902 umgebautRekonstruktion von Wagen 101 auf Basis eines Essener M8C im Dortmunder Nahverkehrsmuseum erhalten B100S (Stadtbahnwagen Typ B, ex Bonn)2,65 m 1973–1974 Umbau 2003–2009 7351, 7454, 401–410, 411 (7467)rahmenlos|133x133px 2007–2009 Einbau neuer elektrischer Schwenkschiebetüren von FTD7351 (Prototyp Baujahr 1973) und 7454 als Ersatzteilspender 2006 verschrottetUmbau von 7467 zu 411 abgebrochen, 2013 als Ersatzteilspender verschrottet404 und 406 2022 abgestellt, 2023 als Ersatzteilspender verschrottet403, 408 und 409 seit 2024 abgestellt, Veräußerung an die Berufsfeuerwehr vorgesehenRestliche Fahrzeuge im Sommer 2024 verschrottet Schöndorff-Vorkriegsstraßenbahnwagen (T2) 1930 259 Seit 1993 in der DASA als Dauerleihgabe
Aktuell Personenfahrzeuge Typ Modell Länge Breite Typ Baujahr Umbau Fahrzeugnummern Anzahl Bild Bemerkungen Stadtbahnwagen Typ BB80C/6 (B6)28,00 m2,65 mHochflur 1986–1993 301–34343rahmenlos|133x133pxB80C/8 (B8) (Umbau aus B6)38,00 m2,65 mHochflur 1993/19941996, ab 2018 Prototyp, 2022– 344–35411rahmenlos|133x133px348 als erstes modernisiertes Fahrzeug im Sommer 2024 in Dortmund eingetroffenB80C/8 (B8)38,00 m2,65 mHochflur 1998/1999 355–36410rahmenlos|133x133pxB80D (Vamos)28,00 m2,65 mHochflur 2021–2027 365–39834rahmenlos|120x120pxSeit dem 23. April 2024 im Fahrgastbetrieb Bombardier FlexityNGT830,04 m2,40 mNiederflur 2007–2013 1–4747rahmenlos|133x133pxBedient die Linien U43 und U44
Im Dezember 2013 gab die DSW21 bekannt, dass bis zum Jahr 2025 alle Hochflurwagen modernisiert werden sollten. Der Umbau der Stadtbahnwagen sollte frühestens 2021 beginnen, zudem sollten 20 bis 26 neue Hochflurwagen bestellt und die ehemaligen Bonner Triebwagen B100S ausgemustert werden. Im Juni 2015 wurde ein Auftrag für die Lieferung von 24, sowie optional zwei weiteren, neuen Hochflurstadtbahnwagen ausgeschrieben. Dieser wurde im April 2018 an das Unternehmen HeiterBlick vergeben, die Auslieferung der 26 neuen B-Wagen (Typ B80D) begann zum vierten Quartal des Jahres 2022. Zudem sollte die Modernisierung der 64 Bestandsfahrzeuge ab 2024 beginnen, sie werden dabei innerlich und äußerlich den Neubau-Triebwagen angeglichen. Der erste von 26 neuen Stadtbahnwagen war in der Nacht zum 2. Dezember 2022 im Betriebshof Dorstfeld eingetroffen, sodass das Fahrzeug nach erfolgter Zulassung ab Sommer 2023 im Plandienst eingesetzt werden sollte. Anschließend sollte bis voraussichtlich 2025 je Monat jeweils ein neues Fahrzeug nachgeliefert werden. Die Fahrzeuge können den Wagenboden um drei Zentimeter absenken (Kneeling), sodass jederzeit barrierefrei ein- und ausgestiegen werden kann. Im Februar 2024 wurden acht zusätzliche Neufahrzeuge bestellt, die ab 2025 ausgeliefert werden sollten.