Die Sonnenbaulehre ist eine Architekturtheorie, die der Hofrat und Leibarzt Bernhard Christoph Faust aus Bückeburg ab etwa 1824 propagierte.

Kernsatz des Faust’schen Sonnenbausystems

Lehre Die Sonnenbaulehre fordert, dass nicht jeder Bauplatz vom Einzelnen willkürlich genutzt wird, denn

Die Häuser sollen mit ihren Vorderseiten nicht unmittelbar an die Straße, sondern an „freundlichen Rasenplätzen, getreu zur Mittagssonne“, stehen.

Weitere Forderungen:

Gustav Vorherr stellt in der Zeitschrift Allgemeiner Anzeiger der Deutschen vom 5. August 1826 die Frage:Sp. 2319 books.google

Er bezieht sich damit auf den von Xenophon überlieferten Dialog des Sokrates mit Aristipp (J. M. Heinzes Übersetzung von 1784),Xenophons sokratische Denkwürdigkeiten, S. 240 f. books.google in dem es heißt:

Sie beinhalten die Beobachtung des Verfassers, dass in absonnigen Gegenden der Schweiz mehr Cretinen, d. h. verkrüppelte, nervenlahme und mit Kröpfen ausgestattete Menschen zu finden seien. Diese Erkenntnis führte ihn auch dazu, mit seiner Zimmergymnastik eine allgemeine Bewegungstherapie sowie regelmäßige Besonnung zu fordern, Arnd Krüger: Geschichte der Bewegungstherapie. In: Präventivmedizin. Springer Loseblatt Sammlung, Heidelberg 1999, 07.06, 1–22. welche, wie sechzig Jahre später nachgewiesen wurde, für die Bildung des lebenswichtigen Vitamin D unerlässlich ist.

Umsetzung Die Münchner Sonnenstraße erhielt ihren heutigen Namen 1812, da ihr Verlauf nach dem Konzept der Sonnenbaulehre ausgerichtet ist.

Es wird erwähnt, dass noch König Max Joseph von Bayern am 14. Juli 1824 für den Isarkreis eine Verfügung erließ, die Gebäude nach der Sonnenstellung auszurichten.

Der bayerische König Ludwig I. wird erwähnt, weil er mit Beispiel voranging und seine jetzige Wohnung in einem edlen Styl mit der Hauptseite zur Sonne erbauen ließ. Gemeint ist der Königsbau der Münchner Residenz. Im Monatsblatt für Bauwesen und Landesverschönerung Nr. 7 vom Juli 1826 findet sich von Gustav Vorherr eine erneute Aufforderung zum Sonnenbau. Er bezieht sich hierbei auf den ersten Teil der Ausgewählten Schriften von Heinrich Zschokke (Aarau 1825 S. 128–130).

Literatur B. Ch. Faust: Andeutungen über das Bauen der Häuser und Städte zur Sonne, Hahn’sche Hofbuchhandlung, Hannover 1829 B. Ch. Faust: Zur Sonne nach Mittag sollten alle Häuser der Menschen gerichtet seyn. Bruchstücke als Handschrift gedruckt B. Ch. Faust: Beytrag zum Bauwesen, Bückeburg 1830

Fußnoten

Kategorie:Architekturtheorie Kategorie:Belichtung (Architektur)