Das Westend () ist ein Stadtteil von Frankfurt am Main. Zu statistischen Zwecken ist es in Westend-Süd und Westend-Nord gegliedert, wird aber in der Regel als Einheit betrachtet. Die Grenze zwischen Nord und Süd bildet hauptsächlich der Grüneburgweg. Das Westend gilt als Stadtteil mit bürgerlichen, gutsituierten Einwohnern und überdurchschnittlichen Immobilienpreisen.
Zusammen mit dem Bahnhofsviertel sowie den Stadtteilen Nordend und Ostend bestehen beide Stadtteile aus hoch verdichteten Gründerzeitvierteln der Frankfurter Innenstadtbezirke. Zusammen mit dem Stadtteil Bockenheim bildet das Westend den Ortsbezirk Frankfurt-Innenstadt II. Die Einwohnerzahl betrug im letzten Jahr .
Geschichte Westliche Gemarkung mini|Gemarkung mit den heutigen Grenzen des Westend Wie die anderen Gründerzeitviertel befand sich auch das Gebiet des heutigen Westends seit dem Bau der Frankfurter Landwehr innerhalb deren schützender Befestigung und war Teil der Frankfurter Gemarkung. Größtenteils aus Ackerland und Heiden bestehend, befanden sich vereinzelte Gutshöfe auf dem Gebiet des heutigen Westends. Die Höfe, deren Namen heute noch einige Straßen tragen, waren der Hellerhof, der Hynsperghof und der Kettenhof.
Klassizismus und Gründerzeit Mit dem beginnenden 19. Jahrhundert wurde die alte Frankfurter Stadtbefestigung geschleift. Bald entstanden entlang der Bockenheimer Landstraße, der Ausfallstraße in die Nachbarstadt Bockenheim, zahlreiche klassizistische Vorstadtvillen mit großzügigen Gärten. Darunter waren das Gontardsche Gartenhaus und die Villa Leonhardi des Architekten Nicolas Alexandre Salins de Montfort sowie das Rothschildpalais von Friedrich Rumpf. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Gebiet durch die Stadt parzelliert und Straßen und Plätze angelegt. Die eng bebaute Frankfurter Neustadt platzte aus allen Nähten, und so zog es immer mehr Menschen in die westliche Außenstadt. Vorbild beim Straßenbau war Paris, deshalb entstanden große Boulevards sowie Plätze mit radial auslaufenden Straßen.
mini|Das Viertel um den Palmengarten 1893, das Straßennetz im nördlichen Westend ist noch nicht fertiggestellt.
Im Jahr 1858 wurde an der Bockenheimer Landstraße der erste Frankfurter Zoo angelegt, der wenig später in den Stadtteil Ostend verlegt wurde. Das Westend etablierte sich als Wohngebiet für Wohlhabende, wie auch in anderen Städten mit einem Westend. Es entstanden zahlreiche Villen und großzügige Wohnhäuser, von denen viele noch heute bestehen. Ende des 19. Jahrhunderts war nahezu der gesamte südliche Teil des Westends bebaut. Der nördliche Abschluss war der neu angelegte Palmengarten, der Grüneburgweg mit dem im Besitz der Familie Rothschild befindlichen Grüneburgpark sowie die von Heinrich Hoffmann begründete „Irrenanstalt“ auf dem Affensteiner Feld, das sogenannte Irrenschloß. Um die Bebauung räumlich einzugrenzen, ließ der Frankfurter Oberbürgermeister Franz Adickes Anfang des 20. Jahrhunderts den Alleenring bauen, der zugleich alle neuen Stadtteile miteinander verband.
Im auslaufenden 19. Jahrhundert und beginnenden 20. Jahrhundert wohnten einige wohlhabende Maler im Westend, darunter Wilhelm Steinhausen, Hans Thoma und Joseph Kaspar Correggio.
Der nördliche Stadtteil blieb durch den großzügig angelegten Grüneburgpark weniger dicht bebaut. 1930 errichtete Hans Poelzig das I.G.-Farben-Haus, Verwaltungsgebäude der I.G. Farben. Bis zum Zweiten Weltkrieg änderte sich an dieser Situation wenig. In der Zeit des Nationalsozialismus wurden Stadtteile abgeschafft, und das Westend wurde Teil des Abschnitts Frankfurt-Nord. Das Polizeirevier 9 in der Lindenstraße 27 war die Zentrale der Frankfurter Gestapo. Bei den alliierten Luftangriffen im Zweiten Weltkrieg blieb das Westend von Flächenbombardements verschont. Nach Kriegsende wurde zunächst fast das gesamte Westend-Nord (ab Wolfsgangstraße) zum militärischen Sperrgebiet erklärt. Im I.G.-Farben-Haus richtete die amerikanische Militärregierung ihr Hauptquartier ein. Umliegende Viertel wurden zu Siedlungen für GIs umgebaut. Im Jahr 1948 wurde der Stacheldraht um das Sperrgebiet wieder entfernt.
Wolkenkratzer und Straßenschlachten Noch in den 1950er-Jahren war das Westend ein reines Wohngebiet für rund 40.000 Menschen. Die Häuser hatten in der Regel nur vier Geschosse.
Das erste Hochhaus Bis 1938 war die Stadt Frankfurt zu einem (durch Arisierung) sehr niedrigen Preis in den Besitz eines 5,8 Hektar großen Palais-Areals zwischen Bockenheimer Landstraße, Unterlindau, Staufenstraße und Reuterweg gekommen, das vorher der alteingesessenen jüdischen Familie Rothschild gehört hatte. Obwohl 1950 der Kaufpreis nachgebessert wurde, setzten die Rothschild-Erben die Rückgabe eines Drittels des Areals durch. Nachdem sie außerdem die Genehmigung für eine Hochhausbebauung erhalten hatten, verkauften sie das zurückgegebene Gelände an die Schweizer Zürich Versicherung und die Berliner Handelsgesellschaft, die dort unmittelbar gegenüber dem Opernplatz Bürotürme errichteten. Das 1960 erbaute, von 1989 bis 1996 unter Denkmalschutz gestellte und 2002 abgerissene Zürich-Haus war das erste Hochhaus im Frankfurter Westend. Nun steht dort der zweieinhalb mal so hohe Opernturm. Den Landschaftspark aus dem späten 19. Jahrhundert, der sich auf dem Areal befand, wandelte die Stadt in eine öffentliche Grünanlage um, den Rothschildpark.
Die Wohnraumvernichtung Nach der Aufhebung der Zwangsbewirtschaftung von Wohnraum 1960 entwickelte der sozialdemokratische Planungsdezernent Hans Kampffmeyer ein Konzept zur Dezentralisierung der Innenstadt. Die angrenzenden Stadtviertel, vor allem das Westend, sollten zum Erweiterungsgebiet werden. Der „Fünf-Finger-Plan“ von 1967 sah vor, dass entlang der durch das Westend führenden Achsen Mainzer Landstraße, Bockenheimer Landstraße, Reuterweg, Grüneburgweg und Eschersheimer Landstraße – eine intensivierte Bebauung entstehen sollte. Zahlreiche Gründerzeitbauten wurden in den kommenden Jahren infolge von Immobilienspekulation abgerissen. Ihre alteingesessenen Bewohner wurden vertrieben. Bis 1970 standen bereits mehrere hundert Häuser im Westend leer, sie waren oft in völlig verwahrlostem Zustand.
Die Entwicklung stieß auf Widerstand in der Bevölkerung. Das Bürgertum reagierte mit der Gründung einer der ersten Bürgerinitiativen Deutschlands, der Aktionsgemeinschaft Westend (AGW). Die AGW erstellte ein Kataster denkmalschutzwürdiger Bauten und erwirkte bereits 1970 eine Veränderungssperre für das Westend. Die Stadt wollte nunmehr durch einen Bebauungsplan die eingeleitete Entwicklung umkehren. 1972 erließ das Land Hessen eine Verordnung gegen Wohnraumzweckentfremdung.
Gleichzeitig entwickelte sich der Frankfurter Häuserkampf, der hauptsächlich von Studenten der im Westend gelegenen Universität Frankfurt getrieben wurde. Zahlreiche Häuser wurden besetzt, immer wieder lieferten sich Demonstranten Straßenschlachten mit der Polizei. Auch der junge Joschka Fischer war daran beteiligt. Der Höhepunkt des Häuserkampfes lag zwischen 1970 und 1974.
Im Jahr 1972 verübte die Terrororganisation Rote Armee Fraktion einen Anschlag auf das amerikanische Hauptquartier im I.G.-Farben-Haus, bei dem ein Soldat ums Leben kam.
In den 1970er Jahren wurde eine Reihe weiterer Hochhäuser im Westend gebaut, wie beispielsweise der AfE-Turm auf dem Universitätsgelände. Das City-Haus I am Platz der Republik, damals das höchste Hochhaus Deutschlands, brannte 1973 unter dem Jubel einiger Studenten, wurde jedoch später fertiggestellt.
Obwohl der 1976 erlassene Bebauungsplan keine weiteren Hochhäuser im Westend vorsah, wurden im südlichen Westend immer wieder Ausnahmen genehmigt, vor allem entlang der Mainzer Landstraße und des Alleenrings. Heute ist das südliche Westend weitgehend mit dem Frankfurter Bankenviertel zusammengewachsen. Der Gentrifizierungsprozess gilt im Westend als weitestgehend abgeschlossen. Am Rande des Westends entstand auf dem Messegelände das zeitweise höchste Hochhaus Europas, der 257 Meter hohe Messeturm.
Lage und Abgrenzung mini|Grenzstraße zum Nordend (rechts): Die Eschersheimer Landstraße Das Westend liegt an der nordwestlichen Grenze des Stadtteils Innenstadt und nördlich von Bahnhofsviertel und Gallus. Die längste Grenze teilt es sich mit dem westlich davon gelegenen Bockenheim. Nördlich des Westends schließt der Stadtteil Dornbusch an, östlich davon das Nordend. Die Nordgrenze des Westends ist identisch mit dem Verlauf der ehemaligen Frankfurter Landwehr, die jahrhundertelang das Territorium der Freien Stadt Frankfurt schützte.
Gewöhnlich bezeichnen Frankfurter das bebaute Gebiet als Westend, das begrenzt wird vom Reuterweg, Bockenheimer Anlage am Opernplatz, Taunusanlage, Mainzer Landstraße bis zum Platz der Republik, Friedrich-Ebert-Anlage, Senckenberganlage, Zeppelinallee, Miquelallee, Hansaallee und Bremer Straße bis zum Reuterweg.
Die amtlichen Frankfurter Stadtbezirke decken sich nicht ganz mit diesen „gefühlten“ Grenzen. Danach gehört der gesamte östliche Teil des Messegeländes, inklusive Messeturm und Festhalle und begrenzt durch die S-Bahn Rhein-Main, ebenfalls zum Westend. Ebenso verhält es sich mit einem Randbereich im Westen, der für gewöhnlich Bockenheim zugeordnet wird, jedoch gehören das Marriott Hotel, das Naturmuseum Senckenberg und der größte Teil des Campus Bockenheim der Goethe-Universität amtlich noch zum Westend. Im Osten reicht das Westend bis zur Eschersheimer Landstraße, doch wird dieses Gebiet ab dem Reuterweg oft fälschlicherweise dem Nordend zugeschlagen. Im Norden reicht das Westend über die Miquelallee hinaus, so dass die Carl-Schurz-Siedlung ebenfalls noch zum Stadtteil gehört.
Die Grenze zwischen Westend-Süd und Westend-Nord verläuft ab Miquelallee durch die Siesmayerstraße (zwischen Palmengarten und Botanischem Garten) und folgt im weiteren Verlauf dem Grüneburgweg bis zur Eschersheimer Landstraße.
Stadtbild Das Westend ist nach wie vor geprägt von teils großbürgerlicher Gründerzeitarchitektur, die es zu einer der teuersten Wohnlagen Frankfurts macht. Unübersehbar sind allerdings auch die 1950er-Jahre-Wohngebäude und Bürobauten der 1970er-Jahre, wobei insbesondere Letztere ohne Rücksicht auf die umgebende Bebauung errichtet wurden.
Hochhäuser in Westend-Süd mini|Hochhäuser an der Messe. Von links nach rechts: Pollux, Kastor, Messeturm und Westend Gate Der Süden des Westends bildet zusammen mit der westlichen Frankfurter Innenstadt und dem östlichen Bahnhofsviertel das Frankfurter Bankenviertel. Dort ist die Konzentration der Bürohochhäuser so hoch wie nirgendwo sonst in Frankfurt. Im Westend ist vor allem der Straßenzug Bockenheimer Anlage/Taunusanlage/Mainzer Landstraße mit Wolkenkratzern bebaut. Von Ost nach West stehen hier der Park Tower (115 Meter) und der Opernturm (170 Meter) am Opernplatz, die Zwillingstürme der Deutschen Bank (jeweils 155 Meter), das Trianon (186 Meter), das Frankfurter Büro Center (142 Meter), die Westendstraße 1 (208 Meter) und das City-Haus I (142 Meter) am Platz der Republik.
Der Messeturm (257 Meter) auf dem Messegelände, von 1991 bis 1997 das höchste Gebäude in Europa, ist zu einem Wahrzeichen der Stadt geworden. Weitere Hochhäuser in Westend-Süd sind beziehungsweise waren das Westend Gate (159 Meter) und der im Jahr 2014 abgerissene AfE-Turm (116 Meter) der Goethe-Universität.
Infrastruktur Verkehr mini|Einbahnstraßen im Westend, hier die Kreuzung Lessingstraße/Kettenhofweg